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Alt 11.05.2012, 06:09   #1
GWF Team
Gehirnerschütterung
 
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Der harte Weg zum Profiwrestler – Bericht zur GWF-Wrestlingschule in Dresden


Felix Grohmann besuchte die Wrestlingschule in Dresden, die seit Beginn des Jahres unter Federführung vom Axeman geleitet wird. Für print- das Onlinemagazin der Journalistik-Studierenden an der Fachhochschule Hannover fasste er seine Erfahrungen beim Besuch zusammen. Alle Wrestlingfans, die selber einmal in den Ring steigen wollen, sind gerne in die Trainingsschule in der Dresdner Neustadt eingeladen. Das Wrestlingtraining findet hier sonntags in der Zeit von 12 Uhr und 16 Uhr in der Turnhalle Fischhausstraße 12 B statt. Die Trainingshalle ist via Straßenbahnlinie 11 (Angelikastrasse) oder mit der Buslinie 64 (Böhmerstraße) zu erreichen. Bei Interesse meldet euch einfach unter axeman3016@yahoo.de. Axeman kann euch hier gerne alle Fragen zum Wrestlingtraining in der Dresdner GWF-Wrestlingschule beantworten.

Die goldenen Zeiten des Catchens liegen lange zurück. In den letzten Jahren erfreut sich Wrestling jedoch wieder steigender Beliebtheit. Der Traum vom Profi erfordert bedingungslosen Einsatz.

Die Schulsporthalle ist idyllisch gelegen inmitten eines kleinen Waldgebietes nahe der Dresdner Neustadt. Leise ist das Zwitschern der Vögel in den Bäumen zu hören. Diese sind aber kaum zu erkennen, da die Jalousien vor allen Fenstern die Sicht nach Außen stark einschränken. Innen ist die Halle hell erleuchtet. Helles Holz täfelt die Wände. Entlang der Längsseite gegenüber der Fensterfront stehen flache Holzbänke, beinahe komplett bedeckt mit Wasserflaschen, Handtüchern, Sporttaschen, Verbandrollen und Schuhen. Leise Gespräche kommen vom hinteren Teil der Halle. An der Wand nebeneinander aufgreiht liegen blaue Turnmatten. Auf ihnen dehnen sich sechs junge Männer. Dabei berühren sie nur mit Kopf und Fußspitzen den Boden, während sie einen Rundrücken bilden. Langsam schieben sie sich vor und zurück, so dass ihr Gewicht auf dem Kopf abgerollt wird. Dies stärkt die Nackenmuskulatur. Alle tragen Trainingshosen, T-Shirts und Sportschuhe, einige auch Schoner an Knien und Ellbogen. Schon eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn bereiten sie sich selbstständig auf das bevorstehende Wrestlingtraining vor.

Unter ihnen ist auch der 19-Jährige Benjamin Agsten, Benny genannt. Der Chemnitzer gehört seit einigen Monaten zur Trainingsgruppe. Zum Wrestling kam er, wie fast alle anderen auch, durch Fernsehsendungen des Marktführers World Wrestling Entertainment (WWE). Fasziniert von seinem Idol, dem legendären “Undertaker” erfuhr er vor einem Jahr von der Möglichkeit, selbst Wrestling zu erlernen. Gemeinsam mit seinen Mitschülern eifert er nun seinen Vorbildern nach. Sie alle wollen sich eines Tages ihren Traum zu erfüllen und als Profiwrestler arbeiten. In der Dresdner Schule der German Wrestling Federation, kurz GWF, werden sie dafür professionell ausgebildet. Axel Tischer, selbst erfahrener Wrestler im Berliner Hauptsitz der GWF, ist für die Einheiten verantwortlich. Gemeinsam mit Markus Cetin alias Rick Baxxter, einem ehemaligen Wrestler und Mitstreiter, leitet er das Training.

Respekt, Teamgeist und Durchhaltevermögen

Zum eigentlichen Trainingsstart treten alle zwölf Schüler in einer Reihe vor den Trainern an. Die gemeinsame Begrüßung eröffnet jede Übungseinheit. Dem Erfahrungsstand nach sortiert stehen die Jungs auf den Matten. Wer neu hinzu kommt, stellt sich hinten an. Benny ist noch relativ frisch in der Gruppe. Mit steigender Erfahrung kann er sich aber später nach oben arbeiten. Einer seiner Mitschüler hat entgegen der Anweisungen in der Nacht zuvor lang gefeiert und wirkt nun entsprechend müde. Während Tischer lautstark an die Verantwortung im Leben eines professionellen Wrestlers appelliert, herrscht betretene Stille in den Reihen der Trainierenden. Alle hören konzentriert auf die wütenden Worte, denn Respekt und Vertrauen in den Trainer sind hier das A und O.

Es folgt das obligatorische Warm-Up. Neben der eigentlichen Erwärmung dient es auch dem mentalen Training. Das Durchhaltevermögen soll getestet werden, in dem jeder einzelne Schüler an seine körperlichen Grenzen geht. Dafür sind in der Halle nun zehn Stationen aufgebaut, an denen ein Zirkeltraining absolviert werden muss. In einer Ecke der Turnhalle hält ein Sportler das Ende einer langen Holzbank in seinen Händen, während das andere Ende den Boden berührt. Unter angestrengtem Keuchen hievt er die Bank wiederholend nach oben. Danach lässt er sie weder absinken und beginnt von vorn. Benny übt derweil Wrestlingrollen. Ohne zu stoppen rollt er dabei über die Schulter vorwärts, dreht sich und rollt zurück. Das hohe Tempo, dass er dabei anschlägt, verlangt ihm alles ab. “Diagonal rollen, Benny!”, ermahnt ihn Cetin, als er beinahe von der Matte kullert. Umgeben von den Stationen steht Tischer mit einer Stoppuhr in der Hand. “Noch 30 Sekunden!”, ruft er durch die Halle. Jede Station muss eine Minute lang trainiert werden. Dann folgt nach kurzer Pause der Wechsel und alle rotieren eine Station weiter.
Nachdem alle Übungen durchlaufen sind, geben die Trainer 25 Minuten Pause, die die Schüler selbst nutzen. Nach den physischen Strapazen stärken sie sich mit Vollkornbrot und Wasser, denn ohne die richtige Ernährung nützt auch das beste Training nichts. Zehn Minuten später finden sich alle zum gemeinsamen Dehnen zusammen.

Potenzielle Verletzungen ausblenden

Jeder führt eine Übung vor, die danach gemeinsam wiederholt wird. Allerdings fehlt ein Mitglied der Gruppe. Ilja, einer der Erfahrensten läuft in die Kabine, um nach dem übermüdeten Mitschüler zu sehen, der nach dem Zirkeltraining verschwunden war. Nach der durchzechten Nacht und dem harten Aufwärmprogramm zahlt er nun den Preis und muss brechen. “Das ist während eines Wrestlingtrainings nicht ungewöhnlich”, meint Benny. “So lotet man seine Grenzen schließlich erst richtig aus.” Mit einem ordentlichen Kater ist es dann geradezu vorprogrammiert, sich zu übergeben.

Nach einem Nahdistanzwrestling, bei dem Halte- und Aufgabegriffe sowie zugehörige Konter geprobt wurden, üben Benny und seine Kollegen einzelne Wrestlingaktionen. Immer in Zweierpaaren werden zwei mal zwei Meter große Mattenquadrate gelegt und anschließend Würfe trainiert. Benny versucht sich gerade an einem typischen Suplex. Dabei legt er die linke Hand um den Hals seines Gegenübers, der vornübergebeugt vor ihm steht. Mit der rechten Hand packt er ihn am Hosenbund und hebt ihn nach oben. Kurz hängt sein Gegner kopfüber in der Luft, dann lässt ihn Benny mit dem Rücken voran dumpf knallend auf die Matte fallen. Die richtige Falltechnik und die korrekte Ausführung solcher Würfe sind enorm wichtig, um Verletzungen zu vermeiden. “Wenn man über sowas nachdenkt, dann verletzt man sich erst recht.”, meint Benny nach der Übung. “Ich versuche einfach, die Aktionen sauber auszuführen und nicht darüber nachzudenken.” Doch auch ohne Verletzungen sind Nehmerqualitäten gefragt, denn auch mit der richtigen Technik schmerzen solche Stürze.

Gelernte Trainingsinhalte anwenden

Zum Ende des Trainings sollen in freien Kämpfen alle Elemente der Einheit kombiniert werden. Dafür wird ein improvisierter Ring aufgebaut. Die Grundfläche bilden dicke Sport- und Hochsprungmatten. Oben auf liegen Bodenturnmatten und sorgen für eine ebene Fläche, etwa 50 Zentimeter hoch. Zwei Seiten werden von den Holzwänden der Halle begrenzt, entlang den anderen Seiten haben sich die Schüler aufgestellt. Es wird eins gegen eins gekämpft bis einer der Trainer “Stop!” ruft. Nach jedem Duell gibt es eine kurze Rückmeldung von Tischer zum Leistungsvermögen der Kontrahenten. Er wrestlet selbst seit über zehn Jahren unter seinem Kampfnamen “Axeman” und hat sich in der deutschen Szene längst etabliert. Nun sitzt er locker auf dem Mattenrand und inspiziert Benny, der sich als nächstes mit Ilja misst. Dieser trainiert schon recht lang. Er ist etwa 1,70 cm groß, hat blonde Haare und einen muskulösen Oberkörper. Seine roten Knieschoner, die kurze schwarze Hose und dazu passende Ringerstiefel lassen ihn schon sehr professionell wirken. Was technisches Können und Erfahrung anbelangt, kann Benny noch nicht mithalten. Er ist Ilja deutlich unterlegen, muss eine Menge einstecken. Trocken kommentiert der Trainer: “Wenn der Zug kommt, sollte man nicht auf den Gleisen stehen!” Künftig will sich Benny natürlich nicht überrollen lassen.

“Neben der Leidenschaft für den Sport ist besonders Disziplin wichtig, um dranzubleiben”, sagt er nach dem Training. Das bedeutet auch, solche Rückschläge wegzustecken. Nur dann kann man die Fortschritte erzielen, die man sich vornimmt. Entkräftet und erschöpft, aber zufrieden treten die Schüler einige Minuten später aus der Halle hinaus in die beschauliche Natur. Sie ist das Sinnbild für ihren Traum vom Profiwrestler. Mit jedem Trainingssturz und jeder zugezogenen Blessur kommen sie ihm wieder etwas näher.
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Stichworte
dresden, sachsen, schule, training, wrestling
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