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Alt 10.09.2022, 22:39   #1126
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Zitat:
Zitat von S C H Beitrag anzeigen
Angeblich sitzt Denis Pushylin, Führer der sogenannten Volksrepublik Donezk, schon im Auto Richtung russischer Grenze und hat um seine Entlassung gebeten. Die Entlassung wird gerade durch die ukrainischen Streitkräfte bearbeitet.
Da findet sich doch bestimmt ein lauschiges Plätzchen in einem Gulag von Putins Wahl.
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Alt 10.09.2022, 23:47   #1127
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Gerade gelesen, dass nicht nur Panzerhaubitzen 2000 und MARS II an der Gegenoffensive in der Region Charkiw beteiligt sind. Da ist noch ein anderes Fahrzeug dabei - zum Schutz der ukrainischen Soldaten vor russischen Drohnen, Flugzeugen, Hubschraubern und Raketen. Flugabwehrkanonenpanzer Gepard.

https://twitter.com/RALee85/status/1568585600046858241
Zitat:
"Eine Quelle des ukrainischen Militärgeheimdienstes sagt, dass der Erfolg der Offensive von den von den Amerikanern gelieferten HARM-Raketen abhing. ... Sie stützte sich auch auf Boden-Luft-Systeme, die russische Flugzeuge bedrohten: Ukrainische Quellen nennen vor allem den deutschen Gepard."
https://twitter.com/gepardtatze/stat...86232366800896
Zitat:
Da es nun von den Ukrainern raus ist: Die Flakpanzer Gepard stehen im Einsatz und sind an der Gegenoffensive beteiligt. War klar, dass eine so gefährliche Waffe nach vorne gezogen wird. Die Luftwaffe macht im Moment dadurch keinen Stich. Ukrainischer Militärgeheimdienst hebt den Gepard "major player" hervor.
Ich wusste es schon vorher, habe aber dazu nichts gesagt und gewartet bis von den Ukrainern was kommt.
Als im Juni gesagt wurde, dass die Geparden nur "wichtige Infrastruktur" schützen soll, hatte ich ja schon geschrieben, dass das nur solange sein wird bis eine wichtige Gegenoffensive stattfinden wird. Denn dann werden die ganz schnell nach vorne geholt.
Es gab sogar Anfang August ein Erklärvideo auf ukrainisch, damit die Ukrainer wissen, was da aus Deutschland in ihr Land geliefert wird.

Geändert von CM Punkomaniac (11.09.2022 um 00:19 Uhr).
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Alt 11.09.2022, 00:06   #1128
Der Zerquetscher
Moderator
 
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Dass Geparden nur "wichtige Infrastruktur " schützen sollen, klingt so bekloppt, dass einem Menschen vom Fach Angst und Bange wird, was für Pfeifen da militärische Themen diskutieren. Ähnlich der Diskussion, ob der Gepard nun ein Panzer ist oder nicht.
__________________
"Nachtbesucher" - erschienen im Audioparadies-Verlag, gelesen von Hajo Mans: Hörprobe
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Alt 11.09.2022, 00:14   #1129
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Ich gehe schwer davon aus, dass sowohl das deutsche Verteidigungsministerium als auch die ukrainische Seite genau wussten, wofür die Panzer in die Ukraine geschickt werden: für alles mögliche. Jetzt sind sie in der Ukraine, leider kein Rückruf möglich, auch wenn es auf AfD- und Linkspartei-Demonstrationen gefordert werden sollte.
Ich glaube, es war einfach eine glatte Notlüge von deutscher und ukrainischer Seite gleichermaßen, damit der deutsche Michel und die deutsche Erna nachts gut schlafen können, weil die Panzer sowieso nur an Gebäuden stehen und verstauben und niemals nicht auch nur ein einziger russischer Soldat auch nur von einem Geschoss gestreift wird. Ja, Michel und Erna, deutsche Waffen in ukrainischen Verteidigungshänden töten russische Angreifer. Guten Morgen.

Geändert von CM Punkomaniac (11.09.2022 um 00:33 Uhr).
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Alt 11.09.2022, 21:41   #1130
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Keine gute Stimmung im Kreml.

«Полный крах»: Путин отменил совещание с генералами после крупнейшего поражения армии с начала войны
Zitat:
Wladimir Putin, der seit Beginn des Krieges in der Ukraine zweimal den Befehlshaber gewechselt hat, will seine Generäle nicht mehr sehen. Der Präsident verschob sein Treffen mit der Führung des Verteidigungsministeriums in Sotschi, nachdem die Armee in der Region Charkiw die größte Niederlage seit Kriegsbeginn erlitten hatte.

Den ukrainischen Streitkräften sei es gelungen, innerhalb einer Woche 3.000 Quadratkilometer zurückzuerobern, sagte der ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj am Sonntag. Nach dem Durchbruch durch die Front verließ die russische Armee innerhalb weniger Tage das Gebiet, das sie etwa drei Monate lang unter Tausenden von Opfern erobert hatte.
[...]
Hier ist General Walerij Saluschnyj , wie er ein Herz Richtung Bevölkerung macht. Nein, kein Fake, sondern Fakt. Das Foto ist von diesem Jahr kurz vorm russischen Überfall.
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Alt 11.09.2022, 21:52   #1131
Goldberg070
Moderator
 
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Die Frage ist, wie es weitergehen wird? Wird das die Russen dazu bewegen aufzuhören oder wird es nur noch schlimmer und Putin enraged und drückt den roten Knopf für nukleare Sprengköpfe und was dann?
__________________
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Alt 11.09.2022, 22:07   #1132
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Zitat:
Zitat von Goldberg070 Beitrag anzeigen
Die Frage ist, wie es weitergehen wird? Wird das die Russen dazu bewegen aufzuhören oder wird es nur noch schlimmer und Putin enraged und drückt den roten Knopf für nukleare Sprengköpfe und was dann?
Letzteres wird er auf keinen Fall tun. Stattdessen stellte Außenminister Lawrow eine Rückkehr an den Verhandlungstisch in Aussicht. Putins Zeit läuft langsam aber sicher ab. Davon bin ich überzeugt.
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Alt 11.09.2022, 22:08   #1133
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Das wird Russland weder bewegen aufzuhören, noch wird Putin den roten Knopf drücken.
Russland wird, glaube ich, jetzt kurzfristig versuchen, weiter hinten im besetzten Gebiet die Abwehrmaßnahmen zu verstärken und versuchen, dort Truppen anzuhäufen. Ob das mittelfristig reicht bzw. ob das in diesem Wirrwarr überhaupt noch gewinnbringend möglich ist, wird man sehen.
Die NATO und Russland wissen von ihren jeweiligen Atomwaffenstrategien. Garantiert auch die Ukraine. Das sind akribisch ausgearbeitete Pläne. Davon wird nicht abgewichen. Und nein, davon wird echt und tatsächlich nicht abgewichen. Auch in Russland gibt es Sicherheitsmechanismen, die nicht einfach ausgesetzt werden können. "Aber es stand auch nirgendwo, dass Russland in die Ukraine einmarschiert" - nein, das stand nirgendwo, aber dieser Vergleich macht keinen Sinn. Konventioneller Krieg und atomarer Krieg sind zwei paar Schuhe.

Damit möchte ich aber deine Sorgen nicht ins lächerliche ziehen, Goldberg! Hörst du? Für die Sorge gibt es nur weiterhin keine faktische Grundlage.

Edit:

Und das hier passiert.

Кремль «поставил на стоп» референдумы о «присоединении» оккупированных территорий к России, утверждают источники «Медузы» Их «отложили на неопределенный срок» из-за успешного украинского контрнаступления
Zitat:
Zwei dem Kreml nahestehenden Quellen von Meduza zufolge haben die russischen Behörden die Referenden über den "Beitritt zu Russland" der selbsternannten Volksrepublik Luhansk und Volksrepublik Donezk sowie der besetzten Gebiete der ukrainischen Regionen Saporischschja, Charkiw und Cherson - in denen die russischen Behörden zuvor jeweils eine sogenannte militärisch-zivile Verwaltung gebildet hatten - auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Quellen von Meduza erklärten, der einzige Grund für diese Entscheidung sei die erfolgreiche Gegenoffensive der ukrainischen Truppen in Charkiw. Die Quellen betonten, dass die dem Kreml nahestehenden Politologen, die in den Regionen Charkiw und Saporischschja arbeiteten, bereits nach Russland zurückgerufen worden seien: "Alle verlassen eilig das Gebiet. Es gibt einen Befehl, nach Hause zu gehen." In der Region Cherson sind die russischen Politologen, die das Referendum vorbereitet haben, noch immer vor Ort.
[...]

Geändert von CM Punkomaniac (12.09.2022 um 06:03 Uhr).
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Alt 12.09.2022, 01:17   #1134
S C H
Schädelbasisbruch
 
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Beiträge: 4.760
Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Keine gute Stimmung im Kreml.
Stimmung im russischen Fernsehen wird auch nicht besser. Dem ein oder anderen dämmert es langsam was los ist. Der letzte Satz kam unerwartet.
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Alt 12.09.2022, 06:01   #1135
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Karte der Ukraine.

Region Charkiw

Region Cherson
Schaut euch das an.

https://twitter.com/StankoNastya/sta...69772729454592
Zitat:
Das Dorf Strilecha an der Grenze zu Russland - befreit von der Charkiwer Territorialverteidigung.
https://twitter.com/Militarylandnet/...06790838308865
Zitat:
Die ukrainischen Truppen haben in der Region Charkiw die Grenze zu Russland erreicht.
An der ukrainisch-russischen Grenze haben ukrainische Soldaten gestern die Grenzschranke wieder runtergemacht und ein 'Stop!'-Verkehrsschild hingehängt.

https://twitter.com/Beltrew/status/1568979952422293505
Zitat:
Die kürzlich befreite Region Charkiw sieht aus wie ein russischer Panzerfriedhof. In ukrainischen Telegram-Gruppen kursieren Videos und Fotos, die genau dieses Bild zeigen.
https://twitter.com/Rebel44CZ/status...79250246062080
Zitat:
Übersicht der russischen Ausrüstungsverluste hinzugefügt am 11/09/2022. Heute war ein absolut verrückter Tag. 102 neue Einträge insgesamt!!!
https://twitter.com/bayraktar_1love/...80355444985861
Zitat:
95/102 erbeutet.
https://twitter.com/oryxspioenkop/st...80107771527168
Zitat:
24 Kampfpanzer and 26 Schützenpanzer.
Russland hat anscheinend seit letzter Woche Mittwoch keine Gruppen, Züge oder Kompanien, sondern ganze Bataillone an Kampfpanzern, Schützenpanzern, Panzerhaubitzen, gepanzerten Mannschaftstransportern und Versorgungsfahrzeugen verloren/zurückgelassen. Dutzende T72-Kampfpanzer, Standardpanzer des Heeres, intakt. Unglaublich. Russland ist einer der größten Waffenlieferanten der ukrainischen Streitkräfte, wenn nicht sogar der größte.

https://twitter.com/JimmySecUK/statu...68826959843330
Zitat:
Die Traktoren sind zurück!!! ������


Zitat:
Zitat von S C H Beitrag anzeigen
Stimmung im russischen Fernsehen wird auch nicht besser. Dem ein oder anderen dämmert es langsam was los ist. Der letzte Satz kam unerwartet.
Die russische Politik, das russische Militär und Teile der russischen Bevölkerung machen es ihrem eigenen Land auch nicht leichter.

https://twitter.com/christogrozev/st...23654121332736
Zitat:
Laut russischen Telegram-Kanälen wurden (mindestens) zwei Kraftwerke - in Charkiw und Krementschuk - mit Präzisionsraketen getroffen. Die Reaktion in den Foren? Totales Delirium. Allgegenwärtige Freude über ein eindeutiges Kriegsverbrechen.
https://twitter.com/netblocks/status...56284720209921
Zitat:
Der russische Angriff auf das Heizkraftwerk TEC-5 in der Region Charkiw hat auch in anderen Regionen der Ukraine, darunter in Donezk und Sumy, zu einer Unterbrechung der Stromversorgung geführt, so dass die meisten Bewohner trotz der teilweisen Wiederherstellung der Stromversorgung in einigen Städten laut Live-Netztelemetrie noch von der Versorgung abgeschnitten sind.
https://twitter.com/NikaMelkozerova/...84811800625152
Zitat:
1 Kalibr-Marschflugkörper kostet 6,5 Millionen Dollar. Ein X-101-Marschflugkörper kostet 13 Millionen Dollar. Heute feuerte Russland 11 solcher Marschflugkörper ab, um die Stromversorgung in einigen ukrainischen Regionen für mehrere Stunden zu unterbrechen. Die Russen bejubeln diesen Schritt mit großer Freude. Die Strom- und Wasserversorgung wurde wieder hergestellt.
https://twitter.com/christogrozev/st...44030272454663
Zitat:
Selenskyj an Russland, heute Abend...
Zitat:
"Glaubst du immer noch, dass wir ein gemeinsames Volk sind? Glaubst du immer noch, du kannst uns Angst machen, uns brechen, uns zu Zugeständnissen zwingen? Hast du es wirklich nicht verstanden? Verstehst du nicht, wer wir sind? Wofür wir stehen? Worum es uns geht?
Lies es von meinen Lippen ab: Ohne Gas oder ohne dich? Ohne dich. Ohne Licht oder ohne dich? Ohne dich. Ohne Wasser oder ohne dich? Ohne dich. Ohne Nahrung oder ohne dich? Ohne dich.
Kälte, Hunger, Dunkelheit und Durst sind für uns nicht so beängstigend und tödlich wie deine Freundschaft und Brüderlichkeit. Aber die Geschichte wird alles an seinen Platz setzen. Und wir werden mit Gas, Licht, Wasser und Nahrung sein... und OHNE DICH!"

Geändert von CM Punkomaniac (12.09.2022 um 06:22 Uhr).
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Alt 13.09.2022, 17:16   #1136
Goldberg070
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n-tv hat einen interessanten Artikel zum Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, veröffentlicht.
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Alt 13.09.2022, 17:56   #1137
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Mehrere Kommunalpolitiker in Moskau und St. Petersburg fordern öffentlich Putins Rücktritt.

Wenig überraschend, droht diesen Leuten zwar jetzt ein Strafverfahren, aber die Saat des Zweifels keimt und gedeiht immer weiter.
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Alt 13.09.2022, 23:39   #1138
S C H
Schädelbasisbruch
 
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Beiträge: 4.760
Hat eine Yacht eigentlich Fenster? Iwan Peschorin, Geschäftsführer der Far East and Arctic Development Corporation (ERDC) und somit der Leiter für die Erschließung der Bodenschätze in den arktischen Gebieten Russlands, fällt von seiner Yacht und stirbt.
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Alt 14.09.2022, 06:00   #1139
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Europäische und nordamerikanische Reporter/innen sind nach der Befreiung von Balaklija vor Ort. Jetzt kommt die andere Seite des russischen Angriffskrieges wieder in die Schlagzeilen zurück: die Zeit der russischen Besatzung.

https://twitter.com/MrOlmos/status/1569828814963744768
Zitat:
Der Telegraph sah einige Beweise für Brutalität und Gräueltaten, die an Butscha und andere Städte außerhalb Kyivs erinnern, wenn auch nicht in demselben Ausmaß. Aber nur fünf Tage nach der russischen Besetzung stehen die Ermittler erst am Anfang ihrer Arbeit.
https://twitter.com/MrOlmos/status/1569704124844761091
Zitat:
Die Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in Balaklija haben bereits begonnen. Zwei Leichen wurden in der Nähe eines russischen Kontrollpunkts vergraben gefunden.
https://twitter.com/MrOlmos/status/1569836411334836224
Zitat:
"Es war sehr schlimm während der Besatzung", sagt ein Mann in Verbivka. "Aber wir hofften das Beste und glaubten an unser Land und an unsere Soldaten, dass sie kommen würden, um uns zu befreien, und das taten sie auch."
https://twitter.com/MrOlmos/status/1569837468970614786
Zitat:
"Oh Gott, sie haben alles bombardiert, Häuser, alles", sagt eine Frau. "Dann fingen sie an zu rennen, sich zu verstecken, es gab keine Fahrräder, keine Autos. Sie haben Autos gestohlen, geplündert. Meine Tochter und meine Enkelin leben in Balaklija und dort haben sie alles bombardiert, alles gestohlen."
https://twitter.com/MrOlmos/status/1569842234828242944
Zitat:
6 Monate lang lebte sie in Angst, sagt eine Frau. Zunächst in einem Keller, wo sie und ihr 3-jähriger Enkel einen Monat lang Zuflucht fanden, als die russischen Streitkräfte im Frühjahr einmarschierten. Dann, im Sommer, in ihrem Garten, wo sie versuchte, die Lebensmittel anzubauen, die aus den Geschäften verschwunden waren.
Zitat:
Artem erzählt, dass er 46 Tage lang von Russen gefangen gehalten wurde, nachdem sie bei der Durchsuchung seiner Wohnung ein Foto seines Bruders in der ukrainischen Armee entdeckt hatten. "Sie beschlossen, dass ich auch etwas mit der Armee zu tun hatte", sagt Artem. Nach 46 Tagen folterten sie ihn dann. Artem erzählt, dass er von den russischen Streitkräften verhört wurde, während er die Kabel eines Generators festhalten musste. "Sie fragten mich, wer mein Bruder sei und was er mache." Selbst als er den Stromschlag erhielt, konnte er Schreie aus anderen Räumen hören.
https://twitter.com/MrOlmos/status/1569855161908236290
Zitat:
Eine Arrestzelle in der Polizeistation Balaklija. Die Ermittler sagen, dass die russischen Streitkräfte den Keller der Polizeistation als Folterkammer genutzt haben.
https://twitter.com/alanna_smithh/st...04839730692096
Zitat:
"Ich möchte Putin fragen: 'Warum hat er meinen Sohn getötet? Warum hat er seine Leute mit all ihren furchterregenden Waffen hierher gebracht?'", sagte Valentina Shepel, nachdem sie die Leiche ihres Sohnes Pjotr identifiziert hatte. "Warum hat ihn noch niemand aufgehalten?"
https://twitter.com/markmackinnon/st...42989379514368
Zitat:
Im befreiten Balaklija weisen eine zerstörte Schule, am Stadtrand vergrabene Leichen und ein Verhörraum, der als Folterkammer bezeichnet wird, auf die gewaltsame Herrschaft Russlands hin. "Es war ein Albtraum, schlimmer hätte es nicht sein können."
Ich verweiße noch einmal auf Mariupol.

Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Weil Mariupol aus den Schlagzeilen verschwunden ist und bei europäischen und nordamerikanischen Nachrichtenagenturen sowie der Gesellschaft irgendwie 'abgehakt' und aus den Augen, aus dem Sinn ist. Wenn die ukrainischen Gegenangriffe erfolgreich sein sollten und die Ukraine vielleicht irgendwann in der Zukunft in der Lage ist, Mariupol zu befreien, wird es für manche einen Schock geben, wenn die europäischen und nordamerikanischen Nachrichtenagenturen den Fokus wieder auf das 'abgehakte' Mariupol legen werden. Damit ihr nicht später geschockt sein müsst.

https://dnipro.tv/dumka-eksperta/myk...ochatku-viiny/

Mindestens 87.000 durch Leichenhäuser identifizierte Tote, mindestens 27.650 noch nicht identifizierte Tote. Mariupol hatte Ende 2021 cirka 432.000 Einwohner. 1/5 bis 1/4 der Menschen in der Stadt wurde durch den russischen Angriffskrieg vernichtet.
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Alt 14.09.2022, 15:46   #1140
Baptist Ziergiebel
Rippenprellung
 
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Beiträge: 149
Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass Russland diesen Krieg nicht mehr gewinnen wird und die Ukraine mittelfristig ihre volle Souveränität wieder herstellt. Für Russland bedeutet das massive Verluste an Menschen und militärischem Material, starke wirtschaftliche Einbußen, außenpolitisch einen immensen Einflußverlust, innenpolitisch bei Beseitigung Putins eine Zunahme an Instabilität.

Was können die Folgen sein? Ich glaube z.B. nicht, dass Weißrussland seiner bisherigen Linie weiter so folgen kann. Fällt Putin, ist Lukaschenko der nächste, nach den innenpolitischen Spannungen der letzten Jahre und der Unterstützung für die Russen im Krieg ist der dann nicht mehr haltbar. Hier sehe ich längerfristig die Tendenz Richtung EU.

Apropos EU. Putin als sich auf Desorganisation verstehender KGB-Abkömmling hat ja zahlreiche nationalistische und den EU-Gedanken unterhöhlende Parteien und Gruppierungen stark finanziell gefördert und am Leben erhalten. Sollte das in Zukunft ausfallen, ist das ein Gewinn für uns alle.

In der Kaukasusregion als ewigem Unruheherd sieht man angesichts der neuen Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien schon, wohin die Reise dort gehen kann, Russland als sog. Schutzmacht für Armenien fällt aktuell aus. Georgien mit seinen abtrünnigen Landesteilen, Tschetchenien mit diesem Verbrecher Kadyrov an der Spitze sind weitere Unruhequellen. Hier denke ich MUSS der Westen, bevorzugt die EU, wesentlich stärker aktiv werden, Ruhe in dieser Region ist auch und gerade für Europa von hoher Wichtigkeit. Ein EU-Beitritt Georgiens, so hypothetisch das aktuell auch noch scheinen mag, könnte etwa dazu beitragen, die Probleme mit Abchasien und Südossetien zu entschärfen.

Der Umgang mit Kasachstan als weiterer russischer Anrainer ist ebenfalls von hoher Bedeutung, wie generell die Eurasische Wirtschaftsunion, in der Russland maßgeblich bisher den Ton angibt. Die letzten Unruhen in Kasachstan wurden unter dem Eindruck russischer Einheiten "befriedet". Fallen die zukünftig weg, können sich Unruhen wie vom Januar 2022 schon mal zu Bürgerkriegen ausweiten, auch im Rahmen ausländischer Einflußnahme. Chinesen und Türken scharren schon mit den Hufen; hier darf der Westen nach dem idiotischen Abzug aus Afghanistan nicht den nächsten Fehler machen, sondern muß mehr investieren. Die USA sind eifrig dabei, die EU muß folgen.

Was mich mich zur Türkei bringt, die bzw. ihre Führungsspitze um Erdogan ich mittlerweile als echten Problemfall sehe. "Für die Ukraine, aber nicht gegen Russland" nutzt dieser Opportunist den Krieg gegen die Ukraine aus, um sich außenpolitisch zu profilieren, und verkauft dies zu Hause, von der miserablen Lage dort ablenkend, als Erfolg, wenn er die Sanktionen unterläuft. Das aktuelle Waffenrasseln gegen Griechenland tut ein übriges. Erdogan ist ein Putin türkischer Prägung und nutzt seine Unangreifbarkeit durch die NATO-Mitgliedschaft, um eigene Süpplein zu kochen.

Im Falle einer Niederlage Russlands werden also sehr viele Karten in Eurasien neu gemischt. Man kann nur hoffen, dass die EU im Stande sein wird, auf die richtige Weise einzugreifen. Sonst tun es andere.

Gruß.

Geändert von Baptist Ziergiebel (14.09.2022 um 15:49 Uhr).
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Alt 14.09.2022, 20:08   #1141
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Der Verlust an militärischem Material aufseiten Russlands in den letzten Tagen ist wirklich unglaublich.

https://twitter.com/kromark/status/1569395756481806337
Zitat:
Soldaten des 1. motorisierten Schützenregiments, das zur russischen Eliteeinheit 2. motorisierten Garde-Schützendivision (Kalininez, Region Moskau) gehört, waren in Isjum stationiert und baten ihren Kommandeur am 30. August massiv um ihre Entlassung. Jeder dort wusste, was passieren würde. Dieses Regiment nimmt von Anfang an an der Invasion teil und hat Dutzende von bestätigten Kriegsgefangenen und Gott weiß wie viele Gefallene.
https://twitter.com/oryxspioenkop/st...09013675630594
Zitat:
Russland hat in den letzten sieben Tagen nachweislich 101 Panzer verloren.
https://twitter.com/Osinttechnical/s...19454934065155
Zitat:
Verlust von über 100 Kampfpanzern, 48 gepanzerten Kampffahrzeugen, 146 Schützenpanzern und 13 bewaffneten Mannschaftstransportern in einem absolut koordinierten, strategischen Rückzug.
https://twitter.com/RealCynicalFox/s...49343728541702
Zitat:
Die Zahl der bei dem Sturmangriff auf Charkiw erbeuteten Ausrüstungsgegenstände steigt weiter an. Dies dürfte das einzige Mal in der jüngeren Vergangenheit gewesen sein, dass sich eine große konventionelle Armee vor Ort aus erbeuteten Ausrüstungsbeständen aller Art versorgen kann, die sich aus Plattformen zusammensetzen, die bereits von den eigenen Streitkräften genutzt werden.
Und es sieht so aus, dass die 1. Garde-Panzerarmee nicht mehr existiert. Die hatte schon im März schwere Verluste erlitten. Die 1. Garde-Panzerarmee war ein Elite-Verband und eigentlich für einen möglichen Kriegsfall mit der NATO gedacht. Jetzt ist sie anscheinend durch zerstörte und intakt zurückgelassene Kampfpanzer und andere Fahrzeuge vollständig aufgelöst.

https://twitter.com/JuliaDavisNews/s...70269191229440
Zitat:
"Sind wir die Bösen?"-Moment im russischen Fernsehen: Ein Experte, der auf seine völkermordenden Kollegen antwortet, die behaupten, dass die ukrainische Nationalität und Sprache nicht existieren, merkt plötzlich, dass er sich in Gesellschaft von echten Nazis befindet und sagt: "Das ist klarer Nationalismus".
https://twitter.com/francis_scarr/st...69716356071426
Zitat:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies das erste Mal ist, dass im russischen Fernsehen so etwas während der Invasion gesagt hat. Nach dem Richtungswechsel der Worte zu urteilen, hat Alexander Sladkov wohl vergessen, mit wem er spricht. "Wir verlieren eine enorme Anzahl von Menschen. Wir haben Verwundete. Wir haben.... große Erfolge." Sladkov ist einer der wichtigsten Kriegsberichterstatter des staatlichen Fernsehens.
Das russische Propagandafernsehen kollabiert aktuell ein bisschen.

https://twitter.com/wartranslated/st...97186476466177
Zitat:
Ein russischer Invasor fantasiert gegenüber seiner Frau von unsterblichen ukrainischen Soldaten, die auch nach dem Abfeuern eines vollen Magazins noch weitermachen. Dies geht aus diesem abgehörten Gespräch hervor, das vom ukrainischen Militärgeheimdienst zur Verfügung gestellt wurde.
Russische Soldaten werden langsam verrückt.
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Alt 14.09.2022, 21:15   #1142
S C H
Schädelbasisbruch
 
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Falls jemand die Übersicht verloren hat wieviel Oligarchen dieses Jahr aus dem Fenster gefallen sind oder mit 7 Kopfschüssen Selbstmord verübt haben, es gibt dazu eine Wikipedialiste.
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Alt 14.09.2022, 21:48   #1143
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Beiträge: 4.798
Ich weiß gerade nicht, was kranker ist. Die Menge an Toden unter ungeklärten/verdächtigen Umständen, oder die Tatsache, dass man darüber eine Wikipedia-Seite erstellt.
Riddler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.09.2022, 23:33   #1144
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Viele wissen es zwar, aber man kann es trotzdem nicht oft genug wiederholen: Es ging nicht um die NATO.

Als der Krieg begann, lehnte Putin ein von seinem Berater empfohlenes Friedensabkommen mit der Ukraine ab
Zitat:
Wladimir Putins wichtigster Gesandter für die Ukraine teilte dem russischen Staatschef zu Beginn des Krieges mit, dass er eine vorläufige Vereinbarung mit Kyiv getroffen habe, die Russlands Forderung nach einem Nichteintritt der Ukraine in die NATO erfüllen würde. Putin lehnte diese jedoch ab und setzte seine Militärkampagne fort, wie drei der russischen Führung nahestehende Personen berichten.
Der ukrainischstämmige Gesandte, Dmitrij Kosak, erklärte Putin, dass seiner Meinung nach die von ihm ausgehandelte Vereinbarung eine groß angelegte Besetzung der Ukraine durch Russland überflüssig mache, so die Quellen. Über Kozaks Empfehlung an Putin, das Abkommen anzunehmen, berichtet Reuters zum ersten Mal.
Putin hatte vor dem Krieg wiederholt behauptet, dass sich die NATO und ihre militärische Infrastruktur durch die Aufnahme neuer Mitglieder aus Osteuropa schleichend an die Grenzen Russlands annähern und dass sich das Bündnis nun anschickt, auch die Ukraine in seine Umlaufbahn zu bringen. Putin erklärte öffentlich, dass dies eine existenzielle Bedrohung für Russland darstelle und ihn zu einer Reaktion zwang.
Doch obwohl Putin die Verhandlungen zuvor unterstützt hatte, machte er, als er Kozaks Vorschlag präsentierte, deutlich, dass die von seinem Berater ausgehandelten Zugeständnisse nicht weit genug gingen und dass er seine Ziele auf die Annexion von Teilen des ukrainischen Territoriums ausgedehnt habe, so die Quellen.
[...]
Auf lange Sicht landet die Ukraine wegen des russischen Angriffskrieges in der EU und NATO und ist an der Grenze hochmilitarisiert in Abwehrstellung Richtung Russland ausgerichtet. Weil die Ukraine es will. Glückwunsch, Meisterstratege.

https://twitter.com/francis_scarr/st...02597411045376
Zitat:
Im russischen Staatsfernsehen wird wieder über taktische Atomwaffen gesprochen.

Igor Korotchenko sagt: "Es ist an der Zeit, dass wir Szenarien üben, in denen russische taktische Atomwaffen eingesetzt werden... Wir werden bald ein direktes nukleares Ultimatum von der Nato erhalten."
Nukleare Drohung von der NATO.

https://www.tagesschau.de/ausland/eu...punkt-103.html
Zitat:
[...]
Wie sich die Ukraine die Zeit nach den Kampfhandlungen vorstellt, legte die Führung des Landes in einem Konzept für internationale Sicherheitsgarantien dar.
[...]
Als mögliche Garantiestaaten wurden aufgelistet: die USA, Großbritannien, Kanada, Polen, Italien, Deutschland, Frankreich, Australien, die Türkei sowie die Länder Nordeuropas und des Baltikums. Auch mit den Garantien strebe die Ukraine aber weiter einen Beitritt zur NATO an, hieß es.
[...]
Solche Garantien wären der "Auftakt zum Dritten Weltkrieg", teilte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew auf Telegram mit. Sie kämen der Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 des NATO-Vertrags nahe. Wenn die westlichen Länder versuchten, Russland auf diese Weise zu schwächen, werde bei ihnen selbst "die Erde brennen und der Beton schmelzen", drohte der Vizesekretär des russischen Sicherheitsrates.
Nukleare Drohung vom ehemaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew.

Geändert von CM Punkomaniac (15.09.2022 um 00:16 Uhr).
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Alt 15.09.2022, 06:57   #1145
Der Zerquetscher
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Irre... aber in einer Diktatur völlig normal.
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"Nachtbesucher" - erschienen im Audioparadies-Verlag, gelesen von Hajo Mans: Hörprobe
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Alt 15.09.2022, 08:30   #1146
Nani
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Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Nukleare Drohung von der NATO.
Gab's ja schon reihenweise aus Russland an die NATO-Staaten bzw. -Beitrittsstaaten.

Das ist auch der Grund, wieso ich Baptists Einschätzung sehr gefährlich finde. Russland ist inzwischen so weit entfernt von Weisheit und Menschlichkeit - und Putin so weit von geistiger Gesundheit - dass ich einen nuklearen Erstschlag gegen die Ukraine oder ein anderes europäisches Land für ein realistisches Szenario halte.

Die Geschichte ist voll von Beispielen, dass geisteskranke Versager im Angesicht einer Niederlage lieber alles verbrennen als das Ende einzugestehen.
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Alt 15.09.2022, 10:51   #1147
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Ich habe zwei interessante Threads auf Twitter gefunden. Zwei sehr lange Threads. Aber ich glaube, es lohnt sich.


https://twitter.com/ChrisO_wiki/stat...87890466144261
Zitat:
Was sind die Gründe für Russlands Blyatskrieg, seinen schnellen Zusammenbruch östlich von Charkiw? In diesem Thread werden einige der möglichen tieferen Gründe für die erstaunlichen Erfolge der Ukraine in den letzten Tagen untersucht. Ohne den Heldenmut der ukrainischen Verteidiger in irgendeiner Weise schmälern zu wollen, ist klar, dass die russischen Streitkräfte in der Oblast Charkiw einen massiven moralischen Zusammenbruch erlitten haben. Sie haben Städte kampflos aufgegeben und große Mengen an Ausrüstung zurückgelassen. Ich habe in den letzten Monaten in mehreren Threads über die Kriegserlebnisse russischer Soldaten berichtet und dabei veröffentlichte abgehörte Telefongespräche und persönliche Berichte von Soldaten und ihren Angehörigen verwendet. Die Faktoren haben bereits Tausende russischer Soldaten dazu veranlasst, ihre Verträge zu kündigen und nach Russland zurückzukehren - was sie tun können, da sie dieses Recht in einer offiziell immer noch friedensmäßigen Einrichtung haben. Es handelt sich um eine "spezielle militärische Operation", nicht um einen Krieg. Lassen Sie uns zurückblicken.

Die meisten Teilnehmer der ersten Welle am 24. Februar wussten nicht, dass sie in die Ukraine einmarschieren würden, und viele wussten nicht einmal, dass sie die Grenze überquert hatten, bevor man auf sie zu schießen begann. Eine große Zahl desertierte fast sofort. Putins Propaganda von der "Entnazifizierung und Entmilitarisierung" der Ukraine scheint auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen zu sein. Einige haben es geglaubt, andere - insbesondere nach Gesprächen mit ukrainischen Zivilisten - haben erkannt, dass es sich um eine Lüge handelt. Russlands Ziele haben sich verschoben, waren verworren und unklar, insbesondere nachdem klar wurde, dass ein Sturz der Kiewer Regierung nicht zustande kommen würde. Zu wissen, warum man kämpft, ist für den militärischen Erfolg von grundlegender Bedeutung.

Aus den Berichten der russischen Soldaten geht eindeutig hervor, dass es an persönlicher Motivation mangelt. Die russische Armee besteht zu einem unverhältnismäßig hohen Anteil aus Menschen aus ärmeren Regionen und niedrigeren sozioökonomischen Gruppen - insbesondere aus nicht-russischen ethnischen Minderheiten -, die den Militärdienst als Mittel zum wirtschaftlichen oder sozialen Aufstieg betrachten. Aber die meisten sind nicht eingetreten, um Kriege zu führen. Mit Ausnahme von Tschetschenien haben die militärischen Interventionen Russlands nur wenige oder relativ geringe Opfer gefordert: Transnistrien, Abchasien, Bosnien, Krim, Donbas 2014, Südossetien, Syrien, Kasachstan. Der Militärdienst war sehr gut mit dem Überleben vereinbar - ein wichtiger Faktor. Diese Gleichung ändert sich ganz erheblich in einem Krieg mit sehr hohen Verlusten. Und der Ukraine-Krieg wird nach den derzeitigen Trends wahrscheinlich einer der tödlichsten Kriege der letzten 200 Jahre sein. Dienen hat jetzt eine hohe Wahrscheinlichkeit von Tod oder Verletzung und eine Gewissheit von viel Elend. Aus abgehörten Telefongesprächen und persönlichen Berichten geht hervor, dass die hohen Verluste für die russischen Soldaten sehr demotivierend waren, da einige von ihnen erleben mussten, dass ihre gesamte Einheit ausgelöscht wurde.

Ein ständiger Kritikpunkt war das Fehlen und die schlechte Qualität der Ausrüstung. Panzer kamen Berichten zufolge ohne unverzichtbare Ausrüstung - oder sogar ohne funktionierende Motoren - aus den Depots, Munition war knapp, Erste-Hilfe-Kits waren einfach und Jahrzehnte veraltet, Schutzwesten wurden nicht geliefert. So berichtet der ehemalige Fallschirmjäger Pawel Filatjew - Mitglied einer Eliteeinheit -, dass er mit einem kaputten Maschinengewehr in die Ukraine geschickt wurde, das er selbst reparieren musste. Und dass er keine Schutzweste oder Infanterieausrüstung erhielt - die musste er selbst finden. Viele russische Soldaten mussten ihre eigene Ausrüstung - sogar die neuesten militärischen Funkgeräte - auf eigene Kosten auf Avito, dem russischen Äquivalent zu eBay, kaufen, wo sie wahrscheinlich von korrupten Mitarbeitern der Militärdepots verkauft wurden, die sie aus den Beständen der russischen Armee gestohlen hatten. Die Ausrüstungsverluste im Feld waren immens. Soldaten berichten von motorisierten Brigaden, die einen Großteil ihrer Bewaffnung verloren haben; von Stützpunkten, die durch HIMARS-Treffer ausgelöscht wurden. Sogar ihre eigenen Stiefel und Uniformen fallen auseinander. Mit wenig oder gar keinem Nachschub aufgrund der schlechten Logistik. Die Truppen der Luhansk/Donezk-Marionettenrepubliken haben eine noch schlechtere Ausrüstung erhalten, zum Beispiel Helme aus dem Zweiten Weltkrieg, Moisin-Nagent-Gewehre nach dem Muster von 1898 und keinen Körperschutz, während die russische Armee als Vergeltung für Meinungsverschiedenheiten den Nachschub einschränkt.

Sowohl an der Nord- als auch an der Südfront gingen den Soldaten nach der Invasion rasch die Lebensmittel aus. Vor dem Angriff auf Kiew wurden ihnen nur Lebensmittel für drei Tage zur Verfügung gestellt, was dazu führte, dass die fast verhungerten Soldaten Vorräte von ukrainischen Zivilisten plünderten. Logistische Pannen im Süden führten dazu, dass die Soldaten mit einer Ration pro Person für zwei Tage auskommen mussten und dann ganz leer ausgingen. Die Produkte der Verpflegungsküchen waren so schlecht, dass sie ungenießbar waren und selbst von den hungrigen Soldaten abgelehnt wurden. Die Versorgung wurde durch schwere Korruption in der russischen Versorgungskette behindert. Ein Soldat berichtete: "Wehrpflichtige, die [Lebensmittel] an unsere Einheit in der Ukraine lieferten, stahlen drei Kisten Fleischkonserven und verkauften sie an unserer Einheit für je 70 Rubel." Auch Pakete aus der Heimat wurden gestohlen.

Auch die Bedingungen vor Ort waren Berichten zufolge schrecklich. Die Soldaten berichteten, dass ihnen nicht einmal Spaten zum Ausheben von Gräben und Unterkünften zur Verfügung gestellt wurden. Sie erlitten Erfrierungen und Stechmückenplagen, während sie in erbärmlichen Verhältnissen lebten. Am schändlichsten ist wohl, dass sich russische Truppen im Roten Wald von Tschernobyl, dem am stärksten radioaktiv verseuchten Gebiet der Erde, scheinbar unvorbereitet in Gräben und Unterständen verschanzten. Später wurde berichtet, dass sie mit einer Strahlenbelastung ins Krankenhaus gebracht wurden. Soldaten haben berichtet, dass die medizinische Versorgung an der Front sehr mangelhaft war, da es den Sanitätern selbst an grundlegenden Dingen wie brauchbaren Aderpressen und Verbänden fehlte und keine Evakuierung stattfand. Es ist wahrscheinlich, dass viele verletzte Russen an durchaus überlebensfähigen Wunden einfach verblutet sind.

Viele Soldaten sprechen von einem fast schon absurd niedrigen Niveau der Ausbildung vor dem Krieg. Einer ging "viermal zu Schießübungen, bei denen ich jedes Mal 6 Schuss abgab". Zu Beginn der Invasion wurden einige Soldaten Waffensystemen zugeteilt, die sie noch nie benutzt hatten. Ausbildungsmaßnahmen wurden oft zum Vorteil der höheren Offiziere vorgetäuscht. Ein Soldat sagte: "Wir kamen auf einem Schießplatz an und standen mit dem Gewehr auf die Zielscheibe gerichtet. Und sobald man fotografiert wurde, konnte man gehen." Medizinische Übungen bestanden aus gestellten Fotoshootings. Diese Art von Fälschungen wurde nicht nur in gewöhnlichen Infanteriedivisionen, sondern sogar in Elitetruppen wie den russischen Fallschirmjägerbrigaden (VDV) gemeldet, was darauf hindeutet, dass sie in der gesamten Armee gängige Praxis sind.

Russlands Soldaten in der Ukraine arbeiten auf der Grundlage von Verträgen. Nach den derzeitigen Friedensregeln können sie jederzeit kündigen, wenn sie bestimmte Verfahren einhalten. Doch die Vertragssoldaten haben angesichts des Personalmangels über zunehmend schwere Misshandlungen berichtet. Berichten zufolge ist es Tausenden gelungen, die Front zu verlassen, aber viele haben berichtet, dass die russische Armee sie durch bürokratische Hindernisse oder Schlimmeres daran gehindert hat. Einige wurden Berichten zufolge inhaftiert und geschlagen, um sie zur Rückkehr an die Front zu bewegen. Die Verträge sollen jeweils nur für ein Jahr laufen. Soldaten haben berichtet, dass sie auch nach Ablauf ihres Vertrags nicht gehen dürfen, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal legal beschäftigt sind. Andere haben berichtet, dass sie nicht bezahlt werden. Außerdem sollten die Soldaten regelmäßig von der Front abgezogen werden. Aber Russlands unterbesetzte Invasion hat dazu geführt, dass zunehmend erschöpfte Truppen sechs Monate oder länger an der Front bleiben. Im Gegensatz zur Ukraine, die dank der nationalen Mobilisierung und des formellen Kriegszustands über viel mehr Personal verfügt, hat Russland einfach nicht die Reserven, um seinen erschöpften und demoralisierten Soldaten Zeit zu geben, sich in Sicherheit auszuruhen und zu erholen. Dies hat zu Massenmeutereien geführt.

Ein scheinbar allgemeiner Vorwurf ist die schlechte Qualität der Führung in den oberen Rängen. Wie Pawel Filatjew es ausdrückt, "die Spitze schert sich einen Dreck um uns, sie demonstrieren auf jede erdenkliche Weise, dass wir für sie unmenschlich sind, wir sind nur wie Vieh". Filatjew und andere Soldaten beklagen die Feigheit und Unehrlichkeit der Kommandeure, die in Bunkern bleiben, während sie ihre Männer zu selbstmörderischen Angriffen anweisen. Berichten zufolge blähen sie ihre Truppenzahlen auf und legen ihren Vorgesetzten gefälschte Erfolgsmeldungen vor. Soldaten berichten von brutalen Konfrontationen zwischen höheren Befehlshabern und ihren Männern, einschließlich Drohungen und körperlicher Gewalt. Ein Soldat berichtete, dass der politische Offizier seiner Einheit auf den Boden vor den Füßen der Männer schoss. Ein anderer Soldat hielt einem General eine Granate ins Gesicht und zog den Stift. Gefangene und verletzte russische Soldaten sollen von der eigenen Seite getötet worden sein, um zu verhindern, dass sie von den Ukrainern gefangen genommen werden. Ein Soldat berichtete, dass russische Soldaten, die von Ukrainern in Gefangenschaft geführt wurden, absichtlich mit einer russischen Panzerabwehrlenkwaffe getroffen wurden. In einem Fall aus jüngster Zeit berichtete die ukrainische Armee, dass ihre Drohnenpiloten russische Truppen dabei beobachteten, wie sie auf andere russische Soldaten schossen, die vor ukrainischem Artilleriefeuer flüchteten - vielleicht ein Beispiel für die Wiederbelebung der Blockadetaktik aus der Stalinzeit. Andere haben berichtet, dass russische Kommandeure ihre Verwundeten erschossen haben, damit sie nicht in ukrainische Hände fallen. Auch wenn dies wahrscheinlich nicht typisch ist, spricht die Tatsache, dass es anscheinend überhaupt passiert ist, Bände über die Kultur der russischen Führungsoffiziere.

All diese Probleme dürften die Kampfbereitschaft der russischen Armee kumulativ untergraben haben. Sie sind nicht einfach das Ergebnis einzelner Fehlentscheidungen, nicht einmal von Putins Fehlern, sondern eines ganzen Militärsystems, das verrottet und korrumpiert ist und nicht mehr funktioniert. Paul Krugman beschreibt die Geschehnisse als "Dornbuschs Gesetz in Aktion. Die unvermeidliche Krise lässt länger auf sich warten, als man sich vorstellen kann, aber wenn sie kommt, geschieht sie schneller, als man sich vorstellen kann." Diese Krise hat sich seit Jahrzehnten zusammengebraut. Sie ist noch nicht vorbei.
https://twitter.com/ChrisO_wiki/stat...69288849326082
Zitat:
Hat eine Kultur der institutionalisierten Lügen zu Russlands jüngstem Desaster östlich von Charkiw beigetragen, indem sie den hochrangigen Befehlshabern ein verzerrtes und falsches Bild von der wahren Lage vor Ort vermittelte? Ein Thread, der die Beweise überprüft.

Bei der Lektüre von persönlichen Berichten russischer Soldaten, die in abgehörten Telefongesprächen und persönlichen Berichten veröffentlicht wurden, ist mir ein Punkt immer wieder aufgefallen: Russische Armeeoffiziere belügen ihre Vorgesetzten häufig über den Status ihrer Einheit. In seinen berühmt gewordenen Memoiren beklagt sich der ehemalige Fallschirmjäger Pawel Filatjew bitter über "das System der Fotoberichte [фотооотчетами], das heute in der Armee so weit verbreitet ist, wenn die Führung Probleme verschweigt". Was ist dieses System, und wie funktioniert es?

Wie in allen Armeen wird auch in Russland von den Offizieren erwartet, dass sie ihren Vorgesetzten über die Lage ihrer Einheit Bericht erstatten. Im Falle Russlands werden die Berichte offenbar durch Fotos ergänzt, die von den Offizieren oder den ihnen unterstellten Männern aufgenommen wurden und ihre Aktivitäten zeigen. Russische Offiziere scheinen Fotoberichte zu verwenden, um falsche Informationen über ihre Einheiten zu verbreiten. Persönliche Berichte russischer Soldaten beschreiben, dass Fotoberichte zur Vortäuschung von Trainingsübungen verwendet werden, vermutlich um falsche Berichte über die Einhaltung von Befehlen zu begleiten.

Nach Angaben des ehemaligen russischen Luftwaffenleutnants Gleb Irisow halten die Befehlshaber weniger Übungen ab, als sie eigentlich müssten, und verschleiern die tatsächliche Zahl, um die dafür vorgesehenen Mittel zu stehlen. Dies ist wahrscheinlich eine Erklärung für die Verwendung von Falschmeldungen für Übungen. Ein Armeearzt, Pavel Zelenkov, stellte fest, dass in seiner Einheit "die gesamte Medizin auf Schaufensterdekoration reduziert wurde. Vor einer Exkursion [das heißt Übung] wird man wie für einen Maskenball herausgeputzt, man wird fotografiert, ein Bericht wird an das Kommando geschickt, jeder kehrt auf seinen Platz zurück".

Der Soldat Daniil Frolkin sagt, dass "wir während der Ausbildung" in seiner Einheit "nur Fotoberichte eingereicht haben. Wir kamen an einem Schießstand an und standen mit dem Gewehr auf das Ziel gerichtet. Und sobald man fotografiert wurde, durfte man gehen." Noch gefährlicher - für alle Beteiligten - war, dass in Frolkins 64. motorisierte Garde-Schützenbrigade Berichten zufolge Fotoberichte verwendet wurden, um die falschen Behauptungen der Kommandeure über Kampferfolge zu unterstützen. Dadurch wurde das Leben der Soldaten unmittelbar gefährdet, was sie verständlicherweise empörte. In einem Fall, so ein Soldat gegenüber dem unabhängigen russischen Militärportal iStories, zwangen die Befehlshaber die Soldaten, für Fotoaufnahmen vor einem Hintergrund von Kampffahrzeugen zu posieren. Sie wirbelten den Staub um sich herum hoch, während in der Nähe Granaten einschlugen. Der Brigadekommandeur forderte seine Soldaten Berichten zufolge auf, Fotoberichte zu liefern, damit er seinen Vorgesetzten berichten konnte, dass "nicht nur ein Panzer zerstört wurde, sondern drei! Nein - fünf!" Es überrascht nicht, dass eine solche Falschmeldung schlimme Folgen für ihn und seine Männer hatte. Frolkin sagt: "Er hatte gemeldet, dass der Wald genommen wurde, und dann kam der stellvertretende Verteidigungsminister. Und es stellte sich heraus, dass der Wald gar nicht eingenommen worden war." Der Kommandeur wurde bei dem Angriff der Ukrainer verletzt und musste in Frolkins gepanzertem Fahrzeug evakuiert werden.

Viele russische Soldaten sind wahrscheinlich als direkte Folge der Falschmeldungen gestorben oder verwundet worden. In den Berichten der Soldaten ist die Rede davon, dass Kommandeure Kampferfolge falsch meldeten und auf der Grundlage der falschen Informationen spätere Angriffe durchgeführt wurden. Wie der ehemalige Infanterist Viktor Shyaga berichtet, wurden einmal acht Hubschrauber zur Unterstützung eines Angriffs angefordert. "Nur zwei der acht Hubschrauber hoben ab. Die anderen waren entweder kaputt oder hatten keinen Treibstoff. Nur einer der Hubschrauber schoss erfolgreich auf das Ziel. Nicht alle Ziele wurden getroffen. Oder besser gesagt, 80% der Ziele wurden nicht getroffen. Dennoch meldete der Befehlshaber dieser Operation seiner Führung, dass alles in Ordnung sei und alle Ziele getroffen worden seien..." Shyaga: "Der vorgesetzte Befehlshaber glaubt dann, dass er, wenn alle Ziele getroffen wurden, Infanterie mit Panzern schicken kann, um dieses Gebiet anzugreifen." Immer wieder wurden Soldaten in stark verteidigte Gebiete geschickt, von denen man ihnen sagte, sie seien geräumt, und erlitten dabei schwere Verluste. "Zweimal wurde uns vor den Angriffen gesagt, dass alles in Ordnung sei, dass die feindliche Artillerie unterdrückt sei, dass vor uns bereits andere Einheiten von uns vorrücken und wir sie nur noch erreichen müssten. Aber jedes Mal stellte sich dies als Lüge heraus und endete für uns mit sinnlosen Verlusten." Nicht überraschend sagt Shyaga: "Aufgrund der ständigen Lügen konnten wir unserem Kommando nicht mehr trauen."

Dies war für die Soldaten, die sich wie Vieh behandelt fühlten, zutiefst demotivierend. Russische Soldaten haben sich über Falschmeldungen in abgehörten und von den Ukrainern veröffentlichten Telefongesprächen beschwert. Ein Soldat beschwerte sich: "Der Armeechef redet dem höheren Kommando ins Gewissen, dass hier alles verdammt gut ist, dass alles funktioniert, dass wir viele Leute haben. Sie werden zum Beispiel Daten übermitteln... Wenn 26 Personen attackieren sollen, werden sie Daten vorlegen, die besagen, dass 126 Personen eine Attacke verüben werden." Ein anderer Soldat in einer stark dezimierten Einheit sagte: "Im Hauptquartier hängen Daten an der Wand, die besagen, dass die Personalstärke unserer Brigade 87% beträgt. Könnt ihr glauben, was diese Schwuchteln da machen? Wir haben hier nicht einmal 10%! Scheiß auf diese Scheiße!"

Russische Militärblogger haben eine solche Falschmeldung verurteilt. Der Telegram-Kanal Zа (V)Побѣду hat sich vor einigen Tagen zu diesem Thema geäußert, das angeblich ein Problem an der Charkiwer Front darstellte. "Erinnern Sie sich an Hitlers nicht vorhandene Divisionen, mit denen er die Lage an der Front bereinigen, die russische Armee aufhalten, sie besiegen und bereits zum Gegenangriff übergehen wollte und so weiter? Wir haben jetzt ungefähr das gleiche Bild. Die Planungen beruhen auf Berichten. Und die Berichte unterscheiden sich von der Realität. In Wirklichkeit sind die Einheiten nur nach Berichten besetzt, die Ausrüstung ist brauchbar und nach dem Stand besetzt wie in den Berichten, die sogenannten Freiwilligenbataillone und andere Söldnergruppen brennen ebenfalls ab."

Die Folgen dieses Lügens und Betrugs dürften für das russische Militär und seine einzelnen Soldaten sehr schwerwiegend gewesen sein. Die Soldaten haben von ihrer unzureichenden Ausbildung und Ausrüstung gesprochen, die sie den Anforderungen des Krieges nur unzureichend gewachsen gemacht haben.

Wie wir gesehen haben, wurden Befehlsentscheidungen - wo und wann anzugreifen und wahrscheinlich auch zu verteidigen ist - eindeutig auf der Grundlage falscher Informationen getroffen. Dies hat wahrscheinlich zu vielen unnötigen Opfern und militärischen Misserfolgen geführt. Wie Zа (V)Побѣду es ausdrückt: "Bei einem nur leichten Angriff setzen sich Einheiten, die zu 50% nur auf dem Papier existieren, natürlich hin [das heißt brechen zusammen]. Nicht, weil es einen beispiellos schweren Angriff gibt, sondern weil diese Einheiten nur sehr bedingt kampfbereit sind." Die Praxis der Falschmeldungen ist offensichtlich weit verbreitet. Sie wurde von russischen Einheiten an allen Fronten und in allen Spezialisierungen gemeldet, von Fallschirmjägern bis zur mechanisierten Infanterie. Sie kommt wahrscheinlich auch bei der Marine, den Luftstreitkräften und den Raketentruppen vor.

Die Auswirkungen von Falschmeldungen werden wahrscheinlich noch verstärkt, wenn sie die Befehlskette hinaufgehen. Falschmeldungen von Kommandeuren kleinerer Einheiten können mit weiteren Falschmeldungen von höherer Ebene zusammengeführt werden, zu denen dann die höheren Offiziere ihre eigenen Falschmeldungen hinzufügen. Wenn die Berichte schließlich an die Spitze der Kette gelangen - die russische Führung des Verteidigungsministeriums und Putin selbst - ist es sehr wahrscheinlich, dass sie so verzerrt und ungenau sind, dass die Leute, die den Krieg leiten, ein sehr unrealistisches Bild von den Geschehnissen vor Ort haben.

Es gibt wahrscheinlich nicht nur einen Grund, warum dies geschieht. Es ist höchstwahrscheinlich eine Kombination aus institutioneller Korruption, dem Abhaken von Kästchen statt auf echter Leistung und der mangelnden Bereitschaft, schlechte Nachrichten weiter oben in der Kette zu melden. Wie der Kommandeur des russischen "Wostok 2022"-Bataillons, Alexander Chodakowski, kürzlich in einem Telegram-Posting schrieb: "Alles, was am Boden passiert, bleibt am Boden, und wir werden nur das nach oben schicken, was niemanden in seiner Nachtruhe stört. Deshalb lassen sie keine Militärkorrespondenten an ihren Standorten zu, und wenn sie es doch tun, folgt ihnen eine Person mit einer Kamera und macht Fotos, damit die Militärreporter nichts zusätzliches sagen können. Und zwar nicht, weil der Feind es sehen wird - der Feind weiß besser Bescheid als wir -, sondern weil es der erste [ranghöhere] Vorgesetzte sehen wird." Aber wenn die gesamte russische Befehlskette von Falschmeldungen infiziert ist, dann folgt sie wahrscheinlich einer Vorgabe von ganz oben.

Russland hält regelmäßig groß angelegte Übungen ab, wie etwa Zapad-2021 im Sommer 2021. Diese sehen sicherlich beeindruckend aus: Bei Zapad sollen 200.000 Mann ein Manöver gegen eine hypothetische NATO-Truppe geübt haben. Aber es scheint zumindest teilweise gefälscht worden zu sein. Wie die New York Times berichtet, "war die gesamte Übung geplant. Es gab keine gegnerischen Truppen. Die beteiligten Haupteinheiten hatten ihre Choreographie monatelang geübt. Und jede Übung begann und endete zu einer festen Zeit." Auch die Zahl der teilnehmenden Truppen war wahrscheinlich weitaus geringer, vielleicht sogar nur halb so groß wie angegeben. William Alberque, Direktor für Strategie, Technologie und Rüstungskontrolle beim IISS, merkt an: "Niemand wird auf dem Schlachtfeld auf seine Fähigkeit zu denken getestet", sondern nur auf seine Fähigkeit, Anweisungen zu befolgen. Die Ergebnisse sind heute offensichtlich. Solche Übungen wurden von westlichen Kommentatoren als PR-Stunts bezeichnet. Das mag durchaus ein Teil davon sein, aber ich frage mich, ob das größere Problem vielleicht darin besteht, dass das Militärsystem so korrumpiert ist, dass seine Führer buchstäblich keine Ahnung haben, wie es um ihre Armee wirklich bestellt ist.

Erst gestern ist wieder etwas unglaubliches gemeldet worden.


https://twitter.com/bayraktar_1love/...25552286810115
Zitat:
Ein russischer Hubschrauber hat einen Brückenträger im Fluss Dnipro getroffen, den die Nazis während des Zweiten Weltkriegs zu bauen versuchten. Sie gaben dies als einen Angriff auf Lastkähne mit ukrainischen Truppen aus.
https://twitter.com/GeoConfirmed/sta...17197279305729
Zitat:
GeoConfirmed.

"Eine weitere Fake-News-Geschichte: Die Russen behaupten, sie hätten Filmmaterial von dem Angriff auf einen Lastkahn mit ukrainischen Spezialkräften, aber in Wirklichkeit haben sie einen Brückenträger angegriffen."

Anmerkung: Ich kann nicht glauben, dass ich das schreibe.

Lokalisiert: 47.516334, 34.381451

Sogar auf Google Maps sichtbar: https://www.google.com/maps/place/47...34!4d34.381451

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Alt 15.09.2022, 11:16   #1148
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Militarblogger in Russland oder die Geister die ich rief.
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Ich esse aus religiösen Gründen keine Leber. Welcher Konfession gehören sie an? Ich bin Alkoholiker.
Wer die Bild Zeitung liest um sich zu informieren, trinkt auch Schnaps wenn er Durst hat. Claus von Wagner
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Alt 15.09.2022, 16:31   #1149
CM Punkomaniac
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In den Gebieten der Region Charkiw, die nun befreit sind, hieß es im August, dass es keinen Grund zur Panik gäbe und dass Russland da sei und da bleibe.

https://twitter.com/francis_scarr/st...17540513558533
Zitat:
Der ukrainische Feind steht vor den Toren, so Leonid Passetschnik, Oberhaupt der "Volksrepublik Luhansk", aber er besteht darauf, dass es "keinen Grund zur Panik" gibt. Er ist sich sogar so sicher, dass er sich wiederholen muss.
Damit würde mich der Chef der sogenannten Volksrepublik Luhansk nicht überzeugen. Ich würde meine Sachen packen und ab nach Russland fliehen, wenn ich dort seit Jahren ein Kollaborateur wäre.

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Alt 16.09.2022, 05:55   #1150
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Erst einmal muss ich sagen, dass ich natürlich ein Laie bin. Trotzdem ist mir gerade eine leichte Schieflage der Berichterstattung in Deutschland aufgefallen. Und die breite Berichterstattung beeinflusst natürlich die öffentliche Diskussion und Wahrnehmung. Im, glaube ich, Juli meldete Moskau, dass Russland durch die hohen Rohstoffpreise aktuell sogar höhere Einnahmen als vor Kriegsbeginn hat. Und Moskau meldete im, glaube ich, August einen Haushaltsüberschuss. Beides waren glaube ich Angaben des russischen Finanzministeriums. Beides wurde von der deutschen Berichterstattung fast kommentarlos übernommen. Jetzt im September kommt aus Russland folgende Meldung, die mich dann vor diesem Hintergrund sehr verwundert:

https://twitter.com/finanzru/status/1570399373753995273
Zitat:
Правительство запускает секвестр бюджета после сильнейшего за 11 лет обвала доходов. Минфин сообщил министерствам, что финансирование урезается на 10% после того, как за лето в бюджете образовалась дыра на 1,5 трлн рублей.
https://twitter.com/NoYardstick/stat...26432471592960
Zitat:
Die russische Regierung hat eine pauschale Kürzung der Haushaltsausgaben um 10% vorgenommen. Damit reagiert sie auf einen unerwartet starken Rückgang der Steuereinnahmen im Sommer - ein Defizit von 1,5 Billionen Rubel. Dies ist wahrscheinlich nur der erste Schritt.

Dies ist genau die Erkenntnis, dass langfristige Kosten zunehmend unvermeidlich sind, über die ich bereits im Juli geschrieben habe, und bei denen ich vermute, dass sie - zumindest - zu einem Gerangel um Ressourcen führen werden. Der Vorbehalt ist, dass Ausgaben wie die Renten - noch - nicht gekürzt werden. Und natürlich auch nicht die Kriegsausgaben.

Die Kürzungen betreffen jedoch wichtige Entwicklungsprioritäten, deren Streichung die anhaltende Rezession noch verschärfen wird.
https://twitter.com/ABarbashin/statu...29878369132548
Zitat:
10% sind enorm. Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen in Moskau jetzt vor Schmerz schreiend hin und her laufen. Es wird ein regelrechter Krieg darum, wer weniger Mittel kürzen muss.
https://twitter.com/IlyaMatveev_/sta...71236539363329
Zitat:
Die gleiche 10%ige Kürzung im Jahr 2015 führte zu Kürzungen im Bildungswesen, im Sozialwesen usw.
Ich bin gespannt, wann das hier kommentarlos in der Berichterstattung übernommen wird. Da wird dann vermutlich ganz schnell und hastig irgendwas mit "komplex" und "kompliziert" eingeschoben und lange Kommentare verfasst, warum man das ganz unbedingt in diesem und jenem Kontext sehen muss, was bei den anderen beiden Meldungen aus Moskau im Juli und August komischerweise nicht passierte. Warum gibt es eine so große Staatshaushaltskürzung, wenn alles sinnlos ist und nichts gegenüber Russland wirkt? Finanzielle und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen wirken schließlich selten im Hauruckverfahren von heute auf morgen. Langsam, aber stetig. Da passiert was, deutsche Berichterstattung. Da passiert sogar was, langsam, aber stetig, seit Monaten. Ihr Deppen.


In Staat und Militär passiert ebenfalls was.

https://twitter.com/RALee85/status/1570662673305735169
Zitat:
Hauptmänner und Oberleutnante, wahrscheinlich aus Marine-Infanterieeinheiten. Die Tatsache, dass Offiziere, die als Kompaniechefs oder stellvertretende Kommandeure in Eliteeinheiten dienen sollten, den Einsatz verweigern, sagt etwas über das Ausmaß des Verweigererproblems aus. Ich habe von anderen russischen Einheiten gehört, in denen sich 20% oder mehr der Soldaten, einschließlich der Offiziere, weigerten, in die Ukraine zu gehen. Angesichts der Personalprobleme Russlands ist die Zahl der Verweigerer ein nicht unerheblicher Faktor für die Schwierigkeiten des russischen Militärs in der Ukraine. Ich glaube nicht, dass die meisten von ihnen den Einsatz verweigert haben, weil sie unbedingt gegen den Krieg sind, sondern weil ihnen klar war, dass es eine Katastrophe werden würde. Vor allem, weil sie nur wenige Stunden vor dem Einmarsch in die Ukraine benachrichtigt wurden. Eine weitere Folge der russischen Kriegsplanung.
«Присели на стакан. Кто-то втянулся» Из-за войны российские чиновники стали больше и чаще пить алкоголь. Это очень беспокоит Путина, утверждают источники «Медузы»
Zitat:
In den letzten zwei Monaten hat der russische Präsident Wladimir Putin bei mehreren öffentlichen Treffen mit regionalen Gouverneuren das Problem des Alkoholismus in Russland zur Sprache gebracht, nachdem er das Thema jahrelang weitgehend ignoriert hatte. Kremlnahen Quellen zufolge macht sich Putin, der als abstinenter Trinker bekannt ist, jedoch weniger Sorgen um die öffentliche Gesundheit als um die Trinkgewohnheiten von Kremlbeamten und anderen Mitgliedern der herrschenden Klasse.

Geändert von CM Punkomaniac (16.09.2022 um 13:36 Uhr).
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