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Alt 30.08.2022, 23:31   #1
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
Registriert seit: 15.02.2011
Beiträge: 31.316
Sowjetischer Ex-Präsident - Michail Gorbatschow ist tot
Zitat:
Der Friedensnobelpreisträger und frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges.
Das Schicksal oder der liebe Gott hätte sich kein passenderes Jahr ausdenken können.

Ruhe in Frieden, Michail.
CM Punkomaniac ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 00:36   #2
Riddler
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 27.06.2005
Beiträge: 4.449
Wahrscheinlich einer der wichtigsten Persönlichkeiten seit der Nachkriegszeit. Einen solch besonnenen Politiker bräuchten wir in der heutigen Zeit dringend.

Möge er in Frieden ruhen.
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Alt 31.08.2022, 07:38   #3
Jack Casady
Genickbruch
 
Registriert seit: 29.08.2011
Beiträge: 13.177
Der letzte anständige Russe.
RIP Gorbi.
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Alt 31.08.2022, 12:06   #4
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.339
Der einzige kompetente und große Staatsmann Russlands der letzten 100 Jahre.

Ich habe nur Hochachtung für diesen Mann. Leider konnte er die gänzlich verschlissene SU nicht allein komplett wieder aufbauen.
Die Welt kann mehr solche Politiker gebrauchen.
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Die Öko-Krise ist kein Glauben, sondern eine Tatsache.

Angststörung + Irreführung = Extremismus

Geändert von Nani (31.08.2022 um 12:06 Uhr).
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Alt 31.08.2022, 13:49   #5
Direwolf
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 09.09.2008
Beiträge: 1.745
Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Der einzige kompetente und große Staatsmann Russlands der letzten 100 Jahre.

Ich habe nur Hochachtung für diesen Mann. Leider konnte er die gänzlich verschlissene SU nicht allein komplett wieder aufbauen.
Die Welt kann mehr solche Politiker gebrauchen.
Dem kann ich kaum noch etwas hinzufügen.

Denn selbst wenn man seinen Blick von einen Irren wie Putin abwendet und auf den "Nachfolger" Gorbatschows, Boris Jelzin lenkt, so hat dieser sich ja auch nicht wirklich mit viel Ruhm bekleckert und Russland nach vorne gebracht.

Ruhe in Frieden, Michail Gorbatschow
__________________
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Alt 31.08.2022, 14:26   #6
El Clon
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 16.05.2005
Beiträge: 3.528
Zitat:
Zitat von Direwolf Beitrag anzeigen
Denn selbst wenn man seinen Blick von einen Irren wie Putin abwendet und auf den "Nachfolger" Gorbatschows, Boris Jelzin lenkt, so hat dieser sich ja auch nicht wirklich mit viel Ruhm bekleckert und Russland nach vorne gebracht.
Und wer hat Yeltsin damals in Amt und Würden gebracht? Gorbatschow.

Durch seine Reformen wurde aus der Sowjetunion ein Kollektiv von Nachfolgestaaten, in der auf jede gute Demokratie im Baltikum drei Diktaturen in den anderen GUS-Staaten kommen. Länder wie Russland und die Ukraine wurde zu einem Beispiel gescheiterter Schocktherapie, in der korrupte Oligarchen sich auf Kosten des Volks bereichern konnten, schlimmer als es jede kommunistische Propaganda hätte vorhersehen können. Das führte direkt zu den Ereignissen, die wir ja heute so ausführlich in den Nachrichten vorgekaut bekommen. Was einst die zweitstärkste Macht der Welt war, wurde ausgehöhlt und zu einem Relikt aus alten Zeiten, während eine andere kommunistische Atommacht, die Volksrepublik China, sich durch Reformen zur Supermacht des späten 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Und dann ist es für irgendjemand überraschend, dass Russland in Geltungssucht in andere Länder einmarschiert? Soweit es mich betrifft, klebt das Blut der Ukrainer genau so an Gorbatschows Händen wie an den Händen von Putin und seinen Handlangern.

Natürlich wird der Deutsche aus Eigeninteresse diese Tatsachen ausblenden, allerdings selbst wenn man ihn nur als den "Freiheitsstifter" sehen will, selbst da sind seine Leistungen nicht sehr beeindruckend, da er nur die Arbeit fortgesetzt hat, die von Yuri Andropov begonnen wurde und das auf die oben erklärte inkompetente Art, die Ratten wie Yeltsin erlaubt haben, sich einzunisten.

In vielen politischen Kreisen Russlands wird Gorbatschow als Verräter angesehen und eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Lebenswerk lässt für mich nur einen Schluss zu: zurecht!
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Alt 31.08.2022, 14:43   #7
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.339
Die Sowjetunion war komplett ruiniert und eine Diktatur. Der Zusammenbruch hat für viele Besserung gebracht, nur halt nicht für alle.

Schlecht war er natürlich für alle Liebhaber der diktatorischen Weltmacht, die mit militärischer Gewalt den dysfunktionalen Staat am Leben erhalten wollten, sowie für diejenigen Schmarotzer, die sich an die neuen Umstände nicht anpassen konnte.

Diese hassen ihn natürlich, weil seine Politik der Transparenz und Ehrlichkeit das kolossale Versagen der vorangegangen Jahrzehnte nicht mehr so vertuschen konnte, wie zum Beispiel der Versager Putin seines unter den Tisch kehrt.
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Geändert von Nani (31.08.2022 um 14:44 Uhr).
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Alt 31.08.2022, 14:51   #8
Riddler
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 27.06.2005
Beiträge: 4.449
Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Und wer hat Yeltsin damals in Amt und Würden gebracht? Gorbatschow.

Durch seine Reformen wurde aus der Sowjetunion ein Kollektiv von Nachfolgestaaten, in der auf jede gute Demokratie im Baltikum drei Diktaturen in den anderen GUS-Staaten kommen. Länder wie Russland und die Ukraine wurde zu einem Beispiel gescheiterter Schocktherapie, in der korrupte Oligarchen sich auf Kosten des Volks bereichern konnten, schlimmer als es jede kommunistische Propaganda hätte vorhersehen können. Das führte direkt zu den Ereignissen, die wir ja heute so ausführlich in den Nachrichten vorgekaut bekommen. Was einst die zweitstärkste Macht der Welt war, wurde ausgehöhlt und zu einem Relikt aus alten Zeiten, während eine andere kommunistische Atommacht, die Volksrepublik China, sich durch Reformen zur Supermacht des späten 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Und dann ist es für irgendjemand überraschend, dass Russland in Geltungssucht in andere Länder einmarschiert? Soweit es mich betrifft, klebt das Blut der Ukrainer genau so an Gorbatschows Händen wie an den Händen von Putin und seinen Handlangern.

Natürlich wird der Deutsche aus Eigeninteresse diese Tatsachen ausblenden, allerdings selbst wenn man ihn nur als den "Freiheitsstifter" sehen will, selbst da sind seine Leistungen nicht sehr beeindruckend, da er nur die Arbeit fortgesetzt hat, die von Yuri Andropov begonnen wurde und das auf die oben erklärte inkompetente Art, die Ratten wie Yeltsin erlaubt haben, sich einzunisten.

In vielen politischen Kreisen Russlands wird Gorbatschow als Verräter angesehen und eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Lebenswerk lässt für mich nur einen Schluss zu: zurecht!
Dir ist aber schon bewusst, dass die generelle Privatisierung von Unternehmen und der damit verbundene Aufstieg der Oligarchen erst unter der Präsidentschaft von Jelzin erfolgten, oder? Die fehlenden Erfahrungen bei der Umstellung der Plan- auf Marktwirtschaft dürften wohl kaum Gorbatschow anzukreiden sein.
Riddler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 15:01   #9
El Clon
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 16.05.2005
Beiträge: 3.528
Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Dir ist aber schon bewusst, dass die generelle Privatisierung von Unternehmen und der damit verbundene Aufstieg der Oligarchen erst unter der Präsidentschaft von Jelzin erfolgten, oder? Die fehlenden Erfahrungen bei der Umstellung der Plan- auf Marktwirtschaft dürften wohl kaum Gorbatschow anzukreiden sein.
Da kommen wir wieder zum Punkt zurück, wer es ihm denn erlaubt hat, an die Macht zu kommen. Gorbatschow hat Jelzin nach Moskau einberufen, was ihm erste nennenswerte politische Macht gab und dann, als er zum "Radikalreformer" wurde, hat er ihn praktisch uneingeschränkt werken lassen, was dann zu den bekannten Folgeereignissen geführt hat.
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Alt 31.08.2022, 15:57   #10
Riddler
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 27.06.2005
Beiträge: 4.449
Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Da kommen wir wieder zum Punkt zurück, wer es ihm denn erlaubt hat, an die Macht zu kommen. Gorbatschow hat Jelzin nach Moskau einberufen, was ihm erste nennenswerte politische Macht gab und dann, als er zum "Radikalreformer" wurde, hat er ihn praktisch uneingeschränkt werken lassen, was dann zu den bekannten Folgeereignissen geführt hat.
Du kannst natürlich gerne weiterhin Tatsachen verdrehen, aber es ändert nichts daran, dass Jelzin aufgrund der Reformen Gorbatschows der erste, demokratisch gewählte Präsident war. Also vom Volk gewählt und nicht von irgendwem "einberufen" wurde.

Und weitere Diskussionen mit jemandem, der verbal auf das Grab eines großen Staatsmannes spuckt, erspare ich mir an der Stelle, da ich mich bereits jetzt schon schmutzig fühle. Bleib meinetwegen bei deinem Standpunkt und Weltbild, mich interessiert er nicht.
Riddler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 16:26   #11
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.339
Zu Jelzin: Der Gute ist Schuld, dass er den Bösen (und was danach kam) nicht aufgehalten hat?

Wobei es natürlich okay ist, anderer Meinung zu sein. Man muss der schlimmen "sozialistischen" allerdings sehr nah oder sehr fern sein, um Gorbatschow nicht positiv zu allen Vorgängern und Nachfolgern herauszuheben.

Als Deutscher sowieso.
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Alt 31.08.2022, 17:11   #12
Creed
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 04.06.2009
Beiträge: 3.226
Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Als Deutscher sowieso.
Das ist halt genau der Punkt. Gorbatschow hat die Einheit ermöglicht, was man ihm nicht hoch genug anrechnen kann und ist deswegen gerade in Deutschland sehr hoch angesehen. Für mich ist er auch einer der ganz großen Politiker des letzten Jahrhunderts und auch wenn es mit 91 irgendwo zu erwarten war, finde ich es trotzdem schade weil hier einfach ein weiteres Stück Geschichte von uns gegangen ist.
Trotzdem konnte man in vielen Artikeln lesen das er in seiner Heimat ziemlich isoliert gewesen ist, da viele ihm vorwerfen er hätte die Sowjetunion zu grabe getragen. Diese Tragik gehört halt auch zu seinem Lebenswerk dazu. In wieweit das zutrifft und welche Mitschuld er daran hat das aus Russland der Staat geworden ist der er heute ist, wage ich nicht zu beurteilen. Von der Russischen Geschichte habe ich einfach wenig bis gar keine Ahnung.

Trotzdem möchte ich mich bei diesem großen Staatsmann bedanken und hoffe das er seinen Frieden gefunden hat.
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Wie heißt es denn so schön? Mario steht für Multikulti, ein Italienischer Klempner, von Japaner erfunden, springt wie ein schwarzer und greift nach Münzen wie ein Jude!
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Alt 31.08.2022, 20:25   #13
Erwin
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 15.04.2009
Beiträge: 3.759
Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Und wer hat Yeltsin damals in Amt und Würden gebracht? Gorbatschow.

Durch seine Reformen wurde aus der Sowjetunion ein Kollektiv von Nachfolgestaaten, in der auf jede gute Demokratie im Baltikum drei Diktaturen in den anderen GUS-Staaten kommen. Länder wie Russland und die Ukraine wurde zu einem Beispiel gescheiterter Schocktherapie, in der korrupte Oligarchen sich auf Kosten des Volks bereichern konnten, schlimmer als es jede kommunistische Propaganda hätte vorhersehen können. Das führte direkt zu den Ereignissen, die wir ja heute so ausführlich in den Nachrichten vorgekaut bekommen. Was einst die zweitstärkste Macht der Welt war, wurde ausgehöhlt und zu einem Relikt aus alten Zeiten, während eine andere kommunistische Atommacht, die Volksrepublik China, sich durch Reformen zur Supermacht des späten 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Und dann ist es für irgendjemand überraschend, dass Russland in Geltungssucht in andere Länder einmarschiert? Soweit es mich betrifft, klebt das Blut der Ukrainer genau so an Gorbatschows Händen wie an den Händen von Putin und seinen Handlangern.

Natürlich wird der Deutsche aus Eigeninteresse diese Tatsachen ausblenden, allerdings selbst wenn man ihn nur als den "Freiheitsstifter" sehen will, selbst da sind seine Leistungen nicht sehr beeindruckend, da er nur die Arbeit fortgesetzt hat, die von Yuri Andropov begonnen wurde und das auf die oben erklärte inkompetente Art, die Ratten wie Yeltsin erlaubt haben, sich einzunisten.

In vielen politischen Kreisen Russlands wird Gorbatschow als Verräter angesehen und eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Lebenswerk lässt für mich nur einen Schluss zu: zurecht!
Kurz gesagt hättest Du die Sowjetunion, den Ostblock, den Kalten Krieg und die DDR lieber behalten.
Erwin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 21:21   #14
Kain
Genickbruch
 
Registriert seit: 30.03.2001
Beiträge: 17.567
Fragt sich halt auch, was dann passiert wäre …

RIP
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No blowup dolls, dick spots or dance routines. With blood, sell-outs and shoot angles for all.
Thank you. Fuck you. Bye.
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Alt 31.08.2022, 21:45   #15
rantanplan
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 13.08.2008
Beiträge: 4.095
Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Die Sowjetunion war komplett ruiniert und eine Diktatur.
Hatte Gorbatschow in dem Zusammenhang denn überhaupt großartig andere Möglichkeiten, als einer Wiedervereinigung zuzustimmen? Die Januarereignisse in Litauen, der Armeeeinsatz in Aserbaidschan, die anfängliche Ablehnung der deutschen Wiedervereinigung - all das kann man durchaus kritisch betrachten.

Kritisch betrachten kann man allerdings auch Friedrich Merz. Natürlich ist es unrealistisch, aber halt auch nicht völlig ausgeschlossen, dass Putin dann die versammelten europäischen Staats- und Regierungschefs in Geiselhaft nimmt.
rantanplan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 21:56   #16
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.339
Es gibt immer andere Möglichkeiten, um innenpolitisches Scheitern zu kaschieren bzw. kompensieren. Siehe Putin.

Merz' Kommentar ist daneben.
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Alt 31.08.2022, 22:04   #17
El Clon
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 16.05.2005
Beiträge: 3.528
Zitat:
Zitat von Erwin Beitrag anzeigen
Kurz gesagt hättest Du die Sowjetunion, den Ostblock, den Kalten Krieg und die DDR lieber behalten.
Das habe ich nicht gesagt. Der sogenannte "Realsozialismus" war gescheitert. Allerdings bin ich halt der festen Überzeugung, dass ein besserer Reformer noch die Zügel mindestens solange in Händen gehalten hätte, um eine "geordnetere" Auflösung des Ostblocks zu ermöglichen, die viele nachfolgende Unannehmlichkeiten vermeiden hätte können.

Nehmen wir mal die Wiedervereinigung - hätte ein anderer Umgang der Sowjetunion mit der späten DDR die Wiedervereinigung so beeinflusst, dass die Treuhand hätte verhindert oder mindenstens entschärft werden können? Würden wir dann in einem Deutschland leben, in dem die AfD nicht in zwei Bundesländern die stärkste Kraft wäre? In der selben Leier, wären uns die Spinner von der PiS bei unseren lieben Nachbarn und Viktor Orbán erspart geblieben, wenn der Systemübergang in Polen und Ungarn nicht in Form von Schocktherapie erfolgt wäre? Würde dadurch nicht die EU stärker sein, würde dadurch nicht die liberale Demokratie stärker dastehen?

Oder gucken wir uns die GuS-Staaten an. Es hat schon seinen Grund, warum die baltischen Republiken (die allesamt funktionierende und reiche Demokratien wurden und ohne Zweifel Länder sind, die von den Veränderungen mehr als profitiert haben) nie Teil dieser Organisation waren (und das ist nicht nur auf Ablehnung von Russland begründet). Demokratie ist in den meisten dieser Länder mehr oder weniger ein Fremdwort. Länder wie Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan sind im Index der menschlichen Entwicklung weitaus näher an dem Level der dritten Welt als es die späte Sowjetunion war. Ethische Konflikte wie im Bergkarabach oder die Krim-Frage, die ihren Ursprung in der internen Grenzziehung der Sowjetunion haben und tausende von Menschenleben gekostet haben, hätten mit einer weniger radikalen Auflösung der Union vielleicht auch vermieden werden können. Muss da nicht die Frage erlaubt sein, ob jemand anderes nicht eine bessere Politik hätte machen können und demokratische Strukturen in diesen Regionen als Teil der Union hätte schaffen können?

Natürlich ist die Idee einer besseren Auflösung hypothetisch. Vielleicht war der Weg, wie es in der Realität passiert ist, der einzige oder der beste Weg, wie es hätte passieren können. Wenn ein Mann allerdings in seinem Werk sowohl aus der externen wie auch der internen Perspektive (weil das darf nicht vergessen werden: weder das Ende des Kommunismus noch das Ende der Sowjetunion waren Gorbatschows Ziele - der Mann wollte das Land reformieren, nicht "zerstören") scheinbar nicht die besten Resultate erzielt hat, dann muss in meinen Augen darüber auch eine Debatte legitim sein. Wenn das dann "verbal auf das Grab eines großen Staatsmannes spuck[en]" ist, dann ist das halt so, allerdings werde ich dann darüber auch keinen Schlaf verlieren.
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El Clon ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2022, 22:38   #18
y2jforever
Genickbruch
 
Registriert seit: 13.04.2013
Beiträge: 14.172
Einer der erste ausländischen Politiker die ich bewusst wahrgenommen habe. Einfach wegen seiner Rolle bei der Deutsche Einheit die er damals (mit) möglich gemacht hast. Kaum jemand in den letzten Jahren hat den Lauf der Geschichte so stark verändert wie er.
Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Merz' Kommentar ist daneben.
Da der Mann noch nie vor Zeugen etwas angemessenes oder sinnvolles gesagt hat ist das jetzt nicht so überraschend ...
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y2jforever ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 01.09.2022, 18:17   #19
Erwin
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 15.04.2009
Beiträge: 3.759
Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Das habe ich nicht gesagt. Der sogenannte "Realsozialismus" war gescheitert. Allerdings bin ich halt der festen Überzeugung, dass ein besserer Reformer noch die Zügel mindestens solange in Händen gehalten hätte, um eine "geordnetere" Auflösung des Ostblocks zu ermöglichen, die viele nachfolgende Unannehmlichkeiten vermeiden hätte können.
Vergiss dabei aber nicht, dass für die Menschen der Sowjetunion (eines Vielvölkerstaates) und des Ostblocks plötzlich etwas Unfassbares greifbar geworden war: Freiheit und Unabhängigkeit
Das den Menschen zu verwehren, auch nur zu verzögern, war einfach nicht möglich, im Gegenteil, es hätte zu wesentlich mehr Gewalt geführt.

Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Nehmen wir mal die Wiedervereinigung - hätte ein anderer Umgang der Sowjetunion mit der späten DDR die Wiedervereinigung so beeinflusst, dass die Treuhand hätte verhindert oder mindenstens entschärft werden können? Würden wir dann in einem Deutschland leben, in dem die AfD nicht in zwei Bundesländern die stärkste Kraft wäre? In der selben Leier, wären uns die Spinner von der PiS bei unseren lieben Nachbarn und Viktor Orbán erspart geblieben, wenn der Systemübergang in Polen und Ungarn nicht in Form von Schocktherapie erfolgt wäre? Würde dadurch nicht die EU stärker sein, würde dadurch nicht die liberale Demokratie stärker dastehen?
Ich vertrete eine ähnliche Meinung, als dass es schon bemerkenswert ist, wie in nahezu allen Ostblockstaaten incl. der DDR=Ostdeutschland auf die Phase der Freude an der Freiheit ein Rechtsruck erfolgt ist.
Aber die Gründe dafür sind vielfältig und sicher nicht alle auf Gorbatschow und die von Dir geforderte "geordnetere" Auflösung zurückzuführen. Die AfD z.B. sehe ich als ein klares Produkt der Ära Merkel mit ihrem katastrophalen Stillstand.
Zudem, Rechtsruck gibt es immer mal wieder, auch in Nicht-Ostblock-Staaten wie Österreich, Frankreich, Italien oder den USA.

Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Oder gucken wir uns die GuS-Staaten an. Es hat schon seinen Grund, warum die baltischen Republiken (die allesamt funktionierende und reiche Demokratien wurden und ohne Zweifel Länder sind, die von den Veränderungen mehr als profitiert haben) nie Teil dieser Organisation waren (und das ist nicht nur auf Ablehnung von Russland begründet). Demokratie ist in den meisten dieser Länder mehr oder weniger ein Fremdwort. Länder wie Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan sind im Index der menschlichen Entwicklung weitaus näher an dem Level der dritten Welt als es die späte Sowjetunion war. Ethische Konflikte wie im Bergkarabach oder die Krim-Frage, die ihren Ursprung in der internen Grenzziehung der Sowjetunion haben und tausende von Menschenleben gekostet haben, hätten mit einer weniger radikalen Auflösung der Union vielleicht auch vermieden werden können. Muss da nicht die Frage erlaubt sein, ob jemand anderes nicht eine bessere Politik hätte machen können und demokratische Strukturen in diesen Regionen als Teil der Union hätte schaffen können?
Nun ja, am Anfang stand bei allen auch der Wunsch nach Unabhängigkeit, bis dann die Putins, Nursultans und Nyyazows der Welt das System wiederaufgenommen haben, das sie aus der Sowjetunion kannten - Kader und Eliten. Nur, dass sie es noch mit offenem Kapitalismus verbunden haben und die Kader dann auch stinkreich wurden.
Auch in einer weiter bestehenden Sowjetunion wäre das möglich gewesen, siehe die VR China mit ihrer Staatsform Kommunismus und dennoch radikalem Kapitalismus, der einige wenige stinkreich gemacht hat (sicher auch Winnie Puuh) und viele viele in Armut hält.

Die Grenzziehung ist sicher ein Problem und u.a. auch ein Grund für den Ukrainekrieg. Als die einzelnen Völker unabhängig wurden, waren die Minderheiten eben noch da. Doch auch hier sicher nicht nur auf Gorbatschow zurückzuführen. Schau mal nach Bosnien, Kosovo, Nordmazedonien oder sogar nach Südtirol. Da wurden Grenzen auch nicht nach Völkern gezogen und sorgen für Unruhe. Und die wären sicher auch in der Sowjetunion aufgeflammt, vgl. VR China mit den Uiguren oder Tibet.

Zitat:
Zitat von El Clon Beitrag anzeigen
Natürlich ist die Idee einer besseren Auflösung hypothetisch. Vielleicht war der Weg, wie es in der Realität passiert ist, der einzige oder der beste Weg, wie es hätte passieren können. Wenn ein Mann allerdings in seinem Werk sowohl aus der externen wie auch der internen Perspektive (weil das darf nicht vergessen werden: weder das Ende des Kommunismus noch das Ende der Sowjetunion waren Gorbatschows Ziele - der Mann wollte das Land reformieren, nicht "zerstören") scheinbar nicht die besten Resultate erzielt hat, dann muss in meinen Augen darüber auch eine Debatte legitim sein. Wenn das dann "verbal auf das Grab eines großen Staatsmannes spuck[en]" ist, dann ist das halt so, allerdings werde ich dann darüber auch keinen Schlaf verlieren.
Wie gesagt, Gorbatschows Verdienst war es, viele Menschen in die Freiheit geführt zu haben und ein unmenschliches System überwunden zu haben. Was die Menschen in der Freiheit dann daraus gemacht haben, das ist sicher nicht Gorbatschow anzulasten.

Geändert von Erwin (01.09.2022 um 19:12 Uhr).
Erwin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2022, 11:33   #20
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Beiträge: 31.316
https://twitter.com/Andrew__Roth/sta...76132947742722

Gorbatschow ist nun für die Öffentlichkeit aufgebart.

https://twitter.com/brewerov/status/1565969605931290624

Lange Schlange.
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Alt 03.09.2022, 15:37   #21
Baptist Ziergiebel
Rippenprellung
 
Registriert seit: 16.10.2015
Beiträge: 145
Erinnere mich noch gut. Als Gorbatschow zum 40. der DDR nach Berlin kam, wurden wir Gören alle in Schulklassenstärke zum Jubeln in der damaligen Wilhelm-Pieck-Straße an den Straßenrand abkommandiert. Gorbatschow fuhr vorbei, lächelte und winkte aus dem Auto und wir brüllten uns mit "GORBI GORBI..." die Kehlen wund. Neben ihm Honecker, dem, wie man später erfuhr, die Begeisterung im Land gar nicht so recht war.

Was auch nicht verwunderlich war. Als Teil der verstaubten Gerontokratie, die Gorbatschow in der SU abgelöst und die in der DDR noch am Ruder war, wußte "Honni" wohl schon, was die Uhr geschlagen hatte.

Die Vorwürfe, in denen Gorbatschow die Verantwortung für das Ende der SU, gar des ganzen "real existierenden Sozialismus" vorgehalten wird, teile ich nicht.Wenn einer in einem stickigen, verqualmten Gebäude die Tür aufmacht, um etwas frische Luft hereinzulassen und hinter ihm dann das Gebäude zusammenstürzt, ist nicht der schuld, der die Tür öffnet. Die SU, die gesamte Ostzone war fertig, restlos. Verfallene Städte, lähmender Stillstand, hohe Alkohol- und Suizidraten waren das Bild der späten 80er. Das konnte irgendwann nur übel enden und Gorbatschow war dafür verantwortlich, dass die Wendezeiten zum größten Teil friedlich verliefen. Dafür und dass er den kalten Krieger Reagan "umgedreht" und mit diesem die Atomwaffenrückrüstung verhandelt hat, gebührt ihm zumindest mein ewiger Dank.

Gruß.

Geändert von Baptist Ziergiebel (03.09.2022 um 15:37 Uhr).
Baptist Ziergiebel ist gerade online   Mit Zitat antworten
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