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Alt 06.08.2022, 23:27   #951
Riddler
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 27.06.2005
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Zitat von rantanplan Beitrag anzeigen
Wie kann ein Kriegsende in wenigen Monaten denn aussehen?
Diese Frage wird dir so niemand beantworten können. Die meisten Einschätzungen von Experten, die weitaus besser in der Materie unterwegs sind, gehen aktuell von einem mehrjährigen Konflikt aus.

Die Kritik an den Wagenknechts dieser Welt muss ja auch nicht zwangsläufig bedeuten, dass man selbst über die ultimative Lösung verfügt.

Die Kritik muss erfolgen, wenn solche Leute Wahrheiten ignorieren, Tatsachen verdrehen und nur aus populistischen Gründen Ängste schüren.

Nun wirst du sicherlich fragen, wo denn die Wahrheit liegt. Die Fakten sind klar auf der Hand: Russland ist in der Ukraine einmarschiert. Unprovoziert, unter dem Vorwand, das Land zu entmilitarisien und zur "Entnazifizierung".

Es erfolgten bis heute (!), keinerlei Begründungen oder gar Beweise, dass das Vorgehen Russland in irgendeiner Weise eine Art "moralischer Berechtigung" zuspricht.
Jetzt würden einige sicherlich die Weltpolizei USA als Whataboutism entgegnen. Das ist aber vollkommen schnuppe. Wir haben im Hier und Jetzt einfach mal einen Paradigmenwechsel, wo die Fehler der Vergangenheit vernachlässigt werden müssen.

Die finale Antwort auf die Frage, wie und/wann der Konflikt beendet werden wird, können nur die Machthaber in Kiew und Moskau beantworten.
Wir müssen uns als Land und auch als Menschen lediglich entscheiden, wen wir unterstützen wollen. Feststeht jedoch auch, dass man sich entscheiden muss.
Den Kopf in den Sand stecken funktioniert nämlich nicht mehr und das erschreckt nunmal viele, weil einem auf einmal klar wird, was für ein ignoranter Egomane (ich meine explizit nicht dich ) man geworden ist.

Geändert von Riddler (07.08.2022 um 11:29 Uhr).
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Alt 07.08.2022, 09:29   #953
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Die Ukraine wird so lange unterstützt, bis der ukrainische Donbas, die ukrainische Südküste und die ukrainische Halbinsel Krim frei von russischen Soldaten sind - sonst geht es trotz eventueller zukünftiger Waffenstillstände und Abkommen auf ukrainischen Staatsgebiet immer weiter. Alle angeblichen realistischen Lösungsvorschläge, die nicht dieses Ziel haben, bedeuten auf lange Sicht die Zerschlagung der Ukraine als Staat, Kultur und Staatsvolk. Es gibt furchtbare Berichte aus den besetzten Städten Cherson und Mariupol. Wenn Leute kein russisch sprechen, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert. Wenn Leute sich den russischen Pass nicht aufzwingen lassen, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert. Wenn Leute nicht kollaborieren, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert - es gibt Berichte von Erschießungen von Nicht-Kollaborateuren, deren Leichen hastig verbrannt werden. Das alles ist eingepreist in einer realistischen Lösung, der man der Ukraine aufdrücken kann. Ich ziehe da ehrlich gesagt eine angebliche unrealistische Lösung dieser realistischen Lösung vor, denn sonst läuft es mir im Winter trotz warmer Wohnung kalt den Rücken runter und die Weihnachtsgans bleibt mir im Halse stecken.
Das war mein Butter bei die Fische. Mein Butter bei die Fische ist weder die NATO-Position, noch die russische Position, sondern die ukrainische Position. Ich fühl mich nicht dazu ermächtigt, zu entscheiden, was die Ukraine machen muss.

Geändert von CM Punkomaniac (07.08.2022 um 09:42 Uhr).
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Alt 07.08.2022, 21:13   #954
rantanplan
Höllen-Rentner
 
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Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Diese Frage wird dir so niemand beantworten können. Die meisten Einschätzungen von Experten, die weitaus besser in der Materie unterwegs sind, gehen aktuell von einem mehrjährigen Konflikt aus.

Die Kritik an den Wagenknechts dieser Welt muss ja auch nicht zwangsläufig bedeuten, dass man selbst über die ultimative Lösung verfügt.

Die Kritik muss erfolgen, wenn solche Leute Wahrheiten ignorieren, Tatsachen verdrehen und nur aus populistischen Gründen Ängste schüren.

Nun wirst du sicherlich fragen, wo denn die Wahrheit liegt. Die Fakten sind klar auf der Hand: Russland ist in der Ukraine einmarschiert. Unprovoziert, unter dem Vorwand, das Land zu entmilitarisien und zur "Entnazifizierung".
Ich lese hier von Wagenknecht unter anderem dies:
„Selbstverständlich ist der Konflikt durch einen zu verurteilenden und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands ausgelöst worden, so wie ich es mehrfach gesagt habe. Aber: Es ist irre und gefährlich zu glauben, dass dieser durch Waffenlieferungen und Wirtschaftskrieg beizulegen wäre.“

Wenn ich analog dazu die von dir genannten Experten hinzunehme, die von einem mehrjährigen Konflikt ausgehen, ist das imho kein Widerspruch zu dieser Aussage von Wagenknecht. Wenn man Wagenknecht hierfür kritisiert, dann kann man meiner Meinung nach schon von Kritikern erwarten, dass sie eine andere Lösung vorschlagen. Ein langjähriger Krieg kann zweifellos nicht im Sinne des ukrainischen Volkes sein. Er kann vermutlich auch nicht im Sinne des Westens sein, da denke ich halt irgendwo schon, dass er die politischen Landschaften in Europa nachhaltig zum Schlechteren verändern kann. Und er kann auch nicht im Sinne Russlands sein, was schon jetzt wirtschaftlich deutlich zurückgesetzt wird - mit allen Konsequenzen, vor allem für den "einfachen" Russen. Natürlich muss da die Konsequenz nicht sein, die Waffenlieferungen einzustellen oder die Sanktionen beizulegen, aber man kann diese durchaus als Verhandlungsmasse ansehen.

Zitat:
Es erfolgten bis heute (!), keinerlei Begründungen oder gar Beweise, dass das Vorgehen Russland in irgendeiner Weise eine Art "moralischer Berechtigung" zuspricht.
Jetzt würden einige sicherlich die Weltpolizei USA als Whataboutism entgegnen. Das ist aber vollkommen schnuppe. Wir haben im Hier und Jetzt einfach mal einen Paradigmenwechsel, wo die Fehler der Vergangenheit vernachlässigt werden müssen.

Die finale Antwort auf die Frage, wie und/wann der Konflikt beendet werden wird, können nur die Machthaber in Kiew und Moskau beantworten.
Wir müssen uns als Land und auch als Menschen lediglich entscheiden, wen wir unterstützen wollen. Feststeht jedoch auch, dass man sich entscheiden muss.
Den Kopf in den Sand stecken funktioniert nämlich nicht mehr und das erschreckt nunmal viele, weil einem auf einmal klar wird, was für ein ignoranter Egomane (ich meine explizit nicht dich ) man geworden ist.
Ich bin deiner Meinung, dass man eine moralische Berechtigung nicht vorweisen kann, es gibt sie schlichtweg ja nicht, die zweifellos vorhandenen Untaten der USA sind mir tatsächlich hier auch egal. Die Entscheidung, wen wir unterstützen, wird allerdings erst einmal ohne "uns Menschen" getroffen. Als Land entscheiden das unsere gewählten Vertreter, was in einer Demokratie ja irgendwo auch in Ordnung ist, allerdings entscheiden wir als Land natürlich irgendwo mit, wann der Konflikt beendet wird. Wir könnten die Unterstützung einstellen, sofort die Sanktionen zurücknehmen und uns moralisch schlecht fühlen. Will man, dass die Ukraine in wenigen Wochen fällt? Sicherlich nicht, aber da sind wir wieder bei der Verhandlungsmasse.

Mein Problem an der Sache ist, dass ein mehrjähriger Krieg niemandem etwas nutzt, die zu erwartenden Konsequenzen sind ja schon jetzt relativ offensichtlich: Extrem viel Leid für die Menschen in der Ukraine, eine massive Schwächung Russlands, teilweise aufgefangen durch andere energiehungrige Länder wie China, Indien usw., eine Stärkung der menschenverachtenden Regime in Nahost, daneben die USA, die ihr Frackinggas völlig überteuert nach Europa schicken können, und ein Europa, was massiven politischen Verwerfungen unterliegen wird. Und das alles für die Aussicht, dass den Menschen in der Ukraine ein paar Jahre Krieg bevorstehen?

Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Die Ukraine wird so lange unterstützt, bis der ukrainische Donbas, die ukrainische Südküste und die ukrainische Halbinsel Krim frei von russischen Soldaten sind - sonst geht es trotz eventueller zukünftiger Waffenstillstände und Abkommen auf ukrainischen Staatsgebiet immer weiter. Alle angeblichen realistischen Lösungsvorschläge, die nicht dieses Ziel haben, bedeuten auf lange Sicht die Zerschlagung der Ukraine als Staat, Kultur und Staatsvolk. Es gibt furchtbare Berichte aus den besetzten Städten Cherson und Mariupol. Wenn Leute kein russisch sprechen, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert. Wenn Leute sich den russischen Pass nicht aufzwingen lassen, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert. Wenn Leute nicht kollaborieren, werden sie inhaftiert und dort teils auch gefoltert - es gibt Berichte von Erschießungen von Nicht-Kollaborateuren, deren Leichen hastig verbrannt werden. Das alles ist eingepreist in einer realistischen Lösung, der man der Ukraine aufdrücken kann. Ich ziehe da ehrlich gesagt eine angebliche unrealistische Lösung dieser realistischen Lösung vor, denn sonst läuft es mir im Winter trotz warmer Wohnung kalt den Rücken runter und die Weihnachtsgans bleibt mir im Halse stecken.
Das war mein Butter bei die Fische. Mein Butter bei die Fische ist weder die NATO-Position, noch die russische Position, sondern die ukrainische Position. Ich fühl mich nicht dazu ermächtigt, zu entscheiden, was die Ukraine machen muss.
Ich würde sagen, wir sprechen uns im Januar oder Februar noch einmal, wenn wir tatsächlich alle frieren. Im warmen Sommer denkt man natürlich, dass der Pullover reichen wird - erinnert irgendwie an einen Hurra-Patriotismus von 1914, nur halt jetzt für die Ukraine. Vielleicht mit dem Resultat, dass sich Russland in ein paar Jahren zurückzieht, vielleicht auch nicht.

Jeder hier weiß um die Greueltaten der russischen Soldaten, nur frage ich mich, wie Europa die Ukraine unterstützen soll, wenn im Winter die Heizungen ausgehen, wenn Teile der Bevölkerung ihre Rechnungen nicht bezahlen können, wenn Zehntausende wieder mal in die Kurzarbeit geschickt werden, andere in die Arbeitslosigkeit.

Ich fühle mich tatsächlich auch nicht ermächtigt zu entscheiden, was die Ukraine machen muss - womöglich sollte man die Unterstützung aber daran knüpfen, dass die Ukraine auf eine Beilegung des Krieges hinarbeitet. Wie schon gesagt, auch die Ukraine kann kein Interesse an einem mehrjährigen Krieg haben.
rantanplan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.08.2022, 21:26   #955
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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In Russland greift ein komischer, militaristischer Uniform-Fetischismus um sich.

https://twitter.com/officejjsmart/st...61904052883457
Zitat:
Moscow Industrial Arts Institute’s new uniforms. Anyone else think the Fall Fashion has palates of fascism with hints of 1940s?
Die Fotos im Link. Wahnsinn.

Geändert von CM Punkomaniac (07.08.2022 um 22:41 Uhr).
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Alt 07.08.2022, 22:43   #956
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Zitat:
Zitat von rantanplan Beitrag anzeigen
Ich lese hier von Wagenknecht unter anderem dies:
„Selbstverständlich ist der Konflikt durch einen zu verurteilenden und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands ausgelöst worden, so wie ich es mehrfach gesagt habe. Aber: Es ist irre und gefährlich zu glauben, dass dieser durch Waffenlieferungen und Wirtschaftskrieg beizulegen wäre.“

Wenn ich analog dazu die von dir genannten Experten hinzunehme, die von einem mehrjährigen Konflikt ausgehen, ist das imho kein Widerspruch zu dieser Aussage von Wagenknecht. Wenn man Wagenknecht hierfür kritisiert, dann kann man meiner Meinung nach schon von Kritikern erwarten, dass sie eine andere Lösung vorschlagen. Ein langjähriger Krieg kann zweifellos nicht im Sinne des ukrainischen Volkes sein. Er kann vermutlich auch nicht im Sinne des Westens sein, da denke ich halt irgendwo schon, dass er die politischen Landschaften in Europa nachhaltig zum Schlechteren verändern kann. Und er kann auch nicht im Sinne Russlands sein, was schon jetzt wirtschaftlich deutlich zurückgesetzt wird - mit allen Konsequenzen, vor allem für den "einfachen" Russen. Natürlich muss da die Konsequenz nicht sein, die Waffenlieferungen einzustellen oder die Sanktionen beizulegen, aber man kann diese durchaus als Verhandlungsmasse ansehen.



Ich bin deiner Meinung, dass man eine moralische Berechtigung nicht vorweisen kann, es gibt sie schlichtweg ja nicht, die zweifellos vorhandenen Untaten der USA sind mir tatsächlich hier auch egal. Die Entscheidung, wen wir unterstützen, wird allerdings erst einmal ohne "uns Menschen" getroffen. Als Land entscheiden das unsere gewählten Vertreter, was in einer Demokratie ja irgendwo auch in Ordnung ist, allerdings entscheiden wir als Land natürlich irgendwo mit, wann der Konflikt beendet wird. Wir könnten die Unterstützung einstellen, sofort die Sanktionen zurücknehmen und uns moralisch schlecht fühlen. Will man, dass die Ukraine in wenigen Wochen fällt? Sicherlich nicht, aber da sind wir wieder bei der Verhandlungsmasse.

Mein Problem an der Sache ist, dass ein mehrjähriger Krieg niemandem etwas nutzt, die zu erwartenden Konsequenzen sind ja schon jetzt relativ offensichtlich: Extrem viel Leid für die Menschen in der Ukraine, eine massive Schwächung Russlands, teilweise aufgefangen durch andere energiehungrige Länder wie China, Indien usw., eine Stärkung der menschenverachtenden Regime in Nahost, daneben die USA, die ihr Frackinggas völlig überteuert nach Europa schicken können, und ein Europa, was massiven politischen Verwerfungen unterliegen wird. Und das alles für die Aussicht, dass den Menschen in der Ukraine ein paar Jahre Krieg bevorstehen?



Ich würde sagen, wir sprechen uns im Januar oder Februar noch einmal, wenn wir tatsächlich alle frieren. Im warmen Sommer denkt man natürlich, dass der Pullover reichen wird - erinnert irgendwie an einen Hurra-Patriotismus von 1914, nur halt jetzt für die Ukraine. Vielleicht mit dem Resultat, dass sich Russland in ein paar Jahren zurückzieht, vielleicht auch nicht.

Jeder hier weiß um die Greueltaten der russischen Soldaten, nur frage ich mich, wie Europa die Ukraine unterstützen soll, wenn im Winter die Heizungen ausgehen, wenn Teile der Bevölkerung ihre Rechnungen nicht bezahlen können, wenn Zehntausende wieder mal in die Kurzarbeit geschickt werden, andere in die Arbeitslosigkeit.

Ich fühle mich tatsächlich auch nicht ermächtigt zu entscheiden, was die Ukraine machen muss - womöglich sollte man die Unterstützung aber daran knüpfen, dass die Ukraine auf eine Beilegung des Krieges hinarbeitet. Wie schon gesagt, auch die Ukraine kann kein Interesse an einem mehrjährigen Krieg haben.
Es gibt ja zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten, die dieser Konflikt nehmen kann. Das reicht von (jetzt mal subjektiv nach Wahrscheinlichkeit sortiert) langjährigem Konflikt, Aufreiben der ukrainischen Streitkräfte, politisches Attentat auf Selenskyj, Meuterei innerhalb des ukrainischen Militärs, Kapitulation der Ukraine, UN-Mandat für einen nicht-militärischen Einsatz in der Ost-Ukraine, Rückzug Russlands mit gleichzeitiger Entmachtung Putins und schließlich (um alle Möglichkeiten zu erwähnen) der Einsatz von Nuklearwaffen.

Keine dieser Möglichkeiten ist besonders reizvoll. Und die Konsequenzen dieses Konflikts spüren wir alle. Diese hätten wir aber meiner Ansicht nach auch zu einem großen Teil ohne irgendwelche Sanktionen zu spüren bekommen.

Die Inflation wäre trotzdem gestiegen, die Lieferketten wären beeinträchtigt und vor allem würden die Länder der dritten Welt trotzdem auf ihre Weizen- und Maislieferungen warten müssen. Das war nämlich bei jedem militärischen Konflikt immer so.

Ich kenne auch die Meinung, dass die Ukraine doch besser einfach aufgeben sollte, da die ja "ohnehin nicht gewinnen können". Das ist jedoch Konfliktvermeidung, nur der persönlichen Bequemlichkeit willen und dann können wir auch gleich jeder ukrainischen Mutter und jedem ukrainischen Kind, welches hierher geflüchtet ist, direkt ins Gesicht spucken.

Es war vielen (u.a. mir auch) gar nicht klar, was für ein wichtiges Rädchen die Ukraine in der Weltwirtschaft mittlerweile gespielt hat. Und es ist unbestritten, dass diese ganzen Abhängigkeiten durch schlechte politische Entscheidungen und gierige Wirtschaftsbosse.(z.B. Outsourcing von Arbeitsplätzen nach Osteuropa) entstanden sind.
Und natürlich kommt uns das unfair vor, dass wir hier jetzt die Suppe auslöffeln müssen. Aber der Punkt, wo man laut "Moment mal!" hätte ausrufen müssen, ist schon vor Jahr(zehnt)en verpasst worden.
Wir, der Westen, zahlen jetzt auch den Preis für die Versäumnisse vorheriger Generationen und da können wir uns auf den Kopf stellen, wie wir wollen.

Ich denke im übrigen nicht, dass uns ein allzu harter Winter bevor steht. Das ist leider auch wieder so ein Horrorszenario, welches von vielen Leuten kommt, die sich irgendwie relevant machen wollen, aber besser einfach die Klappe halten sollten.

Ja. Wir müssen uns vorbereiten, ohne Frage. Was wir aber bitte auch einfach wieder lernen müssen, ist Solidarität und Hilfsbereitschaft. Nicht nur mit der Ukraine. Auch hier untereinander in Deutschland. Immer. Und vor allem jetzt.
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Alt 07.08.2022, 23:05   #957
CM Punkomaniac
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Riddler, überleg dir das alles noch einmal.

https://twitter.com/JayinKyiv/status...71970521219074
Zitat:
Ein Mitglied der russischen Duma sagt zu Deutschland im Fernsehen zur besten Sendezeit: "Wir werden kommen und euch alle töten".
Liebesgrüße aus Moskau.
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Alt 07.08.2022, 23:14   #958
rantanplan
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Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Es gibt ja zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten, die dieser Konflikt nehmen kann. Das reicht von (jetzt mal subjektiv nach Wahrscheinlichkeit sortiert) langjährigem Konflikt, Aufreiben der ukrainischen Streitkräfte, politisches Attentat auf Selenskyj, Meuterei innerhalb des ukrainischen Militärs, Kapitulation der Ukraine, UN-Mandat für einen nicht-militärischen Einsatz in der Ost-Ukraine, Rückzug Russlands mit gleichzeitiger Entmachtung Putins und schließlich (um alle Möglichkeiten zu erwähnen) der Einsatz von Nuklearwaffen.

Keine dieser Möglichkeiten ist besonders reizvoll. Und die Konsequenzen dieses Konflikts spüren wir alle. Diese hätten wir aber meiner Ansicht nach auch zu einem großen Teil ohne irgendwelche Sanktionen zu spüren bekommen.

Die Inflation wäre trotzdem gestiegen, die Lieferketten wären beeinträchtigt und vor allem würden die Länder der dritten Welt trotzdem auf ihre Weizen- und Maislieferungen warten müssen. Das war nämlich bei jedem militärischen Konflikt immer so.

Ich kenne auch die Meinung, dass die Ukraine doch besser einfach aufgeben sollte, da die ja "ohnehin nicht gewinnen können". Das ist jedoch Konfliktvermeidung, nur der persönlichen Bequemlichkeit willen und dann können wir auch gleich jeder ukrainischen Mutter und jedem ukrainischen Kind, welches hierher geflüchtet ist, direkt ins Gesicht spucken.

Es war vielen (u.a. mir auch) gar nicht klar, was für ein wichtiges Rädchen die Ukraine in der Weltwirtschaft mittlerweile gespielt hat. Und es ist unbestritten, dass diese ganzen Abhängigkeiten durch schlechte politische Entscheidungen und gierige Wirtschaftsbosse.(z.B. Outsourcing von Arbeitsplätzen nach Osteuropa) entstanden sind.
Und natürlich kommt uns das unfair vor, dass wir hier jetzt die Suppe auslöffeln müssen. Aber der Punkt, wo man laut "Moment mal!" hätte ausrufen müssen, ist schon vor Jahr(zehnt)en verpasst worden.
Wir, der Westen, zahlen jetzt auch den Preis für die Versäumnisse vorheriger Generationen und da können wir uns auf den Kopf stellen, wie wir wollen.

Ich denke im übrigen nicht, dass uns ein allzu harter Winter bevor steht. Das ist leider auch wieder so ein Horrorszenario, welches von vielen Leuten kommt, die sich irgendwie relevant machen wollen, aber besser einfach die Klappe halten sollten.

Ja. Wir müssen uns vorbereiten, ohne Frage. Was wir aber bitte auch einfach wieder lernen müssen, ist Solidarität und Hilfsbereitschaft. Nicht nur mit der Ukraine. Auch hier untereinander in Deutschland. Immer. Und vor allem jetzt.
Auch so ein Post, den ich mir im Januar oder Februar noch einmal anschauen würde. Ohne Häme, aber weil ich den Winter durchaus kritischer sehe.

Die Bedeutung der Ukraine halte ich für relativ gering - wenigstens für uns in Mitteleuropa. Es geht halt letztlich "nur" um die Rohstoffe aus Russland, von denen wir uns lange Jahre abhängig gemacht haben. Mittelbar betrifft es uns natürlich auch - wenn in manchen Ländern Nahrungsmittelknappheit herrscht, kommen die Leute nach Europa.

Aufgeben muss die Ukraine aus meiner Sicht ja gar nicht, sondern realistisch einschätzen, wie ihre Chancen in den nächsten 5 Jahren mit westlicher Unterstützung sind und dann mit den Russen verhandeln. Man muss halt einfach mal definieren, was welche Seite will, warum nicht Gebiete abtreten und dafür die NATO-Mitgliedschaft bekommen? Dann wird Putin auch nicht in 2,3 Jahren wieder von vorne anfangen. Georgien und Moldau kann man ja gleich mit einbeziehen.

Wenn wir Hilfsbereitschaft und Solidarität hierzulande lernen müssen: Ganz milchmädchemmäßig ist ein Tempolimit von 100 km/h solidarisch: Weniger Nachfrage, sinkende Preise, auch wenn es nur ein paar Cent sind.

Nur: Wie solidarisch wollen wir sein? Vielleicht bieten reiche Menschen künftig den armen Rentnern "Wärmeräume" an?
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Alt 07.08.2022, 23:14   #959
y2jforever
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Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Riddler, überleg dir das alles noch einmal.

https://twitter.com/JayinKyiv/status...71970521219074


Liebesgrüße aus Moskau.
Ich mag das falsch einschätzen, aber ich glaube der NATO Bündnisfall wäre für Russland eher so mittel erstrebenswert ...
Zitat:
Zitat von rantanplan Beitrag anzeigen
Aufgeben muss die Ukraine aus meiner Sicht ja gar nicht, sondern realistisch einschätzen, wie ihre Chancen in den nächsten 5 Jahren mit westlicher Unterstützung sind und dann mit den Russen verhandeln. Man muss halt einfach mal definieren, was welche Seite will, warum nicht Gebiete abtreten und dafür die NATO-Mitgliedschaft bekommen? Dann wird Putin auch nicht in 2,3 Jahren wieder von vorne anfangen. Georgien und Moldau kann man ja gleich mit einbeziehen.
Ich persönlich halte durch einen Angriffskrieg gebiete dazu bekommen für einen grundsätzlich inakzeptablen Weg. Eine Verhandlung und eine Landabgabe durch Referendum oder ähnliches funktioniert für mich nur in Friedenszeiten.
Zitat:
Zitat von rantanplan Beitrag anzeigen
Wenn wir Hilfsbereitschaft und Solidarität hierzulande lernen müssen: Ganz milchmädchemmäßig ist ein Tempolimit von 100 km/h solidarisch: Weniger Nachfrage, sinkende Preise, auch wenn es nur ein paar Cent sind.

Nur: Wie solidarisch wollen wir sein? Vielleicht bieten reiche Menschen künftig den armen Rentnern "Wärmeräume" an?
Mit der Solidarität steht es garnicht so schlimm wie man meinen mag. Das Tempolimit scheitert ja nicht daran, dass es nicht genügend Leute gibt die dafür sind. Es ist eher so, dass "die falschen" solidarisch sind.
__________________
"Remember - hate is always foolish ... and love, is always wise. Always try, to be nice and never fail to be kind" - The 12th Doctor
"If you need the threat of hell to be a good person, then you are just a bad person on a leash" - Paul Kinsella

Geändert von y2jforever (07.08.2022 um 23:22 Uhr).
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Alt 07.08.2022, 23:30   #960
CM Punkomaniac
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Zitat:
Zitat von y2jforever Beitrag anzeigen
Ich mag das falsch einschätzen, aber ich glaube der NATO Bündnisfall wäre für Russland eher so mittel erstrebenswert...
Die polnische Bevölkerung ist gegenüber Russland nicht so defätistisch wie die deutsche Bevölkerung gegenüber Russland. Das gäbe eine zweite Ukraine. Und Russland bekommt die 'erste' Ukraine schon nicht geregelt.

Aber: Wenn es für Russland in der Ukraine gut liefe, würde man nicht so aggressiv reagieren, oder? Natürlich sind das Scharfmacher im Fernsehen. Aus einer Drei-Tage-Operation, die geplant war, sind nun fünfeinhalb Monate geworden.

Geändert von CM Punkomaniac (07.08.2022 um 23:39 Uhr).
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Alt 07.08.2022, 23:33   #961
k-town1900
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Zitat:
Mit der Solidarität steht es garnicht so schlimm wie man meinen mag. Das Tempolimit scheitert ja nicht daran, dass es nicht genügend Leute gibt die dafür sind. Es ist eher so, dass "die falschen" solidarisch sind.
Der Satz ist richtig gut den muß ich mir merken. Der trifft auf so vieles zu
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Alt 07.08.2022, 23:50   #962
Riddler
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Zitat:
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Auch so ein Post, den ich mir im Januar oder Februar noch einmal anschauen würde. Ohne Häme, aber weil ich den Winter durchaus kritischer sehe.

Die Bedeutung der Ukraine halte ich für relativ gering - wenigstens für uns in Mitteleuropa. Es geht halt letztlich "nur" um die Rohstoffe aus Russland, von denen wir uns lange Jahre abhängig gemacht haben. Mittelbar betrifft es uns natürlich auch - wenn in manchen Ländern Nahrungsmittelknappheit herrscht, kommen die Leute nach Europa.

Aufgeben muss die Ukraine aus meiner Sicht ja gar nicht, sondern realistisch einschätzen, wie ihre Chancen in den nächsten 5 Jahren mit westlicher Unterstützung sind und dann mit den Russen verhandeln. Man muss halt einfach mal definieren, was welche Seite will, warum nicht Gebiete abtreten und dafür die NATO-Mitgliedschaft bekommen? Dann wird Putin auch nicht in 2,3 Jahren wieder von vorne anfangen. Georgien und Moldau kann man ja gleich mit einbeziehen.

Wenn wir Hilfsbereitschaft und Solidarität hierzulande lernen müssen: Ganz milchmädchemmäßig ist ein Tempolimit von 100 km/h solidarisch: Weniger Nachfrage, sinkende Preise, auch wenn es nur ein paar Cent sind.

Nur: Wie solidarisch wollen wir sein? Vielleicht bieten reiche Menschen künftig den armen Rentnern "Wärmeräume" an?
Was soll denn bitte "definiert" werden? Es ist doch glasklar, was die Konfliktparteien wollen. Russland will nicht, dass die Ukraine in NATO und EU eintritt und dass in Kiew eine pro-russische Marionettenregierung an die "Macht" gelangt. Dieses Gelaber um Entmilitarisierung und Entnazifizierung ist nur Propaganda, um nicht stattdessen die Formulierung "Heim ins Reich" benutzen zu müssen.

Die Ukraine will überraschenderweise ihre eigenen Entscheidungen treffen und selbständig ihre Bündnispartner auswählen. Ferner wollen sie, dass die Autonomie des Staatsgebietes anerkannt wird, welches nach dem Zerfall der Sowjetunion definiert wurde. Und vor allem wollen sie das alles weiterhin frei entscheiden können. Ohne dass ihnen der russische Bär im Nacken sitzt, in der Angst, dass dieser mal eben nach Gutdünken seine Armee einmarschieren lässt.

Die im Donbass lebenden Russen sind natürlich ein Knackpunkt, über den Ukraine und Russland verhandeln sollten. Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob und inwieweit es da diplomatische Versuche vor 2014 gab. Ebenso wenig will ich ausschließen, dass sich hier die Ukraine zu der Zeit nicht vielleicht zu stur verhalten hat.
Aber wie Y2J schon schrieb, ist das Thema "Verhandeln" eher nicht so angesagt, wenn die eigenen Städte unter Raketenbeschuss stehen.
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Alt 08.08.2022, 09:17   #963
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Das läuft alles anscheinend relativ schlecht für die russische Armee in der Südukraine.

https://www.n-tv.de/politik/Russland...e23511168.html
Zitat:
Dass der Krieg in der Ukraine für Russland so schleppend läuft, führt laut britischem Geheimdienst zu Konsequenzen an der Armeespitze. [...] Unter anderem General Alexander Dwornikow sei abgesetzt worden, nachdem er das Gesamtkommando über die Operation in der Ukraine innegehabt habe. [...]
https://euromaidanpress.com/2022/08/...and-poisoning/
Zitat:
...
Vitaly Gura, der stellvertretende Leiter der Kollaborations-Verwaltung von Nowa Kachowka, wurde Berichten zufolge in ein Krankenhaus eingeliefert und befand sich in ernstem Zustand. Am Anschlagsort wurden Patronenhülsen aus einer Makarow-Pistole gefunden. Später meldete das staatliche russische Propagandamedium RIA unter Berufung auf den kollaborierenden Beamten Leontiev aus einem Bezirk in der Region Cherson, dass er gestorben sei.
...
https://twitter.com/KyivIndependent/...67284977360898
Zitat:
Die ukrainische Luftwaffe greift 3 russische Stellungen in der Region Cherson an. Das Einsatzkommando "Süd" meldet, dass die ukrainischen Streitkräfte zwei Dutzend russische Soldaten getötet und verschiedene russische Ausrüstung zerstört haben, darunter einen T-62-Panzer, fünf Einheiten gepanzerter und anderer Militärfahrzeuge sowie ein Munitionsdepot im Verwaltungsbezirk Beryslavskyi in der Region Cherson.
https://twitter.com/RALee85/status/1556476262201364486
Zitat:
Berichten zufolge hat die Ukraine heute Abend erneut die Antonovskiy-Brücke ins Visier genommen. Video der Explosion.
https://twitter.com/ukraine_world/st...43297115590657
Zitat:
Ein weiterer erfolgreicher Angriff in dieser Nacht galt Melitopol. Nach Angaben des Bürgermeisters Iwan Fjodorow wurde zahlreiche russische Ausrüstung zerstört und rund 100 Besatzer getötet.
Die Antonovskiy-Brücke ist eine Nachschublinie der russischen Truppen in Richtung der Stadt Cherson. Und das besetzte Melitopol in der Region Saporischschja ist rund 80 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Effekte der westlichen Waffenlieferungen. Außerdem ist schon wieder ein Kollaborateur von ukrainischen Partisanen im von Russland besetzten Gebiet getötet worden. Sowas passiert in den letzten anderthalb Monaten häufiger in der Region Cherson.
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Alt 08.08.2022, 22:53   #964
rantanplan
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Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Was soll denn bitte "definiert" werden? Es ist doch glasklar, was die Konfliktparteien wollen. Russland will nicht, dass die Ukraine in NATO und EU eintritt und dass in Kiew eine pro-russische Marionettenregierung an die "Macht" gelangt. Dieses Gelaber um Entmilitarisierung und Entnazifizierung ist nur Propaganda, um nicht stattdessen die Formulierung "Heim ins Reich" benutzen zu müssen.

Die Ukraine will überraschenderweise ihre eigenen Entscheidungen treffen und selbständig ihre Bündnispartner auswählen. Ferner wollen sie, dass die Autonomie des Staatsgebietes anerkannt wird, welches nach dem Zerfall der Sowjetunion definiert wurde. Und vor allem wollen sie das alles weiterhin frei entscheiden können. Ohne dass ihnen der russische Bär im Nacken sitzt, in der Angst, dass dieser mal eben nach Gutdünken seine Armee einmarschieren lässt.
Und um jetzt rauszufinden, wer sich durchsetzt, sollen sich die beiden halt ein paar Jahre auf dem Schlachtfeld streiten, Zehntausende Tote liefern um am Ende festzustellen, dass jemand gewonnen hat? Wir müssen uns ja gar nicht darüber streiten, dass die Ukraine im Recht ist, nur interessiert das die Russen halt nicht. International gilt das Recht des Stärkeren - nichts anderes machen wir ja mit unseren Sanktionen und Waffenlieferungen - wir drücken aus, dass wir an der Seite der Ukraine stehen und die dadurch die Stärkeren werden könnten. Ob sie es werden, wird man sehen.

Was macht der Westen, wenn die Ukraine verliert? Was macht der Westen mit Russland, wenn die Ukraine gewinnt? Oder anders gefragt: Wie weit ist der Westen bereit zu gehen, wenn die Waffenlieferungen nicht ausreichen? Wenn man eingreifen will, dann ist auch das etwas, was man den Russen besser schon jetzt als Drohung vorsetzen kann, um eine Einigung zu erzwingen. Die Sanktionen allein bringen ja offensichtlich nichts bzw. bewirken kein Umdenken.


Zitat:
Die im Donbass lebenden Russen sind natürlich ein Knackpunkt, über den Ukraine und Russland verhandeln sollten. Ich kann jetzt nicht beurteilen, ob und inwieweit es da diplomatische Versuche vor 2014 gab. Ebenso wenig will ich ausschließen, dass sich hier die Ukraine zu der Zeit nicht vielleicht zu stur verhalten hat.
Aber wie Y2J schon schrieb, ist das Thema "Verhandeln" eher nicht so angesagt, wenn die eigenen Städte unter Raketenbeschuss stehen.
In Deutschland werden Menschen umgesiedelt, weil Energiekonzerne Kohle abbauen wollen - so what? Aber warum sollte man über die im Donbass lebenden Russen verhandeln und nicht über die im Donbass lebenden Ukrainer? In Luhansk reden wir von fast 40% Russen, ebenso in Donezk, sprachlich sind es sogar 74 bzw. 68% (Zahlen von 2001).

Es ist natürlich absolut richtig, dass eine Volksabstimmung in Friedenszeiten und als freie Wahl abgehalten werden sollte, aber vielleicht formulieren wir die Frage anders: 5 Jahre Krieg oder Umsiedlung in andere Teile der Ukraine, die künftig NATO und EU-Mitglied wird. Natürlich ist es scheiße, wenn jemand seine Heimat aufgeben muss, aber das ist doch nicht wirklich neu.
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Alt 08.08.2022, 23:22   #965
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Zitat von rantanplan Beitrag anzeigen
Und um jetzt rauszufinden, wer sich durchsetzt, sollen sich die beiden halt ein paar Jahre auf dem Schlachtfeld streiten, Zehntausende Tote liefern um am Ende festzustellen, dass jemand gewonnen hat? Wir müssen uns ja gar nicht darüber streiten, dass die Ukraine im Recht ist, nur interessiert das die Russen halt nicht. International gilt das Recht des Stärkeren - nichts anderes machen wir ja mit unseren Sanktionen und Waffenlieferungen - wir drücken aus, dass wir an der Seite der Ukraine stehen und die dadurch die Stärkeren werden könnten. Ob sie es werden, wird man sehen.

Was macht der Westen, wenn die Ukraine verliert? Was macht der Westen mit Russland, wenn die Ukraine gewinnt? Oder anders gefragt: Wie weit ist der Westen bereit zu gehen, wenn die Waffenlieferungen nicht ausreichen? Wenn man eingreifen will, dann ist auch das etwas, was man den Russen besser schon jetzt als Drohung vorsetzen kann, um eine Einigung zu erzwingen. Die Sanktionen allein bringen ja offensichtlich nichts bzw. bewirken kein Umdenken.
Wenn selbst Putin schon zugegeben hat, dass die Sanktionen Russland vor eine große Herausforderung stellen, sagt das mir, dass die Sanktionen sehr wohl Wirkung zeigen. Die USA schätzen die russischen Verluste aktuell auf 70000 bis 80000 Tote und Verwundete ein (offiziell bestätigt bekommt man sowas ja nicht).
Man darf nicht davon ausgehen, dass Sanktionen ad hoc eine Veränderung in wenigen Monaten bringen. Das hat aber auch nie jemand behauptet. Und auch die verbleibenden Bündnispartner Russlands, wie China oder Belarus werden das auch nicht in vollem Umfang ausgleichen können. Zeit ist hier einfach der Schlüsselfaktor.

Und da Russland bzw. Putin sich beharrlich weigern, überhaupt mit irgendwem zu verhandeln, sind die Möglichkeiten da überschaubar. Die Frage ist ja auch einfach, wen würde Putin überhaupt als Verhandlungspartner akzeptieren? Da gäbe es auf diesem Planeten wahrscheinlich nicht mal eine Handvoll.
Dementsprechend kann der Westen hier nur weiterhin Russland sanktionieren und die Ukraine unterstützen.

Tatsächlich ist mir persönlich z.B. die UN auch zu passiv und beweist damit leider auch wieder, wie sinnlos dieser Bund mittlerweile geworden ist.

Aber soll man jetzt an die Ukraine herantreten und die auffordern, klein bei zu geben? Weil da im Kreml ein bockiges Kind sitzt, dass mit niemandem reden will? Soll das die Lösung sein?
Hey, Herr Selenskyj, geben sie sich doch einen Ruck. Sie wissen doch, der Klügere gibt nach. Ist doch nicht so schlimm, wenn ihr in der Ukraine jetzt wieder ein paar Jahrzehnte unter russischer Herrschaft lebt. Der Putin stirbt ja auch irgendwann mal. Dann gucken wir uns das nochmal genauer an. Deal?
Riddler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.08.2022, 23:52   #966
rantanplan
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Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Wenn selbst Putin schon zugegeben hat, dass die Sanktionen Russland vor eine große Herausforderung stellen, sagt das mir, dass die Sanktionen sehr wohl Wirkung zeigen. Die USA schätzen die russischen Verluste aktuell auf 70000 bis 80000 Tote und Verwundete ein (offiziell bestätigt bekommt man sowas ja nicht).
Man darf nicht davon ausgehen, dass Sanktionen ad hoc eine Veränderung in wenigen Monaten bringen. Das hat aber auch nie jemand behauptet. Und auch die verbleibenden Bündnispartner Russlands, wie China oder Belarus werden das auch nicht in vollem Umfang ausgleichen können. Zeit ist hier einfach der Schlüsselfaktor.
70-80k Tote und Verwundete entsprechen nichtmal 10% des russischen Militärs. Die Frage, was man im Falle einer Generalmobilmachung Russlands erwidert, wird öffentlich aber nicht einmal diskutiert. Natürlich hoffen alle auf den Putsch der russischen Mütter, aber das ist absurd.

Zitat:
Und da Russland bzw. Putin sich beharrlich weigern, überhaupt mit irgendwem zu verhandeln, sind die Möglichkeiten da überschaubar. Die Frage ist ja auch einfach, wen würde Putin überhaupt als Verhandlungspartner akzeptieren? Da gäbe es auf diesem Planeten wahrscheinlich nicht mal eine Handvoll.
Dementsprechend kann der Westen hier nur weiterhin Russland sanktionieren und die Ukraine unterstützen.
Der Westen kann jeder Zeit "All-In" gehen und Truppen in die Ukraine schicken. Ich bin mir relativ sicher, dass das die Verhandlungsbereitschaft Putins deutlich stärken würde. Alternativ könnte man auch Sanktionen gegen alle Länder verhängen, die die Sanktionen des Westens unterlaufen.

"Besonders stark entwickelte sich der chinesische Handel mit Russland, der um 37,1 Prozent zulegte. Chinas Einfuhren aus dem - wegen seiner Invasion in die Ukraine mit internationalen Wirtschaftssanktionen belegten - Nachbarland stiegen um 49,3 Prozent. China importiert besonders viel Energie aus Russland. Die chinesischen Ausfuhren wuchsen um 22,2 Prozent."

Zitat:
Tatsächlich ist mir persönlich z.B. die UN auch zu passiv und beweist damit leider auch wieder, wie sinnlos dieser Bund mittlerweile geworden ist.
Wieso denn mittlerweile? Wir haben seit Gründung eigentlich das Problem der Veto-Mächte, egal um welchen Konflikt es geht.

Zitat:
Aber soll man jetzt an die Ukraine herantreten und die auffordern, klein bei zu geben? Weil da im Kreml ein bockiges Kind sitzt, dass mit niemandem reden will? Soll das die Lösung sein?
Hey, Herr Selenskyj, geben sie sich doch einen Ruck. Sie wissen doch, der Klügere gibt nach. Ist doch nicht so schlimm, wenn ihr in der Ukraine jetzt wieder ein paar Jahrzehnte unter russischer Herrschaft lebt. Der Putin stirbt ja auch irgendwann mal. Dann gucken wir uns das nochmal genauer an. Deal?
Darum geht es doch gar nicht. Im Kreml wird sicherlich nach Putin das nächste bockige Kind sitzen. Medwedew ist so ein Kandidat, der vermutlich noch schlimmer wäre. Aber vielleicht schenkt man Donezk und Luhansk, sowie die Krim halt her und bekommt stattdessen die Mitgliedschaft in der EU und der NATO. Sicherheitspolitisch ist das ein Gewinn. Ich sehe einen jahrelangen Krieg halt nicht wirklich als sinnvolle Alternative, weder für die Ukraine, noch für alle anderen direkt oder indirekt Beteiligten. Wenn man das anders sieht, sollte man meine ich auch die Eier haben und militärisch unterstützen und sich nicht monatelang um Lieferungen herumwinden, wie es diverse "Europäer" tun.
rantanplan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.2022, 00:17   #967
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Ich habe ein paar Dinge gefunden, die vielleicht für dich, @Riddler, interessant sind. Oder auch für @Zerquetscher. Für andere sicher ebenfalls. Vorsicht, laaanges Posting, das man besser nicht schnell überfliegt.


Ich habe ein langes Interview mit Ruslan Pukhov gefunden, das vor ein paar Tagen, am 4. August, veröffentlicht wurde. Pukhov ist unter anderem Direktor des russischen Think Tanks 'Zentrum für die Analyse von Strategien und Technologien', ist ein Berater des russischen Verteidigungsministeriums und ist ein Mitglied des Sachverständigenausschusses der russischen Regierung. Das Interview ist auf russisch in kyrillischer Schrift.

Украина: гладиаторские бои
Zitat:
- Westliche Waffen sind in den Besitz der ukrainischen Streitkräfte gelangt. Wie erfolgreich kann die russische Armee, die hauptsächlich mit sowjetischer Ausrüstung ausgestattet ist, Ihrer Meinung nach dagegen vorgehen? Mit welchen technischen Problemen haben unsere Streitkräfte derzeit zu kämpfen?

Wenn wir von Waffen der neuen Generation sprechen, dann verfügen die russischen Streitkräfte leider über praktisch keine Kampfflugzeuge der Fünften Generation. Die neueste Version unserer Su-34-Bomber gehört zur Generation "Vier plus" der Luftfahrt. Außerdem verfügen wir nicht über genügend Hochpräzisionswaffen und moderne Zielvorrichtungen. Dadurch wird die Effektivität dieses Bombertyps weiter verringert, der entweder gezwungen ist, ungelenkte Bomben in einer Höhe einzusetzen, die für gegnerische MANPADS [tragbare Luftabwehrsysteme] zugänglich ist, oder der gezwungen ist, Unterstützungsoperationen für Truppen ganz aufzugeben. Am Boden setzt die russische Armee heute hauptsächlich modernisierte Panzer der Dritten Generation ein. Kampffahrzeuge der nächsten Armata-Familie können immer noch nicht in Dienst gestellt werden. Selbst unser modernster Panzer, der T-90, ist eine Modifikation des veralteten T-72. Einfach gesagt, der T-90 ist ein Tuning eines sowjetischen Panzers. Daher ist es nicht ganz fair, von ihm zu verlangen, dass er den neuesten Panzerabwehrsystemen Javelin [britische Produktion], NLAW [schwedische Produktion] oder Matador [deutsch-israelisch-singapurische Produktion] erfolgreich widersteht. Darüber hinaus hat sich eine paradoxe Situation entwickelt: Die Sowjetunion war das erste Land, das einen KAZ [aktiven Schutzkomplex] erfand. Aber keiner unserer Kampfpanzer hat einen KAZ. Das ist natürlich schade, denn die Erfahrungen aus den Militäroperationen in der Ukraine haben gezeigt, dass ein Panzer ohne KAZ auf dem Schlachtfeld überhaupt nicht mehr überlebensfähig ist. Gleichzeitig rüsteten die Israelis ihre Panzer mit aktiven Schutzsystemen aus, die Amerikaner begannen, ihre Panzer damit auszustatten, aber wir nicht. Deshalb habe ich eine große Frage an unser Militär und an Uralwagonsawod [russische Panzerfabrik].

- Meinen Sie aktive Schutzkomplexe?

Ja. Das ist wie bei Gladiatorenkämpfen. Der eine kämpft mit einem Kurzschwert und Schild, der andere mit einem Dreizack und einem Netz. Das heißt, sie sind unterschiedlich bewaffnet. Das ist jetzt auch so. Die ukrainischen Streitkräfte bestehen zu einem großen Teil aus Infanterie und Artillerie, während unsere Streitkräfte gepanzerte Fahrzeuge verwenden. Außerdem sind sie nicht mit modernem, wirklich effektivem Schutz ausgestattet.

- Und was ist mit der Infanterie?

Wir haben einen großen Mangel an Infanterie. Die Frontlinie ist groß, und die an der Spezialoperation beteiligten Personen sind nicht ausreichend. Relativ gesehen sind die Ukrainer in der Defensive, sie haben viel Artillerie und Infanterie. Wir müssen die Frontlinie mit einer unzureichenden Anzahl von Soldaten durchbrechen und dabei verwundbare Panzer und Schützenpanzer [BMP] einsetzen. Im Donbass versucht die russische Seite derzeit, dieses Problem durch den Einsatz einer großen Menge an Artillerie zu lösen, aber wie Sie sehen können, geht es nur sehr langsam voran. Ein weiterer Punkt: Die spezielle Militäroperation hat gezeigt, dass die Luftlandetruppen im Moment grob gesagt die arme Ersatzinfanterie sind. Ihre Schützenpanzer aus Aluminium sind im Allgemeinen leicht zu treffen, und sie haben weniger andere Waffen als die motorisierten Schützen. Man muss auch bedenken, dass die Ukrainer ihre Armee seit acht Jahren aktiv ausbilden. Sie haben fast ihre gesamte Infanterie durch den Donbass getrieben und ihre Artillerie aktiv eingesetzt. Das heißt, wir haben unsere Artillerie nur in sehr begrenztem Umfang eingesetzt, hauptsächlich in Syrien oder bei Übungen, während sie sich in einer Kampfsituation befanden. Daher sind ihre Kanoniere erfahrener. Außerdem haben sie gelernt, ihre alten sowjetischen Geschütze in Verbindung mit kommerziellen Drohnen einzusetzen. Infolgedessen verfügen sie über ein besseres "Situationsbewusstsein", wie man heute sagt, und können ihre Ziele besser bestimmen. Einfach ausgedrückt: Im Falle eines Artillerie-Duells sind sie uns oft überlegen. Generell hat der Einsatz von kleinen Drohnen den Einsatz der Artillerie revolutioniert. Wir haben diese Revolution eigentlich verpasst und müssen sie nun "im Vorbeigehen" nachholen. Die spezielle Militäroperation hat einmal mehr die These bestätigt, dass man Hunderte, Tausende von ungelenkten Geschossen abschießen kann, die billig sind, aber all diese Leistung wird durch zwei gelenkte Raketen ausgeglichen, die das Ziel genau treffen. Zwei Raketen, trotz ihrer hohen Kosten, lösen mehr Probleme als Tausende von ungelenkten Geschossen. Alte konventionelle Raketen können dem Feind keinen nennenswerten Schaden zufügen, vor allem wenn er tief im Boden vergraben ist oder sich in Betonbunkern versteckt. Dies ist ein weiterer Beweis für den Siegeszug der Hochpräzisionswaffen.

- Die Angriffe auf Awdijiwka, Maryinka - sind das nur Beispiele dafür, dass man einen Monat lang gut befestigte Gebiete mit Geschossen beschießen kann, ohne einen Durchbruch zu erzielen?

Ja. Ja. Eigentlich funktionieren die Methoden des Ersten Weltkriegs - um es ganz offen zu sagen - nicht, vor allem wenn man dem Feind in der Infanterie nicht überlegen ist. Eine Kombination aus modernen Aufklärungsgeräten - auch unbemannten - in Verbindung mit einer großen Anzahl von Präzisionswaffen könnte das Problem der gegnerischen Stellungsfront lösen. Aber genau daran mangelt es uns. Hinzu kommt, dass wir einfach nicht genug Truppen haben, um effektiv in eine weitere Richtung vorzustoßen.

- Westliche Staaten beliefern die Ukraine nun mit Waffen, insbesondere mit Artillerie und MLRS [Mehrfachraketenwerfersysteme]. Diese Lieferungen haben die Frage nach der Reichweite dieser Geschütze aufgeworfen. Warum ist die Entfernung so wichtig?

Die sowjetischen Waffen, die jetzt sowohl von Russland als auch von der Ukraine eingesetzt werden, seien es Haubitzen oder Mehrfachraketenwerfer, haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Reichweite von 20-25 km. Außerdem haben wir viele 122-mm-Haubitzen, die im Allgemeinen nur 13 km weit schießen. Die moderne westliche Artillerie hat eine größere Reichweite. In erster Linie handelt es sich um 155-mm-Haubitzen mit einer Lauflänge von Kaliber 39 und vor allem Kaliber 52. Letztere haben eine Reichweite von bis zu 40-41 km. Das Problem des Rückstands der UdSSR und Russlands in Bezug auf die Reichweite der Artillerie ist leider seit den achtziger Jahren offensichtlich. Zwar steht den ukrainischen Streitkräften die westliche Ausrüstung bisher nur in homöopathischen Dosen zur Verfügung, aber der Nachschub wächst. Dementsprechend werden die ukrainischen Systeme bei einem Artillerieduell in der Lage sein, unsere Batterien zu zerstören, und das russische Gegenfeuer wird das Ziel einfach nicht erreichen. Besonders akut wird diese Frage schließlich im Zusammenhang mit den begonnenen Lieferungen von HIMARS- und MLRS-Raketensystemen an die ukrainischen Streitkräfte, die hochpräzise GPS-gesteuerte GMLRS-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 85 km abfeuern.

- Was ist mit der Luftfahrt?

Hier gibt es zwei Probleme: Erstens verfügen wir, wie bereits erwähnt, nicht über genügend präzisionsgelenkte Munition und genaue Mittel zur Erkennung und Zielbestimmung in der Luftfahrt, und zweitens ist die ukrainische Luftabwehr nach wie vor unzureichend ausgerüstet und arbeitet mit sowjetischen Systemen - S-300, BUK, und so weiter. Darüber hinaus haben die Ukrainer eine große Anzahl von MANPADS erhalten. Infolgedessen können die Luftstreitkräfte weder in großen und mittleren Höhen noch in niedrigen Höhen frei operieren, was ihre Wirksamkeit erheblich einschränkt, auch was die Unterdrückung der ukrainischen Artillerie und die Einwirkung auf die gegnerischen Truppen betrifft. Um es ganz klar zu sagen: Wir haben keine Luftüberlegenheit. Der Beginn der Lieferung moderner westlicher Luftabwehrsysteme mittlerer Reichweite an die Ukraine könnte dieses Problem noch verschärfen.

- Warum ist die Lieferung westlicher Waffen so langsam? Liegt es an den Schwierigkeiten der Ausbildung, oder wird die Lieferung absichtlich dosiert?

Auf allgemeiner politischer Ebene ist man im Westen noch immer nicht entschlossen, der Ukraine wirklich große Mengen schwerer Waffen zu liefern, da dies sowohl eine teilweise "Entblößung" der eigenen Streitkräfte als auch die Notwendigkeit voraussetzt, eine große Zahl von Ausbildern zur Ausbildung in die Ukraine zu entsenden, in Wirklichkeit aber auch eigenes militärisches Personal, das diese Waffen zumindest teilweise bedienen kann. Der Westen ist noch nicht bereit, sich auf ein solches Maß an Engagement und Eskalation einzulassen, abgesehen von einigen eingefleischten Russenhassern, wie den Polen. Daher sind die Lieferungen an die Ukraine jetzt weitgehend auf technische und organisatorische Fragen beschränkt, die ohne ein solches Maß an Beteiligung möglich sind. Das heißt, es ist notwendig, die Ausrüstung zu reaktivieren und routinemäßige Wartungsarbeiten durchzuführen. Dann muss man auf ukrainischer Seite Leute ausbilden. Selbst wenn das militärische Personal ausgebildet ist, wird es nicht so schießen wie erfahrene Kämpfer aus westlichen Armeen. Das heißt, man braucht Erfahrung. Aber die Ukrainer lernen sehr schnell, sie erweisen sich als recht talentierte Kämpfer. Die Ausbildung dauert mehrere Wochen, und das Angebot an Waffen nimmt praktisch zu, auch in Bezug auf die Qualität. Ich denke, dass sich die Lage an den Fronten bis zum Ende des Sommers dramatisch entwickeln kann. Hinzu kommt, dass wir nicht mobilisiert sind, sondern mit einer Friedensarmee kämpfen. Und sie haben bereits die vierte Mobilisierungswelle, es gibt also keinen Mangel an Leuten. Die reguläre Armee wurde in den ukrainischen Streitkräften weitgehend abgeschafft und es gibt eine erste Reserve, die im Rahmen der ATO [Anti-Terror-Operation im Donbass] ausgebildet wurde. Es gibt eine zweite und eine dritte Reserve. Deshalb kann es irgendwann zu einer Pattsituation kommen, wie im Koreakrieg 1951, und unsere Armee wird einfach stecken bleiben und sich nicht weiterbewegen können. Es ist nicht so, dass wir sie mit Atomwaffen angreifen werden.

- Es gibt jedoch die These, dass der Vorrat an westlichen Waffen nicht so groß ist, dass er es erlauben würde, Reserven auszubilden. Sie werden in die Schlacht geworfen und werden sofort zerschlagen. Dementsprechend ist es für die Ukrainer schwierig, eine Angriffsgruppe für einen Gegenangriff zu bilden.

Ich bin nicht bereit, so zu argumentieren. Diese These scheint in Fernseh-Talkshows aus Selbstgefälligkeit geäußert zu werden. Ja, wir sehen ein Bild, dass der ukrainische "Volkssturm" irgendwo in Lwiw mit Maxim- oder Degtyarev-Maschinengewehren bewaffnet ist. Aber die Einheiten, die an der Front kämpfen, sind gut ausgerüstet. Sie verfügen über ein Reservekorps, und wenn nötig, können die Streitkräfte der Ukraine einen Gegenangriff starten. Ich denke, sie sind besser bewaffnet als der Volkssturm. In der Tat hat uns die Unterschätzung des Feindes einen grausamen Streich gespielt. Bisher haben die ukrainischen Streitkräfte nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, wirksame Offensiven oberhalb der taktischen Ebene zu starten, wie etwa die Rückeroberung eines Dorfes. Im Grunde haben sie bei einer Offensive die gleichen taktischen Probleme wie die russische Seite. Die angreifenden Kräfte sind in der Regel zahlenmäßig gering, sie geraten unter Artilleriebeschuss, der in der Regel nicht unterdrückt werden kann, und ziehen sich schnell zurück oder sind nicht in der Lage, die neu besetzten Stellungen zu halten. Gepanzerte Fahrzeuge werden massiv getroffen. Mal sehen, ob sich die Ukrainer in dieser Hinsicht als etwas besser erweisen.

- Es gibt noch eine weitere These. Die Anzahl der Läufe ist nicht so wichtig wie die Bildung des Geschossnachschubs. Wie häufig ist Ihrer Einschätzung nach der Munitionsnachschub derzeit. Reicht er für die Durchführung von Kampfhandlungen aus? Gibt es einen Mangel an Geschossen?

Ich finde es schwierig, diese Frage zu beantworten. Die Tatsache, dass sie immer noch Donezk bombardieren und es keinen Mangel an Treibstoff gibt, erweckt nicht den Eindruck, dass die Streitkräfte der Ukraine ernsthafte Probleme damit haben. Auch sie sind lebende Menschen, auch sie sterben, aber ich bin mir nicht sicher, dass die Ukrainer einen ernsthaften Mangel an Geschossen haben, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sie begonnen haben, auf westliche Systeme mit westlichen Geschossen umzustellen. Vielleicht täusche ich mich aber auch. Eines weiß ich: Im Gegensatz zu den Ukrainern haben wir die spezielle Militäroperation mit weißen Handschuhen begonnen. Das heißt, wir wollten, dass kein einziger Einheimischer zu Schaden kommt. Wir haben die Kämpfe als eine Art Ritterduell eröffnet. Und das ist, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein schmutziger Kampf in der Gasse, wo es keine Regeln gibt.

- Wie steht es heute um den militärisch-industriellen Komplex im Westen? Im Großen und Ganzen haben die Amerikaner und Europäer die Möglichkeit, alte Waffen loszuwerden und ihre Lager zu räumen. Und es sieht so aus, als ob ein Neustart im Gange ist. Gerüchten zufolge brauchen die westlichen Militärkonzerne viel Zeit, um ihre Produktion wieder in Gang zu bringen. Andere wiederum sagen, die Ukraine sei ein Testgebiet für westliche Waffen, damit sie für die nächsten Auseinandersetzungen besser gerüstet sind.

Ja, die westlichen Armeen entledigen sich ihrer alten Ausrüstung und bestellen jetzt neue. Natürlich ist das für die Staaten von Vorteil: Es wird aufgerüstet, es entstehen neue Arbeitsplätze, neue Steuern und so weiter. Jeder Krieg ist ein Testgelände. Für uns war es Syrien, für den Westen ist es die Ukraine. Hier gibt es nichts Schändliches, es wäre dumm, es nicht zu nutzen. Was die Tatsache betrifft, dass sie einige Probleme haben, ist dies, so denke ich, der übliche Jaroslawna-Schrei [Alte Redewendung, um Kummer auszudrücken] der meisten Militärindustriellen. Überall auf der Welt beklagen sie sich gerne darüber, dass ihnen etwas fehlt. Erinnern wir uns daran, wie schön sie es während des Kalten Krieges fanden. All diese Produktionen können schnell hochgefahren werden. Wenn, sagen wir, den Deutschen die Chips ausgehen, werden sie die Amerikaner um sie bitten. Die Amerikaner werden die Deutschen fragen. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Abrams-Panzer eine deutsche Kanone hat? Die Amerikaner haben eine Lizenz von den Deutschen gekauft und sind damit sehr erfolgreich. Oft ist das, was wir für amerikanisch halten, in Wirklichkeit pan-westlich und wird in Zusammenarbeit gemacht. Früher haben die Vereinigten Staaten Lizenzen für unbemannte Luftfahrzeuge von Israel gekauft. Wenn wir über Zahlen sprechen, dann sollten wir die Beschwerden des westlichen Militärs nicht überbewerten. Die Gesamtzahl der Waffen und Ausrüstungen, die in den Armeen des gesamten NATO-Blocks im Einsatz sind, ist sehr groß und um ein Vielfaches größer als die unsere, und außerdem ist sie größtenteils neu.

- Im Großen und Ganzen findet eine Koordinierung zwischen den verschiedenen Auftragnehmern statt?

Sehr oft geschieht dies nicht auf staatlicher Ebene, sondern auf der Ebene von Privatunternehmen. Als wir zum Beispiel amphibische Angriffsschiffe vom Typ Mistral von Frankreich kaufen wollten, hätten sie die Produktion französisieren müssen. Denn an der Herstellung dieser Schiffe für den Eigenbedarf sind eine Reihe amerikanischer Komponenten oder französischer Teile beteiligt, die unter amerikanischer Lizenz hergestellt werden. Die Amerikaner weigerten sich, Komponenten für den russischen Auftrag zu liefern, also hätten sie das Schiff umbauen müssen. Westliche Militärunternehmen bevorzugen koreanische Komponenten, weil sie billig sind. Mehrere Produktionsketten zu haben, kann zu Problemen führen. Wir sollten jedoch nicht glauben, dass diese Probleme ein Hindernis für die Deckung des eigenen und des ukrainischen Bedarfs an Ausrüstung darstellen. Es kann zu Unterbrechungen bei der Versorgung mit einzelnen Geräten kommen, aber das sind nur Einzelaspekte.
Irgendwie sind alleine die folgenden Meldungen von Montag eine indirekte Antwort auf Teile des obigen Interviews.

Die USA kündigen ein weiteres Militärhilfspaket an, dass unter anderem Munition für die amerikanischen HIMARS umfasst. Außerdem 155mm-Artilleriemunition - das ist neben der Größe für die amerikanische M109 auch die Größe für die französische CAESAR, die polnische Krab, die slowakische Zuzana und die deutsche Panzerhaubitze 2000.

https://twitter.com/KyivIndependent/...09659175575552
Zitat:
Die USA kündigen ein Militärhilfepaket von 1 Milliarde Dollar für die Ukraine an. Das Paket umfasst zusätzliche Munition für High Mobility Artillery Rocket Systems (HIMARS), 75.000 Schuss 155mm-Artilleriemunition, zwanzig 120mm-Mörsersysteme und 20.000 Schuss 120mm-Mörsermunition. Die USA werden auch Munition für die National Advanced Surface-to-Air Missile Systems (NASAMS), 1.000 Javelin-Panzerabwehrraketen, Hunderte von AT4-Panzerabwehrsystemen, 50 gepanzerte medizinische Behandlungsfahrzeuge, Claymore-Antipersonenmunition und C-4-Sprengstoff liefern.
Oder das hier.

https://twitter.com/jason_corcoran/s...42608088711169
Zitat:
Russische Fluggesellschaften, darunter das Flaggschiff Aeroflot, demontieren ihre Flugzeuge, um Ersatzteile zu erhalten, die sie aufgrund der westlichen Sanktionen nicht mehr im Ausland kaufen können.
Und es kann gut sein, dass die russischen Streitkräfte in eine grausame morbide Falle laufen.

https://twitter.com/KyivIndependent/...43273393397766
Zitat:
Die Ukraine sagte, sie komme, um Cherson zu befreien, und Russland hörte zu. In den letzten Wochen sind große russische Truppen in die Südukraine geströmt, wo die Ukraine voraussichtlich eine Gegenoffensive durchführen wird.
https://twitter.com/KyivIndependent/...41480395546626
Zitat:
Bürgermeister: 10 Explosionen im russisch besetzten Melitopol, Region Saporischschja. Bürgermeister Iwan Fjodorow sagte, dass die ukrainischen Streitkräfte zuvor HIMARS-Raketen eingesetzt hätten, um russische Militärstellungen in Industrieanlagen in der Stadt zu treffen.
Außerdem hat es den Anschein, dass die Anschläge des ukrainischen Widerstands gegen Kollaborateure in den von Russland besetzten Gebieten auch immer mehr eine psychologische Wirkung zeigen.

https://twitter.com/ilya_shepelin/st...97777802661889
Zitat:
Kanal 1 macht nun nicht nur die Gesichter der schüchternen "Freiheitskämpfer" unkenntlich, sondern auch die der Beamten, die für die Verteilung der russischen Pässe zuständig sind.

Geändert von CM Punkomaniac (09.08.2022 um 06:12 Uhr).
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Alt 09.08.2022, 01:09   #968
Spannung23
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In Deutschland werden Menschen umgesiedelt, weil Energiekonzerne Kohle abbauen wollen - so what? Aber warum sollte man über die im Donbass lebenden Russen verhandeln und nicht über die im Donbass lebenden Ukrainer? In Luhansk reden wir von fast 40% Russen, ebenso in Donezk, sprachlich sind es sogar 74 bzw. 68% (Zahlen von 2001).

Es ist natürlich absolut richtig, dass eine Volksabstimmung in Friedenszeiten und als freie Wahl abgehalten werden sollte, aber vielleicht formulieren wir die Frage anders: 5 Jahre Krieg oder Umsiedlung in andere Teile der Ukraine, die künftig NATO und EU-Mitglied wird. Natürlich ist es scheiße, wenn jemand seine Heimat aufgeben muss, aber das ist doch nicht wirklich neu.
Warum? Weil es territoriale Zustimmung gab die von Russland anerkannt wurde. Jeder der auf dem Staatsgebiet der Ukraine dauerhaft lebt und einen ukrainischen Pass hat ist Ukrainer. Alle anderen sind erstmal "geduldet". Wenn jetzt territoriale Ukrainer sich als Russen sehen kann man ja über deren Umzug in russische Territorien verhandeln.

Über in der Ukraine lebende Ukrainer braucht man nicht verhandeln.
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Alt 09.08.2022, 01:52   #969
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Man kann doch bitte nicht eine Umsiedlung in Deutschland von Anwohnern mit diesem genannten Beispiel mit dem vergleichen, was gerade in der Ukraine passiert. Oder doch, kann man schon, aber das ist schon ein starkes Stück. Seit über fünfeinhalb Monaten läuft der Krieg und die Schrecken werden seit dem ersten Tag berichtet, einer der am besten dokumentierten Kriege der Geschichte.
Die Ukraine soll Leute in der Ukraine umsiedeln, weil Russland sonst (weiter) Krieg führt - wurde so nicht geschrieben, läuft aber darauf hinaus. Die genannte Umsiedlung in Deutschland ist ein schräger Vergleich. So kann ich aber auch. Meines Wissens hat Frankreich oder Luxemburg oder Belgien oder die Niederlande nicht von Deutschland verlangt, dass die Anwohner wegen irgendwas umgesiedelt werden müssen. Und ich wüsste nicht, dass dem deutschen Staat mit einer speziellen Militäroperation gedroht wird. Außerdem wird dort nicht umgesiedelt, um eine ganze Nationalität, eine ganze Sprache, eine ganze Kultur zu zerschlagen, auszumerzen, zu vernichten. Franzosen, Luxemburger, Belgier oder Niederländer verschleppen keine Deutschen in ihre Staaten in Umerziehungslager, die nordrhein-westfälische Landesregierung verschleppt keine Anwohner in Umerziehungslager, Russland macht das durch Verschleppung von Ukrainern. Russische Aktivisten in Russland helfen verschleppten Ukrainern, die in russischen Lagern sind, die hinter dem Uralgebirge liegen, über Umwege Richtung Westukraine oder in die Europäische Union zu gelangen - das längst vergessene Gulag-System lässt auf erschreckende Weise grüßen.
In der Ukraine werden gerade Ukrainer, Russen, Ukrainischsprachige, Russischsprachige von der russischen Invasionsarmee vertrieben und getötet. Ukrainer, Russen, Ukrainischsprachige, Russischsprachige in der Ukraine und eine scharfe Trennlinie war auch schon 2014 eine Sichtweise durch die westeuropäische und russische Brille, nicht durch die ukrainische Brille. Und ja, seit 2014 musste ich das auch erst in meinen unwissenden Schädel reinbekommen, aber es dauerte andererseits nicht bis zum Angriffskrieg in diesem Jahr oder bis zum russischen Truppenaufmarsch im letzten Jahr. Abgesehen davon waren die russischen und russischsprachigen Bevölkerungsteile in der Ostukraine nicht in der Ostukraine, weil sie zu Russland gehören wollten, sonst wären sie in Russland. Deutsche leben heute nicht in Österreich, weil sie Heim ins Reich wollen, oder in den mehrheitlich deutschsprachigen Schweizer Kantonen Aargau, Schaffhausen, Thurgau und Zürich, weil diese zu Deutschland gehören müssen. Große Teile der Russen und Russischsprachigen in der Ostukraine sind sogar seit der Invasion Richtung Mittel- und Westukraine geflohen, wenn sie noch das Glück und die Möglichkeit hatten. Die wussten nämlich von 2014 bis 2022, was in Luhansk und Donezk mit den Bewohnern passierte, weil von dort auch dank der Bestechung von Separatisten und regulären russischen Soldaten der Flüchtlingstrom in Richtung des von der ukrainischen Regierung kontrollierten Staatsgebietes nicht abriss.
Die Staatlichkeit der gesamten Ukraine wird vom russischen Staat und der russischen Propaganda abgelehnt, warum wir das nicht als Fakt akzeptiert. In den aktuell besetzten Gebieten - nein, nicht die Regionen Luhansk und Donezk im Donbas in der Ostukraine, sondern die Regionen Cherson und Saporischschja in der Südukraine - verschwindet erzwungen die ukrainische Sprache aus dem Alltag, verschwinden ukrainische Bücher und Kunst aus Bibliotheken und Museen, warum wird das nicht als Fakt akzeptiert. Da ist kein Kompromiss mit sudetendeutsch-anmutender Gebietsabtretung - Rest-Tschechei/Rest-Ukraine, das Ende im Fall der Rest-Tschechei ist bekannt - nach realpolitisch-westeuropäischem Gutdünken, sondern ein russischer Vernichtungskrieg in der Ukraine an der europäisch-russischen Grenze, warum wird das nicht als Fakt akzeptiert. Und ich will nicht Putin mit Hitler vergleichen, muss ich nicht. Es reicht vollkommen aus, Putin mit Putin zu vergleichen.
Man kann das alles beiseite wischen und außerhalb der Ukraine sitzend Theorien aufstellen, doch dann erntfernt man sich von der Grausamkeit, die in der gesamten Ukraine, vor allem im Osten und Süden, stattfindet und von der wir nur aus Radio, Zeitung, Fernsehen, Internet oder von Aussagen der über ganz Europa verteilten Flüchtlinge wissen. Toll ist das alles nicht. Aber wenn man sich damit befasst, muss man die Grausamkeit schlichtweg akzeptieren. Da gibt es keinen fanatischen 1914er Hurra-Patriotismus in den Regierungen, die die Ukraine mit Geld und Waffenlieferungen unterstützen. Und es gibt keinen fanatischen Hurra-Patriotismus in der Ukraine. Aber es gibt in der Ukraine unter allen Nationalitäten, Volksgruppen und Religionsgruppen sehrwohl einen gemeinsamen Patriotismus gegenüber dem russischen Staat und der russischen Propaganda: einen Existenz-Patriotismus.

Geändert von CM Punkomaniac (09.08.2022 um 06:08 Uhr).
CM Punkomaniac ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.2022, 05:42   #970
Der Zerquetscher
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Punko, eine Freude Dich als Informationslieferant auf dem Board zu haben.

Ich sitze gerade hier mit meinem Morgenkaffee und habe mein Buch (und meine Musik auf dem Kopfhörer) gegen die Lektüre Deiner Posts eingetauscht. Und es hat sich mehr als gelohnt. Danke.
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Alt 09.08.2022, 06:36   #971
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Ich finde es erstaunlich, wie relativ offen dieser Ruslan Pukhov im Interview spricht. Entweder weiß er von Leichen im Keller irgendwelcher hoher Beamter oder fällt bald unglücklich und ohne Fremdeinwirkung aus dem Fenster seiner Wohnung.
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Alt 09.08.2022, 07:20   #972
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Ich finde es erstaunlich, wie relativ offen dieser Ruslan Pukhov im Interview spricht. Entweder weiß er von Leichen im Keller irgendwelcher hoher Beamter oder fällt bald unglücklich und ohne Fremdeinwirkung aus dem Fenster seiner Wohnung.
Das wundert mich auch. Als wollte er (insgeheim) dem Westen eine Art Betriebsanleitung zum Ukrainekrieg in die Hand drücken.
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Alt 09.08.2022, 08:52   #973
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Ich habe gerade Fotos zur Verbildlichung der Interviewaussagen gefunden. Zwei Fotos von russischen Panzern in der Ukraine.

Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
...

Украина: гладиаторские бои
Zitat:
- Westliche Waffen sind in den Besitz der ukrainischen Streitkräfte gelangt. Wie erfolgreich kann die russische Armee, die hauptsächlich mit sowjetischer Ausrüstung ausgestattet ist, Ihrer Meinung nach dagegen vorgehen? Mit welchen technischen Problemen haben unsere Streitkräfte derzeit zu kämpfen?

Wenn wir von Waffen der neuen Generation sprechen, dann verfügen die russischen Streitkräfte leider über praktisch keine Kampfflugzeuge der Fünften Generation. Die neueste Version unserer Su-34-Bomber gehört zur Generation "Vier plus" der Luftfahrt. Außerdem verfügen wir nicht über genügend Hochpräzisionswaffen und moderne Zielvorrichtungen. Dadurch wird die Effektivität dieses Bombertyps weiter verringert, der entweder gezwungen ist, ungelenkte Bomben in einer Höhe einzusetzen, die für gegnerische MANPADS [tragbare Luftabwehrsysteme] zugänglich ist, oder der gezwungen ist, Unterstützungsoperationen für Truppen ganz aufzugeben. Am Boden setzt die russische Armee heute hauptsächlich modernisierte Panzer der Dritten Generation ein. Kampffahrzeuge der nächsten Armata-Familie können immer noch nicht in Dienst gestellt werden. Selbst unser modernster Panzer, der T-90, ist eine Modifikation des veralteten T-72. Einfach gesagt, der T-90 ist ein Tuning eines sowjetischen Panzers. Daher ist es nicht ganz fair, von ihm zu verlangen, dass er den neuesten Panzerabwehrsystemen Javelin [britische Produktion], NLAW [schwedische Produktion] oder Matador [deutsch-israelisch-singapurische Produktion] erfolgreich widersteht. Darüber hinaus hat sich eine paradoxe Situation entwickelt: Die Sowjetunion war das erste Land, das einen KAZ [aktiven Schutzkomplex] erfand. Aber keiner unserer Kampfpanzer hat einen KAZ. Das ist natürlich schade, denn die Erfahrungen aus den Militäroperationen in der Ukraine haben gezeigt, dass ein Panzer ohne KAZ auf dem Schlachtfeld überhaupt nicht mehr überlebensfähig ist. Gleichzeitig rüsteten die Israelis ihre Panzer mit aktiven Schutzsystemen aus, die Amerikaner begannen, ihre Panzer damit auszustatten, aber wir nicht. Deshalb habe ich eine große Frage an unser Militär und an Uralwagonsawod [russische Panzerfabrik].
...
...
Selbst die T-90-Kampfpanzer, also die modernsten Panzer in der russischen Armee, müssen schlimmstenfalls damit ausgestattet werden, um das feindliche Feuer abzulenken und nicht durch die von NATO-Staaten gelieferten Javelin, NLAW und Matador geknackt zu werden.
Das feindliche Feuer durch Javelin, NLAW und Matador lässt sich damit nicht ablenken.

Noch etwas.

Zitat:
...
- Westliche Staaten beliefern die Ukraine nun mit Waffen, insbesondere mit Artillerie und MLRS [Mehrfachraketenwerfersysteme]. Diese Lieferungen haben die Frage nach der Reichweite dieser Geschütze aufgeworfen. Warum ist die Entfernung so wichtig?

Die sowjetischen Waffen, die jetzt sowohl von Russland als auch von der Ukraine eingesetzt werden, seien es Haubitzen oder Mehrfachraketenwerfer, haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Reichweite von 20-25 km. Außerdem haben wir viele 122-mm-Haubitzen, die im Allgemeinen nur 13 km weit schießen. Die moderne westliche Artillerie hat eine größere Reichweite. In erster Linie handelt es sich um 155-mm-Haubitzen mit einer Lauflänge von Kaliber 39 und vor allem Kaliber 52. Letztere haben eine Reichweite von bis zu 40-41 km. Das Problem des Rückstands der UdSSR und Russlands in Bezug auf die Reichweite der Artillerie ist leider seit den achtziger Jahren offensichtlich. Zwar steht den ukrainischen Streitkräften die westliche Ausrüstung bisher nur in homöopathischen Dosen zur Verfügung, aber der Nachschub wächst. Dementsprechend werden die ukrainischen Systeme bei einem Artillerieduell in der Lage sein, unsere Batterien zu zerstören, und das russische Gegenfeuer wird das Ziel einfach nicht erreichen. Besonders akut wird diese Frage schließlich im Zusammenhang mit den begonnenen Lieferungen von HIMARS- und MLRS-Raketensystemen an die ukrainischen Streitkräfte, die hochpräzise GPS-gesteuerte GMLRS-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 85 km abfeuern.
...
https://twitter.com/Osinttechnical/s...91463748927490
Zitat:
Russisches Munitionslager in Nowooleksijiwka, Region Cherson, laut Berichten getroffen.
Heute am Morgen. Nowooleksijiwka liegt rund 80 km hinter der Frontlinie im von Russland besetzten ukrainischen Gebiet.

Geändert von CM Punkomaniac (09.08.2022 um 09:21 Uhr).
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Alt 09.08.2022, 10:28   #974
Riddler
Schädelbasisbruch
 
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Zitat:
Zitat von CM Punkomaniac Beitrag anzeigen
Ich finde es erstaunlich, wie relativ offen dieser Ruslan Pukhov im Interview spricht. Entweder weiß er von Leichen im Keller irgendwelcher hoher Beamter oder fällt bald unglücklich und ohne Fremdeinwirkung aus dem Fenster seiner Wohnung.
Erstmal danke für die umfangreichen Infos, Punko.

Genau denselben Gedanken hatte ich beim Lesen in der Tat auch. Es entspricht tatsächlich in keinster Weise der bisherigen russischen Informationskontrolle (aka Zensur), dass da ein Insider so offen über die Probleme der russischen Streitkräfte spricht. Macht mich ja fast schon wieder misstrauisch .

Andererseits lässt sich das auch wieder hervorragend für die russische Propaganda verwenden im Sinne von "Russland gegen den bösen Westen".
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Alt 09.08.2022, 12:45   #975
CM Punkomaniac
Genickbruch
 
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Beiträge: 31.209
Ein Video-Bericht von der Front über die von Deutschland und den Niederlanden gelieferten Panzerhaubitzen. Das ist ja ein furchtbares Biest.

https://twitter.com/EuromaidanPress/...53526160019456
Zitat:
Current Time TV begleitete eine ukrainische Besatzung einer deutschen Panzerhaubitze 2000, die das Feuer auf russische Stellungen eröffnete.
Mit englischem Untertitel.

Geändert von CM Punkomaniac (09.08.2022 um 14:45 Uhr).
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