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Alt 03.11.2022, 17:59   #1
Kiez Richards
King of Korn Style
 
Registriert seit: 03.04.2006
Beiträge: 14.595
Schaut ihr die WM überhaupt? Falls nein, warum nicht? Falls jein, wie sieht eure Taktik aus? Falls ja, freut ihr euch uneingeschränkt darauf?

Hier ist der Platz für die kritische Auseinandersetzung mit der fragwürdigen Wüsten-Winter-Weltmeisterschaft 2022.
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Alt 03.11.2022, 18:08   #2
DrDorian
ECW
 
Registriert seit: 29.08.2007
Beiträge: 9.320
Ich werde sie definitiv nicht schauen. Und gibt genug Gründe. Der Veranstaltungsort, die damit verbundene Zeit der Austragung, die Umstände der Vergabe und Verschiedene Faktoren vor Ort. Mir ist bewusst, dass auch bei anderen WM-Vergaben gemauschelt wurde ohne Ende etc. Aber für mich persönlich ist da einfach ein Punkt erreicht, an dem ich den Zirkus namens WM dieses mal links liegen lasse. Aber ich wünsche jedem, der sie schauen möchte, natürlich viel Spaß.

Ich selbst werde wie schon gesagt kein Spiel schauen, auch keine Zusammenfassungen auf YT oder so. Werde höchstens am Ende eines Tages die Ergebnisse auf kicker nachlesen, das wars.
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Alt 03.11.2022, 19:37   #3
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.491
Ich werde das Turnier ebenfalls nicht schauen. Also keine Treffen mit Freunden und auch nicht zu Hause.

Dass man trotzdem was mitbekommt, lässt sich natürlich nicht vermeiden. Ich sehe das auch ganz entspannt. Wenn ich doch mal die Ergebnisse sehe, werde ich mich dafür nicht selbst geißeln. Aber der Veranstaltung stehe ich ablehnend gegenüber und kommuniziere das auch deutlich. Nicht, um mich zu feiern, sondern um andere vielleicht ebenfalls dazu zu bewegen.

Die Gründe dafür wurden ja schon oft genannt:
1. Katar hat nicht verdient die WM auszurichten. Zwar wurde schon in den Jahrzehnten zuvor solche Turniere gern "geschmiert", aber da konnte man noch andere Gründe finden. Russland ist ein riesiges Land. Brasilien sowieso. Deutschland hat eine große Fußballtradition. Und so weiter. Katar hingegen ist klein und auch keine Bedeutung im Fußball.
2. Zwangsarbeit und Todesopfer sind selbsterklärend.
3. Darüber hinaus hat Katar ein politisch widerwärtiges System. Okay, hat Russland auch. Vielleicht hätte ich die WM damals auch boykottieren sollen. Hätte ich mir selbst ein Gefallen getan.
4. Eine WM im Winter finde ich persönlich unattraktiv. Tatsächlich ist das das schwächste Argument. Für ein anständiges Ausrichtungsland hätte ich das verschmerzen können.
5. Last But Not Least: Das Bauen von riesigen Stadion, die nach der WM nie wieder genutzt werden, ist ein ökonomisches und vor allem ökologisches Verbrechen.
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Alt 03.11.2022, 19:44   #4
NarrZiss
Genickbruch
 
Registriert seit: 09.11.2008
Beiträge: 13.196
Ich habe ehrlich gesagt noch überhaupt keine Ahnung, ob ich mir das Turnier oder einzelne Spiele anschauen werde. Es ist gut möglich, wenn mir langweilig ist, dass ich etwas nebenbei laufen lasse. Generell hat mein Fussballinteresse in den letzten Jahren merklich nachgelassen (durch den Ausschluss der "Fans" gab es nochmal ein kurzes Hoch). Mittlerweile schaue ich fast nur noch Bayernspiele und selbst da verpasse ich wichtige Spiele, wenn andere Sachen anstehen (vs. Dortmund war College Football deutlich wichtiger).

Dementsprechend werde ich es spontan entscheiden. Ansonsten bekommt man ansatzweise grundsätzliche Nachrichten mit (u.a. über Verletzungen), aber Vorfreude oder auch nur irgendeine Anspannung oder Neugier ist überhaupt nicht vorhanden. Das hat allerdings weniger mit der Zeit (Winter-WM) oder dem Austragungsort zu tun, sondern vielmehr mit der kompletten Lage/Struktur im Fussball.
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Alt 03.11.2022, 19:49   #5
Goldberg070
Moderator
 
Registriert seit: 16.09.2003
Beiträge: 15.874
Einerseits hab ich keinen Bock drauf. Katar, Menschenrechte, unnötig, Winter, Anstoßzeiten usw. Andererseits isses auch das erste Turnier, bei dem ich mich nicht über Jogis Inkomtetenz aufregen muss...
__________________
"Wenn du so dumm bist, und AfD wählst... todeslost sein Urgroßvater!" ~Rezo 2021

Geändert von Goldberg070 (03.11.2022 um 19:49 Uhr).
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Alt 03.11.2022, 19:55   #6
General Nek.F.U.
ECW
 
Registriert seit: 30.07.2008
Beiträge: 6.954
Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten versuchen die deutsche Mannschaft zu verfolgen, mir ist die Kontroverse bewusst, aber wirklich dran ändern kann ich auch nichts.
__________________
"Dank ihnen habe ich einen Puls von 130, das hat noch niemand geschafft, nicht mal meine Frau!"

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Alt 03.11.2022, 19:57   #7
Punisher 3:16
Genickbruch
 
Registriert seit: 11.10.2002
Beiträge: 15.845
Ich werde mir die WM nicht ansehen. Wieso? Weil über 6000 Menschen für diese Schwachsinnsveranstaltung gestorben sind. Mehr Begründung braucht es nicht.
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Alt 03.11.2022, 19:59   #8
Ragtimer
Gehirnerschütterung
 
Registriert seit: 19.07.2016
Beiträge: 433
Unter anderem wegen dieser WM habe ich mein Interesse halbwegs verloren und bin zum gelegentlichen Ergebnis-Zuschauer geworden und noch selteneren Zuschauer geworden. Wobei ich nichts streame und nicht mehr ins Stadion gehe. Wenn ein Spiel im Fernsehen, dann schalte ich vielleicht mal ein und dann lieber die Kategorie Regensburg, Babelsberg und Kiel als Länderspiele.

An Katar stören mich neben den toten Bauarbeitern der selten erwähnte Einfluss Katars auf die Muslimbruderschaft.

Die ganzen Anti-Rassismus-Floskeln vor den Spielen können meinetwegen durch vorgelesenen Beileidsbekundungen der Mannschaftskapitäne ersetzt werden. "In diesem Stadion starb Idem aus Bangladesch. Er wurde 34, hinterließ eine Frau und zwei Kinder." Katar konnte 200 Millionen für Neymar vorstrecken, knausert beim Lohn für die Arbeiter für die Stadien.

Geändert von Ragtimer (03.11.2022 um 20:03 Uhr).
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Alt 03.11.2022, 20:15   #9
Kiez Richards
King of Korn Style
 
Registriert seit: 03.04.2006
Beiträge: 14.595
Zitat:
Zitat von Punisher 3:16 Beitrag anzeigen
Ich werde mir die WM nicht ansehen. Wieso? Weil über 6000 Menschen für diese Schwachsinnsveranstaltung gestorben sind. Mehr Begründung braucht es nicht.
Eine weit verbreitete und nachvollziehbare, schlüssige Argumentation. Viele, die Katar nicht gucken, haben die WM 2018 in Russland aber noch gesehen. Da wurden die Stadien im russischen Winter gebaut, es gab in den Unterkünften der zentralasiatischen Bauarbeiter keine Heizung, keine Toiletten und kein Wasser. Die Sicherheitsstandards wurden von den Unternehmern bewusst ignoriert, Baugerüste wurden nicht gesichert, Löhne wurden zu spät oder auch gar nicht bezahlt, Verträge gab es keine, es sind diversen Berichten zufolge 12 bis 15 Menschen gestorben. Da wäre es eine spannende philosophische Frage für jeden einzelnen, ab wie vielen Toten man eine Sportveranstaltung boykottiert. Die Zahl muss für viele irgendwo zwischen 12 und 6.000 liegen.

Geändert von Kiez Richards (03.11.2022 um 20:20 Uhr).
Kiez Richards ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2022, 21:10   #10
Desperado
Genickbruch
 
Registriert seit: 31.08.2003
Beiträge: 11.583
Also ich werde mit Sicherheit relativ viele Spiele sehen. Die von Deutschland, Spanien, México, Argentinien intensiv, ab KO Runde alles. Viele Spiele nebenbei.

Ich werde wie üblich auf das drumherum verzichten (Vorberichte, nachberichte)

Es bleibt sportlich einfach ein spannendes Turnier.

Die Jahreszeit ist mir egal, WM im Winter, wieso nicht. Das ist IMO kein Argument gegen diese WM.

Die guten Argumente wurden schon genannt... (Ich unterschreibe Nanis Punkte 2, 3 und 5)

... Aber ich kann es nicht ändern, ich freue mich drauf
__________________
--- www.pcwa-entertainment.de ---
--- Was wäre unser Planet ohne Pinguine? ---
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Alt 03.11.2022, 21:11   #11
Humppathetic
Genickbruch
 
Registriert seit: 20.12.2005
Beiträge: 33.944
Ich habe vor, die WM zu boykottieren, was mir eigentlich nicht schwerfallen sollte, da ich Fußball sowieso kaum noch gucke (wenngleich WMs und EMs schon). Aufgrund der ganzen Umstände (tote Arbeiter, Sklavenhaltung, politisches und gesellschaftliches System Katars etc.) könnte ich das Schauen der WM nicht mit mir vereinbaren. Ich gebe aber zu, dass ich schwach werden könnte.
__________________
Cuiusvis Hominis Est Errare, Nullius Nisi Insipientis In Errore Perseverare.
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Alt 03.11.2022, 21:35   #12
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.491
Zitat:
Zitat von Kiez Richards Beitrag anzeigen
Eine weit verbreitete und nachvollziehbare, schlüssige Argumentation. Viele, die Katar nicht gucken, haben die WM 2018 in Russland aber noch gesehen. Da wurden die Stadien im russischen Winter gebaut, es gab in den Unterkünften der zentralasiatischen Bauarbeiter keine Heizung, keine Toiletten und kein Wasser. Die Sicherheitsstandards wurden von den Unternehmern bewusst ignoriert, Baugerüste wurden nicht gesichert, Löhne wurden zu spät oder auch gar nicht bezahlt, Verträge gab es keine, es sind diversen Berichten zufolge 12 bis 15 Menschen gestorben. Da wäre es eine spannende philosophische Frage für jeden einzelnen, ab wie vielen Toten man eine Sportveranstaltung boykottiert. Die Zahl muss für viele irgendwo zwischen 12 und 6.000 liegen.
Wie ich oben schon geschrieben habe. Damals habe ich schon drüber nachgedacht, dieses Mal ziehe ich es wirklich durch. Grundsätzlich finde ich es auch nicht gut, Fehler in der Gegenwart durch Fehler in der Vergangenheit zu rechtfertigen. Jeder hat das Recht, weiser zu werden.

Dazu kommt, zwischen 12 und (mutmaßlich) 6.000 Toten liegen Welten.
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Alt 03.11.2022, 21:50   #13
y2jforever
Genickbruch
 
Registriert seit: 13.04.2013
Beiträge: 14.301
Ich Unterschreibe Nani's Gründe 2, 3 und 5 komplett und 1 und 4 in Teilen.

Zu 1: Das die WM Vergabe geschmiert war ist jetzt eigentlich ein Grund spätestens seit 2006 den Mist nicht mehr zu gucken (bzw seit wann auch immer dann wirklich auf Grund von Recherchen eigentlich jedem klar sein muss was für dein korrupter Drecksladen die FiFa ist) aber gilt als Grund natürlich weiterhin. Das Katar es nicht verdient hat finde ich aber einen schwierigen Punkt. Ich finde es ebenfalls schwierig die WM gerade nach Katar zu geben, halt wegen Menschenrechten, Regierung, etc aber gegen eine Vergabe in Katars progressives, friedliches (imaginäres) Nachbarland Latar hätte ich jetzt vom Prinzip her nix. Es ist von der Idee her finde ich schon ganz gut das die WM zum Beispiel mal in Afrika oder Asien war und das sehe ich im mittleren Osten ähnlich. Eine WM in Australien und Neuseeland würde ich jetzt auch gut finden auch wenn die Null Fussballtradition haben. Leider beisst sich dieser Ansatz dann mit Punkt 5 den ich ebenfalls als wichtig empfinde. Stadion in die Welt stellen die danach nicht mehr gebraucht werden ist einfach fürn Eimer.

Zu 4: Hier schreibt Nani ja schon, dass dies das schwächste Argument ist. Natürlich ungewohnt, aber Länder ausschliessen nur weil es dies nicht in den gewohnten Rahmenkalender passt (mehr ist es ja eigentlich nicht). Ne Winterolympiade in "unserem" Sommer auf der Südhalbkugel auszurichten fände ich jetzt zum Beispiel nicht deswegen problematisch (für die Trainingspläne der Sportler*Innen schon eher aber Fussball ist ja eh ganzjahres Sport).


Zu meinem persönlichen Verhalten: Wirkliche Vorfreude habe ich nicht drauf (habe ich bei EMs schon eher aber ner WM fast nie weil es da gefühlt erst in der KO-Phase los geht) und eigentlich sollte man es nicht gucken. Realistisch gesehen werden ich aber vermutlich zumindest fast alle Spiele nebenbei laufen haben und die etwas interessanteren (Deutschland, das ein oder andere spannende Duell, KO-Runde) dann sicher auch fokussierter.

Ich muss auch sagen das einer der Gründe ist, dass ich Fussball eh nur alleine vor dem Fernseher verfolge. Ich rede mir zumindest ein, dass ich ansonsten da konsequenter wäre. Ich reduziere z.B. Flüge und Autofahrten wegen der Umwelt und hoffe, ich würde jetzt auch nicht zu dieser WM fliegen wenn ich das sonst machen würde. Ich hätte auch einen Boykott des DfBs oder von anderen Verbänden oder zum Beispiel von ARD und ZDF gut gefunden und unterstützt. Jetzt die Spiele nicht im TV zu gucken wird aber vermutlich weder auf Katar noch auf die FiFa oder ARD/ZDF irgendeine Auswirkung haben. Jetzt bin ich durchaus der Meinung das auch Kleinigkeiten in vielen Situationen etwas bringen. Vermutlich wäre ich motiviert nicht zu gucken wenn die FiFa von der ARD pro Zuschauer bezahlt wird. Und wenn es nur 2 cent wären. Aber hier fühlt es sich für mich halt ein bisschen so an als wenn ich das Essen das schon auffem Tisch steht nicht esse weil Fleisch drin ist, nicht wie das Fleisch nicht kaufen (keine Ahnung ob ihr anhand dieses kruden Vergleichs versteht was ich meine).
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y2jforever ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 03.11.2022, 23:38   #14
Kiez Richards
King of Korn Style
 
Registriert seit: 03.04.2006
Beiträge: 14.595
Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Grundsätzlich finde ich es auch nicht gut, Fehler in der Gegenwart durch Fehler in der Vergangenheit zu rechtfertigen.
Ergibt auch keinen Sinn, gebe ich dir recht. War auch nicht meine Intention.

Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Dazu kommt, zwischen 12 und (mutmaßlich) 6.000 Toten liegen Welten.
Klar liegen da Welten zwischen. Aber das führt doch zu der spannenden Frage, wo die persönliche Grenze liegt. Wenn Leute bei 12 Toten entspannt die WM gucken, aber bei 6.000 nicht, wie wäre es dann bei 20 Toten? Oder 50? Oder vielleicht 200? Die Menschen sind einfach sehr gut darin, sich selbst gegenüber moralisch zu rechtfertigen, wenn sie etwas tun, von dem sie eigentlich denken, dass man es nicht tun sollte. Und entweder man müsste konsequent auf sämtliche Produkte verzichten, die mit Ausbeutung zu tun haben (Klamotten, Smartphones, Schokolade etc.) oder jeder hat eine unbewusste "Grenze", wie schlimm die Ausbeutung sein muss, damit boykottiert wird. Und alles unter dieser Grenze wird wider besseren "Wissens" moralisch gerechtfertigt. Ich finde es interessant, sich das mal bewusst zu machen, nehme mich da selbst nicht aus und möchte auch betonen, dass ich hier niemanden direkt ansprechen möchte.
Kiez Richards ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.11.2022, 00:17   #15
Frank Drebin
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 02.03.2006
Beiträge: 2.118
Ich werde auf diese WM verzichten/boykottieren und gehe damit auch recht offensiv um. Gerade im Bezug auf die Situation der Gastarbeiter_innen, zurück gehaltene Lohnauszahlungen in so einem reichen Land, Sicherheit auf Baustellen, Gewerkschaften, Umgang mit Streiks usw. Dazu kommt der Umgang mit Frauen und queeren Menschen. Fußball spielen und etwas von Fair Play und Fußball verbindet faseln in einem Land auf dem die Todesstrafe für Homosexualität droht? Das ich nicht lache.

Ich finde es gut das es kritische Beiträge gerade in Deutschland gibt (Podcast-Serie vom Spiegel und die Sport-inside Reportagen), dass der Finger in die Wunde gelegt und das vor allem den Opfern eine Stimme gegeben wird. Verändern wird sich dadurch natürlich nichts, auch wenn dieses Strohmann-Argument ja gerne hervor gekramt wird. Es graut mir tatsächlich das an dem Ort, an den Arbeiter_innen zu Tode gestürzt sind, bald die Spieler einlaufen und bejubelt werden. Es ist einfach falsch.

Mit einer ähnlichen Argumentation habe ich davor auch schon Russland und Brasilien boykottiert. Auch die EMs dazwischen haben mich null interessiert. Und was soll man sagen: Man verpasst absolut gar nichts.
__________________

#freelina
Frank Drebin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.11.2022, 14:39   #16
Nani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 02.12.2003
Beiträge: 15.491
Zitat:
Zitat von Kiez Richards Beitrag anzeigen
Ergibt auch keinen Sinn, gebe ich dir recht. War auch nicht meine Intention.
Dachte ich mir schon. Der Verweis auf den Ausrichter ist ja auch berechtigt.


Zitat:
Zitat von Kiez Richards Beitrag anzeigen
Klar liegen da Welten zwischen. Aber das führt doch zu der spannenden Frage, wo die persönliche Grenze liegt. Wenn Leute bei 12 Toten entspannt die WM gucken, aber bei 6.000 nicht, wie wäre es dann bei 20 Toten? Oder 50? Oder vielleicht 200? Die Menschen sind einfach sehr gut darin, sich selbst gegenüber moralisch zu rechtfertigen, wenn sie etwas tun, von dem sie eigentlich denken, dass man es nicht tun sollte. Und entweder man müsste konsequent auf sämtliche Produkte verzichten, die mit Ausbeutung zu tun haben (Klamotten, Smartphones, Schokolade etc.) oder jeder hat eine unbewusste "Grenze", wie schlimm die Ausbeutung sein muss, damit boykottiert wird. Und alles unter dieser Grenze wird wider besseren "Wissens" moralisch gerechtfertigt. Ich finde es interessant, sich das mal bewusst zu machen, nehme mich da selbst nicht aus und möchte auch betonen, dass ich hier niemanden direkt ansprechen möchte.
Ich habe mal geschaut, wie viele Menschen beim Bau des BER gestorben sind. Stand 2012 waren es vier. Ich würde deshalb aber noch keine Diskussion starten. So zynisch es klingen mag, Todesfälle allein sind noch kein Indikator. - Außer natürlich, wenn die Häufigkeit eben so groß ist wie in Katar.

Mir lag auch nicht daran, die Diskussion über die Umstände abzuwürgen. Im Gegenteil, die miesen Umstände der russischen Bauarbeiter kann man gern näher beleuchten. Genauso die schlechten Löhne und, wie gesagt, wie freiwillig Leute arbeiten.
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Alt 04.11.2022, 15:09   #17
Riddler
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 27.06.2005
Beiträge: 4.775
Die Diskussion über die Wahrnehmung der beiden Ausrichter Russland und jetzt Katar ist durchaus interessant.
Natürlich gibt es einige Parallelen: über die WM in Russland dachten wahrscheinlich viele, dass da vor allem die Oligarchen vieles (oder gar alles) finanziert hatten (inklusive etwaiger Schmiergelder). Jetzt in Katar denkt man das Gleiche über die Scheichs.

Russland hatte kurz vorher die Winterolympiade ausgerichtet, was ja vereinzelt auch schon kontrovers diskutiert wurde. Und auch vorher schon gab es sportliche Großveranstaltungen in Russland, also waren die Russen als Veranstalter quasi schon "etabliert", so dass hier vielleicht von vorneherein weniger kritisch hingeschaut wurde. Mir jedenfalls sind keine Berichte über den Stadionbau in Russland in Erinnerung.

Mit Katar hingegen betrat jetzt ein neuer Spieler den Platz, der im Weltfußball, sogar im Weltsport nicht irrelevanter sein könnte. Hinzu kam ja noch, dass - bevor überhaupt irgendwas über die Stadionbauten bekannt wurde - sich jeder halbwegs normal denkende Mensch erstmal gefragt hat, wie bescheuert es überhaupt ist, in einem Wüstenstaat im Sommer Leistungssport veranstalten zu wollen.
Die Verschiebung in den Winter war ja dann die Folge dieser Debatte.

Und vermutlich war dann spätestens der Zeitpunkt erreicht, wo man anfing, die ganze Organisation und auch das Land an sich kritischer unter die Lupe zu nehmen.
Vor allem der letzte Teil wäre eigentlich auch eine Kernaufgabe der FIFA gewesen, bzw. ist die Forderung danach auch erst jetzt deutlich lautstarker geworden (Gleiches gilt für das IOC). Interessant wäre es zudem, vielleicht auch nochmal die WM 2010 in Südafrika dahingehend zu beäugen.
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Alt 04.11.2022, 16:35   #18
Blast
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 04.05.2018
Beiträge: 1.620
Ich bin tatsächlich kein Fußball-Fan, habe aber gelegentlich mit einem Kumpel früher Champions League-Spiele oder eben Länderspiele geschaut. Darüber habe ich auch einiges an Hintergrundwissen erfahren können, was mir die ganze Sache wie jetzt in dieser Debatte auch nicht besser gemacht hat.

Der ganze Kulturbetrieb um Fußball scheint ja recht beschissen geworden zu sein: Die Ticketpreise sind zu teuer, Fußballer kriegen Gehälter in Millionenhöhe, welches ihnen ermöglicht, sich wie die größten Kinder zu benehmen und ihre Frauen zu verkloppen, Korruptionsskandale, Steuerbetrug, Nazis im Stadion und kleine formelle Entscheidungen wie Montagsspiele, die einfach nicht die Interessen der Fans berücksichtigen. Das sind die Sachen, die mir auf einen Schlag einfallen.

Besagter Kumpel hat mir mal eine geschichtswissenschaftliche Hausarbeit zum Thema Fußball vorgelegt. Von den Ursprüngen, dass dieser Sport Identifikationsmöglichkeiten und Eskapismus für die Arbeiterklasse bot, sind wir mittlerweile weit entfernt, wenn wir aus dem Ausland eingekauften Multimillionären dabei zusehen dürfen, wie sie akrobatisch hinter einem Ball herrennen.

Ich weiß, dass es schwer ist, sich von solchen Dingen mental zu trennen, aber angesichts der akuten Lage würde ich jedem Fußball-Fan dazu raten, auf unproblematischere Sportarten zurückzugreifen und Menschen abzufeiern, die wirklich aus normalen Verhältnissen kommen. Diese WM ist ein absolutes Verbrechen an die Menschheit und hat nichts mehr mit dem zutun, was dieser Sport einst zu repräsentieren versuchte: Gesundes Konkurrenzdenken, fairer Sport und vor allem Respekt unter den Ländern, aber auch vor allem unter den Menschen an sich.
__________________
"Wenn du nur das willst, was du schaffen kannst, kannst du alles schaffen, was du willst!" - Konfuzius

Geändert von Blast (04.11.2022 um 16:35 Uhr).
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Alt 06.11.2022, 13:44   #19
Gazelle
Moderator
 
Registriert seit: 09.04.2009
Beiträge: 5.862
Ich werde einzelne Spiele gucken und viel nebenbei laufen lassen. Wie viel ich am Ende verfolge weiß ich selbst noch nicht. Die Euphorie und Vorfreude ist aber aus offensichtlichen Gründen so gering wie noch nie. Im größeren Kreis ist nichts geplant. Ich werde im Home Office nebenbei oder vielleicht mal mit der Familie gucken. Im Zweifel werde ich aber eher den Sportarten den Vorzug geben, die in den Dezember gehören. Skispringen oder Darts WM zum Beispiel. Ich verstehe jeden, der ganz oder teilweise boykottiert. Meine Vorfreude war auch vor Russland 2018 schon gedämpft. Ich hab mich vor ca. zehn Jahren darauf eingestellt, dass wohl die EM 2016 vorerst das letzte Turnier sein wird, das ich einigermaßen leidenschaftlich verfolgen werde. Vielleicht wird es 2024 wieder etwas besser. Aber bei den Bullshit-Plänen zur Riesen-WM mit 3er-Gruppen 2026 habe ich da schon wieder wenig Hoffnung. Dennoch ist eine WM immer noch ein Ereignis, das für mich mit Erinnerungen, kindlicher Vorfreude und ein bisschen Eskapismus verbunden ist. Mal gucken, ob sich diese Gefühle auch dieses Jahr noch einstellen.

WMs waren für mich immer reizvoll, weil dort nicht die reichsten Nationen die besten Spieler kaufen und überbezahlen können. Es gibt immer Spieler, Teams und Trainer, die aus dem nichts eine Erfolgsgeschichte schreiben. Diese Geschichten, bei denen sich Teams aus der Bedeutungslosigkeit zu Nationalhelden machen, wird immer faszinierend sein. Griechenland 2004 oder dass ein No-Name wie Eder 2016 sein Land gegen den Top-Favoriten zum Titel schießt, machen solche Turniere für mich aus. Für solche Spieler, Trainer und Teams tut es mir auch besonders Leid, dass ihre mögliche Erfolgsgeschichte von den beschissenen Umständen überschattet wird. Und ich verstehe, dass man als Spieler oder Trainer sich seine Erfolgsgeschichte nicht von so einem Umstand kaputt lassen machen möchte, schließlich können die meisten nicht viel dafür. Mit einem PSG-Spieler, der sich eh von Katar finanzieren lässt, habe ich da kein Mitleid. Aber wenn wie 2016 ein vereinsloser Robson-Kanu Wales gegen Top-Favorit Belgien ins Halbfinale und zu einem der größten Momente der walisischen Sportgeschichte schießt, dann gönne ich ihm jegliche Freude des Moments. Genauso wie beim Eder-Siegtor im Finale. Mich selbst würde das wahrscheinlich auch nicht kalt lassen, selbst wenn das Turnier in Katar stattfindet. Wie gesagt weiß ich selbst noch nicht, wie viel Euphorie am Ende aufkommt oder ob mich die WM am Ende doch gar nicht juckt. Was ich aber definitiv befürworte: So viel Kritik an Verband, Ausrichter, Infantino usw. wie möglich. Je mehr einflussreiche Menschen sich dazu äußern, desto besser.

Zitat:
Zitat von Blast Beitrag anzeigen
Der ganze Kulturbetrieb um Fußball scheint ja recht beschissen geworden zu sein: Die Ticketpreise sind zu teuer, Fußballer kriegen Gehälter in Millionenhöhe, welches ihnen ermöglicht, sich wie die größten Kinder zu benehmen und ihre Frauen zu verkloppen, Korruptionsskandale, Steuerbetrug, Nazis im Stadion und kleine formelle Entscheidungen wie Montagsspiele, die einfach nicht die Interessen der Fans berücksichtigen. Das sind die Sachen, die mir auf einen Schlag einfallen.
Alles richtig und Grund dafür, warum mich Profifußball immer weniger reizt. Das beste wäre ein Platzen der Profifußball-Blase und ein Umleiten der Gelder in sinnvollere Branchen. Damit wären viele Probleme des kranken Systems gelöst.
__________________
Bildung find ich dumm, ich bin doch eh schon schlau.
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Alt 06.11.2022, 15:30   #20
Hannoveraner
Knöchelbruch
 
Registriert seit: 02.02.2022
Beiträge: 691
Die Möglichkeit zum Boykott der WM in Katar hält sich in Grenzen. Die meisten Leute zahlen die GEZ-Gebühr. ARD und ZDF übertragen. Ob man einschaltet oder nicht.
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Alt 06.11.2022, 15:49   #21
Nani
Höllen-Rentner
 
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Beiträge: 15.491
Zitat:
Zitat von Hannoveraner Beitrag anzeigen
Die Möglichkeit zum Boykott der WM in Katar hält sich in Grenzen. Die meisten Leute zahlen die GEZ-Gebühr. ARD und ZDF übertragen. Ob man einschaltet oder nicht.
Wenn die Quoten deutlich schlechter sind als sonst, ist das trotzdem ein Signal und Statement. Wenn Du im Laden Veganes oder aus guter Haltung kaufst, rettest Du auch nicht die Tiere, die bereits verarbeitet sind, aber durchaus die Zukunft.
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Alt 06.11.2022, 16:09   #22
Stefan "Effe" Effenberg
ECW
 
Registriert seit: 30.06.2008
Beiträge: 7.710
Meinen WM Konsum wird man in den Quoten kaum feststellen, da ich das wohl eher "aus der Konserve" schauen werde, je nachdem wie die Arbeitszeiten ausfallen. Aber ja, ich gucke was geht.
__________________
Der Klügere gibt nach. Nachgeben ist ein Zeichen von Stärke, das nicht jeder besitzt.
Formerly known as Johnboy Dog, Yukon, Lena Mayer-Landrut & David "Haymaker" Haye

Geändert von Stefan "Effe" Effenberg (06.11.2022 um 16:09 Uhr).
Stefan "Effe" Effenberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2022, 16:19   #23
Hannoveraner
Knöchelbruch
 
Registriert seit: 02.02.2022
Beiträge: 691
Nani, wie werden denn die Quoten erfasst? Immer noch ganz altmodisch per Umfrage? Ich wäre ja dafür offen, wenn die Fernsehgeräte ein Signal zurück senden würden, dann könnte man ehrlich und exakt erfassen, was Jede*r einschaltet. Die technischen Voraussetzungen wären da heutzutage. Dann könnte man generell das Programm anpassen, grundsätzlich, auch unabhängig von der WM jetzt. Aber ich höre schon die Datenschützer schreien.

Was die WM angeht, so werden die Quoten schön gerechnet, und ARD wie ZDF werden bestimmt von bombastischen Einschaltquoten einen erzählen, (ich seh's schon kommen), während in Wahrheit sehr viele tatsächlich kein Interesse haben und nicht einschalten.

Allerdings: Katar ist unverschämt reich, die brauchen sich vor einem Boykott auch nicht so sehr zu sorgen. Die FIFA soll ja auch ein paar Euro haben.

Geändert von Hannoveraner (06.11.2022 um 16:25 Uhr).
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Alt 06.11.2022, 16:29   #24
champi0n
Gehirnerschütterung
 
Registriert seit: 22.06.2009
Beiträge: 476
Die Quoten werden seit 1975 durch Quotenboxen erfaßt, es gibt 5000 davon in repräsentativen Haushalten in denen 10500 Leute leben.
champi0n ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.11.2022, 16:33   #25
Hannoveraner
Knöchelbruch
 
Registriert seit: 02.02.2022
Beiträge: 691
Danke, Champi0n, das hört sich aber trotzdem nach einer sehr altmodischen Technik an, (1975), im heutigen Zeitalter, (2022), wo der Flatscreen mit dem Internet verbunden ist.

Geändert von Hannoveraner (06.11.2022 um 16:34 Uhr).
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