Boardhell - Schwarz-rot wie Bayer 04
   

 
 
   

 

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Alt 23.04.2024, 12:17   #1
Thomas Jay
ECW
 
Registriert seit: 06.02.2002
Beiträge: 6.540
…Trend (ich kam auf den Enter-Button, bevor ich das letzte Wort im Titel eingegeben hatte ). Es wäre sehr freundlich von der Moderation, im Titel das Wort „Trend“ am Ende zu ergänzen, danke dafür.


Zwei Entwicklungen, die aufhorchen lassen:

https://taz.de/Christliche-Influencerinnen/!6002078/?

https://www.nzz.ch/meinung/islamismu...and-ld.1824897


Ein aktueller gruseliger Trend, christliche Positionen, die Richtung rechts gehen, bekommen viel Zulauf:
„Die christlichen Influencerinnen Jana Highholder und Jasmin Neubauer präsentieren sich in ihrem neuen Podcast „Jana & Jasmin“ selbstbewusst. „In Zeiten wie diesen gibt es auf alle mögliche gesellschaftlich relevante [sic!] Fragen tausende Antworten“, heißt es im Ankündiger. „Wir glauben: Nur eine davon ist wahr.“ Die beiden wollen nun „Tacheles reden“. Das tun sie auch schon auf ihren Instagramkanälen hiighholder und liebezurbibel (https://taz.de/Christliche-Ideologie...et/!5981335/): Zwischen beigefarbenen Bibelkacheln oder freundlichen Motivationsvideos äußern sie sich immer wieder politisch – und nähern sich zunehmend der politischen Rechten an.
„Wen soll ich als Christ wählen?“, fragt Neubauer etwa auf ihrem Kanal und versucht danach direkt selbst zu antworten. Als „persönliche Parameter“ führt sie unter anderem die „Erhaltung von Familie zwischen Mann, Frau & Kind“ oder das „Fernhalten von politischen Idelogien [sic!] im Kindergarten“ auf. Eine konkrete Wahlempfehlung gibt die Influencerin nicht, denn
och wird deutlich, welche Parteien ihren Ansprüchen genügen.“

60000 Follower hat die eine Influencerin, 70000 die andere.

Das passt leider zu Ereignissen der letzten Jahre, viele auf der Welt rutschen Richtung rechts und / oder religiös; Leider passen manche Haltungen von rechts gar nicht mal so schlecht zu manchen Haltungen, die manche Christen (aber auch Muslime und Juden) haben.
Vor allem Sexismus, Familie habe Hausfrau, Vater und Kinder zu sein, Homo- und Transphobie,
sowie der Absolutheitsanspruch (bedeutet: es gäbe nur die eine einzige Wahrheit, also
Ideologie 1, 2 oder 3).

„Auf Tiktok (https://taz.de/TikTok-Debatte-in-Deutschland/!5996585/) hat der Wettbewerb der religiösen In*flu*en*ce*r*in*nen gerade erst begonnen. Jasmin Neubauer ist schon dort und ihr erfolgreichstes Vide
o wurde 185.000-mal angeschaut. Es handelt von der Hölle.“

Solche Meinungen bekommen leider deutlich viel mehr Follower als z. B. ein queeres Pastorenpaar (Anders Amen).


Passt leider zu etwas, das mir eben auch angezeigt wurde:

https://www.nzz.ch/meinung/islamismu...and-ld.1824897
„.....So ist fast überall in Europa ein Trend zu einem konservativen, zuweilen radikalen Islam zu beobachten. ...
.....Gemäss einer kürzlich publizierten Umfrage des Instituts Ifop waren 50 Prozent der befragten muslimischen Schüler der Meinung, es sei ihr Recht, Schulstoff zu boykottieren, wenn dieser religiöse Gefühle verletze. Rund ein Viertel der Teilnehmer fand, es sei in Ordnung, im Namen der Religion homophob oder sexistisch zu sein....“


Nahost-Religionen passen an vielen Textstellen leider gar nicht mal so schlecht zu rechten oder fascho Ideologien. Solange wir Parteien wählen, die Schiss davor haben, ehrlich und öffentlich über Probleme, die aufgrund von Religionen entstehen (z. B. islamischer Antisemitismus unter Studenten), zu reden, solange werden Religionen wieder mächtiger werden und somit in die Lage kommen, die Zeit zurückzudrehen, bevor wir es wahrhaben wollen. Wer nicht versteht, dass Ethik- statt Religionsunterricht, in dem kritisches selbstständiges Denken, Auseinandersetzung mit Straftaten im Namen von Religionen, Auseinandersetzung mit den ethisch fragwürdigen Inhalten der abrahamitischen Religionen und das Aufzeigen von Alternativen (eigene Erfahrungen machen, Atheismus, Pantheismus, Humanismus, Daoismus, Buddhismus…) gefördert wird, entscheidend ist für unsere Zukunft und ebenso die wirkliche Trennung von Religion und Staat, dem ist nicht zu helfen und der wird letztlich ein Steigbügelhalter der seit vielen Jahren mit Macht zurückkehrenden Probleme: Die Wiedererstarkung rechter und religiöser radikaler Ansichten, die schon seit Jahren in mehreren Ländern im Gange sind.

Was können wir für bessere Bildung und somit Immunisierung gegen religiöse Inhalte, die Intoleranz fördern, tun?
Fatalerweise spielen religiöse Straftäter teilweise wiederum Rechten in die Karten.
Ist die Frage, ob die Weigerung, die Weltanschauung von Straftätern zu erfassen und somit für Statistiken verwertbar zu machen, sinnvoll ist.

Religiöse Ansichten sind leider nicht erst seit gestern Ursprung von Intoleranz, Hass und Gewalt.

Mit aller Selbstverständlichkeit setzen wir kleine Kinder ethischen Beeinflussungen aus, die sich um die Anbetung eines Gottes drehen, den wir nicht kritisieren dürfen, obwohl er viele Male Menschen getötet und grausamen Situationen aussetzt habe laut eben diesen Büchern, wobei er teilweise trotzig wie ein Kind Diktator agiert und für Kritik an ihm mal eben tötet. Mit einer Sintflut habe er einen weltweiten Genozid begangen und die Ermordung von ägyptischen Babys war auch nicht die letzte grausame Tat auf seiner langen Liste an Grausamkeiten, die ihm religiöse Schriften zuschreiben).

Wann fangen wir an, unsere ängstliche Befangenheit gegenüber Religionen in die Wüste zu schicken und ergreifen Schritte, um Kinder ( = zukünftige Wähler) und weitere Mitnenschen ( = potenzielle Opfer) vor religiös verbrämtem Hass zu schützen, indem wir die Menschen von klein auf mit Ethikunterricht immunisieren?

Solange viele Menschen und unsere gewählten Parteien kreuzbrav links und christlich vor den ältesten und weltweit mächtigsten Ursachen für ideologiebasierte Diskriminierung (z. B. Sexismus), Hass (z. B. Atheophobie) und Verbrechen gegen die Menschenrechte (z. B. Genitalverstümmelung an männlichen Babys) die Augen verschließen, solange haben die Leute, die „einfache Antworten“ suchen und verbreiten, kinderleichtes Spiel. Religionen und Rechte bekommen mehr Zuspruch und somit Macht und wir sind Teil des Problems.

Was denkt Ihr?
__________________
Wer religiöse Morde rechtfertigt, indem er Täter als vermeintliche Opfer verklärt, gibt Fanatikern recht damit, dass ihre Ideologie über absolut allem stehe: https://www.nzz.ch/meinung/islamismu...and-ld.1824897 Wehret den Anfängen - haben die meisten immer noch nicht verstanden.

Geändert von Thomas Jay (23.04.2024 um 12:55 Uhr).
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Alt 23.04.2024, 12:23   #2
Landnani
Höllen-Rentner
 
Registriert seit: 01.12.2003
Beiträge: 17.243
Ich denke, dass psychische Krankheiten in den letzten Jahren immer verbreiteter sind und dies seine Gründe hat.

Das ist nur ein weiteres Symptom. Und ich meine das nicht als Beleidigung, sondern einordnend. Was man auch daran ablesen kann, dass all diese Positionen (Homophobie, Radikalität, Rassismus, Sexismus, etc.) nicht konsistent, logisch oder in ihrer Wirkung der Menschheit dienlich sind.
__________________
Du bist nicht Deine Gewohnheiten.
Du bist nicht Deine Gefühle.
Du bist nicht Deine Gedanken.

Geändert von Landnani (23.04.2024 um 12:24 Uhr).
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Alt 23.04.2024, 13:41   #3
Riddler
ECW
 
Registriert seit: 27.06.2005
Beiträge: 6.783
Im Allgemeinen würde ich erstmal festhalten, dass sich immer mehr Menschen nach einem, nennen wir es aus Gründen der Vereinfachung "moralischen Grundgerüst" sehnen, welches sie auffängt und eine gewisse Orientierung gibt.

Religionen und auch radikale Ansichten teilen sich da die Gemeinsamkeit, dass sie diese tiefsitzende Sehnsucht (scheinbar) bedienen.

Blöderweise sind es dann jedoch immer wieder einzelne Personen(gruppen), die ihre Interpretation als maßgebend präsentieren und dies argumentativ auch anhand vermeintlicher Fakten (einseitige Auslegung von Passagen aus Bibel, Koran etc.) überzeugend darlegen. Radikale Kräfte nutzen da alternativ gerne Pseudostudien oder interpretieren vorhandene Statistiken einseitig zu ihren Gunsten (Stichwort: Kriminalitätsstatistik).

Politisch Radikale und religiöse Fanatiker haben den gleichen Eifer, ihre Thesen zu verbreiten und sind auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen. Insbesondere nicht für jene Menschen, die sich (zu einem großen Teil) aus Bequemlichkeit nicht mehr mit aktuellen Trends und Themen auseinandersetzen wollen oder nicht mehr können.

Das einfache Nachplappern von Halbwahrheiten und populistischen Ansichten von jenen, die scheinbar "den Durchblick haben", ist ein relativ simpler Mechanismus, der in sehr vielen Lebensbereichen bereits seit vielen Jahrzehnten (oder länger) funktioniert. Werbung z.B.bedient sich stets einem Muster, Begehrlichkeiten zu wecken, um Produkt XY als "unverzichtbar" zu definieren.

Die erhöhte Reichweite der modernen Medien erleichtert es politisch-religiösen Irrläufern dabei zunehmend, ihre verqueren Ansichten ungefiltert zu verbreiten. Mediale Kompetenz ist bei vielen leider auf der Strecke geblieben und essenzielle Elemente wie "Wahrheit" und "Lüge" sind dann für viele nicht mehr erkennbar.

Ich persönlich denke mir manchmal tatsächlich auch immer wieder, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, zu Mitteln wie verstärkter Kontrolle zu greifen, um diese geistigen Brandstifter zu entlarven und zum Schweigen zu bringen (nicht wörtlich genommen).
Und genau das ist auch die Paradoxie, in der wir leben. Besonders unter Berücksichtigung, dass es solche Brandstifter mittlerweile überall gibt und diese z.T. auch verantwortungsvolle Positionen bekleiden (Merz, Trump, um nur einige zu nennen).

Gibt es eine Patentlösung? Weiterhin selber denken. Kann man das anderen vermitteln? Ja, aber es ist verflucht anstrengend.
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Alt 23.04.2024, 21:08   #4
Blast
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 04.05.2018
Beiträge: 1.997
Zitat:
Zitat von Riddler Beitrag anzeigen
Die erhöhte Reichweite der modernen Medien erleichtert es politisch-religiösen Irrläufern dabei zunehmend, ihre verqueren Ansichten ungefiltert zu verbreiten. Mediale Kompetenz ist bei vielen leider auf der Strecke geblieben und essenzielle Elemente wie "Wahrheit" und "Lüge" sind dann für viele nicht mehr erkennbar.
Dein Beitrag ist gut, aber mit diesem Satz bzw. diesem Wort sehe ich etwas, was die Allgemeinheit nicht-religiöser bzw. nicht-aktiver religiöser Menschen immer so ein wenig verkennt. Ich weiß jetzt selber nicht, ob es so gemeint ist und die Kritik vielleicht unberechtigt ist, aber ich schreibe das hier auch irgendwo als Ergänzung zum Ausgangspost:

Die Vorstellung, dass es politische und nicht-politische Religionen gibt, ist leider sehr naiv. Ich höre des Öfteren solche Kommentare, dass der Glaube ja eigentlich etwas Privates und Spirituelles sei und eigentlich harmlos. Ich kenne aber ehrlich gesagt keine einzige Glaubensrichtung, die nicht politische Elemente in sich trägt. Und das manifestiert sich ja auch in den Influencern: Glaube und Politik gehören zusammen, aus dem einfachen Grund, dass in den Quellwerken ideologische Werte und politische Systeme und bestimmte Formen von Hierarchien und was nicht sonst noch alles propagiert wird.

Ich hatte etliche Diskussionen mit Menschen, die behauptet haben, dass Quellwerke wie Bibel und Qu'ran eigentlich harmlos seien, aber nur falsch interpretiert würden. Daran erkennt man eigentlich gut Personen, die nicht einmal selbstständig und konzentriert in diesen Werken gelesen haben, sondern nur einzelne harmlose Passagen kennen und wahrscheinlich von ihren führenden Geistlichen bei der Interpretation geleitet wurden. Als gutes Beispiel könnte man das Thema 'Homosexualität' nennen. Es wird genau fünf Mal in der Bibel erwähnt bzw. gleichgeschlechtliche Beziehungen angesprochen, allesamt in einem negativen Kontext. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob wirklich der Sex zwischen zwei erwachsenen Menschen gemeint ist oder Pädophilie (das häufigste Argument). Kann sein, ich kann kein hebräisch oder altgriechisch. Nur ist die Sache mit den falschen Übersetzungen auch unterkomplex gedacht: Homophobie steht/stand schon lange auf der Agenda der christlichen Religionen, irgendwie muss sich das entwickelt haben. Und wenn die Bibel durch ihre größten Gelehrten jahrelang auf eine solche Weise falsch interpretiert wurde, ist das Buch vielleicht auch nicht so kompetent und "vollkommen" wie die Christen es glauben. Ein anderer Punkt gegen die LGBTQ-freundliche Bibel ist auch die Tatsache, dass die damalige Sexualethik in Griechenland wohl anders strukturiert war; es wurde hierarchisch betrachtet, der Geber in einer Beziehung war hierarchisch immer über den Nehmer. Wenn du als Mann also genommen hast, tja, dann warst du gesellschaftlich nicht unbedingt in einer gleichberechtigten Position.

Aber das nur nebenher. Ich würde Thomas Jay vollumfänglich darin zustimmen, dass wir daran arbeiten sollten, Religionen und jeglichen anderen spirituellen Müll als das zu Kennzeichnen, was er ist. Nämlich gelebte Lügen. Es gibt keinen Gott. Es gibt kein Leben danach. Religionen sind immer ein Mittel gewesen, um zu unterdrücken und zu ordnen. Früher mag es vielleicht einen gewissen Nutzen für alle Parteien gehabt haben, aber auch da wurde sie schon missbraucht. Ich wäre auch dafür, religiöse Veranstaltungen zumindest in den öffentlich rechtlichen nicht weiter zu thematisieren. Man kann sich da sowohl "Frohe Weihnachten" und "Eid Mubarak" und all die anderen Dinge sparen.

Aber gut, es ist einfacher und bequemer, ein paar Edelsteine mit Sonne aufzuladen und Sonntags in die Kirche mutmachende Worte für sein eigenes Leid zu hören, anstatt auf die Straße zu gehen und für seine eigenen Rechte zu kämpfen. Wir befinden uns ja auch in sehr unsicheren Zeiten seit Corona, seitdem beobachte ich auch mehr und mehr Kolleginnen von mir, wie sie an Horoskope und Tarot und diesen ganzen Müll ernsthaft glauben. Als Spielerei ist sowas immer ganz lustig gewesen, aber jetzt wird es immer ernster genommen. Eigentlich der perfekte Zeitpunkt für Scharlatane.

Was mich in meinen eigenen dazu qualifiziert, solche Dinge zu schreiben? Ich war selber meine gesamte Kindheit über Teil einer fundamentalchristlichen Sekte und im Nachhinein hat mir das alles sehr geschadet und ich habe sehr lange gebraucht, bis ich einigermaßen vernünftig denken konnte. Teilweise passieren mir heute noch gedankliche Missgeschicke. Und Familienmitglieder haben an diesen Homöopathie-Schwachsinn geglaubt und mich mit wirkungsloser "Medizin" vollgepumpt. Die Entwicklung der Eso-Ökos Richtung rechts war im übrigen nie eine Entwicklung, die waren schon immer so. Meine Mutter hat sich mal von einer Heilpraktikerin verabschiedet, weil diese im Gespräch gesagt hat, dass der Holocaust die Strafe für die Kreuzigung Jesu war. Das war weit vor der AfD und Corona. Ich kenne die ganze Bandbreite.
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"Wenn du nur das willst, was du schaffen kannst, kannst du alles schaffen, was du willst!" - Konfuzius
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Alt 28.04.2024, 19:13   #5
Goldberg070
Moderator
 
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Beiträge: 17.053
In Hamburg haben hunderte Menschen gegen eine (angeblich) islamfeidliche Politik demonstriert

Zitat:
Zitat von www.n-tv.de
Auf Plakaten waren Slogans wie "Deutschland = Wertediktatur" oder "Kalifat ist die Lösung" zu lesen. Immer wieder wurden die Demonstranten von den Organisatoren zu "Allahu Akbar"-Rufen ("Gott ist groß") aufgefordert. Redner warfen Politik und Medien "billige Lügen" und "feige Berichterstattung" vor, mit denen vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs alle Muslime in Deutschland als Islamisten gebrandmarkt werden sollten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte nach der Demonstration ein "hartes Einschreiten" des Staates bei derlei Veranstaltungen und würdigte die Arbeit der Hamburger Polizei. "Eine solche Islamisten-Demonstration auf unseren Straßen zu sehen, ist schwer erträglich. Es ist gut, dass die Hamburger Polizei mit einem Großaufgebot Straftaten entgegengewirkt hat", sagte die SPD-Politikerin dem "Tagesspiegel".
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"Wenn du deine Emotionen nicht kontrollieren kannst, musst du das Verhalten anderer Menschen kontrollieren. Deshalb dürfen die Empfindlichsten, Übersensibelsten und leicht Erregbarsten nicht den Standard für den Rest von uns setzen." - John Cleese
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Alt 28.04.2024, 20:18   #6
Creed
Schädelbasisbruch
 
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Zitat:
Zitat von Thomas Jay Beitrag anzeigen
Wer nicht versteht, dass Ethik- statt Religionsunterricht, in dem kritisches selbstständiges Denken, Auseinandersetzung mit Straftaten im Namen von Religionen, Auseinandersetzung mit den ethisch fragwürdigen Inhalten der abrahamitischen Religionen und das Aufzeigen von Alternativen (eigene Erfahrungen machen, Atheismus, Pantheismus, Humanismus, Daoismus, Buddhismus…) gefördert wird...
Irgendwie bezweifle ich das Kinder durch den Religionsunterricht bekehrt werden. Wir wurden damals über die verschiedenen Religionen aufgeklärt, haben im Religionsunterricht aber auch Themen wie Abtreibung, Todesstrafe etc. durchgenommen. Der Lehrer hat damals auch keine Position bezogen sondern neutral die verschiedenen Ansichten dargelegt und uns viel Raum für Diskussionen eingeräumt. Zumindest habe ich das so in Erinnerung, die Realschulzeit ist halt auch schon 15 Jahre her.
Ich kann mir auch gut Vorstellen das Religionsunterricht gegen die Probleme welche du dargelegt hast helfen kann. Wenn die Kinder auf TikTok und Co. auf irgendwelche Prediger treffen, dann bekommen sie im Religionsunterricht wenigstens eine anderer Perspektive geboten oder können Fragen stellen. Würde es ihn nicht mehr geben würde man das Feld komplett den Predigern überlassen. Natürlich kommt es auch immer auf das Lehrpersonal an, grundsätzlich finde ich das Angebot aber nicht schlecht und wenn die Eltern oder die Kinder ein Problem damit haben könne sie immer noch Ethik wählen.

Ob der christliche Glaube aktuell im Trend ist weiß ich nicht. Zumindest sind die Mitgliederzahlen in den letzten 60 Jahren deutlich zurück gegangen.
Persönlich bin ich Religionen gegenüber ziemlich neutral. Ich kann schon verstehen das der Glaube Menschen Kraft und Halt geben kann, auch wenn ich damit nicht so wirklich viel anfangen kann. Trotzdem stören mich auch einige Sachen. Zum Beispiel gibt es im sozialen Bereich immer noch kirchliche Träger, die nur Personen einstellen die Mitglied einer Kirche sind die der ACK angehört. Als zukünftiger Sozial Arbeiter ist das mit ein Grund warum ich immer noch in der Kirche bin.
Natürlich sehe ich auch das es Menschen gibt die sich durch ihren Glauben radikalisieren. Sei es jetzt irgendwelche Hamassympathisanten die immer wieder demonstrieren oder auch die radikalen Abtreibungsgegner. Trotzdem wäre ich vorsichtig und würde nicht alle gläubigen Menschen über einen Kamm scheren.
__________________
Glück und Pech sind nichts weiter als die richtige oder falsche Mischung aus einer Gelegenheit, der Vorbereitung darauf und des nötigen Selbstvertrauens.
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Alt 29.04.2024, 18:20   #7
CM Landratomaniac
Genickbruch
 
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Aufgrund der sogenannten Wertediktatur hat die Polizei nicht mit scharfer Munition die Islamisten niedergemäht. Freiheitlich-demokratische Knüppelschläge gegen Demokratie- und Menschenfeinde hätte ich unterstützt.
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Alt 13.05.2024, 13:25   #8
Landnani
Höllen-Rentner
 
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Zitat:
Zitat von Blast Beitrag anzeigen
Aber das nur nebenher. Ich würde Thomas Jay vollumfänglich darin zustimmen, dass wir daran arbeiten sollten, Religionen und jeglichen anderen spirituellen Müll als das zu Kennzeichnen, was er ist. Nämlich gelebte Lügen. Es gibt keinen Gott. Es gibt kein Leben danach. Religionen sind immer ein Mittel gewesen, um zu unterdrücken und zu ordnen. Früher mag es vielleicht einen gewissen Nutzen für alle Parteien gehabt haben, aber auch da wurde sie schon missbraucht. Ich wäre auch dafür, religiöse Veranstaltungen zumindest in den öffentlich rechtlichen nicht weiter zu thematisieren. Man kann sich da sowohl "Frohe Weihnachten" und "Eid Mubarak" und all die anderen Dinge sparen.
Worauf gründest denn Deine Expertise in Bezug auf Spiritualität, dass Du es Dir zutraust, über sie final zu urteilen? Womit hast Du Dich überhaupt schon mit solchem Tiefgang beschäftigt?

Ich meine natürlich nicht die gewaltbereiten Pseudogläubigen und auch nicht die Spiritualkommerzgesellschaft im Vatikan. Das sind Religionen. Diese Konstrukte haben nichts mit Spiritualität zu tun.

Hattest Du schon mit engagierten Predigenden zu tun, die in Kirchen, Moscheen & co. versuchen, Menschen zu helfen?
Hast Du schon mal tiefgehend meditiert oder Dich in Trance getanzt?
Hast Du fernöstliche Lehren oder den Shamanismus studiert?
Oder warst Du schon mal in Peru und hast mit psychodelischen Pflanzen Dein Bewusstsein erweitert und den Nahtod erfahren?

Ich habe den Eindruck, Du verurteilst einen ganzen Bereich, den Du nicht kennst, weil Du Angst/Sorge vor Fehlentwicklungen hast, wo Menschen diese missbrauchen.
Im gleichen Geiste könnte man jedoch auch die Wissenschaft, den Atheismus oder Nationalitäten vorverurteilen und “abschaffen“.
Du gehst verbal denselben Weg wie sie. Wenn Du davon überzeugt bist, respektiere ich das. Aber es ein Weg in Trauer, Misstrauen und Selbstversklavung.
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Alt 13.05.2024, 14:12   #9
Rock Yi Ratunda
Schädelbasisbruch
 
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Ich verstehe den missionierenden Atheismus überhaupt nicht. Sollte nicht genau aus einer solchen Ideologie heraus etwas mehr Toleranz erwachsen? Sonst macht man nichts anderes als das, wofür man die Weltreligionen ja so verteufelt. Lebt euer Leben so wie ihr wollt, aber untersteht euch, einen Gläubigen zu verurteilen. Das ist die individuelle Entscheidung von jedem erwachsenen Menschen, das zu glauben was man möchte. Darüber zu diskutieren, ob es nun einen Gott gibt oder nicht ist müssig, da man weder das eine noch das andere beweisen kann. Nicht nur müssig, sondern unangebracht und arrogant ist es allerdings, in dieser Frage, die eigene Meinung als einzig richtige festzusetzen. Noch schlimmer ist da nur, wenn man meint intelligenter oder fortschrittlicher zu sein wenn man diese oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Sorry wenn ich das so sage, aber wir wissen einen sch##ssdreck. Ob nun Kirchenlehrer oder Wissenschaftler. Ein Leben nach dem Tod? Möglicherweise. Aber möglicherweise halt auch nicht. Leb damit.
__________________
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Alt 13.05.2024, 15:19   #10
Desperado
Genickbruch
 
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Zitat:
Zitat von SuckyRocks Beitrag anzeigen
Ich verstehe den missionierenden Atheismus überhaupt nicht. Sollte nicht genau aus einer solchen Ideologie heraus etwas mehr Toleranz erwachsen? Sonst macht man nichts anderes als das, wofür man die Weltreligionen ja so verteufelt. Lebt euer Leben so wie ihr wollt, aber untersteht euch, einen Gläubigen zu verurteilen. Das ist die individuelle Entscheidung von jedem erwachsenen Menschen, das zu glauben was man möchte. Darüber zu diskutieren, ob es nun einen Gott gibt oder nicht ist müssig, da man weder das eine noch das andere beweisen kann. Nicht nur müssig, sondern unangebracht und arrogant ist es allerdings, in dieser Frage, die eigene Meinung als einzig richtige festzusetzen. Noch schlimmer ist da nur, wenn man meint intelligenter oder fortschrittlicher zu sein wenn man diese oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Sorry wenn ich das so sage, aber wir wissen einen sch##ssdreck. Ob nun Kirchenlehrer oder Wissenschaftler. Ein Leben nach dem Tod? Möglicherweise. Aber möglicherweise halt auch nicht. Leb damit.
Das fettgedruckte will ich auch mal als zentrale Botschaft festhalten, auf die wir uns einigen können: Es möge jeder so leben wie er will
(solange er ermöglicht, dass auch andere so leben wie sie wollen und entsprechende Kompromisse erduldet )

Während ich als überzeugter Atheist entsprechend keine Einzelperson missionieren will, würde es mich freuen, wenn Privilegien der organisierten Religionen in Deutschland abgebaut werden und die Trennung von Kirche und Staat verstärkt wird. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wieso ich durch meine Einkommenssteuerzahlungen die kirchlichen Staatsleistungen finanziere, aus denen u.a. Gehälter von Bischöfen und Kirchenangestellten bezahlt werden.

Die Frage ist, wie weit man da gehen möchte / kann.

Der Staat unterstützt ja z.B. auch "meine persönliche Religion" den Fußball* mit zahlreichen Maßnahmen (Mietstundungen an Fußballvereine, Gesetzesanpassungen für die Austragung großer Turniere, Verzicht auf Steuerzahlungen durch UEFA/FIFA, ...). Dagegen kann man genauso nachvollziehbar sein wie gegen Zuschüsse für Kirchen. Oder Zuschüsse für Kunst. Oder Zuschüsse für XYZ


* Ich freue mich auf die Person, die den Posten des Bundeskanzlers mal antreten wird mit der Schlussformel im Amtseid "so wahr mir Franz Beckenbauer helfe"
__________________
--- www.pcwa-entertainment.de ---
--- Was wäre unser Planet ohne Pinguine? ---
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Alt 13.05.2024, 15:44   #11
Rock Yi Ratunda
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Die Frage, wo oder wie eine Grenze gezogen werden würde, so fürchte ich, spaltet bereits nach den ersten Vorstössen ziemlich grundlegend die Gesellschaft. Also noch mehr. Denn für mich würde eine bedingungslose Trennung von Kirche und Staat auch bedeuten, dass sämtliche kirchlichen Feiertage sofort wegfallen. Kein langes Osterwochenende mehr. Keine Brücke zu Pfingsten. Nix da mit Weihnachten. Ersatzlos gestrichen. Denn, wir wollen im Gesetz ja dann auch keine politischen Feiertage stattdessen. Zumindest nicht, wenn man das ganze konsequent durchzieht. Ein Beckenbauertag, den ich dir persönlich natürlich gönnen würde, wäre dann auch eher seltsam.
Mir ist auch nicht bekannt, ob Real Madrid oder Inter Mailand eine Organisation wie die Caritas gegründet haben oder unterstützen. Auch wenn ich natürlich nicht abstreite, dass sie auch eine art soziale Arbeit machen. Bedenkt einfach, was dann alles wegfällt, wenn die Kirche als ganzes fällt.
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Alt 13.05.2024, 19:44   #12
Landnani
Höllen-Rentner
 
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Pfft. Weihnachten hat eh nix mit dem Christentum zu tun, sondern ist ein heidnisches Lichterfest, wozu es keine Religion mehr gibt. Das kann man locker noch feiern.

Auch unabhängig davon sehe ich da keinen Konflikt. Das sind kulturell bedingte Feiertage. Ich fände es zwar sinnvoll, da mal etwas aufzuräumen, aber für einen funktionierenden Laizismus ist das nicht notwendig.
Kritisch sind die finanzielle Unterstützung der Kirche, das Einsammeln der Steuern für die Kirche und Bevorzugung des Christentums in anderen öffentlichen Angelegenheiten.
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Geändert von Landnani (13.05.2024 um 19:52 Uhr).
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Alt 14.05.2024, 08:14   #13
Guy Incognito
Knöchelbruch
 
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Zitat:
Zitat von SuckyRocks Beitrag anzeigen
Die Frage, wo oder wie eine Grenze gezogen werden würde, so fürchte ich, spaltet bereits nach den ersten Vorstössen ziemlich grundlegend die Gesellschaft. Also noch mehr. Denn für mich würde eine bedingungslose Trennung von Kirche und Staat auch bedeuten, dass sämtliche kirchlichen Feiertage sofort wegfallen. Kein langes Osterwochenende mehr. Keine Brücke zu Pfingsten. Nix da mit Weihnachten. Ersatzlos gestrichen. Denn, wir wollen im Gesetz ja dann auch keine politischen Feiertage stattdessen. Zumindest nicht, wenn man das ganze konsequent durchzieht. Ein Beckenbauertag, den ich dir persönlich natürlich gönnen würde, wäre dann auch eher seltsam.
Mir ist auch nicht bekannt, ob Real Madrid oder Inter Mailand eine Organisation wie die Caritas gegründet haben oder unterstützen. Auch wenn ich natürlich nicht abstreite, dass sie auch eine art soziale Arbeit machen. Bedenkt einfach, was dann alles wegfällt, wenn die Kirche als ganzes fällt.
Warum sollten die Feiertage ersatzlos gestrichen werden? Den Buß und Bettag zahlt man in Sachsen über die Pfelgeversicherung ab und ich bezweifel, dass die anderen Feiertage nicht auch in dem ganzen System der Arbeitsgestze mit berücksichtigt sind. Also wenn man die Feiertage streichen will, dann den Mindesturlaub um 12 Tage anheben.

Wenn man länger drüber nachdenkt ist der Vergleich Sportvereine und Kirche an der Stelle gar nicht so verkehrt. Die kleinen engagieren sich (am besten noch ehrenamtlich) und leisten die soziale Arbeit (würde nicht wissen wollen, wie es aussieht wenn vpn heute auf morgen alle Sportvereine weg wären) und die großen an der Spitze kassieren ab.
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Alt 14.05.2024, 08:43   #14
Landnani
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Schöne Beobachtung.

Ironischerweise sind die Kleinen glücklicher und gesünder als die Großen. Das ist halt der Denkfehler unserer Größen- und Expansions-verehrenden Gesellschaftsideologie: Je mehr Geld, Erfolg und Aufmerksamkeit Du erarbeitest, desto leichter fließt es Dir zu. Doch ab einem (relativ frühen) Punkt in dieser Dynamik wächst Dein Glück nicht mehr, sondern nimmt sogar ab.

Auch da wieder die Parallele zur Kirche: Der individuelle, engagierte und strukturell kleine Spiritualismus ist arm, aber verbunden mit der Göttlichkeit. Der ökonomische, konzernhafte hat hingegen weder mit Gott noch mit Spiritualität das Geringste zu tun, entfernt mit seinen Dogmen sogar Menschen davon.
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Geändert von Landnani (14.05.2024 um 08:55 Uhr).
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Alt 14.05.2024, 09:17   #15
Rock Yi Ratunda
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Zitat:
Zitat von Guy Incognito Beitrag anzeigen
Warum sollten die Feiertage ersatzlos gestrichen werden? Den Buß und Bettag zahlt man in Sachsen über die Pfelgeversicherung ab und ich bezweifel, dass die anderen Feiertage nicht auch in dem ganzen System der Arbeitsgestze mit berücksichtigt sind. Also wenn man die Feiertage streichen will, dann den Mindesturlaub um 12 Tage anheben.

Wenn man länger drüber nachdenkt ist der Vergleich Sportvereine und Kirche an der Stelle gar nicht so verkehrt. Die kleinen engagieren sich (am besten noch ehrenamtlich) und leisten die soziale Arbeit (würde nicht wissen wollen, wie es aussieht wenn vpn heute auf morgen alle Sportvereine weg wären) und die großen an der Spitze kassieren ab.

Wie gesagt, in dieser Frage gingen die Meinungen auseinander. Für mich persönlich gäbe es da nur die Streichung dieser Feiertage. Ob sie vor 4000 Jahren einmal heidnische Ursprünge hatten, spielt da für mich keine grössere Rolle mehr. Vielleicht sagt das in 1000 Jahren ein anderer über Weihnachten genauso. Aber das ist dann nicht mehr mein Problem.

@Nani: Ich verstehe im Grunde was du meinst. Nur würde ich nicht soweit gehen und zum Beispiel Papst Franziskus seine persönliche Spiritualität absprechen. Du kennst ihn ja genauso wenig wie ich. Nehme ich an.
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Alt 14.05.2024, 10:11   #16
Guy Incognito
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Wie gesagt, in dieser Frage gingen die Meinungen auseinander. Für mich persönlich gäbe es da nur die Streichung dieser Feiertage. Ob sie vor 4000 Jahren einmal heidnische Ursprünge hatten, spielt da für mich keine grössere Rolle mehr. Vielleicht sagt das in 1000 Jahren ein anderer über Weihnachten genauso. Aber das ist dann nicht mehr mein Problem.
Mir ging es auch nicht um den Ursprung der Feiertage, mir ging es um die Frage warum sie ersatzlos gestrichen werden sollen. Was gefeiert wird ist den meisten, doch sowieso egal hauptsache frei. Bei den kirchlichen Festen ist zwar mehr Tradition dabei, also ein Anlass für Familienfeste, aber sowas etabliert sich halt auch an anderen Tagen mit der Zeit.
Aber warum sollten bei einer stärkeren Trennung von Kirche und Staat die Wirtschaft so deutlich gefördert werden? (ne kurze Google-Suche behauptet ein Feiertag kostet 3,5 Milliarden)
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Alt 14.05.2024, 10:42   #17
Rock Yi Ratunda
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Ohne die katholische Kirche gäbe es diese Feiertage gar nicht. Du und ich wüssten davon nichts. Nimmt man die Kirche aus der Gleichung, ist das für mich ok. Aber für mein empfinden müssen diese Tage dann auch weg und ich würde es nicht wollen wenn sie durch politische ersetzt werden würden. Daher sage ich ersatzlos streichen. Mir geht’s da überhaupt nicht um wirtschaftliche Fragen. Aber wir werden da keinen Konsens finden. Anders sieht es aus wenn es mehr Urlaubstage geben würde. Frei wählbar.
Das die meisten Ostern oder Weihnachten nicht mehr direkt im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben feiern, weiss ich. Jedoch muss das nicht für mich gelten.
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Alt 14.05.2024, 11:24   #18
Face
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Mehr flexible Urlaubstage klingt in der Theorie gut, hat in der Praxis aber Nachteile gegenüber fixen Feiertagen (egal aus welchem Grund). Denn wenn zwar du frei bekommst, aber dein Partner nicht, oder wenn der Tag nicht schulfrei ist wenn man Kinder hat, ist es ein gemeinsamer freier Tag weniger. Und auch die Wirtschaft (Tourismus) profitiert durchaus von fixen Feiertagen zu denen die Leute Ausflüge und Reisen machen oder Restaurants besuchen. Also macht schon viel Sinn an fixen Terminen dem Großteil der Bevölkerung einen freien Tag zu geben.

Ob alle Feiertage dann an den selben Daten sein müssten, darüber könnte man ja reden. Ein Frühlingsfeiertag zu einem fixen Termin Ende März/Anfang April wäre den ständig wandernden Osterfeiertagen durchaus vorzuziehen.
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Alt 14.05.2024, 14:09   #19
Landnani
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@Nani: Ich verstehe im Grunde was du meinst. Nur würde ich nicht soweit gehen und zum Beispiel Papst Franziskus seine persönliche Spiritualität absprechen. Du kennst ihn ja genauso wenig wie ich. Nehme ich an.
Dem/den Menschen spreche ich (pauschal) gar nichts ab. Obwohl meiner Erfahrung nach es eigentlich immer passiert, dass Leute mit wachsender Bedeutung und Verantwortung den Kontakt zu den Inhalten verlieren, die sie ursprünglich groß gemacht haben. Zum einen, weil Verantwortung zu Kompromissen zwingt, zum anderen wegen der Verlockungen der gehobenen Position.

Der Institution und dem Wirken des Christentums (bzw. auch anderer Religionen) spreche ich hingegen durchaus ab, dass sie Spiritualität fördert. Diese steht ja mit ihren häufigsten Kernelementen (individuelle Erforschung des Seins, Loslösung vom Materialismus, Nächstenliebe) im direkten Konflikt mit dem spirituellen Streamlining (Gleichschaltung der Gläubigen), politischen Interessen und ökonomischen Notwendigkeiten.


Zitat:
Zitat von SuckyRocks Beitrag anzeigen
Ohne die katholische Kirche gäbe es diese Feiertage gar nicht.
Das ist der Punkt: Doch, es gäbe sie.
Vielleicht nicht an diesen Daten, aber es gäbe andere Feiertage.
Weihnachten gäbe es definitiv, da es halt eben das Lichterfest ist. Beginn der Raunächte, höchste Feiertage in unseren Gefilden lange vor dem Christentum.
Nicht einmal die Traditionen (Baum mit Lichtern, Geschenke, Knecht Rupprecht) stammen aus den Christentum, sondern stehen sogar im direkten Konflikt mit u.a. dem Ersten Gebot.
Mal ganz davon abgesehen, dass Jesus nicht mal in der Zeit Geburtstag hatte.

Aber unabhängig davon gab es überall und immer Feiertage. Wenn nicht durch Religionen, dann zu Ehren von Jahreswechseln oder großen Anführern.
Das Christentum war nur ein aggressives, relativ junges Unternehmen, dass seine Konkurrenz aus dem Markt gedrängt hat und zum größten Teil aus übernommenen Assets besteht.

Übrigens ist das keine Kritik an Christen und auch kein Grund, sich vom Christentum abzuwenden. Die Verknüpfung von staatlichen Feiertagen zum Christentum ist nur weitaus lockerer als es bei Dir klingt.
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Geändert von Landnani (14.05.2024 um 14:11 Uhr).
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Alt 14.05.2024, 14:54   #20
Rock Yi Ratunda
Schädelbasisbruch
 
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Ohne die Verflechtungen zwischen Kirche und Staat hätten sie das niemals als Feiertage durchsetzen können. Da brauchte es schon den Einfluss. Nur weil es etwas schon lange gibt alleine reicht da nicht. Wer an den Winter und Sommernachtswenden nicht arbeiten möchte, muss sich ja schliesslich frei nehmen.
Einige Feiertage sind ja selbst in noch so traditionell katholischen Gegenden der staatlichen und wirtschaftlichen Bevormundung zum Opfer gefallen. Als Beispiel sei hier der Josefstag genannt. Der war hier in der Schweiz früher ein Feiertag. Josef der Arbeiter, da ist der Gedenktag übrigens am 1. Mai. Manchmal wird also auch was von der Kirche abgeschaut.
Ich komme dir aber soweit entgegen, dass ich natürlich eingestehe, dass ich all diese wenn und abers nicht beweisen kann. Das hat dann was von Zeitreisen.
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Alt 14.05.2024, 16:43   #21
Blast
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Worauf gründest denn Deine Expertise in Bezug auf Spiritualität, dass Du es Dir zutraust, über sie final zu urteilen? Womit hast Du Dich überhaupt schon mit solchem Tiefgang beschäftigt?

Ich meine natürlich nicht die gewaltbereiten Pseudogläubigen und auch nicht die Spiritualkommerzgesellschaft im Vatikan. Das sind Religionen. Diese Konstrukte haben nichts mit Spiritualität zu tun.

Hattest Du schon mit engagierten Predigenden zu tun, die in Kirchen, Moscheen & co. versuchen, Menschen zu helfen?
Hast Du schon mal tiefgehend meditiert oder Dich in Trance getanzt?
Hast Du fernöstliche Lehren oder den Shamanismus studiert?
Oder warst Du schon mal in Peru und hast mit psychodelischen Pflanzen Dein Bewusstsein erweitert und den Nahtod erfahren?
Zu gewissen Teilen ja. Ich habe jetzt nicht alles, was aufgelistet wurde, erlebt und erfahren, aber doch schon recht viel. Ich bin z. B. in einer fundamental-christlichen Sekte aufgewachsen und war jahrzehntelang sogar sehr überzeugt von dem, was mir vermittelt wurde. Für mich war ein Gott genauso real wie er für viele Gläubige ist. Also würde ich dich an dieser Stelle darum bitten, von dem Argument abzusehen, dass ich nie "wirklich geglaubt" habe und dementsprechend nicht wisse, was Glaube und Spiritualität bedeute. Nicht, dass ich dir das per se zutraue, aber ich höre es wirklich jedes Mal, weil anscheinend Leute nicht glauben können, dass man an einen Gott erst geglaubt hat und dann irgendwann vom Gegenteil überzeugt wurde. Hängt wahrscheinlich auch mit einer inneren Angst zusammen, selber "Opfer" dieser Erkenntnisse zu werden.

Danach wurden andere Wege beschritten, die mich aber eher weiter weg von der Spiritualität gebracht haben als alles andere. Und das hat nicht mal mit schlechten Erfahrungen per se zutun. Sehr viele dieser Menschen waren sehr nett, dazu werden sie auch erzogen und gedrillt. Und sehr viele haben es auch ernst gemeint.

Aber kommen wir zu den Punkten: Engagement z. B. geht auch ohne einen Gott. Klar, die engagieren sich, vielleicht bis zu einem gewissen Teil auch gratis, aber da schwingt immer ein kommerzieller Gedanke mit. Es ist wie mit Sponsorings, die bringen ihr Essen mit, geben Beratungen, stellen ihre Räume zur Verfügung, gleichzeitig muss ihnen gestattet werden, zu predigen und ihre Lügen zu verbreiten. Wenn letzteres wegfallen würde, ja klar, warum nicht? Sind ja nette Menschen, die nur das Beste wollen, zumindest, was die Untertanen in allen Religionen betrifft. Aber auch hier gilt in alle Richtungen: Einzelne Personen sprechen hier nicht unbedingt für die gesamte Gruppe bzw. für die Gruppen-Mentalität und -Ideologie, die dem ganzen zugrunde liegt. Menschenfeindliche Dinge stehen in diesen Quelltexten und diese Quelltexte werden immer noch als Grundlage für den Glauben genutzt. Auch wenn vielleicht Gruppe X den Part mit der Homosexualität ausblendet, können sie an andere Stelle immer noch gegen Abtreibungen sein. Bei Gruppe Y ist es vielleicht umgekehrt, Gruppe Z nimmt alles wortwörtlich und ist gegen sämtliche moderne Entwicklungen.

"Pseudogläubig" sind die gewaltbereiten religiösen Menschen auch nicht, wenn Gewalt ganz klar in den Urtexten mehrmals dargestellt, gerechtfertigt und befürwortet wird. Das ist im Endeffekt genau die Verklärung, die ich anprangere, in welcher man Religionen als allgemein friedvoll und für die innere Balance betrachtet. Religionen sind allesamt politische Gruppen mit politischen Vorstellungen, die teilweise gegen die Demokratie agieren bzw. kein Problem damit hätten, wenn eine Instanz die absolute Macht hat, in vielen Fällen halt Gott selbst, in einigen anderen, praktizierten Fällen die selbsternannten Vertreter. Wenn ich einen ganz fiesen Vergleich anstellen würde: Die örtliche kleine AfD-Gruppe bzw. kann ja auch authentisch engagiert und vielleicht gar nicht mal verhaltensauffällig sein, aber mit den Interessen, die im Hintergrund stattfinden, würdest du wahrscheinlich auch nicht wollen, dass sie Waffeln auf deinem Dorffest verkaufen. Und vor allem die spirituellen Communitys sind oftmals gar nicht mal soweit weg von rechtem Gedankengut, weil sie genauso wie Konservative die Welt stark vereinfachen und mit einer gewissen "Poesie" bzw. poetischen Ordnung betrachten. Als persönliche Anekdote kann ich eine Heilpraktikerin nennen, die meine Mutter vor vielen Jahren behandelte. Sie meinte, der Holocaust sei die Strafe für die Juden an den Mord von Jesus gewesen. Ich habe es selber für einen Einzelfall gehalten, bis dann die Impfgegner in der Pandemie in Erscheinung traten. Und wenn es nicht das ist, vertreten sie auf andere Weise faktisch falsche Ansichten, die sich negativ auf andere Personen auswirken können.

Dinge wie meditieren, sich in Trance tanzen, Drogen nehmen und wasauchimmer alles dazugehört, kann bis zu einem gewissen Grad der persönlichen Entwicklung dienlich sein, da es eine andere Art ist, sich selbst zu erfahren. Mir hat es dahingehend geholfen, zu erkennen, dass Spiritualität Schwachsinn ist und ich meine Zeit nicht mit Drogen und stillem Herumsitzen verschwenden sollte (was jetzt nicht in FDP-Manier zu verstehen ist). Und wenn Leute anfangen, in ihrem Leben nichts anderes zu tun, werden sie auch nicht glücklich. Auch schon erlebt.

Was die anderen Bereiche betrifft: Nein, ich habe mich nicht ausgiebig damit auseinandergesetzt. Ich habe ein paar Texte gelesen und Videos bis zu dem Grad angesehen, dass ich mir sicher war, dass da nichts Gutes oder Wertvolles bei rumkommt. Ehrlich gesagt reiht sich das auch in die Gruppe an Argumenten an, zu der auch "Du hast nie wirklich geglaubt" gehört. Es gibt wahrscheinlich abertausende unterschiedliche spirituelle Gruppen und Wahrnehmungen und Interpretationen, aber ich sehe es echt nicht als meine Aufgabe an, alle irgendwie durchzuspielen um herauszufinden, welche jetzt die Wahre ist oder welche zu mir am besten passen würde. Das liegt für mich ein ähnliches Prinzip zugrunde wie mit der Frage, bei wem die Beweislast liegt, wenn es um die Existenz eines Gottes geht. Ich muss nicht beweisen, dass es keinen gibt, weil es technisch gesehen nicht möglich ist. Genauso wie es unmöglich ist zu beweisen, dass es keine Einhörner gibt. Wir wissen auf Basis unserer Informationen, dass nie eines gesichtet wurde und fiktive Quellen erstmalig von welchen Berichten (ähnlich wie bei Gott). Ich könnte jetzt so viele Argumente bringen, aber dann wird der Textblock noch länger, der Kern ist: Ich sehe mich nicht in der Pflicht, aktiv nach der "richtigen" Spiritualität zu suchen, um sie für andere und für mich zu legitimieren oder Spiritualität als solche anzuerkennen.

Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Ich habe den Eindruck, Du verurteilst einen ganzen Bereich, den Du nicht kennst, weil Du Angst/Sorge vor Fehlentwicklungen hast, wo Menschen diese missbrauchen.
Im gleichen Geiste könnte man jedoch auch die Wissenschaft, den Atheismus oder Nationalitäten vorverurteilen und “abschaffen“.
Du gehst verbal denselben Weg wie sie. Wenn Du davon überzeugt bist, respektiere ich das. Aber es ein Weg in Trauer, Misstrauen und Selbstversklavung.
Der gravierende Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion ist der, dass Wissenschaft in seinem Grundprinzip offen für Veränderungen und neue Erkenntnisse ist. Gibt es dort auch Dogmatiker? Klar. Wird dort auch im Sinne von politischen Interessen sabotiert? Klar. Die Sache ist aber die, wenn es irgendwann herauskommt, dass bestimmte Werte nicht stimmen und Aussagen falsch sind, gibt es früher oder später genug Leute, die gegen diese Fehler arbeiten und Indizien und Beweise für die richtigen Ansichten liefern. In der Religion hast du seit Äonen dieselben Bücher und wenn etwas anders gesehen wurde, hat man sich entweder voneinander abgespalten, Kriege geführt oder im schlimmsten Fall beides gleichzeitig getan. Atheismus ist keine Ideologie, sondern lediglich der Nicht-Glaube. Atheistischer Aktivismus richtet sich auch nicht gegen religiöse Einzelpersonen, die sich gerne als Opfer darstellen, sondern gegen Religionen und ihre Vertreter, die auf Basis ihrer wissenschaftlich fehlerhaften und dogmatischen Ideologien immer noch Macht ausüben und Entscheidungen treffen. Nationalitäten sind ebenso ein gesellschaftliches Konstrukt, dessen Bedeutung in einer mehrheitlichen Übereinkunft getätigt wurde.

Ich sehe und fühle ehrlich gesagt nicht, dass es ein Weg in Trauer, Misstrauen und Selbstversklavung sein soll. So war ich eher, als ich noch gläubig war.
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"Wenn du nur das willst, was du schaffen kannst, kannst du alles schaffen, was du willst!" - Konfuzius

Geändert von Blast (14.05.2024 um 16:44 Uhr).
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Alt 16.05.2024, 12:35   #22
Landnani
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Zu gewissen Teilen ja. Ich habe jetzt nicht alles, was aufgelistet wurde, erlebt und erfahren, aber doch schon recht viel. Ich bin z. B. in einer fundamental-christlichen Sekte aufgewachsen und war jahrzehntelang sogar sehr überzeugt von dem, was mir vermittelt wurde. Für mich war ein Gott genauso real wie er für viele Gläubige ist. Also würde ich dich an dieser Stelle darum bitten, von dem Argument abzusehen, dass ich nie "wirklich geglaubt" habe und dementsprechend nicht wisse, was Glaube und Spiritualität bedeute. Nicht, dass ich dir das per se zutraue, aber ich höre es wirklich jedes Mal, weil anscheinend Leute nicht glauben können, dass man an einen Gott erst geglaubt hat und dann irgendwann vom Gegenteil überzeugt wurde. Hängt wahrscheinlich auch mit einer inneren Angst zusammen, selber "Opfer" dieser Erkenntnisse zu werden.

Danach wurden andere Wege beschritten, die mich aber eher weiter weg von der Spiritualität gebracht haben als alles andere. Und das hat nicht mal mit schlechten Erfahrungen per se zutun. Sehr viele dieser Menschen waren sehr nett, dazu werden sie auch erzogen und gedrillt. Und sehr viele haben es auch ernst gemeint.

Aber kommen wir zu den Punkten: Engagement z. B. geht auch ohne einen Gott. Klar, die engagieren sich, vielleicht bis zu einem gewissen Teil auch gratis, aber da schwingt immer ein kommerzieller Gedanke mit. Es ist wie mit Sponsorings, die bringen ihr Essen mit, geben Beratungen, stellen ihre Räume zur Verfügung, gleichzeitig muss ihnen gestattet werden, zu predigen und ihre Lügen zu verbreiten. Wenn letzteres wegfallen würde, ja klar, warum nicht? Sind ja nette Menschen, die nur das Beste wollen, zumindest, was die Untertanen in allen Religionen betrifft. Aber auch hier gilt in alle Richtungen: Einzelne Personen sprechen hier nicht unbedingt für die gesamte Gruppe bzw. für die Gruppen-Mentalität und -Ideologie, die dem ganzen zugrunde liegt. Menschenfeindliche Dinge stehen in diesen Quelltexten und diese Quelltexte werden immer noch als Grundlage für den Glauben genutzt. Auch wenn vielleicht Gruppe X den Part mit der Homosexualität ausblendet, können sie an andere Stelle immer noch gegen Abtreibungen sein. Bei Gruppe Y ist es vielleicht umgekehrt, Gruppe Z nimmt alles wortwörtlich und ist gegen sämtliche moderne Entwicklungen.

"Pseudogläubig" sind die gewaltbereiten religiösen Menschen auch nicht, wenn Gewalt ganz klar in den Urtexten mehrmals dargestellt, gerechtfertigt und befürwortet wird. Das ist im Endeffekt genau die Verklärung, die ich anprangere, in welcher man Religionen als allgemein friedvoll und für die innere Balance betrachtet. Religionen sind allesamt politische Gruppen mit politischen Vorstellungen, die teilweise gegen die Demokratie agieren bzw. kein Problem damit hätten, wenn eine Instanz die absolute Macht hat, in vielen Fällen halt Gott selbst, in einigen anderen, praktizierten Fällen die selbsternannten Vertreter. Wenn ich einen ganz fiesen Vergleich anstellen würde: Die örtliche kleine AfD-Gruppe bzw. kann ja auch authentisch engagiert und vielleicht gar nicht mal verhaltensauffällig sein, aber mit den Interessen, die im Hintergrund stattfinden, würdest du wahrscheinlich auch nicht wollen, dass sie Waffeln auf deinem Dorffest verkaufen. Und vor allem die spirituellen Communitys sind oftmals gar nicht mal soweit weg von rechtem Gedankengut, weil sie genauso wie Konservative die Welt stark vereinfachen und mit einer gewissen "Poesie" bzw. poetischen Ordnung betrachten. Als persönliche Anekdote kann ich eine Heilpraktikerin nennen, die meine Mutter vor vielen Jahren behandelte. Sie meinte, der Holocaust sei die Strafe für die Juden an den Mord von Jesus gewesen. Ich habe es selber für einen Einzelfall gehalten, bis dann die Impfgegner in der Pandemie in Erscheinung traten. Und wenn es nicht das ist, vertreten sie auf andere Weise faktisch falsche Ansichten, die sich negativ auf andere Personen auswirken können.

Dinge wie meditieren, sich in Trance tanzen, Drogen nehmen und wasauchimmer alles dazugehört, kann bis zu einem gewissen Grad der persönlichen Entwicklung dienlich sein, da es eine andere Art ist, sich selbst zu erfahren. Mir hat es dahingehend geholfen, zu erkennen, dass Spiritualität Schwachsinn ist und ich meine Zeit nicht mit Drogen und stillem Herumsitzen verschwenden sollte (was jetzt nicht in FDP-Manier zu verstehen ist). Und wenn Leute anfangen, in ihrem Leben nichts anderes zu tun, werden sie auch nicht glücklich. Auch schon erlebt.

Was die anderen Bereiche betrifft: Nein, ich habe mich nicht ausgiebig damit auseinandergesetzt. Ich habe ein paar Texte gelesen und Videos bis zu dem Grad angesehen, dass ich mir sicher war, dass da nichts Gutes oder Wertvolles bei rumkommt. Ehrlich gesagt reiht sich das auch in die Gruppe an Argumenten an, zu der auch "Du hast nie wirklich geglaubt" gehört. Es gibt wahrscheinlich abertausende unterschiedliche spirituelle Gruppen und Wahrnehmungen und Interpretationen, aber ich sehe es echt nicht als meine Aufgabe an, alle irgendwie durchzuspielen um herauszufinden, welche jetzt die Wahre ist oder welche zu mir am besten passen würde. Das liegt für mich ein ähnliches Prinzip zugrunde wie mit der Frage, bei wem die Beweislast liegt, wenn es um die Existenz eines Gottes geht. Ich muss nicht beweisen, dass es keinen gibt, weil es technisch gesehen nicht möglich ist. Genauso wie es unmöglich ist zu beweisen, dass es keine Einhörner gibt. Wir wissen auf Basis unserer Informationen, dass nie eines gesichtet wurde und fiktive Quellen erstmalig von welchen Berichten (ähnlich wie bei Gott). Ich könnte jetzt so viele Argumente bringen, aber dann wird der Textblock noch länger, der Kern ist: Ich sehe mich nicht in der Pflicht, aktiv nach der "richtigen" Spiritualität zu suchen, um sie für andere und für mich zu legitimieren oder Spiritualität als solche anzuerkennen.
Ich verstehe Dich nun etwas besser und habe drei Impulse.

Erstens, Deine Erfahrungen tun mir leid. Ganz grundsätzlich, aber auch, weil ich Dich aufgrund Deines Engagements hier für einen intelligenten, schönen und starken Menschen halte.
Zweitens, Deine Erfahrungen bestätigen meine Meinung, dass Religionen nur Ballast für Spiritualität ist. Sie begünstigen Streamlining, Kapitalisierung und Machtausnutzung, was meines Erachtens das Gegenteil von Spiritualität darstellt, wo jeder selbst - von mir aus auch mit äußerer Hilfe - den individuellen Weg zu "Gott" findet (oder wie immer man es nennen möchte, denn die personifizierte Illusion eines Anführers, dem ich mich unterwerfen soll, stößt mich persönlich ab).
Drittens, all die beschriebenen Fehlentwicklungen gibt es in jedem anderen Aspekt unserer Gesellschaft. Politik, Wissenschaft, Unterhaltung, Medien, Sexualität, Literatur, Achtsamkeit... Alles, was groß wird, verliert seine ursprüngliche Bedeutung und wird missbraucht.

In meinem Umfeld gibt es reichlich negative Beispiele, aber eben auch viele positive.
Eltern von Freunden, die Pfarrer waren und dazu positive Menschen.
Einer meiner Freunde, der als Atheist groß gezogen wurde und nun selbst Pfarrer ist. Ebenfalls ein schöner, toleranter und unterstützender Mensch.
Ein Bekannter, der seit 30 Jahren meditiert, dem das also offenbar viel bringt. Der damit ein kompletterer Mensch geworden ist.
Eine rechte junge Bekanntschaft/Freundin, die eine wunderschöne Energie und Ehrlichkeit hat, und viel aus dem Shamanismus zieht. Selbstgebaute Trommel, Pilze aus eigenem Anbau. Find ich cool.

Letztlich ist das einzige, worauf es für mich ankommt, dass man einen (friedlichen) persönlichen Weg zur besten Version eines selbst einschlägt. Das kann hoch-individuell sein. - Muss man natürlich nicht. Man kann auch in seinen als bequem wahrgenommenen Glaubenssätzen hocken bleiben. Aber damit tötet man halt unter Umständen eine glücklichere Version seiner selbst.
Ob das natürlich stimmt, weiß nur das Universum. Und man ist der einzige, der es befragen kann.
Für mich gilt jedenfalls die Regel: Wer fröhlich ist, hat recht.


Zitat:
Der gravierende Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion ist der, dass Wissenschaft in seinem Grundprinzip offen für Veränderungen und neue Erkenntnisse ist. Gibt es dort auch Dogmatiker? Klar. Wird dort auch im Sinne von politischen Interessen sabotiert? Klar. Die Sache ist aber die, wenn es irgendwann herauskommt, dass bestimmte Werte nicht stimmen und Aussagen falsch sind, gibt es früher oder später genug Leute, die gegen diese Fehler arbeiten und Indizien und Beweise für die richtigen Ansichten liefern. In der Religion hast du seit Äonen dieselben Bücher und wenn etwas anders gesehen wurde, hat man sich entweder voneinander abgespalten, Kriege geführt oder im schlimmsten Fall beides gleichzeitig getan. Atheismus ist keine Ideologie, sondern lediglich der Nicht-Glaube. Atheistischer Aktivismus richtet sich auch nicht gegen religiöse Einzelpersonen, die sich gerne als Opfer darstellen, sondern gegen Religionen und ihre Vertreter, die auf Basis ihrer wissenschaftlich fehlerhaften und dogmatischen Ideologien immer noch Macht ausüben und Entscheidungen treffen. Nationalitäten sind ebenso ein gesellschaftliches Konstrukt, dessen Bedeutung in einer mehrheitlichen Übereinkunft getätigt wurde.

Ich sehe und fühle ehrlich gesagt nicht, dass es ein Weg in Trauer, Misstrauen und Selbstversklavung sein soll. So war ich eher, als ich noch gläubig war.
Ich persönlich halte Rationalität und Wissenschaft auch für eine bessere Religion als die meisten anderen.
Aber auch der kann Fehler produzieren und klein halten. Für mich ist daher erstrebenswert, das ganze "Bankett" des Lebens zu genießen. Von jeder Blüte zu kosten, Spiritualität und Rationalität, Verstand und Animalität, Freude und Schmerz. Ich halte das für gesünder und ganzheitlicher als eine persönliche Monokultur.

Hier mal ein Beispiel von mir, wo ich erst vor kurzem gemerkt habe, dass mich Rationalität fehlgeleitet hat:
Ich habe in der Vergangenheit immer scharf über intolerante Menschen geurteilt (Nazis, Sexisten, Schwulenfeindliche, etc.). Das hat seine Gründe und macht aus einem hochentwickelten Verstand heraus absolut Sinn.
Aber dann habe ich selbst erlebt, wie mein eigener Verstand in Anbetracht einer Bedrohung seines "Jetzt-Zustandes" sind gewehrt hat. Mir das Gefühl gegeben hat, ich verliere den Verstand oder sterbe sogar. Wenn die installierten Glaubenssätze (entstanden aus Liebe oder Selbstfürsorge oder Selbstschutz) in einem selbst zu stark angegriffen werden, dann fühlt sich das mitunter genauso an.
Dabei habe ich erkannt, wie gemein oder vielleicht sogar heuchlerisch es ist, über Menschen zu urteilen, die in ihrem Glaubenssätzen gefangen sind. Man ist selbst ebenfalls in solchen gefangen, agiert unter Umständen genauso arrogant wie die "anderen", aber verlangt von jenen, dass sie ihre Glaubenssätze durchbrechen. Man verlangt, dass sie (in ihrer Vorstellung) wahnsinnig werden oder sterben, während die eigenen Glaubenssätze unangetastet bleiben sollen.

Das war eine echt harte Lektion in Empathie für mich.

Zu so einer Erkenntnis konnte ich nicht mit meinem analytischen Verstand kommen, sondern nur durch Erfahrung. Und ich fand diese äußerst bereichernd bzw. (positiv) demütigend.
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Du bist nicht Deine Gewohnheiten.
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Du bist nicht Deine Gedanken.
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Alt 18.05.2024, 07:55   #23
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Für mich ist daher erstrebenswert, das ganze "Bankett" des Lebens zu genießen. Von jeder Blüte zu kosten, Spiritualität und Rationalität, Verstand und Animalität, Freude und Schmerz. Ich halte das für gesünder und ganzheitlicher als eine persönliche Monokultur.
Unglaublich schön gesagt.

Zitat:
Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Hier mal ein Beispiel von mir, wo ich erst vor kurzem gemerkt habe, dass mich Rationalität fehlgeleitet hat:
Ich habe in der Vergangenheit immer scharf über intolerante Menschen geurteilt (Nazis, Sexisten, Schwulenfeindliche, etc.). Das hat seine Gründe und macht aus einem hochentwickelten Verstand heraus absolut Sinn.
Aber dann habe ich selbst erlebt, wie mein eigener Verstand in Anbetracht einer Bedrohung seines "Jetzt-Zustandes" sind gewehrt hat. Mir das Gefühl gegeben hat, ich verliere den Verstand oder sterbe sogar. Wenn die installierten Glaubenssätze (entstanden aus Liebe oder Selbstfürsorge oder Selbstschutz) in einem selbst zu stark angegriffen werden, dann fühlt sich das mitunter genauso an.
Dabei habe ich erkannt, wie gemein oder vielleicht sogar heuchlerisch es ist, über Menschen zu urteilen, die in ihrem Glaubenssätzen gefangen sind. Man ist selbst ebenfalls in solchen gefangen, agiert unter Umständen genauso arrogant wie die "anderen", aber verlangt von jenen, dass sie ihre Glaubenssätze durchbrechen. Man verlangt, dass sie (in ihrer Vorstellung) wahnsinnig werden oder sterben, während die eigenen Glaubenssätze unangetastet bleiben sollen.

Das war eine echt harte Lektion in Empathie für mich.

Zu so einer Erkenntnis konnte ich nicht mit meinem analytischen Verstand kommen, sondern nur durch Erfahrung. Und ich fand diese äußerst bereichernd bzw. (positiv) demütigend.
Mit Sicherheit die intelligentesten Zeilen, die ich das WE im Netz lesen werde und kann.

Allerdings bin ich, wie gesagt, kein so guter Mensch wie du, Krischan. Zwar sehe ich die Sache exakt so wie du... aufs Haar genauso... aber die Schlüsse, die ich für mich ziehe, sind andere. Ein Typ, der glauben, will, dass es eine jüdische Weltverschwörung gibt, mag in seiner Parallelwelt gefangen sein, dennoch würde ich solche Leute, käme es darauf an, ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Weg räumen, wenn sie im Begriff wären, Unheil anzurichten. Ein Typ, der die erste Lehre abbricht, weil die Kollegen so böse sind... die zweite Lehre abbricht, weil der Chef so fies ist... die dritte Lehre gar nicht antritt, weil das System so ungerecht ist und den Aushilfsjob auch abbricht, "wegen Kollegen"... mag auch in seinem Shit gefangen sein. Dennoch habe ich kein Mitleid mit so einem und er bekäme von mir nicht das Geld, das er in diesem Land zur Zeit bekommt. Als überzeugter Demokrat glaube ich an Rechte und Pflichten. Auch die Pflicht zu denken. Und damit an Mündigkeit. Und als mündiger Mensch gibt es aus meiner Sicht für beide Beispiele keine Ausrede oder Entschuldigung. Und damit auch kein Verständnis.

Wie gesagt... du bist der Duldsamere von uns beiden...
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Alt 18.05.2024, 17:58   #24
Blast
Schädelbasisbruch
 
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Zitat von Nani Beitrag anzeigen
Ich verstehe Dich nun etwas besser und habe drei Impulse.

Erstens, Deine Erfahrungen tun mir leid. Ganz grundsätzlich, aber auch, weil ich Dich aufgrund Deines Engagements hier für einen intelligenten, schönen und starken Menschen halte.
Danke

Zitat:
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In meinem Umfeld gibt es reichlich negative Beispiele, aber eben auch viele positive.
Eltern von Freunden, die Pfarrer waren und dazu positive Menschen.
Einer meiner Freunde, der als Atheist groß gezogen wurde und nun selbst Pfarrer ist. Ebenfalls ein schöner, toleranter und unterstützender Mensch.
Ein Bekannter, der seit 30 Jahren meditiert, dem das also offenbar viel bringt. Der damit ein kompletterer Mensch geworden ist.
Eine rechte junge Bekanntschaft/Freundin, die eine wunderschöne Energie und Ehrlichkeit hat, und viel aus dem Shamanismus zieht. Selbstgebaute Trommel, Pilze aus eigenem Anbau. Find ich cool.

Letztlich ist das einzige, worauf es für mich ankommt, dass man einen (friedlichen) persönlichen Weg zur besten Version eines selbst einschlägt. Das kann hoch-individuell sein. - Muss man natürlich nicht. Man kann auch in seinen als bequem wahrgenommenen Glaubenssätzen hocken bleiben. Aber damit tötet man halt unter Umständen eine glücklichere Version seiner selbst.
Ob das natürlich stimmt, weiß nur das Universum. Und man ist der einzige, der es befragen kann.
Für mich gilt jedenfalls die Regel: Wer fröhlich ist, hat recht.
Was ich dazu sagen kann, ist, dass du durchaus mit allem nicht Unrecht hast. Wenn die Betroffenen cool damit sind und - wichtig - niemand anderem damit schaden, soll im Endeffekt jeder das glauben, was er will. Ich persönlich kann jetzt mit meinen Bedenken und Vorwürfen nicht für jeden einzelnen spirituellen Menschen sprechen bzw. diese kritisieren, eben weil es unterschiedlich ausfällt, wie jeder Mensch glaubt oder nicht glaubt.

Mein Ansatz ist aber auch weniger darauf aus, einzelne Personen zu adressieren, sondern ganze ideologische Gebilde, härtere Diskussionen entstehen dabei am ehesten bei mir, wenn jemand aus seiner ideologischen Basis etwas sagt, was ich für vollkommen falsch halte bzw. auch faktisch, ethisch und moralisch auch einfach falsch ist. Beispiele dafür wären z. B. die Darstellung der Evolutionstheorie als etwas vollkommen 'Zufälliges', was so auch nicht ganz stimmt, wenn man sich in die Materie einliest. Oder eben Anmerkungen zu der vermeintlichen Falschheit von Homosexualität oder das sexistische Preisen traditioneller Rolleneinteilungen, wenn z. B. gesagt wird, dass Mann und Frauen ihre Rollen eben erfüllen, nicht weil es in der individuellen Situation ergiebig ist, sondern weil es einer "Ordnung" entspricht.

Ein anderer Aspekt, welcher auch zu deinem Absatz passt, wäre der, dass ich für mich tatsächlich klar entschieden habe, was einen "wahren" Christen/Muslim/XYZ ausmacht. Das sehe ich auch als eine methodische Schwäche bei liberalen Gläubigen oder sogar Weltlichen; mein Punkt ist der, dass in diesen Büchern im Endeffekt klar definiert wird, was den jeweiligen Gläubigen hinsichtlich seiner Mentalität und seiner gelebten Werte zu einem Vertreter seiner Religion macht. Und diese Bücher definieren sich selbst als unfehlbar und vollkommen (weswegen sie nie geändert wurden). In Gesprächen, die ich mit anderen Leuten führte, reichte es für das Christsein z. B. nur, an Gott und an Jesus zu glauben, wobei ich mich mit solchen weitgefassten Definitionen etwas schwertue, weil damit auch gleichermaßen ein Glaube falsch repräsentiert werden kann. Worauf ich hinaus will, kann ich in einem praktischen Beispiel darlegen: Jemand, der sich als Christ bezeichnet, allerdings nie in die Kirche geht, Alkohol und Drogen zu sich nimmt, promiskuitiv ist und im Endeffekt alle Dinge tut, die in der Bibel als falsch betrachtet werden, ist in meinen Augen kein wirklicher Christ. Der lebt eine Form des "Herzensglaubens", aber das ist eine ganz andere Erfahrungen als die institutionelle Variante. Nicht falsch verstehen, hierbei geht es um ein grundsätzliches Verhalten, nicht um einzelne, punktuelle Verfehlungen.

Bei weltlichen Philosophien oder Ideologien verhält es sich damit tendenziell anders: Was z. B. eine Feministin ist, kann je nach Strömung oder Epoche unterschiedlich ausfallen. Der einzige gemeinsame Nenner ist das Ziel, nämlich die Gleichbehandlung und -berechtigung aller Geschlechter. Von daher kann man nur schwer von einer "wahren Feministin" sprechen, während sich das bei Religionen durch die Quelltexte genauer einordnen lässt. Es gibt für den Feminismus nicht das eine Werk, welches ihn definiert und auch keine Gruppe, die ihn streng auslebt, sondern mehrere Werke, die über die Jahre entweder an Relevanz gewannen oder verloren haben; eben weil man mit einem empirischen und progressiven Anspruch an die Sache ranging und mehr über die Welt, in diesem Fall Geschlechterverhältnisse, erfahren wollte.


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Ich persönlich halte Rationalität und Wissenschaft auch für eine bessere Religion als die meisten anderen.
Aber auch der kann Fehler produzieren und klein halten. Für mich ist daher erstrebenswert, das ganze "Bankett" des Lebens zu genießen. Von jeder Blüte zu kosten, Spiritualität und Rationalität, Verstand und Animalität, Freude und Schmerz. Ich halte das für gesünder und ganzheitlicher als eine persönliche Monokultur.
Ich habe da wirklich Schwierigkeiten mit, wenn Personen Wissenschaft als eine Religion bezeichnen. Das verkennt wirklich die fundamentalen Unterschiede, die ich in der vorherigen Antwort schon angesprochen habe. Es ist ja auch neulich ein Clip von Christian Lindner viral gegangen, der auf mehrere Studien hingewiesen wurden, die einen Zusammenhang zwischen fehlender Sozialleistungen und dem Aufstieg rechter Parteien nachwiesen, wo er gesagt hat, er "glaube" nicht an solche Zahlen. Aber so funktioniert das mit der Empirie einfach nicht. Er kann meinetwegen sagen, dass er die Zahlen falsch interpretiert oder die Methodik anzweifelt oder einfach nur, dass er diese Studien nicht kennt. Wobei all diese Dinge wahrscheinlich noch größere negative Reaktionen hervorgerufen hätten... aber zu sagen, dass man nicht an ermittelte Zahlen "glaubt"? Wenn ich mal wegen zu hohem Tempo angehalten werde, sage ich demnächst auch, dass ich nicht an km/h glaube.

Mir persönlich ist die Gefahr an Spiritualität (und der Neoliberalismus mit seiner unsichtbaren Hand ist auch sowas) einfach zu groß, dass man a.) zu schnell Glaubenssätze erstellt, die einfach die Komplexität der realen Welt untergraben und b.) man dann eher darauf hinarbeitet, dass eigene Weltbild bestätigt zu sehen, anstatt zu akzeptieren, dass es eben nicht so ist, sondern ganz anders. Vielleicht ist es für einen selber gut, im Moment zu leben und sich zu und die Welt zu erfahren, aber der nächste Moment kann wieder ein ganz anderer sein.
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"Wenn du nur das willst, was du schaffen kannst, kannst du alles schaffen, was du willst!" - Konfuzius
Blast ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.05.2024, 18:32   #25
CM Landratomaniac
Genickbruch
 
Registriert seit: 15.02.2011
Beiträge: 32.706
Hey Blast, was hältst du von Agnostikern? Ich komme eigentlich mit Theisten und Athenisten gut aus und wundere mich manchmal über brachiale Reaktionen in Wissens- und Glaubensfragen. Die wissenschaftliche Möglichkeit, dass es ein höheres Wesen gibt, wird zwar immer wieder widerlegt, aber manches bleibt den menschlichen Wissenschaften immer noch verborgen. (Vor tausend Jahren war mehr verborgen als heute, also gehe ich davon aus, dass wir in tausend Jahren mehr wissen als heute, ist ja logisch.)
Ob es ein Jenseits gibt, weiß ich natürlich nicht. Den Gedanken daran finde ich trotzdem irgendwie beruhigend. Ich fänd es schön, wenn ich meine Großeltern und meinen Vater wieder sehen könnte. Aber ob das passiert, weiß ich ja sowieso erst nach dem Tod.
CM Landratomaniac ist offline   Mit Zitat antworten
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