Boardhell - Schwarz-rot wie Bayer 04
   

 
 
   

 

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Alt 09.06.2018, 15:38   #26
Der Zerquetscher
Moderator
 
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Beiträge: 10.739
Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Immer noch kein Wort, zu der von mir geschilderten Erfahrung meiner Bekannten. Wenn ich solche Geschichten höre, kann ich meinen Unmut, meinen Ekel, meine Abscheu darüber kaum im Zaum halten. Du würdigst es keines Wortes. Entweder weil du es vergessen hast, was natürlich jedem passieren kann, oder weil du es für nicht wichtig hältst, was ich traurig finde. Oder aus noch schlimmeren Gründen, was ich dir allerdings nicht unterstellen möchte.
Kliqer, was soll das werden, wenn's fertig ist?

Ich bin auf das Beispiel Deiner Freundin eingegangen, denn ich habe es zum Anlass genommen, Dir Recht zu geben dahingehend, dass ich auch meine, dass Rassismus tendenziell eher zu- als abnimmt:

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
Das Problem mit dem in der Tat wachsenden Rassismus ist -
Was soll ich jetzt tun? Soll ich mein Unverständnis ausdrücken? Mache ich hiermit. Oder soll ich Dir vielleicht viel besser sagen, was ich mit solchen Leutchen machen würde, die schwarze Mädchen ins Gesicht spucken? Gerne. Wenn es nach mir ginge, würden etwa Sprayer nicht ihre Strafe von Papa bezahlt bekommen, sondern unter Zwang (!!) wochenlang die Stadt reinigen. Und Rassisten, die Frauen prügeln, würden nach einer Haftstrafe (?) hunderte Sozialstunden ableisten in einer wohltätigen Einrichtung, vorzugsweise mit Migranten. Und zwar ohne Schlupfloch. Ich habe null Verständnis für solches Betragen. Aber da Du es offenbar grad gern emotional hast , finde ich es wiederum "traurig", dass ich das überhaupt darlegen und mich diesbezüglich erklären muss. Wahrscheinlich, weil ich ebenfalls in einer Schublade stecke. So sind wir Menschen wohl. Alle. Es ist wie es ist.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Wer eine solche Frage stellt, der tut es doch bereits mit einer Agenda. Und die ist alles andere als sachlich. Denn mit dieser Formulierung stellt man bereits fest, dass tatsächlich 9 von 10 Flüchtlingen konkret Wirtschaftsflüchtlinge seien. Allein diese Annahme lässt doch schon merklich auf die Gesinnung schließen. Und falsch ist diese Behauptung auch noch. Auch im Bezug auf Afrika.

Stellt man also diese Frage, mit genau dieser Formulierung, wird man nicht in eine rechte Ecke gestellt, sondern hat sich bereits höchst selbst darin positioniert.
Bravo. Du hast eben mit einem Federstreich Millionen Deutsche zu Rechten gemacht. Weißt Du, wer sich da bestimmt drüber freut? Die Rechten.

Also, nein.

Wer solch eine Frage stellt, der macht sich jenseits von moralinsaurem "Ich bin besser als der und der" nüchtern Gedanken etwa über die Entwicklung in Sachen Bevölkerungsexplosion in Afrika. Und die ist derzeit nichts anderes als ein Auftakt zur Katastrophe. Der König Marokkos beispielsweise bekniet sein Volk regelrecht, weniger Kinder zu kriegen. Denn die Kapazitäten der Schulen dort sind erschöpft und die des Arbeitsmarkts sowieso. Und es gibt noch viel schlimmere Verhältnisse als die in Marokko. Übrigens spricht die EU-Kommission von 60% Wirtschaftsmigranten. Und da sind alle Migranten miteinberechnet. Also auch Syrer, Afghanen, Iraker oder Eritreer. Ich hingegen sprach ausdrücklich und ganz bewusst von "Nordafrikanern". Auch der Bundespräsident rät dringend zu einer Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Und zwar den Kriegsflüchtlingen zuliebe. Und ich muss sagen, ich sehe das wie er.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Und was mich darüber hinaus stört, ist, dass wir Rassisten in den letzten Jahren viel zu sehr den Arsch gepudert haben. "Man muss die Ängste der Menschen ernst nehmen". Kommt ganz auf die Angst an:
Wer hat das gemacht? Woran machst Du das fest?

Ich finde, dass Fragen, wie die der Migration, in Deutschland zu emotional geführt werden. Da kommt sofort die Moralkeule. Neuerdings sogar auch bei den Rechten. Liegt wohl im Trend. Damit kann ich allerdings nichts anfangen. Politik in solchem Maßstab muss sachlich ablaufen. Und das tut sie mir viel zu wenig.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Auch du tust etwas, was man häufiger liest. Du schiebst die Schuld des Rassismus den Nicht-Rassisten zu und ziehst so die tatsächliche Rassisten aus der Verantwortung und gestattest ihnen so eine Rechtfertigung für ihr menschenverachtendes Weltbild. Nazis zu wählen und Nazis zu dulden kann allerdings nie Schuld der Nicht-Nazis sein. Es gibt keine rationale Legitimation dafür, Nazis zu wählen. Es gibt Erklärungen, klar, aber im Endeffekt läuft alles darauf hinaus, dass derjenige, der Nazis wählt, eben rassistisch, dumm oder unanständig ist.
Nein, das mache ich nicht. Ich versuche Lösungen zu finden, um zu verhindern, dass auch bei uns das passiert, was in Holland, Frankreich und Österreich (von Osteuropa ganz zu schweigen) längst politisch Alltag ist. Auf dem Weg sind wir nämlich. Und alle Menschen, die sich - völlig zurecht - Gedanken/Sorgen über das Wetterleuchten in Afrika machen, hemdsärmelig als "irrationale Angsthasen" oder sowas abzustempeln, ist kotraproduktiv. Du siehst doch, dass das überhaupt nichts bringt. Es nützt nichts. Es nützt gar nichts...

Eine Sache noch, die mich im Übrigen etwas verwundert. Und zwar Deine Reaktion ansich auf das von mir verlinkte Video. Ich meine, Du hast Dich nicht im Allergeringsten darüber gefreut, dass da ein farbiges Mädchen ist, die sich offenbar sehr wohl in Deutschland fühlt. Es wirkte jedenfalls nicht so. Im Gegenteil, hätte sie schlimmste Erfahrungen geschildert, wäre Dir das "lieber gewesen",.. nein, das passt nicht. Es hätte Dir besser in Deine Sicht der Dinge gepasst. Oder verstehe ich das falsch? Und da wir ja vorhin das Thema "emotional" hatten, darf ich an der Stelle sagen, dass ich das wiederum ziemlich schade finde. Denn genau so sollte es nicht sein.

Weißt Du, wenn man immer und überall das Thema Rassismus rotiert, beschwört und an die große Glocke hängt,... dann wird es als Dauerbrenner in Stein gemeißelt. Perpetuiert. Schicksal. Und ich denke, wir sind doch eben beide der Meinung, dass genau das nicht der Fall sein sollte oder ein erstrebenswertes Ziel sein kann.
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"Nachtbesucher" - erschienen im Audioparadies-Verlag, gelesen von Hajo Mans: Hörprobe

Geändert von Der Zerquetscher (09.06.2018 um 15:55 Uhr).
Der Zerquetscher ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2018, 15:54   #27
Der Landknecht
Genickbruch
 
Registriert seit: 20.12.2005
Beiträge: 35.829
Also, die meisten Asylanträge kommen immer noch aus Syrien und Afghanistan, zusätzlich Irak, Iran und Nigeria. Alles Länder, deren Flüchtlinge ich nicht unbedingt Wirtschaftsflüchtlinge nennen würde.
Und dass die meisten Flüchtlinge innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen oder nur unwesentlich darüber hinaus fliehen, wird bei dieser Behauptung dann auch gerne mal unterschlagen.
Und nach dem Cotonou-Abkommen und dem diesem Abkommen zugrunde liegenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) sollte man sich nicht wundern, wenn ein Teil dieser Menschen tatsächlich den Weg nach Europa einschlägt. Und wie kann man es ihnen auch vorwerfen? Angeblich zur Linderung der Armut in den afrikanischen (und anderen) Ländern initiiert, höhlt dieser Vertrag im Endeffekt die domestizierte/n Volkswirtschaft/en aus. Dann noch mit dem Finger auf sie zu zeigen und zu schreien:"Das sind aber Wirtschaftsflüchtlinge! Die wollen nur mehr Kohle!" finde ich so absurd wie anmaßend.

Aber sorry, das führt gerade ein wenig am Thema vorbei.
__________________
What he didn't was, know was or was know was that I was dyslexic.
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Alt 09.06.2018, 16:47   #28
Kliqer
Genickbruch
 
Registriert seit: 23.12.2004
Beiträge: 29.886
Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
Kliqer, was soll das werden, wenn's fertig ist?
"Eine Sache noch, die mich im Übrigen etwas verwundert. Und zwar Deine Reaktion auf den von mir berichteten Vorfall. Ich meine, Du hast Dich nicht im Allergeringsten darüber geärgert, dass da ein farbiges Mädchen ist, das eine sehr schlimme Erfahrung in Deutschland gemacht hat. Es wirkte jedenfalls nicht so. Hätte sie etwas Positives zu erzählen gehabt, hätte es dir besser in Deine Sicht der Dinge gepasst. Oder verstehe ich das falsch? Und da wir ja vorhin das Thema "emotional" hatten, darf ich an der Stelle sagen, dass ich das wiederum ziemlich schade finde. Denn genau so sollte es nicht sein."

;-)

Aber um konkret zu werden, wie du es ja endlich auch geworden bist. Ich finde es toll, dass es diesem Mädchen gut geht - ich schrieb ja bereits davon, dass sie "glücklicherweise noch keine Erfahrungen dieser Art machen musste -, dass es sich wohlfühlt, dass sie noch keine rassistischen Anfeindungen erleben musste. Denn diese demütigende Erlebnisse wünsche ich keinem Menschen auf der Welt. Ich finde es nur nicht gut, dass solche Videos mit einer repräsentativen Absicht - und die habe ich hier erkannt und du ja weitestgehend bestätigt - gepostet werden. Denn hier sehe ich nicht den Wunsch, einfach auf positive Erlebnisse hinzuweisen, sondern die Problematik selbst zu verklären, im Sinne eines anekdotischen: "Siehst du, dieser schwarzen Frau geht es gut. Also kann es so schlimm ja nicht sein."


Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Was soll ich jetzt tun? Soll ich mein Unverständnis ausdrücken? Mache ich hiermit.
Hätte ich irgendwie angebracht gefunden, ja. ;-)

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Bravo. Du hast eben mit einem Federstreich Millionen Deutsche zu Rechten gemacht. Weißt Du, wer sich da bestimmt drüber freut? Die Rechten.

Also, nein.

Wer solch eine Frage stellt, der macht sich jenseits von moralinsaurem "Ich bin besser als der und der" nüchtern Gedanken etwa über die Entwicklung in Sachen Bevölkerungsexplosion in Afrika. Und die ist derzeit nichts anderes als ein Auftakt zur Katastrophe. Der König Marokkos beispielsweise bekniet sein Volk regelrecht, weniger Kinder zu kriegen. Denn die Kapazitäten der Schulen dort sind erschöpft und die des Arbeitsmarkts sowieso. Und es gibt noch viel schlimmere Verhältnisse als die in Marokko. Übrigens spricht die EU-Kommission von 60% Wirtschaftsmigranten. Und da sind alle Migranten miteinberechnet. Also auch Syrer, Afghanen, Iraker oder Eritreer. Ich hingegen sprach ausdrücklich und ganz bewusst von "Nordafrikanern". Auch der Bundespräsident rät dringend zu einer Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Und zwar den Kriegsflüchtlingen zuliebe. Und ich muss sagen, ich sehe das wie er.
Moment mal. Siehst du das ernsthaft nicht selbst? Die Frage "ob es überhaupt "positiv" ist, dass Deutschland zehntausende Flüchtlinge aus Nordafrika aufnimmt, von denen neun von zehn gar nicht mit ihrem Leben bedroht, sondern Wirtschaftsmigranten sind", ist für dich nicht problematisch? Diese Frage, so formuliert, fußt - sowohl nach der von mir, als auch von dir verlinkten Statistiken! - auf einer Unwahrheit. Es sind nicht 9 von 10 Flüchtlingen aus Nordafrika Wirtschafsflüchtlinge. Diese Frage stellt diese Unwahrheit aber per se als Fakt dar. Und wer, trotz besseren Wissens, eine solche Frage stellt und damit auf fremdenfeindlichen Ressentiments basierende Unwahrheiten verbreitet, tut das ja nur, weil er eine politische Agenda hat. Mir fällt kein anderer Grund ein.

Die Frage, die du gestellt hast, lässt sich beantworten mit: "Nein, das ist nicht positiv. Aber es its ja auch nicht die Wahrheit."

Wenn man die Frage stellt: "Ist die Anzahl an Wirtschaftsflüchtlingen, die den Weg nach Deutschland/Europa suchen, nicht zu hoch? Welche Schlüsse sind darauf zu ziehen?", wäre bspw. eine ganz andere, die man nüchtern diskutieren kann. Sie ist neutral, keine Suggestivfrage, inkludiert nicht bereits populistische, von einschlägigen Seiten verbreitete Lügen, sondern ruft zu einem rationalen Diskurs auf. Hier lässt sich diskutieren. Hier werden keine Schubladen geöffnet oder diffuse Ängste bzgl. eines Sachverhalts, der so gar nicht existiert, geäußert. Man könnte die Fluchtursachen analysieren, Lösungswege diskutieren, sich Fragen wie man auf menschwürdige Weise mit den Flüchtlingen umgeht, und so weiter.

Natürlich ist das Bevölkerungswachstum in Afrika ein Problem. Vor allem, wenn westliche Industrienationen den Kontinent weiter in der Art ausbeuten und sowohl die akute Nothilfe, als auch die langfristig-strukturelle Hilfe zur Selbsthilfe nicht konsequent umgesetzt wird. Allerdings mache ich den Menschen, die fliehen keinen Vorwurf. Wenn man dem Nachbarn ständig das Mehl wegnimmt, um einen geilen Kuchen zu backen, während er nur trockenes Brot speisen kann, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann vor der Tür steht und ein Stück abhaben möchte.

Optimal wäre es natürlich, wenn jeder gut und gerne in seinem Land leben kann. Und ich bin ein großer Freund davon, Fluchtursachen zu bekämpfen. Damit kein Mensch die schwierige Entscheidung treffen muss, seine Heimat zu verlassen und eine gleichermaßen gefährliche, wie finanziell gravierende Flucht in Angriff nimmt.

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Wer hat das gemacht? Woran machst Du das fest?
Ich. Du. Wir. Alle. Die Medien. Die Politik. Es wird seit Jahren primär über das Thema "Flüchtlinge" und die "Sorgen der Bürger" diskutiert. Sowohl auf bundespolitischer Parteiebene, wie in entsprechenden Talkshows. Und zwar in einem Ausmaß, der die reale Tragweite der Problematik keineswegs adäquat repräsentiert.

Jede zweite Sendung handelt vom Thema Islam, Flüchtlingspolitik, AfD & Co. Parteien verschieben ihr Programm nach rechts, um der AfD Wählerstimmen zu klauen. Dabei haben nur wenige tatsächlich in irgendeiner Form Nachteile von dem "Flüchtlingsstrom" persönlich erfahren müssen. Dementsprechend ist die Angst, die so prominent behandelt wird, in der Form absolut diffus und überproportional aufgebauscht. Und der Umgang damit trägt bislang alles andere als zu einer Linderung dieser Angst bei. Ganz im Gegenteil. Durch das dauernde Machen von Zugeständnissen und der Rücksichtnahme auf diejenigen, die die von der AfD gesetzten Themen und geschürten Ängste unreflektiert aufnehmen, hat man bislang keineswegs etwas Positives beitragen können. Wenn diese Menschen, wie du sagst, hemdsärmelig als "irrationale Angsthasen" abgestempelt worden wären, dann würden wir diese Debatten ja nicht sein Jahren auf dem Level geführt worden.

Keine Duldung von Nazis. Keine Duldung von Menschen, die Nazis dulden. Keine Legitimierung, Bagatellisierung oder Verklärung von Rassismus. Keine Akzeptanz von falschen Zahlen und Lügengeschichten, die nur dazu dienen, Ängste zu schüren und Hass zu säen. Kein "Ja, aber ich verstehe schon, warum..." mehr. Kein "Vielleicht sind wir ja auch schuld, dass die da Nazis wählen". Das bringt nichts, hat nie was gebracht und wird auch nichts bringen.
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"Genickbruch.com ist eine topseriöse Seite." - Markus Lanz, 16.10.2014
I <3 woken Dreck

Geändert von Kliqer (09.06.2018 um 16:51 Uhr).
Kliqer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2018, 20:13   #29
Lena Meyer-Landrat
ECW
 
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 8.120
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"Eine Sache noch, die mich im Übrigen etwas verwundert. Und zwar Deine Reaktion auf den von mir berichteten Vorfall. Ich meine, Du hast Dich nicht im Allergeringsten darüber geärgert, dass da ein farbiges Mädchen ist, das eine sehr schlimme Erfahrung in Deutschland gemacht hat. Es wirkte jedenfalls nicht so. Hätte sie etwas Positives zu erzählen gehabt, hätte es dir besser in Deine Sicht der Dinge gepasst. Oder verstehe ich das falsch? Und da wir ja vorhin das Thema "emotional" hatten, darf ich an der Stelle sagen, dass ich das wiederum ziemlich schade finde. Denn genau so sollte es nicht sein."

;-)

Aber um konkret zu werden, wie du es ja endlich auch geworden bist. Ich finde es toll, dass es diesem Mädchen gut geht - ich schrieb ja bereits davon, dass sie "glücklicherweise noch keine Erfahrungen dieser Art machen musste -, dass es sich wohlfühlt, dass sie noch keine rassistischen Anfeindungen erleben musste. Denn diese demütigende Erlebnisse wünsche ich keinem Menschen auf der Welt. Ich finde es nur nicht gut, dass solche Videos mit einer repräsentativen Absicht - und die habe ich hier erkannt und du ja weitestgehend bestätigt - gepostet werden. Denn hier sehe ich nicht den Wunsch, einfach auf positive Erlebnisse hinzuweisen, sondern die Problematik selbst zu verklären, im Sinne eines anekdotischen: "Siehst du, dieser schwarzen Frau geht es gut. Also kann es so schlimm ja nicht sein."




Hätte ich irgendwie angebracht gefunden, ja. ;-)



Moment mal. Siehst du das ernsthaft nicht selbst? Die Frage "ob es überhaupt "positiv" ist, dass Deutschland zehntausende Flüchtlinge aus Nordafrika aufnimmt, von denen neun von zehn gar nicht mit ihrem Leben bedroht, sondern Wirtschaftsmigranten sind", ist für dich nicht problematisch? Diese Frage, so formuliert, fußt - sowohl nach der von mir, als auch von dir verlinkten Statistiken! - auf einer Unwahrheit. Es sind nicht 9 von 10 Flüchtlingen aus Nordafrika Wirtschafsflüchtlinge. Diese Frage stellt diese Unwahrheit aber per se als Fakt dar. Und wer, trotz besseren Wissens, eine solche Frage stellt und damit auf fremdenfeindlichen Ressentiments basierende Unwahrheiten verbreitet, tut das ja nur, weil er eine politische Agenda hat. Mir fällt kein anderer Grund ein.

Die Frage, die du gestellt hast, lässt sich beantworten mit: "Nein, das ist nicht positiv. Aber es its ja auch nicht die Wahrheit."

Wenn man die Frage stellt: "Ist die Anzahl an Wirtschaftsflüchtlingen, die den Weg nach Deutschland/Europa suchen, nicht zu hoch? Welche Schlüsse sind darauf zu ziehen?", wäre bspw. eine ganz andere, die man nüchtern diskutieren kann. Sie ist neutral, keine Suggestivfrage, inkludiert nicht bereits populistische, von einschlägigen Seiten verbreitete Lügen, sondern ruft zu einem rationalen Diskurs auf. Hier lässt sich diskutieren. Hier werden keine Schubladen geöffnet oder diffuse Ängste bzgl. eines Sachverhalts, der so gar nicht existiert, geäußert. Man könnte die Fluchtursachen analysieren, Lösungswege diskutieren, sich Fragen wie man auf menschwürdige Weise mit den Flüchtlingen umgeht, und so weiter.

Natürlich ist das Bevölkerungswachstum in Afrika ein Problem. Vor allem, wenn westliche Industrienationen den Kontinent weiter in der Art ausbeuten und sowohl die akute Nothilfe, als auch die langfristig-strukturelle Hilfe zur Selbsthilfe nicht konsequent umgesetzt wird. Allerdings mache ich den Menschen, die fliehen keinen Vorwurf. Wenn man dem Nachbarn ständig das Mehl wegnimmt, um einen geilen Kuchen zu backen, während er nur trockenes Brot speisen kann, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann vor der Tür steht und ein Stück abhaben möchte.

Optimal wäre es natürlich, wenn jeder gut und gerne in seinem Land leben kann. Und ich bin ein großer Freund davon, Fluchtursachen zu bekämpfen. Damit kein Mensch die schwierige Entscheidung treffen muss, seine Heimat zu verlassen und eine gleichermaßen gefährliche, wie finanziell gravierende Flucht in Angriff nimmt.



Ich. Du. Wir. Alle. Die Medien. Die Politik. Es wird seit Jahren primär über das Thema "Flüchtlinge" und die "Sorgen der Bürger" diskutiert. Sowohl auf bundespolitischer Parteiebene, wie in entsprechenden Talkshows. Und zwar in einem Ausmaß, der die reale Tragweite der Problematik keineswegs adäquat repräsentiert.

Jede zweite Sendung handelt vom Thema Islam, Flüchtlingspolitik, AfD & Co. Parteien verschieben ihr Programm nach rechts, um der AfD Wählerstimmen zu klauen. Dabei haben nur wenige tatsächlich in irgendeiner Form Nachteile von dem "Flüchtlingsstrom" persönlich erfahren müssen. Dementsprechend ist die Angst, die so prominent behandelt wird, in der Form absolut diffus und überproportional aufgebauscht. Und der Umgang damit trägt bislang alles andere als zu einer Linderung dieser Angst bei. Ganz im Gegenteil. Durch das dauernde Machen von Zugeständnissen und der Rücksichtnahme auf diejenigen, die die von der AfD gesetzten Themen und geschürten Ängste unreflektiert aufnehmen, hat man bislang keineswegs etwas Positives beitragen können. Wenn diese Menschen, wie du sagst, hemdsärmelig als "irrationale Angsthasen" abgestempelt worden wären, dann würden wir diese Debatten ja nicht sein Jahren auf dem Level geführt worden.

Keine Duldung von Nazis. Keine Duldung von Menschen, die Nazis dulden. Keine Legitimierung, Bagatellisierung oder Verklärung von Rassismus. Keine Akzeptanz von falschen Zahlen und Lügengeschichten, die nur dazu dienen, Ängste zu schüren und Hass zu säen. Kein "Ja, aber ich verstehe schon, warum..." mehr. Kein "Vielleicht sind wir ja auch schuld, dass die da Nazis wählen". Das bringt nichts, hat nie was gebracht und wird auch nichts bringen.
Zu den Talkshows:
Ich sah vor kurzem eine Übersicht der ÖR, welche diesbezüglichen Themen in den letzten vier Jahren in TS bedacht wurden. Es waren etwa 80, die Migration etc zum Thema halten. Da von "jeder zweiten" zu sprechen halte ich doch für ziemlich weit hergeholt.
__________________
Der Klügere gibt nach. Nachgeben ist ein Zeichen von Stärke, das nicht jeder besitzt.
Formerly known as Johnboy Dog, Yukon, Lena Mayer-Landrut & David "Haymaker" Haye
Lena Meyer-Landrat ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2018, 20:32   #30
Kliqer
Genickbruch
 
Registriert seit: 23.12.2004
Beiträge: 29.886
Zitat:
Zitat von Stefan "Effe" Effenberg Beitrag anzeigen
Zu den Talkshows:
Ich sah vor kurzem eine Übersicht der ÖR, welche diesbezüglichen Themen in den letzten vier Jahren in TS bedacht wurden. Es waren etwa 80, die Migration etc zum Thema halten. Da von "jeder zweiten" zu sprechen halte ich doch für ziemlich weit hergeholt.
Natürlich war das bewusst überspitzt. Sorry, falls das nicht klar wurde. Wobei:

"Der Befund ist verheerend: Rechtspopulisten bestimmen in hohem Maße die Themen von TV-Talkshows. Das ARD-Magazin „Monitor“ hat alle 141 Sendungen im ersten und zweiten Programm des vergangenen Jahres ausgewertet – von„Anne Will“ bis „Maybrit Illner“.

Das erstaunliche Ergebnis: 40-mal ging es um Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik, 15-mal um den Islam, Gewalt und Terrorismus, 21-mal um Populismus, vor allem von rechts. „Andere Themen hatten keine Chance“, bilanzierten die Po*lit*jour*na*lis*tInnen in der Sendung vom 19. Januar 2017. So waren die Zukunft der Kohle oder der Atomausstieg ein Jahr lang kein Thema, noch nicht mal der „viel diskutierte“ Abgasskandal, staunte „Monitor“."


Achja, stimmt. Jede Zweite war falsch. Ist sogar etwas mehr. ;-)

Aber es gibt natürlich auch andere Zahlen - ist ja auch ein wenig Ermessensspielraum. Trotzdem kommt man in etwa zum selben Ergebnis. Bspw. hier:

"Um Flüchtlinge ging es in jeder 4. Sendung. Betrachtet man den gesamten Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus, dann wurde fast jede zweite Talkshow (94 von 214) mit einem dieser Themen bestritten."

Lass es am Ende nur jede Vierte sein. Oder jede Fünfte. Ein krasses, verzerrenden Missverhältnis besteht so oder so.
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Kliqer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2018, 23:51   #31
Coach CoC
Schädelbasisbruch
 
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Was sind eigentlich so die beliebtesten Threads im anspruchsvollen Forum, mit den meisten Betrachtern und Beiträgen?
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Coach CoC ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.06.2018, 00:50   #32
DocKeule
Disqualifiziert
 
Registriert seit: 11.09.2008
Beiträge: 7.498
Nach Antworten sortiert kannst du dir anzeigen lassen, wenn du in der Übersicht das entsprechende Feld in der Kopfzeile anklickst. Da es keine Hits-Spalte gibt, kann man danach nur über die Suchfunktion sortieren. Die Funktioniert aber nur mit einem Stichwort.
DocKeule ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.06.2018, 01:03   #33
PrinceDevitt
ECW
 
Registriert seit: 09.03.2017
Beiträge: 7.910
Die Frage ist in meinen Augen folgende. Womit schaffe ich einen gesellschaftlichen Diskurs? Bleiben wir beim Thema Rassismus, geht halt am ehesten am Beispiel AFD. Erreiche ich so jemanden indem ich ihn als Rassisten bezeichne, als egoistisches Arschloch oder indem ich ihn zumindest als dumm hinstelle und ihm suggeriere das er keine Ahnung hat? Falsch, das komplette Gegenteil ist der Fall, der Mensch macht dicht und ist (welch Wunder) an einem Diskurs gar nicht mehr interessiert. Ergo, der völlig falsche Weg. Bei den Hardcore Rechten wird das auch nicht helfen, da ist eh Hopfen und Malz verloren, aber bei Leuten denen es bsw. aus welchen Gründen auch immer einfach zu viele Flüchtlinge waren und die Angst haben, aus welchen Gründen auch immer, wenn ich denen das Gefühl gebe zumindest zu zu hören, sie nicht von vorn herein als dumm, egoistisch und Rassisten beschimpfe, sind sie offen für einen Diskurs, und dann kann ich auch meine Argumente unterbringen und ggf. etwas erreichen. Ich persönlich (CDU Wähler) fühle mich bsw. von beiden extremen Randgruppen unter Druck gesetzt, da Zerquetscher völlig zurecht bemängelt das die Diskussion von sowohl links wie auch rechts völlig unnötig emotional und ideologisch aufgeladen ist. Da darf man sich von beiden Seiten anhören das man entweder dumm ist, ein Nazi, ein Gutmensch, was auch immer. Und darüber, das Leute die sich in der Mitte verankert fühlen irgendwann auf beide Seiten keinen Bock mehr haben, muss man sich nicht wundern.
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Geändert von PrinceDevitt (10.06.2018 um 09:23 Uhr).
PrinceDevitt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.06.2018, 01:15   #34
DocKeule
Disqualifiziert
 
Registriert seit: 11.09.2008
Beiträge: 7.498
Wie sollte denn dieses "ernst nehmen" aussehen? Gerade bei falschen Tatsachenbehauptungen steht man relativ schnell in einer Sackgasse, wenn der Andere die Fakten nicht anerkennen will und darauf besteht, dass sein Empfinden den Maßstab bildet?

Ich sehe es übrigens genau umgekehrt. In der (relativ kurzen) Phase, in der Rassismus klar geächtet war, sind die entsprechenden Handlungen und (offenen) Äußerungen deutlich zurück gegangen. Erst seit aus Rassisten "besorgte Bürger" wurden und die Politik Anfing, nicht nur Verständnis zu haben, sondern auch Maßnahmen an diesem Teil der Bevölkerung auszurichten, kommen sie immer mehr aus ihren Löchern und zelebrieren ihre Fremdenfeindlichkeit offen.
DocKeule ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.06.2018, 02:26   #35
Blast
Schädelbasisbruch
 
Registriert seit: 04.05.2018
Beiträge: 1.997
Zitat:
Zitat von DocKeule Beitrag anzeigen
Wie sollte denn dieses "ernst nehmen" aussehen? Gerade bei falschen Tatsachenbehauptungen steht man relativ schnell in einer Sackgasse, wenn der Andere die Fakten nicht anerkennen will und darauf besteht, dass sein Empfinden den Maßstab bildet?
Nicht zu raten ist es, bei den kleinsten gefühlten Anzeichen schon in den Diffamierungs-Modus zu rutschen. In welchem Ausmaß dieses Diffamieren jetzt geschah, darüber lässt sich auch nochmal streiten, aber da geht es auch wieder um Gefühle, und das wird jeder für sich anders definieren. Ich hab, was die Verteidigung der Flüchtlinge angeht, auch immer so gut wie es geht mitgewirkt, aber es hat halt nicht funktioniert. Die AfD ist trotzdem, mit einer überraschend hohen Prozentzahl, in den Bundestag gekommen. Und da muss man sich dann auch an die eigene Nase fassen irgendwo.
Klar, man kann darauf verweisen, dass diese Leute unbelehrbar sind und die sanfte Methode auch nicht funktioniert hätte. Aber der Umstand, dass sie trotzdem so groß wurden, ist eine ziemlich starke Korrelation dazu, dass man als linkes oder zentrales Spektrum mit der jetzigen Methodik versagt hat. Und die Aussagen, dass sich nur sehr wenige gegen die rechten Tendenzen auflehnten, kann ich aus meiner Warte nicht bestätigen. Unserorts hat die AfD eine Demo mit ca. 300 Leuten gehalten. Die Gegendemo umfasste (laut Zeitungsbericht) ungefähr 3000 Leute. Ich war dabei, und mit meinem Augenmaß kann ich das wohl bestätigen. Das mag in anderen Bundesländern nochmal anders aussehen, aber dass es hier einen rechten Mainstream gibt? Ne. Es sei denn, die ganzen Rassisten haben sich alle bedeckt gehalten.

Und das ist halt eben die Sache, da muss man rhetorisch anders herangehen. Das ist ein widerspenstiges ideologisches Konstrukt, was dann auch deinem Wissen und deiner Rhetorik standhält. Da sind die modernen Medien auch ein bisschen Schuld dran. Wenn du etwas gegen die AfD sagst, vor allem, wenn es spezifisch ist, findet man irgendwo einen Beitrag, der diese Vorwürfe aufgreift und (scheinbar) widerlegt, klar verständlich und in wenigen Sätzen. Und natürlich ist die Underdog-Methode ("Wenn sie mich hassen, mache ich es erst recht richtig") ebenfalls sehr effektiv.

Zusätzlich gibt es noch einige linke Medien (wie z. B. Teile des FUNK-Netzwerks), die sich als investigativ, wissenschaftlich und seriös darbieten, aber stark ideologisierte und vor allem schlecht argumentierte Artikel und Videos bringen, die man kinderleicht entkräften kann. Das liegt nicht daran, dass Grundideen wie der Feminismus, Multikulturalismus, Body Positivity etc. per se falsch sind, sondern von den falschen Leuten beschissen repräsentiert werden. Und so macht dann eine Figur wie Suzie Grime sehr schlechte Videos über feministische Ideen, wo z. B. krude wie oberflächliche Alternativ-Vorstellungen zum Thema Gleichberechtigung präsentiert werden. So haben Medienproduzenten des rechten Spektrums gefundenes Fressen, um ihrem Publikum zu zeigen, dass ja wirklich alle Feministen so dumm seien und es im Grundkern schon eine Hassideologie ist.

Ich äußere eine weitere, eher provokante Hypothese: Der politisch linke Mainstream ist Erklärungsfaul geworden. Hat er früher gegen die konservativen Dogmen mithilfe von Wissenschaft und Logik ankämpfen müssen, so ist er jetzt in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird von sehr vielen als selbstverständlich erachtet. Das macht ihn aber schwächer, die viele Vertreter nichts mehr von den Grundwerten verstehen, oder dem Warum, wenn man sie darauf anspricht. Das spielt Rechten maßlos in die Karten. Die Arbeiten nämlich jetzt mit jener Rhetorik, einfach weil sie es müssen.

Beispiel: Homosexualität wird nicht mehr als Krankheit angesehen und wird akzeptiert. Aber warum sollte man das? Für viele ist die Antwort klar: Weil es so ist. Aber wenn man jetzt Leute befragen würde, aus welchen tiefenphilosophischen und wissenschaftlichen Gründen, die alle zu dieser Akzeptanz führen, es diese Akzeptanz überhaupt gibt, wüssten sie keine konkrete Antwort. Die Frage wäre sogar anmaßend aufzufassen und würde, wie Kliqer es schon anmerkt, höchstwahrscheinlich mit einer Agenda gestellt. Das Problem ist aber, dass "Es ist einfach so" kein gutes Argument ist. Ebenso wenig "Weil es homophob ist". Rechte, Religiöse und alle anderen Grüppchen, die gegen Homosexualität arbeiten, können sich dem gegenüber wesentlich besser präsentieren, sei es mit irgendwelchen Statistiken, die nachweisen, dass LGBTQ-Beziehungen kürzer sind und deshalb weniger qualitativ.

Und das ist in vielen Fällen passiert, nur mit anderen Parametern. Leute haben die Frage gestellt "Warum sollen wir die überhaupt einreisen lassen?" und von nicht wenigen kam eine Antwort á la "Weil es so ist." bzw. "Weil es als Deutschland unsere Aufgabe ist." oder gleich ein "Wenn du diese Frage stellst, bist du schon rechts irgendwie." Solche Aussagen sind natürlich (politisch und moralisch) korrekt, aber sehr oberflächlich. Und wenn man dann noch Spezialisten hat, die ziemlich unkontrolliert und mit Halbwissen die Kolonialzeit als Argumentationsbasis nehmen, also ohne die Zusammenhänge zu erklären, verspielt man sich jegliche Glaubwürdigkeit. Da muss man nur vorher was von Schlafschafen und Gutmenschen gelesen haben, und schon hat man ein perfektes Beispiel und merkt, dass die AfD und all die anderen ja irgendwo doch Recht haben.

Zu meiner Schande muss ich aber auch gestehen, dass ich keine adäquate Lösung für dieses Problem habe. Gesamtheitlich gesellschaftliche Entwicklungen lassen sich erfahrungsgemäß mit keiner Logik oder keiner Vernunft beilegen, eben weil sie der Überzeugung sind, dass SIE die Vernünftigen und logisch handelnden sind. Ich kann nur sagen, dass man als aufgeklärtere Partei sich auch aufgeklärt benehmen sollte. Mehr erklären, weniger schimpfen.

Zitat:
Zitat von DocKeule Beitrag anzeigen
Ich sehe es übrigens genau umgekehrt. In der (relativ kurzen) Phase, in der Rassismus klar geächtet war, sind die entsprechenden Handlungen und (offenen) Äußerungen deutlich zurück gegangen. Erst seit aus Rassisten "besorgte Bürger" wurden und die Politik Anfing, nicht nur Verständnis zu haben, sondern auch Maßnahmen an diesem Teil der Bevölkerung auszurichten, kommen sie immer mehr aus ihren Löchern und zelebrieren ihre Fremdenfeindlichkeit offen.
Woran willst du das genau festmachen? Wenn man jetzt besonders 2015 als Marker nimmt, glaube ich, dass es nie eine Zeit gegeben hat, wo Rassismus besonders geächtet wurde. Es war eher eine Zeit, wo die ernsten Probleme noch nicht akut waren und man sich deswegen nicht beschwert hat. Rassistische Tendenzen waren jetzt, nochmal hypothetisch gesprochen, immer da. Aber der Diskurs darum und die Nachfrage danach waren halt nicht so groß.
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Alt 10.06.2018, 08:59   #36
Coach CoC
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Worte
Danke! Super das du mir diese Funktion erklärt
-------------------------------------------------------------

Welches Menschenbild steht dahinter wenn sich über die zahlreiche Berichterstattung in den Talkshows aufgeregt wird? Warum greifen die Talkshows immer wieder auf diese Themen zurück? Sind sie vielleicht politische Handlanger des in Europa umgehenden Gespenst des finsteren Rechtsruckes?
Eher nicht. Die Talkshows bringen das Thema immer wieder, weil es eine gute Quote bringt.
Warum aber gibt es diese gute Quote? Weil das Thema halt viele Menschen interessiert. Sie haben ihre Meinungen, Ansichten dazu; leben noch dazu in einer Demokratie und sind seltsamerweise der Meinung, ihre Stimme sei in der Demokratie gleichwertig zu der von großen intellektuellen Humanisten wie z.B. unserer Keule.
Nun hat das anspruchsvolle Forum keinen Quotenzwang. Doch trotzdem sind die Thread Themen immer ähnlich. AFD, Rassismus, Flüchtlinge, Islam, dazu eine Prise Trump. Auch hier kommt die Dieselaffäre vor, füllt aber kaum zwei Seiten. Offenbar herrscht Interesse und das obwohl der Hauptthread "AFD böse oder richtig böse?" fast nur aus gegenseitigem Schulterklopfen besteht.
Was sagt es aus, wenn man erklärt die Möglichkeit Bürgern ein Forum für ihre Meinungen, etwa durch die Talkshows, zu geben sei schlecht?
Man schließt von Anfang an die Möglichkeit des Dialogs aus. Warum sollte man auch mit ihnen kommunizieren? Sie sind nach dieser Sichtweise ja dumm und verblendet. Sie sind nicht gleichwertig. Sie sind nicht lernfähig. Ihre Meinung zählt nicht.

Der aktuelle Angriff auf Kliquers Freundin ist widerlich. Wenn die Polizei so reagiert hat ist das Verhalten der Polizei widerlich. Er entspricht jedoch nicht im geringsten der von mir wahrgenommenen Lebensrealität in Hannover. Offenen Rassismus und Gewalt habe ich hier gewöhnlich gegen Deutsche erlebt, und auch das nur im Steintorviertel. Ich kann mich an einen betrunkenen Neonazi erinnern, der vor einem Jahr (?) eine betrunkene Obdachlose angegriffen hat und ansonsten an die üblichen Hakenkreuze Schmierereien wie seit 30 Jahren. Das ist natürlich völlig anekdotisch und subjektiv.

Und jetzt schnell zurück in meine Höhle bevor ich wieder gesperrt werde.
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Alt 10.06.2018, 09:34   #37
k-town1900
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Nur ein kurzer Einwand:

Ganz subjektiv von mir aus betrachtet wird der Rassismus nicht mehr sondern öffentlicher zur Schau getragen so wie etwa Anfang der 1990er. Was vor 3-4 Jahren nur unter der Hand gesagt wurde, in der Familie oder in der Kneipe vor sich her genuschelt wurde, wird jetzt Laut in der Öffentlichkeit gesagt. Die meisten werden in ihren Aussagen ja noch bestätigt was sich vor einiger Zeit kaum jemand getraut hätte. Heute umso mehr da solche Aussagen sogar im Bundestag getätigt werden.
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Alt 10.06.2018, 09:36   #38
Der Landknecht
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Man könnte natürlich auch zu dem Schluss kommen, dass sich die Menschen dafür interessieren, weil diese Themen im Fernsehen überrepräsentiert besprochen werden. Ich denke, es gibt einige, die, und das in meinen Augen völlig zurecht, den Verdacht äußern, dass eine Partei wie die AfD erst so groß werden konnte wegen der Medien, die sich damit als Steigbügelhalter einer in nicht geringen Teilen rechtsradikalen Partei erwiesen haben. Als die AfD noch bei weniger als 5% herumkrebste, wurde bereits übermäßig viel über sie berichtet. Und jetzt wundert man sich über die Stärke dieser Fraktion und den verrotteten Ton des öffentlichen Diskurses. Man gab der Partei durch ihre Präsenz wissentlich oder unwissentlich ein Podium und eine Legitimation ihrer Ausrichtung, und das nur, weil es Quote bringt. Von Anfang an war klar, wie die AfD gestrickt ist. Die Kontakte zu ultrarechten Gruppierungen wie der Identitären Bewegung waren von Anfang an offensichtlich. Trotzdem wurde die Partei immer wieder eingeladen, und dann kam die hanebüchene Behauptung, man müsse diese Sorgen ernst nehmen, dazu. Antisemitismus, Islamophobie, Homophobie, Rassismus sind keine Besorgnis, keine zu akzeptierenden Ängste. Sie sind einfach nur widerwärtig. Die NPD fand im deutschen Fernsehen so gut wie gar nicht statt - außer einem Auftritt bei Strunz und der leider nun mal nötigen Präsenz an Post-Wahl-Abenden in Mecklenburg kann ich mich an keinen Auftritt dieser Leute erinnern. So macht man widerwärtige Scheiße auch salonfähig.
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Alt 10.06.2018, 10:27   #39
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Also, die meisten Asylanträge kommen immer noch aus Syrien und Afghanistan, zusätzlich Irak, Iran und Nigeria. Alles Länder, deren Flüchtlinge ich nicht unbedingt Wirtschaftsflüchtlinge nennen würde...
Humppi, ich sprach von "Nordafrikanern". Nicht von Irakern, Syrern oder Afghanen.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen

Moment mal. Siehst du das ernsthaft nicht selbst? Die Frage "ob es überhaupt "positiv" ist, dass Deutschland zehntausende Flüchtlinge aus Nordafrika aufnimmt, von denen neun von zehn gar nicht mit ihrem Leben bedroht, sondern Wirtschaftsmigranten sind", ist für dich nicht problematisch? Diese Frage, so formuliert, fußt - sowohl nach der von mir, als auch von dir verlinkten Statistiken! - auf einer Unwahrheit. Es sind nicht 9 von 10 Flüchtlingen aus Nordafrika Wirtschafsflüchtlinge. Diese Frage stellt diese Unwahrheit aber per se als Fakt dar. Und wer, trotz besseren Wissens, eine solche Frage stellt und damit auf fremdenfeindlichen Ressentiments basierende Unwahrheiten verbreitet, tut das ja nur, weil er eine politische Agenda hat. Mir fällt kein anderer Grund ein.

Die Frage, die du gestellt hast, lässt sich beantworten mit: "Nein, das ist nicht positiv. Aber es its ja auch nicht die Wahrheit."

Wenn man die Frage stellt: "Ist die Anzahl an Wirtschaftsflüchtlingen, die den Weg nach Deutschland/Europa suchen, nicht zu hoch? Welche Schlüsse sind darauf zu ziehen?", wäre bspw. eine ganz andere, die man nüchtern diskutieren kann. Sie ist neutral, keine Suggestivfrage, inkludiert nicht bereits populistische, von einschlägigen Seiten verbreitete Lügen, sondern ruft zu einem rationalen Diskurs auf. Hier lässt sich diskutieren. Hier werden keine Schubladen geöffnet oder diffuse Ängste bzgl. eines Sachverhalts, der so gar nicht existiert, geäußert. Man könnte die Fluchtursachen analysieren, Lösungswege diskutieren, sich Fragen wie man auf menschwürdige Weise mit den Flüchtlingen umgeht, und so weiter.
Sehe ich anders. Es ist nicht fremdenfeindlich, der Meinung zu sein, dass entweder nur Menschen, die mit dem Leben bedroht sind, bei uns Asyl finden sollten oder aber qualifizierte Fachkräfte eingeladen werden sollen, die die Wirtschaft braucht. Fremdenfeindlich hingegen wäre es zu sagen, dass man gar keine Ausländer im Land haben möchte. Und hieran mache ich noch einmal kurz fest, was ich versucht habe, Dir zu erläutern. Das Problem des inflationären Gebrauchs von als moralisches Totschlagargument gedachtem, in seiner Wirkung aber inzwischen verpufftem Vokabular wie "fremdenfeindlich", "ausländerfeindlich", "rassistisch" usw. Wenn man Leute, die nicht fremdenfeindlich sind, unentwegt als "fremdenfeindlich" tituliert, dann ändert sich die ursprüngliche Bedeutung des Adjektivs. Es erhält eine neue Konnotation. Unweigerlich.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Natürlich ist das Bevölkerungswachstum in Afrika ein Problem. Vor allem, wenn westliche Industrienationen den Kontinent weiter in der Art ausbeuten und sowohl die akute Nothilfe, als auch die langfristig-strukturelle Hilfe zur Selbsthilfe nicht konsequent umgesetzt wird. Allerdings mache ich den Menschen, die fliehen keinen Vorwurf. Wenn man dem Nachbarn ständig das Mehl wegnimmt, um einen geilen Kuchen zu backen, während er nur trockenes Brot speisen kann, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann vor der Tür steht und ein Stück abhaben möchte.
Also, wir sind schuld. Wie immer. Und nicht etwa auch die korrupten Eliten einiger afrikanischer Länder?

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Optimal wäre es natürlich, wenn jeder gut und gerne in seinem Land leben kann. Und ich bin ein großer Freund davon, Fluchtursachen zu bekämpfen. Damit kein Mensch die schwierige Entscheidung treffen muss, seine Heimat zu verlassen und eine gleichermaßen gefährliche, wie finanziell gravierende Flucht in Angriff nimmt.
Das sehe ich auch so. Und ich würde gern mehr Geld abdrücken, um den Menschen in Afrika etwa zu helfen. Nur müsste gewährleistet sein, dass das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen soll. Der einstige "Volksbefreier" Mugabe ist ein prominentes Beispiel für das, was ich vielen afrikanischen Ländern geschehen ist in der postkolonialen Zeit und für das, was dort an Geldern und Hoffnungen veruntreut wird.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Keine Duldung von Nazis. Keine Duldung von Menschen, die Nazis dulden. Keine Legitimierung, Bagatellisierung oder Verklärung von Rassismus. Keine Akzeptanz von falschen Zahlen und Lügengeschichten, die nur dazu dienen, Ängste zu schüren und Hass zu säen. Kein "Ja, aber ich verstehe schon, warum..." mehr. Kein "Vielleicht sind wir ja auch schuld, dass die da Nazis wählen". Das bringt nichts, hat nie was gebracht und wird auch nichts bringen.
Aha. Sehr gut.

Zitat:
Zitat von Coach CoC Beitrag anzeigen
Warum aber gibt es diese gute Quote? Weil das Thema halt viele Menschen interessiert.
Ja, natürlich. So ist es.

Zitat:
Zitat von Coach CoC Beitrag anzeigen
Offenbar herrscht Interesse und das obwohl der Hauptthread "AFD böse oder richtig böse?" fast nur aus gegenseitigem Schulterklopfen besteht.
Da ist allerdings ein bisschen was dran. Auch ich vermag über weite Strecken keine wirklich intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Problem AfD zu finden, sondern hauptsächlich in Worte gefassten Unmut. Ich meine, das ist okay. Nur werden die Anliegen von Millionen Deutschen kaum adressiert, sondern doch bagatellisiert.

Zitat:
Zitat von Coach CoC Beitrag anzeigen
Was sagt es aus, wenn man erklärt die Möglichkeit Bürgern ein Forum für ihre Meinungen, etwa durch die Talkshows, zu geben sei schlecht?
Die Frage stelle ich mir auch. Zumal nicht zuvorderst die Talkshows das Problem sind, sondern das Internet, das ungleich mehr Möglichkeit der Desinformation bietet.
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Alt 10.06.2018, 10:49   #40
Der Landknecht
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Volker, du bist ein Sith. Nur Siths denken in Extremen.
Entweder man ist völlig gegen Ausländer, dann ist man fremdenfeindlich, oder man will sie hier haben, dann ist man nicht fremdenfeindlich. Es gibt davon auch Abstufungen, Grauzonen. Und nicht nur offensichtlicher Rassismus ist Rassismus. Es braucht nicht gleich das Extrem, um sich vorwerfen lassen zu müssen, dass man fremdenfeindlich ist. Womit ich nicht sagen will, dass du es bist. Das soll nur eine Anmerkung sein.

Und was die Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika angeht: Da verweise ich nochmal auf EPA und das Cotonou-Abkommen. Wie Kliqer es schrieb: Wenn du dem Nachbarn den Zucker klaust, um einen Kuchen zu backen, musst du dich nicht wundern, dass der Nachbar irgendwann vor deiner Tür steht und ein Stück abhaben will. Womit ich nicht sagen will, dass Afrika nicht auch einige hausgemachte Probleme hat.
Und in Sachen Nordafrika: Muss es unbedingt Krieg sein, um das Recht zu haben, zu fliehen? Du könntest auch einfach "nur" verfolgt werden, weil du Christ bist (oder in manchen Ländern Muslim) oder weil du homosexuell bist.
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Alt 10.06.2018, 10:53   #41
makanter
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Zitat:
Zitat von Blast Beitrag anzeigen
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Super Beitrag, fasst meine Gedanken zu dem Thema, auch speziell was die ÖR (siehe auch die Rayk Anders-Doku oder ReconquistaInternet) betrifft, sehr gut zusammen.
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Alt 10.06.2018, 11:03   #42
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Volker, du bist ein Sith. Nur Siths denken in Extremen.
Okay.

Dabei rede ich doch die ganze Zeit der fixen Idee das Wort, sachlich zu bleiben. Und eben NICHT "extremes" Vokabular zu benutzen.

Zitat:
Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Und was die Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika angeht: Da verweise ich nochmal auf EPA und das Cotonou-Abkommen. Wie Kliqer es schrieb: Wenn du dem Nachbarn den Zucker klaust, um einen Kuchen zu backen, musst du dich nicht wundern, dass der Nachbar irgendwann vor deiner Tür steht und ein Stück abhaben will. Womit ich nicht sagen will, dass Afrika nicht auch einige hausgemachte Probleme hat.
Und in Sachen Nordafrika: Muss es unbedingt Krieg sein, um das Recht zu haben, zu fliehen? Du könntest auch einfach "nur" verfolgt werden, weil du Christ bist (oder in manchen Ländern Muslim) oder weil du homosexuell bist.
Mit Sicherheit trägt der Westen eine Mitschuld an der Misere in Afrika. Davon bin ich auch überzeugt. Solange allerdings die vielen respektiven Despoten dort an der Macht sind, die nur in die eigene Tasche wirtschaften und sich nicht für das Volk interessieren, wird sich nicht viel ändern. Aber genau da müsste sich was ändern.
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Alt 10.06.2018, 11:08   #43
Der Landknecht
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Natürlich. Die Fluchtgründe müssen beseitigt werden. Nur, was glaubst du, wie lange das dauert? Und bis dahin? Einfach sagen: In deinem Land herrscht kein Krieg, also hast du auch keinen Grund hierher zu fliehen? Die Logik beißt sich doch selbst. Man will Fluchtursachen bekämpfen, akzeptiert sie aber bei real Fliehenden nicht als Asylgrund.
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Alt 10.06.2018, 13:03   #44
Kliqer
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Zitat:
Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Man könnte natürlich auch zu dem Schluss kommen, dass sich die Menschen dafür interessieren, weil diese Themen im Fernsehen überrepräsentiert besprochen werden. Ich denke, es gibt einige, die, und das in meinen Augen völlig zurecht, den Verdacht äußern, dass eine Partei wie die AfD erst so groß werden konnte wegen der Medien, die sich damit als Steigbügelhalter einer in nicht geringen Teilen rechtsradikalen Partei erwiesen haben. Als die AfD noch bei weniger als 5% herumkrebste, wurde bereits übermäßig viel über sie berichtet. Und jetzt wundert man sich über die Stärke dieser Fraktion und den verrotteten Ton des öffentlichen Diskurses. Man gab der Partei durch ihre Präsenz wissentlich oder unwissentlich ein Podium und eine Legitimation ihrer Ausrichtung, und das nur, weil es Quote bringt. Von Anfang an war klar, wie die AfD gestrickt ist. Die Kontakte zu ultrarechten Gruppierungen wie der Identitären Bewegung waren von Anfang an offensichtlich. Trotzdem wurde die Partei immer wieder eingeladen, und dann kam die hanebüchene Behauptung, man müsse diese Sorgen ernst nehmen, dazu. Antisemitismus, Islamophobie, Homophobie, Rassismus sind keine Besorgnis, keine zu akzeptierenden Ängste. Sie sind einfach nur widerwärtig. Die NPD fand im deutschen Fernsehen so gut wie gar nicht statt - außer einem Auftritt bei Strunz und der leider nun mal nötigen Präsenz an Post-Wahl-Abenden in Mecklenburg kann ich mich an keinen Auftritt dieser Leute erinnern. So macht man widerwärtige Scheiße auch salonfähig.
Ganz genau!

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen


Sehe ich anders. Es ist nicht fremdenfeindlich, der Meinung zu sein, dass entweder nur Menschen, die mit dem Leben bedroht sind, bei uns Asyl finden sollten oder aber qualifizierte Fachkräfte eingeladen werden sollen, die die Wirtschaft braucht. Fremdenfeindlich hingegen wäre es zu sagen, dass man gar keine Ausländer im Land haben möchte. Und hieran mache ich noch einmal kurz fest, was ich versucht habe, Dir zu erläutern. Das Problem des inflationären Gebrauchs von als moralisches Totschlagargument gedachtem, in seiner Wirkung aber inzwischen verpufftem Vokabular wie "fremdenfeindlich", "ausländerfeindlich", "rassistisch" usw. Wenn man Leute, die nicht fremdenfeindlich sind, unentwegt als "fremdenfeindlich" tituliert, dann ändert sich die ursprüngliche Bedeutung des Adjektivs. Es erhält eine neue Konnotation. Unweigerlich.
Du hast ernsthaft immer noch nicht verstanden, was der Problem mit der Frage ist, wenn man sie so formuliert, wie du es getan hast? Unglaublich. Diese Antwort hier geht komplett an allem vorbei, was ich vorher geschrieben habe. Wie von einem Zufallsgenerator ausgespuckt.

Ich habe in keinster Weise irgendwem pauschal Fremdenfeindlichkeit unterstellt, weil er die Flucht aus wirtschaftlichen Gründen kritisiert. Ich habe Fremdenfeindlichkeit unterstellt, wenn man bereits in seiner Frage bewusst unwahre Aussagen als gegeben hinstellt, um sein ein politisch motiviertes Narrativ zu schaffen, das klar und deutlich auf eine bestimmte Agenda hinweist. Das erkläre ich jetzt zum dritten Mal und ich bin fassungslos, dass du es bisher noch nicht verstanden hast oder bewusst derartig umschiffst.

Und generell halte ich es für falsch, Flüchtlingen, egal welcher Art, erst mal mit einem feindseligen "Die wollen/brauchen wir hier nicht!" oder irrationaler Angst zu begegnen. Viel mehr sollte man sich die Frage stellen, warum es diese Menschen für notwendig halten ihre Heimat und ihre Familien hinter sich zu lassen und eine gleichermaßen beschwerliche, wie gefährliche Reise auf sich zu nehmen. Wegen ein paar Euro mehr im Monat vom Amt?

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Doch, klar. Das hat auf jeden Fall auch etwas damit zutun.

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Da ist allerdings ein bisschen was dran. Auch ich vermag über weite Strecken keine wirklich intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Problem AfD zu finden, sondern hauptsächlich in Worte gefassten Unmut. Ich meine, das ist okay. Nur werden die Anliegen von Millionen Deutschen kaum adressiert, sondern doch bagatellisiert.
Also sowohl in Zeitungen, Blogs, TV-Shows, usw. sehe ich immer wieder sehr rationale, intellektuelle Auseinandersetzungen mit der Thematik. In Forum, sozialen Netzwerken natürlich eher weniger. Was aber auch daran liegt, dass von der anderen Seite nichts fundiertes kommt, dass eine intellektuelle Auseinandersetzung möglich machen würde.
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Geändert von Kliqer (10.06.2018 um 15:21 Uhr).
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Alt 10.06.2018, 16:51   #45
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Ich habe in keinster Weise irgendwem pauschal Fremdenfeindlichkeit unterstellt, weil er die Flucht aus wirtschaftlichen Gründen kritisiert. Ich habe Fremdenfeindlichkeit unterstellt, wenn man bereits in seiner Frage bewusst unwahre Aussagen als gegeben hinstellt, um sein ein politisch motiviertes Narrativ zu schaffen, das klar und deutlich auf eine bestimmte Agenda hinweist. Das erkläre ich jetzt zum dritten Mal und ich bin fassungslos, dass du es bisher noch nicht verstanden hast oder bewusst derartig umschiffst.
Was wir hier machen ist doch Spiegelfechterei. Es dreht sich letztendlich um eine einzige Frage (Formulierung zweitrangig!): Wie viele Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen, ist man bereit in Deutschland bzw. der EU aufzunehmen? Um nichts anderes geht es. Die einen sagen tendenziell, es sollten noch mehr kommen dürfen. Die anderen sehen bereits eine Überlastung der Kapazitäten und des Verständnisses der Europäer. Und ich bin bei der zweiten Gruppe.

Aber ich bin gerne bereit, Deine Formulierung Ist die Anzahl an Wirtschaftsflüchtlingen, die den Weg nach Deutschland/Europa suchen, nicht zu hoch? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?" zu übernehmen. Wenn Du damit besser klarkommst. Kein Problem.

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Und generell halte ich es für falsch, Flüchtlingen, egal welcher Art, erst mal mit einem feindseligen "Die wollen/brauchen wir hier nicht!" oder irrationaler Angst zu begegnen. Viel mehr sollte man sich die Frage stellen, warum es diese Menschen für notwendig halten ihre Heimat und ihre Familien hinter sich zu lassen und eine gleichermaßen beschwerliche, wie gefährliche Reise auf sich zu nehmen. Wegen ein paar Euro mehr im Monat vom Amt?

Du weißt, wie viele Menschen aus Afrika am liebsten nach Europa kämen, wenn sie könnten. Und ich mache niemandem dort einen Vorwurf, denn wäre ich an deren Stelle, würde ich exakt dasselbe wollen. Nur sind es viele Millionen, von denen wir hier reden. Und ohne auf konkrete potentielle Kritik, wie den Flächenfraß durch Bau, qualifizierte Arbeitskräfte, kulturelle Differenzen oder Sozialausgaben an dieser Stelle im Näheren eingehen zu wollen, fragen sich eben viele, wo die derzeitige schlimme Situation hinführt. Wann und wo und ob sie überhaupt eines Tages endet. Vor allem im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung in Afrika. Soll man das alles am besten einfach mal abwarten? Und sagen wir das so auch den Menschen? Den Wählern?
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Alt 10.06.2018, 17:17   #46
Jim Lahey
Schädelbasisbruch
 
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Wäre ja ziemlich cool, wenn man nicht einfach nur Zahlen im den Raum werfen würde, sondern diese auch belegen könnte. Zum eigentlichen Thema kann ich nur sagen, ich höre praktisch jeden Tag irgendwelchen rassistischen Mist. Allerdings kommt dieser Mist meist von ungebildet und/oder betrunkenen Idioten.
Jim Lahey ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.06.2018, 17:44   #47
Kliqer
Genickbruch
 
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Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
Was wir hier machen ist doch Spiegelfechterei. Es dreht sich letztendlich um eine einzige Frage (Formulierung zweitrangig!): Wie viele Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen, ist man bereit in Deutschland bzw. der EU aufzunehmen? Um nichts anderes geht es. Die einen sagen tendenziell, es sollten noch mehr kommen dürfen. Die anderen sehen bereits eine Überlastung der Kapazitäten und des Verständnisses der Europäer. Und ich bin bei der zweiten Gruppe.
Nein, das ist keine Spiegelfechterei. Das ist ein ziemlich essentielles Problem. Es ist doch ein Unterschied zu fragen: "Wie gehen wir damit um, dass eine steigende Anzahl an Moslems nach Deutschland kommt?" oder ob man fragt "Ist es positiv, dass wir so viele Moslems aufnehmen, von den 9 von 10 das deutsche Grundgesetz nicht akzeptieren?".

Und so ist es doch ein Unterschied, ob du fragst, "ob es positiv sei, wenn wir Flüchtlinge aus Afrika aufnehmen, von denen 9 von 10 Wirtschafsflüchtlinge sind" zu der Formulierung, die ich getätigt habe. Zum vierte Mal: deine Formulierung stellt Zahlen, die völlig falsch sind, als gegeben dar. Als Fakt, der aber tatsächlich keiner ist. Auf einer solchen Basis zu diskutieren kann nicht funktionieren. Es mag penetrant wirken, dass ich so oft darauf hinweise, aber ich halte es sehr wichtig. Stichwort: Framing.

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Aber ich bin gerne bereit, Deine Formulierung Ist die Anzahl an Wirtschaftsflüchtlingen, die den Weg nach Deutschland/Europa suchen, nicht zu hoch? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?" zu übernehmen. Wenn Du damit besser klarkommst. Kein Problem.
Es geht nicht darum, womit ich besser klarkomme. Es geht darum, Fragen ohne Vorurteile, falsche Behauptungen und suggestive Formulierungen zu stellen, um eine sachliche, faktenbasierte, rationale Diskussion zu führen und nicht bereits durch tendenziöse Fragenstellungen den Rahmen der Debatte vorzugeben. Es geht nicht um individuelle Befindlichkeiten, sondern um ein grundlegendes Problem der aktuellen Debattenkultur.

Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
Du weißt, wie viele Menschen aus Afrika am liebsten nach Europa kämen, wenn sie könnten. Und ich mache niemandem dort einen Vorwurf, denn wäre ich an deren Stelle, würde ich exakt dasselbe wollen. Nur sind es viele Millionen, von denen wir hier reden. Und ohne auf konkrete potentielle Kritik, wie den Flächenfraß durch Bau, qualifizierte Arbeitskräfte, kulturelle Differenzen oder Sozialausgaben an dieser Stelle im Näheren eingehen zu wollen, fragen sich eben viele, wo die derzeitige schlimme Situation hinführt. Wann und wo und ob sie überhaupt eines Tages endet. Vor allem im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung in Afrika. Soll man das alles am besten einfach mal abwarten? Und sagen wir das so auch den Menschen? Den Wählern?
Nein, hat aber auch niemand behauptet. Wie schon gesagt, ich bin dafür konstruktiv, seriös und sachlich über diese Fragen zu diskutieren. Zwischen Abwarten und Panik gibt es schließlich auch noch einen Mittelweg. Ich bin dafür nach Ursachen und Lösungen zu suchen, Kausalitätsketten zu verstehen, dabei gleichermaßen menschlich, wie sachlich zu bleiben. Ich bin dafür, radikaler Hetze, Panikmache und rassistischem Fingerzeigen keinen Platz mehr einzuräumen und es nicht mit "Ja, aber die Ängste müssen ernst genommen werden!" zu verklären. Angst ist immer emotional, nie rational. Und sollte deswegen weder Leitfaden für die politische Arbeit, noch für die mediale Aufarbeitung sein.
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I <3 woken Dreck
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Alt 10.06.2018, 18:38   #48
Der Zerquetscher
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Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Nein, das ist keine Spiegelfechterei. Das ist ein ziemlich essentielles Problem. Es ist doch ein Unterschied zu fragen: "Wie gehen wir damit um, dass eine steigende Anzahl an Moslems nach Deutschland kommt?" oder ob man fragt "Ist es positiv, dass wir so viele Moslems aufnehmen, von den 9 von 10 das deutsche Grundgesetz nicht akzeptieren?".


Und so ist es doch ein Unterschied, ob du fragst, "ob es positiv sei, wenn wir Flüchtlinge aus Afrika aufnehmen, von denen 9 von 10 Wirtschafsflüchtlinge sind" zu der Formulierung, die ich getätigt habe. Zum vierte Mal: deine Formulierung stellt Zahlen, die völlig falsch sind, als gegeben dar. Als Fakt, der aber tatsächlich keiner ist. Auf einer solchen Basis zu diskutieren kann nicht funktionieren. Es mag penetrant wirken, dass ich so oft darauf hinweise, aber ich halte es sehr wichtig. Stichwort: Framing.

Es geht nicht darum, womit ich besser klarkomme. Es geht darum, Fragen ohne Vorurteile, falsche Behauptungen und suggestive Formulierungen zu stellen, um eine sachliche, faktenbasierte, rationale Diskussion zu führen und nicht bereits durch tendenziöse Fragenstellungen den Rahmen der Debatte vorzugeben. Es geht nicht um individuelle Befindlichkeiten, sondern um ein grundlegendes Problem der aktuellen Debattenkultur.
"Neun von zehn Flüchtlingen aus Nordafrika - Wirtschaftsmigranten" empfindest Du als völlig falsch. Würdest Du also die Maghreb-Flüchtlinge nicht als Wirtschaftsmigranten aufzählen? Ich halt schon. Würdest Du eigentlich den 60% der von mir oben zitierten EU-Kommission zustimmen, die dort genannt wurden, was den Anteil an Wirtschaftsflüchtlingen an allen Flüchtlingen insgesamt anbetrifft?

Zitat:
Zitat von Kliqer Beitrag anzeigen
Nein, hat aber auch niemand behauptet. Wie schon gesagt, ich bin dafür konstruktiv, seriös und sachlich über diese Fragen zu diskutieren. Zwischen Abwarten und Panik gibt es schließlich auch noch einen Mittelweg. Ich bin dafür nach Ursachen und Lösungen zu suchen, Kausalitätsketten zu verstehen, dabei gleichermaßen menschlich, wie sachlich zu bleiben. Ich bin dafür, radikaler Hetze, Panikmache und rassistischem Fingerzeigen keinen Platz mehr einzuräumen und es nicht mit "Ja, aber die Ängste müssen ernst genommen werden!" zu verklären. Angst ist immer emotional, nie rational. Und sollte deswegen weder Leitfaden für die politische Arbeit, noch für die mediale Aufarbeitung sein.
Dem kann ich fast gänzlich zutimmen. Bis auf eines.

Wenn Du in einem Klassenzimmer in Parkland, Florida, sitzt und auf einmal geht die Tür auf und ein Jugendlicher mit Sturmgewehr eröffnet auf Deinen Kurs das Feuer, ist dann Deine Angst allein emotional - oder hat sie nicht eine ganz klar rationale Komponente? Sie erwächst schließlich aus der Berechnung der hohen Wahrscheinlichkeit, in dieser Situation erschossen zu werden. Was wiederum nicht gerade eine irrationale Befürchtung ist.
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Alt 10.06.2018, 19:53   #49
umimatsu
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Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
"Neun von zehn Flüchtlingen aus Nordafrika - Wirtschaftsmigranten" empfindest Du als völlig falsch. Würdest Du also die Maghreb-Flüchtlinge nicht als Wirtschaftsmigranten aufzählen? Ich halt schon. Würdest Du eigentlich den 60% der von mir oben zitierten EU-Kommission zustimmen, die dort genannt wurden, was den Anteil an Wirtschaftsflüchtlingen an allen Flüchtlingen insgesamt anbetrifft?
60% ist aber nicht 9 von 10. Oder 90%. Also der Zahl, mit der du hausieren gehst. Wohlwissend, dass sie falsch ist. Darf ich dich daran erinnern, dass die EU mit einigen der von dir kritisierten Despoten Abkommen schließen möchte bzw. geschlossen hat, die Migration nach Europa zu verhindern? Und dass diese Despoten dafür auch noch belohnt werden sollen? Du bist doch so ein überzeugter Demokrat ( kein Sarkasmus / keine Ironie ). Wie passt das eigentlich in dein Weltbild?

Zitat:
Wenn Du in einem Klassenzimmer in Parkland, Florida, sitzt und auf einmal geht die Tür auf und ein Jugendlicher mit Sturmgewehr eröffnet auf Deinen Kurs das Feuer, ist dann Deine Angst allein emotional - oder hat sie nicht eine ganz klar rationale Komponente? Sie erwächst schließlich aus der Berechnung der hohen Wahrscheinlichkeit, in dieser Situation erschossen zu werden. Was wiederum nicht gerade eine irrationale Befürchtung ist.
Diese Angst ist eine völlig andere. Die ist berechtigt. Weil du dich in einer Situation befindest, wo es unmittelbar um dein Leben geht.

Edit: Aufgrund Kliqers Kritik wieder eingefügt.
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Punko ist so niedlich, dass ich mir sicher bin, sein Gesicht wurde von einem Kinderserienanimateur gezeichnet. - Kliqer

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Geändert von umimatsu (10.06.2018 um 20:40 Uhr).
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Alt 10.06.2018, 20:31   #50
Kliqer
Genickbruch
 
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Ich finde die Einordnung der Maghreb-Flüchtlinge alles andere als eindeutig. Was ja auch in dem von dir verlinkten Artikel ja auch relativ differenziert ausgearbeitet wird. Vielleicht ist es der einfache Ausweg, allerdings kann ich hier kein klares Urteil fällen, da die Sachlage mir dort viel zu komplex ist, als mit eindeutigen Kategorisierungen zu arbeiten.

Und zu den 60%.

1.) Was umi sagt. ;-) - Vor dem Edit, toll umi. Lässt mich hier einfach hängen. :-( -> Sinngemäß wiedergegeben: 60% sind nicht 9 von 10. Diese Zahl hast du genannt. Und weißt offenbar, dass dies so nicht stimmt. Wie passt das zusammen?
2.) Steht in dem Artikel etwas weniger allgemein: "Die EU-Kommission schätzt den Anteil der Wirtschaftsmigranten am gesamten Flüchtlingsstrom zumindest für den Dezember des Vorjahrs (Anm. Kliqer: Also 2015!) auf 60 Prozent ein. Die entsprechenden Zahlen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex seien aber noch nicht endgültig ausgearbeitet, sagte eine Kommissionssprecherin am Dienstag."
3.) Eine generelle Einordnung, die ich glaube ich schon mal verlinkt habe, findet man übrigens hier. Da werden andere Zahlen genannt und mit einigen Vorurteilen aufgeräumt. Kann man sich durchaus mal anschauen.
4.) Oder auch: "Die Debatte über Flüchtlinge, Zuwanderung und Pegida ist auch ein Gefecht mit Zahlen. 95 Prozent aller Asylbewerber seien doch Wirtschaftsflüchtlinge, meinte ein Redner auf einer der Dresdner Pegida-Kundgebungen. [...]

Nein, es stimmt nicht. Tatsächlich gehen etwa die Hälfte aller Asylverfahren, 48,5 Prozent, die in Deutschland inhaltlich geprüft werden, positiv für den Flüchtling aus. Im vergangenen Jahr waren es so viele wie lange nicht mehr. Es kommen also nicht nur deutlich mehr Flüchtlinge als früher, die meisten haben offenbar auch gute Gründe zu kommen. Dies geht aus Zahlen des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt."


Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher
Wenn Du in einem Klassenzimmer in Parkland, Florida, sitzt und auf einmal geht die Tür auf und ein Jugendlicher mit Sturmgewehr eröffnet auf Deinen Kurs das Feuer, ist dann Deine Angst allein emotional - oder hat sie nicht eine ganz klar rationale Komponente? Sie erwächst schließlich aus der Berechnung der hohen Wahrscheinlichkeit, in dieser Situation erschossen zu werden. Was wiederum nicht gerade eine irrationale Befürchtung ist.
Natürlich gibt es auch konkrete Anlässe für Angst, die grundsätzlich nachvollziehbar sind, weil eine direkte, objektive Gefahr bevorsteht. Was ich übrigens bzgl. der Flüchtlinge eben nicht so sehe. Hier von einer "konkreten Gefahr" zu sprechen wäre absurd.

Und dennoch geht es ja im Prinzip nicht darum, ob man Angst hat, sondern, wenn man Angst hat, was sich daraus ergibt. Angst ist ein schlechter Berater. Angst lässt uns emotional handeln, nicht sachlich. Angst führt zu Panik, Panik ist eine emotionale, besser: kopflose Überreaktion. Eine, die im Angesichts des direkten Todes zu 100% nachvollziehbar ist. Aber, auch in solch konkreten Gefahrensituation empfiehlt es sich eben nicht, dieser Angst nachzugeben und darauf basierend ungute Entscheidungen zu treffen, sondern, sofern überhaupt möglich, nachzudenken, zu überlegen und rational zu handeln.
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"Genickbruch.com ist eine topseriöse Seite." - Markus Lanz, 16.10.2014
I <3 woken Dreck

Geändert von Kliqer (10.06.2018 um 20:33 Uhr).
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