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Alt 17.04.2022, 08:20   #2581
Der Zerquetscher
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Hyperion (von Dan Simmons)

Eigentlich bin ich kein Freund langen third person narrator Weltenbaus. Es sei denn, es liest sich so leichtfüßig und übersprudelnd vor Ideen wie bei Dan Simmons. Anti-Entropie Vorrichtungen, Zeitgräber, ein interstellares "World Web" (1989!), das sich um den Planeten "Hyperion" durch die Unendlichkeit spannt. Und mittendrin ein unheimliches Wesen - Gott für die einen, Dämon für die anderen -, das aus seiner Zeitblase heraus die Menschheit vernichten will. Oder will es das nicht? Oder will es das nicht nicht? Oder will es das nicht nicht nicht? Das World Building vom Simmons ist opulent und sprießt vor Charme und grenzenloser Fantasie. Dass allerdings diverse Hauptfiguren in verschiedenen Zeitebenen in die Geschichte geschrieben werden, erleichtert es nicht eben, der Story nicht vollends konzentriert zu folgen. Außerdem ist Simmons' mit Preisen bedachte Welt etwas spannungsarm, denn viele Passagen werden retrospektiv erzählt und ineinander verschoben. Vielleicht ist der wahre Grund, warum das Ganze für den Leser trotzdem funktioniert, der, dass das, was hier geschieht, schwer zu vergleichen und damit beispiellos ist. Faszinierend, wenn auch nicht pulstreibend.

Die Phönizier (Morstadt, Bärbel)

Oder das unbekannte "Volk". Denn der erste Teil dieser Kultur wurde 332 v. Chr. in der Levante von Alexander dem Großen und seinem Hellenismus bei der Belagerung von Tyros geschluckt und der zweite Teil knappe zweihundert Jahre später in Karthago durch die Römer vom Angesicht der Erde getilgt. Viel erhalten geblieben ist dabei nicht. Also zimmert man müheselig aus Fragmenten und hauptsächlich griechisch-römischer Geschichtsschreibung eine.. naja, "Geschichte" kann man das nicht nennen,... eher eine Reihe von Schlaglichtern zusammen und aneinander und versucht damit, sich einer untergegangenen und für uns fast blickdichten Hochkultur zu nähern. Dafür reichen dann ernüchternde 146 Seiten. Alltag, Religion, Administration, kulturelle Heterogenität innerhalb der Sprachfamilie (oder andersrum), eine Prozession von Fragezeichen. Und das bei dem Volk, das den Griechen und damit uns unsere Schrift gebracht hat.

Edit: @Kain: Ah, danke für die Info. Ich versuch einfach mal, an irgendeine schöne Ausgabe (auf Englisch!) zu kommen. Den Stoker liebe ich.

Du kennst doch bestimmt den Simmons, wie ich Dich kenne. Wie findest Du den?

Geändert von Der Zerquetscher (17.04.2022 um 08:21 Uhr).
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