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Alt 12.04.2022, 17:45   #2578
Der Zerquetscher
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Zitat von Kain Beitrag anzeigen
Bram Stoker - Schöpfer der Schatten

Etwa die Hälfte von Stokers unheimlich-phantastischen Kurzgeschichten. Der größte Teil des Bandes wird von den Geschichten aus dem "Land hinter dem Sonnenuntergang" ausgemacht, eine Reihe von Erzählungen, die lose von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden, in der Engel das Leben der jeweiligen ProtagonistInnen bewerten. Das tritt mal stärker und manchmal auch gar nicht in den Vordergrund. In diesen Stories scheint Stoker seinen (katholischen) Glauben freien Lauf gelassen zu haben. Inzwischen gibt es auch Leute, die in "Dracula" nach entsprechender Symbolik suchen. Wie dem auch sei, dem vorliegenden Band tut dieser überdeutliche Einschlag jedenfalls nicht sonderlich gut. Die Geschichten schwanken zwischen moralinsauren Belehrungen, klebrig-süßem Quatsch und (in einem Fall) totaler Albernheit. Allein "Der Unsichtbare Riese" ragt aus diesem "Zyklus" positiv heraus. Das Ende fällt etwas in die oben genannten Problemzonen dieser Geschichten. Bis dahin kann man diese Geschichte aber auch als eine frühe Form der dystopischen Science Fiction lesen. Die zudem ziemlich aktuell ist.

Den Höhepunkt des Bandes stellen die letzten drei Geschichten dar, die auf "Under the Sunset" folgen. Nicht in der richtigen Reihenfolge: "Das Haus des Richters" darf als Klassiker der unheimlichen Kurzgeschichte gelten. "Eine Zigeunerwahrsagung" ist eine nette Mystery-Geschichte mit ironischem Twist. Und "Die Zerschmetterer", eine Geschichte ohne jedes übernatürliche Element, geht wohl als eine der Blaupausen für das durch, was sich später zum Splatter entwickeln sollte.
Ich hatte schon wieder völlig vergessen, dass der Stoker Kurzgeschichten geschrieben hat. Die müssen her. Ende des Jahres, denn die Bücher stapeln sich bei mir. Aber da führt kein Weg dran vorbei.

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Zitat von Goldberg070 Beitrag anzeigen
Über deine Signatur bin ich darauf gestoßen und natürlich - ohne irgendwas davon gelesen zu haben - erstmal beeindruckt. Ein Buch zu schreiben ist immer ne große Hausnummer wie ich finde. Wie einen Film zu drehen. Das macht man nicht einfach mal so. Ich bin ja so überhaupt kein Buchleser. Das letzte Buch ist bestimmt üer 10 Jahre her, aber irgendwie bin ich doch neugierig. Die Frage ist, kann jemandem, der normal keine Bücher liest und wenig Interesse an Büchern hat, das Lesen deines Buches empfohlen werden oder ist es eher etwas für fortgeschrittene, erfahrende Thrillerleser?
Der Geschichte kann man als Leser, wie Krischan sagt, leicht folgen. Und zwar in dem Sinne, dass da nicht Dutzende Namen durcheinandergeworfen werden, die man sich merken müsste. Da ist ein klarer Erzählstrang (mit fünf oder sechs Protagonisten), der einen führt.
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