Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 08.04.2022, 14:32   #2575
Kain
Genickbruch
 
Registriert seit: 29.03.2001
Beiträge: 17.443
Bram Stoker - Schöpfer der Schatten

Etwa die Hälfte von Stokers unheimlich-phantastischen Kurzgeschichten. Der größte Teil des Bandes wird von den Geschichten aus dem "Land hinter dem Sonnenuntergang" ausgemacht, eine Reihe von Erzählungen, die lose von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden, in der Engel das Leben der jeweiligen ProtagonistInnen bewerten. Das tritt mal stärker und manchmal auch gar nicht in den Vordergrund. In diesen Stories scheint Stoker seinen (katholischen) Glauben freien Lauf gelassen zu haben. Inzwischen gibt es auch Leute, die in "Dracula" nach entsprechender Symbolik suchen. Wie dem auch sei, dem vorliegenden Band tut dieser überdeutliche Einschlag jedenfalls nicht sonderlich gut. Die Geschichten schwanken zwischen moralinsauren Belehrungen, klebrig-süßem Quatsch und (in einem Fall) totaler Albernheit. Allein "Der Unsichtbare Riese" ragt aus diesem "Zyklus" positiv heraus. Das Ende fällt etwas in die oben genannten Problemzonen dieser Geschichten. Bis dahin kann man diese Geschichte aber auch als eine frühe Form der dystopischen Science Fiction lesen. Die zudem ziemlich aktuell ist.

Den Höhepunkt des Bandes stellen die letzten drei Geschichten dar, die auf "Under the Sunset" folgen. Nicht in der richtigen Reihenfolge: "Das Haus des Richters" darf als Klassiker der unheimlichen Kurzgeschichte gelten. "Eine Zigeunerwahrsagung" ist eine nette Mystery-Geschichte mit ironischem Twist. Und "Die Zerschmetterer", eine Geschichte ohne jedes übernatürliche Element, geht wohl als eine der Blaupausen für das durch, was sich später zum Splatter entwickeln sollte.
__________________
We pledge allegiance to the leader of the mighty Cult of Cornette and to the Pro-Wrestling for which he stands.
No blowup dolls, dick spots or dance routines. With blood, sell-outs and shoot angles for all.
Thank you. Fuck you. Bye.
Kain ist offline   Mit Zitat antworten