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Alt 05.11.2021, 18:23   #2554
Duke of Bridgewater
Schädelbasisbruch
 
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Schockwelle (Colin Forbes)

Der Agententhriller ist 1990 erschienen und spielt kurz vor der Wende, die hier aber noch keine Rolle spielt. (Gorbatschow wird zwar erwähnt, aber mit Breshnev oder Stalin wäre auch nichts anders gelaufen.) Das Buch bekam fast nur gute Kritiken, die ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen kann.

Dem britschen Geheimagenten Tweed wird ein Mord untergeschoben, er flieht durch das verschneite Europa nach Freiburg, in den Schwarzwald und die Schweiz. Hilfe bekommt er von seiner Assistentin Paula, dem Journalisen Newman und diversen hochrangigen Polizisten. Darunter ist ein Hauptkomissar Kuhlmann, ein ganz hohes Tier im BKA. Ich glaube, Dienstränge hat der Autor nur so mittelgut recherchiert.

Gegenspieler ist sein Vorgesetzter, der Minister Buckmaster, der auch eine riesige und hochverschuldete Sicherheitsfirma besitzt. Dieser und auch sonst jeder Mitarbeiter von "World Security" ist absolut skrupellos und hat keinerlei positive Eigenschaften. Dass die Firma hinter der Verschwöung steckt, muss man nicht einmal ahnen, man bekommt es erzählt.

Man holt auch noch den Profikiller Horowitz dazu, will Tweed auf der Flucht töten und es wie einen Unfall aussehen lassen. Als erstes provoziert Horowitz eine Massenkarambolage, bei der sechzehn Verfolger, je zur Hälfte von World Security und dem BKA sterben. Das scheint aber keine der beiden Seiten groß zu jucken. (Kuhlmann ist mir auch nicht sympathischer als Buckmaster.)

So nach und nach finden Tweed und Co. heraus, dass es um ein wichtiges Verteidigungssystem geht, dass gerade von Amerika nach England unterwegs ist. Da Tweed jetzt nicht mehr im Funkkontakt zum Schiff steht, können Buckmasters Söldner es kapern, alle außer dem Funker töten und sich dann mit dem Schiff in Richtung eines russischen Kriegsschiffes bewegen, um das Ding zu verkaufen und damit World Security zu sanieren. (Nicht, dass Tweed am Funkgerät in London daran etwas hätte ändern können.)

Nachdem Tweed in der Schweiz die nötigen Beweise seiner Unschuld gefunden hat, geht es zurück nach England. Obwohl es weitere Mordanschläge mit sehr vielen Toten gab, beschließt man, mit dem Auto durch Deutschland zu fahren, den Hinterhalt mit Waffengewalt zu durchbrechen und dabei möglichst viele Bösewichte auszuschalten. Das schafft man auch, verliert aber wieder etliche Polizisten, was keinen juckt.

Superkiller Horowitz glänzt dabei mit Coolness und zeigt immer wieder, wie professionell er ist und wie dämlich dagegen die World-Security-Typen agieren. Dabei bringt er selbst auch nichts auf die Reihe und stirbt am Ende wie die ganzen namenlosen Helfer. (Apropos Helfer: Horowitz bekommt eine schöne Assistentin an die Seite gestellt, die nichts tut und später wieder nachhause fährt, da er sie doch nicht braucht. Stattdessen wird ein Mann als Hundeführer eingeführt und steigt auf unerklärliche Weise zum allein arbeitenden Killer und hochrangigen World-Security-Mann auf, um sich auf dem Flugplatz vom Journalisten Newman abmurksen zu lassen.)

Das gekaperte Schiff wird rechtzeitig von den Amerikanern versenkt, alle Bösen sterben, nur der gute Funker schafft es, zu überleben. In der Folge geht World Security Pleite und eine Verbündeter Tweeds schafft es, Buckmaster mittels eines provozierten Autounfalls zu töten, wodurch der Regierung ein Skandal erspart bleibt. (Buckmasters Ehefrau, Buchhalter und sonstige Nebenstränge spare ich mir mal.)

Zu allem Überfluss ist die Auflösung, dass auf dem Schiff nur eine Attrappe war und Tweed in Absprache mit der Premierministerin das alles inszenierte, um den korrupten Minister zu entlarven. Hätte man Buckmaster nicht einfach feuern können? Dann wären ein paar Dutzend Unschuldige nicht gestorben.

War mir Agent Tweed am Anfang nur gleichgültig, so hasste ich ihn zum Schluss.


Kennt zufällig jemand weitere Werke der Reihe und kann mir erklären, was ich verpasst habe?
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