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Alt 04.01.2022, 10:05   #23569
Der Zerquetscher
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Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Ich mach's mal kurz. Sich ein bisschen lustig zu machen, finde ich völlig ok. Diese herablassende Art aber ist mir zuwider, und sie ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal des Herrn. Auf Youtube tummelt sich ein Haufen solcher Kritiker. Die haben auch die meisten Klicks. Leute wie Fanboyflicks, der respektvoller mit der jeweiligen Thematik umgeht (bspw. hat er auch die neue Star Wars-Trilogie auseinandergenommen, aber halt konstruktiv), haben signifikant weniger. Diese Kultur des Verreißens finde ich persönlich nicht nur unangenehm, weil sie wie eine selbstgefällige Lobhudelei von Negativität wirkt, sondern auch respektlos, anstrengend und billig. Ich selbst verreiße grundsätzlich keine Metalalben auf Bleeding4Metal. Mag ich nicht, finde ich toxisch. Und das schreibe ich als jemand, der die neuen Star Wars-Filme auch nicht sonderlich mag. Und ich bin, wie allenthalben bekannt ist, jemand, der das Marvel Cinematic Universe fast komplett ausblendet. Das sind für mich Fließbandproduktionen ohne Seele, ohne Respekt vor dem Zuschauer und ohne Fokus auf den eigenen Inhalt. Da geht's in meinen Augen wirklich nur noch um Kohle. Nichts hat Konsequenzen, es gibt immer wieder was Neues. Deswegen gucke ich die Filme nicht mehr. Jeder andere soll sie schauen, wenn er sie mag. Gönne ich denen. Ergo bin ich in Ansätzen sogar beim Critical Drinker. Aber heißt das wirklich, dass heutige Blockbuster grundsätzlich Müll sind? "Edge of Tomorrow" war ein guter Blockbuster. "Interstellar" war ein großartiger. Und früher gab es genauso Müll.

Aber wenn dir der Drinker gefällt, will ich's dir nicht madig machen. Ich brauche so jemanden nicht in meinem wie auch immer gearteten Leben. Ich bin - bei aller Kritik, die ich an Filmen oder sonstwas übe - lieber positiv.
Eine löbliche Sicht der Dinge. Und ich habe Dir nicht erst einmal gesagt, dass Du ein lieberer Kerl bist als ich.

Ich selbst kann in manchen Situationen nicht anders, als meine Meinung zu sagen. Die muss einfach raus. Komischerweise je älter ich werde, desto seltener in der Tagespolitik. Da werde ICH immer zurückhaltender und entspannter. Aber was Kunst angeht - die mich je älter ich werde als Gegenstand intellektueller Auseinandersetzung noch mehr interessiert als früher - definitiv.

"Edge of Tomorrow" und "Interstellar" fand ich beide top. Und beide repräsentieren genau den einen hochbudgetierten Film pro Jahr, der gut ist. Den gab es auch letztes und vorletztes Jahr. Siehe "Joker" und "Dune".

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Zitat von Señor Kabalo Beitrag anzeigen
Für mich ist ein Punkt, der leider auch ganz oft übersehen wird, dass sich auch einfach das Verlangen vom Mainstream/Kinogänger schlicht geändert hat über die Jahre. Und das ist auch etwas, was man alle paar Jahrzehnte bewundern kann. Die aktuelle Gesellschaft ist nun einmal höher/schneller/weiter. Dass dann eben genau jene Filme die Kinowelt beherrschen, ist mehr als nachvollziehbar. Wie Humppi schon sagte, die "Schuldfrage" muss man bei mehreren Leuten suchen und nicht nur bei den Studios.
Und mich selbst will ich da gar nicht von ausnehmen. Ich nehme mal das Beispielvideo vom Zerquetscher und setze statt des schlimmen Remakes das Soft Reboot von 2021 ein. Der Film nimmt sich, ähnlich wie sein Vorgänger aus den 80ern, die Zeit, die Charaktere und die Welt aufzubauen. Toll, oder? Nur bedingt, sage ich. Es ist ein bestehendes Franchise und die Leute wissen, was sie erwartet, wenn sie in den Film gehen. Ich benötige hier keinen längeren Aufbau (sogar länger als beim Original, wenn mich nicht alles täuscht), der vielleicht künstlerisch wertvoller ist, mich aber in Summe nur langweilt.
Die Frage ist eben die, was wir individuell vom heutigen Kino noch erwarten. Erwarten wir die höher/schneller/weiter Blockbuster und sehen über Logikfehler und faules Schreiben hinweg. Etwas, was meiner Meinung nach auch ganz viele alte Blockbuster hatten. Oder erwarten wir eine tolle Story mit noch tolleren Schauspielern? Beides wird bedient, man muss sich eben nur das richtige Kino aussuchen.
Natürlich soll jeder mit dem bedient werden, was er mag. Was könnte oder sollte ich auch dagegen tun? Nur muss ich einen dieser hirntoten Blockbuster deshalb nicht als so etwas wie eine ehrliche Kunstform akzeptieren. Das ist er nämlich nicht. Es ist wie mit Mario Barth. Wir leben zum Glück in einem freien Land und jeder soll nach seiner Facon selig werden. Nur schönreden muss und will ich das nicht, was da teilweise unter "Kunst" firmiert.

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Zitat von Akira Beitrag anzeigen
Das Kino befindet sich nunmal durch die ganzen Streamingportale schon im Wandel. Ist aber auch nicht zum ersten Mal so. In den 1960er haben Studios auch Unmengen an Produktionskosten für Filme in Kauf genommen und dadurch fast Bankrott gegangen. Wie 20th Century Fox (jetzt 20th Century Studios unter Disney) mit "Cleopatra". Damals war es das TV, dass die Studios dazu zwang. Heute sind es eben die Streamingdienste.
Außerdem ist eben alles teurer geworden. Auch in der Filmwelt, was vielleicht die höheren Produktionskosten erklärt. Allerdings sind auch die Kinokarten teurer geworden. Deshalb überlegt sich die breite Masse vermutlich schon, ob sie den Film im Kino als Erlebnis sehen möchten oder dann wenige Monate später zuhause im Stream.
Die Studios produzieren eben das, was die breite Masse sehen will und wenn Reihen wie Fast & Furios und das Marvel-Universe Milliarden wieder einspielen, wieso dann etwas daran ändern?
Anscheinend hat man eine Blaupause, die der breiten Masse gefällt. Mir nicht.
Dennocht gibt es abseits von dem nennenswerte Filme, die eben nicht die richtig großen Blockbuster sind, aber mehr als sehenswert.

Nobody mit Better Call Saul Darsteller Bob Odenkirk soll ein guter Actionfilm sein, Last Night in Soho ein solider Horrorfilm. Beides habe ich allerdings nicht gesehen, da Horror so ziemlich gar nicht mein Genre ist. Scream, welcher diesen Monat? in den Kinos startet, werde ich mir aber dennoch wohl irgendwann ansehen.
Minari und Nomadland sind ruhige und wunderbar erzählte Filme, die einen Blick wert sind.
Ghostbusters: Afterlife, Dune und The Suicide Squad sind zumindest solide Blockbuster-Filme, die mir letztes Jahr gefallen haben.
Another Round und Promising Young Woman sind Multi-Genre Filme, die eine sehr schwierige Problematik würdevoll und ohne Holzhammer darstellen und dabei sehr nachdenklich machen: Bei ersterem ist es die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, bei zweiterem der Umgang mit Frauen in der heutigen Zeit.
Palm Springs ist ein kleiner Geheimtipp und Zeitschleifen-Film, der nicht wie ein billiger Abklatsch vom allseits bekannten "Und täglich grüßt das Murmeltier" wirkt.
Das wären so meine Top-Filme aus dem letzten Jahr, vielleicht ist ja neben "The Father" noch die ein oder andere Empfehlung für dich dabei. Damit du das Kino von heute zumindest wieder ein wenig zuversichtlicher wahrnimmst.
Scheiße,... jedes Wort wahr, Akira.

Und danke für die Tipps.

"Suicide Squad" finde ich zwar unerträglich, aber der neue Ghostbusters soll nicht schlecht sein, habe ich auch gehört. Also gut, den checke ich demnächst an.

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Zitat von Kain Beitrag anzeigen
Ich kenne übrigens jemanden, der den Schmitt persönlich kennt und große Stücke auf ihn hält. Der beteiligt sich seit einer Weile an einem Podcast über Filme. Das ganze nennt sich Movie Rantner. Über die Qualität kann ich nichts sagen. Ich kenne ihn (Karim im Podcast) aus einem Forum. Wenn er sich da mit einem der anderen aus dem Podcast über Filme kabbelt ist mir das schon zu anstrengend. Da brauche ich mir das nicht in viel zu langen Podcasts (was auf alle Podcasts zutrifft ) antun. Sind aber grundsätzlich alles nette Gesellen. Die ich irgendwie fast alle kenne. Gibt es auch auf Youtube, falls jemand Interesse hat.
Gucke ich mal rein.
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