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Alt 04.01.2022, 09:38   #23566
Akira
Schädelbasisbruch
 
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Beiträge: 2.720
Zitat:
Zitat von Der Zerquetscher Beitrag anzeigen
Ich wiederum stimme dir zu 100% zu.

Es tut gut, das zu lesen. Ein Plädoyer für's heutige Kino - ohne den Multiplex-Käse.

Selbstverständlich gibt es im Arthouse-Bereich oder Independent-Bereich oder auch nur im Bereich des weniger aufwändigen Films tolle Sachen. Nicht durch Zufall war ich die vergangenen vier Jahre wesentlich öfter in Programmkinos als im Cinemaxx vor meiner Haustüre. Zum Beispiel in "Intrige" vom Polanski. Oder in dem genialen "Wind River". Also ja, ich gebe dir Recht, Akira. Aber vergleich mal die Kosten der Produktionen, von denen wir hier reden, mit denen der Filme, die (wenn auch zum Glück in abnehmendem Maße, aber immer noch) das meiste Geld generieren. Und dann müssten wir dasselbe vergleichen für das Jahr 2000. Diese Kluft, was die Produktionskosten angeht, der Unterschied in der Qualität des Mainstreamkinos ist heute so viel größer als früher. Und nur davon rede ich. Spreche ich. Der "Father" hört sich toll an. Die Kritiken sind verdammt gut. Ist eben auf meine Liste gewandert. Nur stehe ich sehr auf harte Action und brutalen Horror. Und da gibt es immer noch qualitative Filme. Aber nicht mehr in den großen Kinos. Fast nur noch direkt im Stream oder kleinbudgetiert direct-to-video. Ich finde heute meine persönlichen Filme des Jahres nicht mehr im Kino, sondern im Wohnzimmersessel. Und das war früher anders. Jedenfalls, wenn man ein gewisses Maß an Niveau und Qualität einfordert.
Das Kino befindet sich nunmal durch die ganzen Streamingportale schon im Wandel. Ist aber auch nicht zum ersten Mal so. In den 1960er haben Studios auch Unmengen an Produktionskosten für Filme in Kauf genommen und dadurch fast Bankrott gegangen. Wie 20th Century Fox (jetzt 20th Century Studios unter Disney) mit "Cleopatra". Damals war es das TV, dass die Studios dazu zwang. Heute sind es eben die Streamingdienste.
Außerdem ist eben alles teurer geworden. Auch in der Filmwelt, was vielleicht die höheren Produktionskosten erklärt. Allerdings sind auch die Kinokarten teurer geworden. Deshalb überlegt sich die breite Masse vermutlich schon, ob sie den Film im Kino als Erlebnis sehen möchten oder dann wenige Monate später zuhause im Stream.
Die Studios produzieren eben das, was die breite Masse sehen will und wenn Reihen wie Fast & Furios und das Marvel-Universe Milliarden wieder einspielen, wieso dann etwas daran ändern?
Anscheinend hat man eine Blaupause, die der breiten Masse gefällt. Mir nicht.
Dennocht gibt es abseits von dem nennenswerte Filme, die eben nicht die richtig großen Blockbuster sind, aber mehr als sehenswert.

Nobody mit Better Call Saul Darsteller Bob Odenkirk soll ein guter Actionfilm sein, Last Night in Soho ein solider Horrorfilm. Beides habe ich allerdings nicht gesehen, da Horror so ziemlich gar nicht mein Genre ist. Scream, welcher diesen Monat? in den Kinos startet, werde ich mir aber dennoch wohl irgendwann ansehen.
Minari und Nomadland sind ruhige und wunderbar erzählte Filme, die einen Blick wert sind.
Ghostbusters: Afterlife, Dune und The Suicide Squad sind zumindest solide Blockbuster-Filme, die mir letztes Jahr gefallen haben.
Another Round und Promising Young Woman sind Multi-Genre Filme, die eine sehr schwierige Problematik würdevoll und ohne Holzhammer darstellen und dabei sehr nachdenklich machen: Bei ersterem ist es die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, bei zweiterem der Umgang mit Frauen in der heutigen Zeit.
Palm Springs ist ein kleiner Geheimtipp und Zeitschleifen-Film, der nicht wie ein billiger Abklatsch vom allseits bekannten "Und täglich grüßt das Murmeltier" wirkt.
Das wären so meine Top-Filme aus dem letzten Jahr, vielleicht ist ja neben "The Father" noch die ein oder andere Empfehlung für dich dabei. Damit du das Kino von heute zumindest wieder ein wenig zuversichtlicher wahrnimmst.
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