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Alt 04.01.2022, 06:50   #23563
Der Zerquetscher
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Zitat von Akira Beitrag anzeigen
Ich würde dir gern zustimmen, kann es aber nur teilweise.
Das Kino von heute ist anders, aber nicht unbedingt schlechter. Man muss nur etwas mehr suchen. Will ich den zwanzigsten Marvel-Film von Disney sehen, der fast immer nach gleichem Schema verläuft? Oder schaue ich etwas an, was ein wenig von der Norm abweicht. Wie 2019 "Parasyte". Solche Filme sind natürlich nicht überall zu sehen und auch nicht so lange im Programm wie der Hollywood Blockbuster. Aber es gibt sie.
Will ich mich mit vorallem visuellen Effekten zuballern oder eben visuell auf eine Reise mitgenommen werden (wie bei mir zuletzt in "Nomadland") liegt am Zuschauer. Leider sind die erfolgreichsten Filme leider fast ausschliesslich seelenlose Massenware ohne gutem Drehbuch.
Deshalb muss man vielleicht abseits von den Mainstream Blockbustern nach Filmen sehen. Ich bin jetzt auch kein Fan von Filmfesten, aber villeicht wirst du da glücklich und findest den ein oder anderen Film für dich.
Ansonsten bin ich mir sicher, dass man in der über 100 jährigen Filmgeschichte noch genug Filme findet, die sehenswert sind und einen begeistern können.
Und genauso sicher bin ich mir, dass es so einen Film auch 2021 gab. Das war für mich "The Father" und "Promising Young Woman". Keine namhaften Blockbuster, dafür aber mit namhaften Schauspielern, gut geschrieben und wirklich sehenswert.
Und auch 2022 wird es so einen Film geben. Hoffentlich.
Ich wiederum stimme dir zu 100% zu.

Es tut gut, das zu lesen. Ein Plädoyer für's heutige Kino - ohne den Multiplex-Käse.

Selbstverständlich gibt es im Arthouse-Bereich oder Independent-Bereich oder auch nur im Bereich des weniger aufwändigen Films tolle Sachen. Nicht durch Zufall war ich die vergangenen vier Jahre wesentlich öfter in Programmkinos als im Cinemaxx vor meiner Haustüre. Zum Beispiel in "Intrige" vom Polanski. Oder in dem genialen "Wind River". Also ja, ich gebe dir Recht, Akira. Aber vergleich mal die Kosten der Produktionen, von denen wir hier reden, mit denen der Filme, die (wenn auch zum Glück in abnehmendem Maße, aber immer noch) das meiste Geld generieren. Und dann müssten wir dasselbe vergleichen für das Jahr 2000. Diese Kluft, was die Produktionskosten angeht, der Unterschied in der Qualität des Mainstreamkinos ist heute so viel größer als früher. Und nur davon rede ich. Spreche ich. Der "Father" hört sich toll an. Die Kritiken sind verdammt gut. Ist eben auf meine Liste gewandert. Nur stehe ich sehr auf harte Action und brutalen Horror. Und da gibt es immer noch qualitative Filme. Aber nicht mehr in den großen Kinos. Fast nur noch direkt im Stream oder kleinbudgetiert direct-to-video. Ich finde heute meine persönlichen Filme des Jahres nicht mehr im Kino, sondern im Wohnzimmersessel. Und das war früher anders. Jedenfalls, wenn man ein gewisses Maß an Niveau und Qualität einfordert.

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Zitat von Humppathetic Beitrag anzeigen
Puh, also nee. Dieser Critical Drinker macht eigentlich nichts anderes als andere Youtube-Kritiker. Das ist alles in meinen Augen auf einem sehr oberflächlichen Niveau und ziemlich selbstgefällig. Man könnte jetzt auch darüber diskutieren: Waren Filme früher wirklich grundsätzlich besser? Oder wird das heutige Kino nur so vom Marvel Cinematic Universe, Star Wars und anderen Blockbuster-"Serien" dominiert, dass die vielen guten Filme einfach von deren Licht überschien werden? Und wer ist am Ende schuld an den Blockbustern von heute, die vielleicht nicht die Cleverness von früher haben? Das Publikum? Die Autoren? Die Studios? Ich glaube, dass die Problematik doch tiefer versteckt ist, als jemand in einem 14-minütigen Video behaupten will. Und den Vergleich zwischen B-Movie von vor 30 Jahren und Blockbuster von heute finde ich gar nicht mal so intelligent, sondern undurchdacht, willkürlich und auf verschiedenen Ebenen problematisch. Ist aber auf jeden Fall eine längere Diskussion, in der auf verschiedene Aspekte eingegangen wird, wert.

"The Father" war ganz große Klasse und endlich mal ein solcher Film, der aus der richtigen und weitaus interessanteren Perspektive erzählt ist.
Der Critical Drinker macht eigentlich nichts anderes als das, was jeder Kabarettist macht. Er macht sich in herablassender Weise über das Objekt seiner Kritik lustig. Magst Du Kabarett, Humppi? Ich meine nicht. Und deshalb akzeptiere ich Deine Sicht und finde sie sogar ehrenwert. Ich selbst mag Kabarett überhaupt nicht. Egal, ob es ein Volker Pispers war oder ob es ein Dieter Nuhr ist. Weil das Feld der Politik zu komplex ist, als dass man sich da als unbeteiligter Besserwisser einseitig und unter dem Weglassen der Hälfte aller notwendigen Information so im Vorbeigehen darüber lustig machen könnte oder die verantwortlichen Politiker so von oben herab abkanzeln dürfte. Nur ist der Bereich der filmischen Großproduktionen ungleich simpler und überschaubarer. Viel mehr noch als in der Politik geht es hier nur um's Geschäft. Das war wahrscheinlich immer schon so. Aber nicht in diesem krankhaften Maß wie heute. In einer Zeit, in der ein Studio wie Disney die Kinos zwingt, eine bestimmte Anzahl an Sälen für ihre Filme für eine zuvor festgelegte Zeit zu reservieren. Und zwar egal wie der Film läuft. Damit man das Risiko, einen Flop zu landen, abwälzen kann auf die Kinos. Und sind die Kinos mit solch einer Geschäftspolitik nicht einverstanden, wird der Film nicht an das jeweilige Kino bzw. die jeweilige Kette verliehen. Was das noch mit fairem Wettbewerb der Kunst zu tun haben soll, muss mir mal einer erklären. Solch ein Betragen ist symptomatisch für die Zeit, in der wir leben. Die Zeit der Großkonzerne und Global Players, die das Spiel (mehr noch als in der Politik) bestimmen. Und das Spiel heißt in dem Fall mit Sicherheit nicht, große Kunst zu schaffen. Todsicher nicht. Sondern so viel wie möglich Geld zu machen. Koste es, was es wolle.

Wenn Dir der Vergleich zwischen "Tremors" und "Star Wars IX" zu konstruiert ist (was ich akzeptiere!), wie wäre es mit dem Vergleich zwischen den alten Ghostbusters und dem Schrott mit der Melissa McCarthy?! Hier wählt der Drinker die gleiche Szene (Das Vorstellen des Protonenbeschleunigers) aus (den zwei Filmen aus), anhand der er aufzeigt, wie fahrig heute Mainstreamfilme mit ihren Schlüsselszenen umgehen. Feinfühliges, cleveres Erzählen - Bullshit. Mit der Torte in die Fresse. Oder dem Plakat.

Aber Du hast Recht, Daniel. Eine lohnenswerte Diskussion, bei der ich hoffentlich noch ein paar Filmtipps, wie den "Father", ergattere.

Geändert von Der Zerquetscher (04.01.2022 um 07:22 Uhr).
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