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Alt 16.05.2022, 05:00   #23919
Der Zerquetscher
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Everything Everywhere All at Once

Für Evelyn (Michelle Yeoh), die als junge Frau von China in die USA ausgewandert ist, könnte es kaum schlechter laufen. Die Steuerbehörde droht ihren Waschsalon zu pfänden, ihr Vater ist zu besuch und soll nicht erfahren das seine Enkelin lesbisch ist, was auch der Grund ist warum sie mit ihrer Tochter stress hat und das ihr Ehemann schon die Scheidungspapiere in der Tasche hat weiß sie noch gar nicht.
Auf dem Weg zur Steuerbehörde erfährt sie dann aber das es ein Multiversum gibt das in Gefahr ist und sie helfen soll diese Gefahr abzuwehren. Anfangs ist sie mehr als skeptisch, muss aber schnell erkennen wie ernst die Lage ist.

Dan Kwan und Daniel Scheinert haben schon mit "Swiss Army Man" gezeigt das sie ebenso abgedrehte wie auch herzliche Filme drehen können. Mit "Everything Everywhere All at Once" ist ein ähnlich abgedrehter Film entstanden. Allein schon wie man die Reisen zwischen den Universen "startet" ist ziemlich bekloppt und deswegen immer wieder interessant. Besonders eine Aktion wird in Erinnerung bleiben. Die Universen selbst fühlen sich fast wie ein Film im Film an. Alle haben ihren eigenen Styl und Ton. Mal ist es ein Martial-Arts-Film, mal ein Drama, mal eher eine Comedy und mal sieht man auch nur 2 leblosen Objekten zu. Das interessante ist dabei, das man es immer aus der Sicht von Evelyn sieht, die so erfährt wie ihr Leben verlaufen wäre hätte sie sich an bestimmten Punkten anders entschieden. Dadurch kommt man selbst ein wenig ins Grübeln, weil so gut wie alle sich schon mal die Frage "was wäre gewesen wenn?" gestellt haben.
Das man am Ende aber nicht komplett deprimiert aus dem Kino kommt weil man seine Entscheidungen bereut liegt nicht zuletzt an dem grandiosen Cast. Evelyn ist jedem Universum eine etwas andere Person und auch im "Hauptuniversum" wandelts sie sich von der überforderten Ehefrau/Mutter hin zur Heldin die das Multiversum retten muss. Diese Rolle spielt Michelle Yeoh stehts überzeugend und lässt die Figur sehr liebenswert erscheinen der man einfach die Daumen drückt. Ke Huy Quan spielt den etwas tollpatschigen, aber stehts optimistischen Ehemann sehr gut und schafft es auch das die Figur nicht zu positiv rüberkommt. Stephanie Hsu als genervter Teenager, deren Rolle sich dann doch anders Entwickelte als man zunächst dachte, muss sich vor den anderen beiden auch nicht verstecken.
Die Konflikte der Familie werden in erster Linie gezeigt. Es wird nix zu Tode erklärt oder über dramatisiert. In jeder Familie wird es mal Streit geben und viele werden sich in der ein oder anderen Situation sicherlich wieder finden. Auch das Thema Multiversum wird nicht zu stark vertieft. Es wird gesagt das es welche gibt, das Reisen dazwischen möglich sind und was man dafür machen muss. Es gibt aber keine Erklärung mit irgendwelchen Begriffen die wissenschaftlich klingen sollen und die wahrscheinlich eh die meisten nicht raffen. Was eine nette Abwechslung ist.

Alles in allem bekommt man mit "Everything Everywhere All at Once" einen abgedrehten und kreativen Film, mit einem tollen Cast, der einen zum Nachdenken anregt und einem mit einem positiven Gefühl den Kinosaal verlassen lässt.

9,5/10
Klingt ziemlich abgedreht. Und verdammt interessant.
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