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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

7. März 1940: Wrestler fortan unter Beobachtung
WRESTLER FORTAN UNTER BEOBACHTUNG
erschienen in: The Seattle Sunday Times
Erscheinungsdatum: 07. März 1940

Nachdem LaVerne Baxter, ein “bösartiger” Wrestler, zugab das die tumultartigen Szenen, welche den Tod von Ringrichter John Stevens zur Folge hatten, größtenteils abgesprochen waren und er nicht in einem wahren Wutanfall handelte, forderte George Adams, ein Verantwortlicher der State Athletic Commission, in seiner Zeugenaussage, dass es vom Gericht keine harte Strafe geben sollte, denn sonst würden solche fälle in Zukunft des öfteren vor Gericht landen.

Baxter gab zu Stevens am Freitag im Civic Auditorium gestoßen und getreten zu haben, doch er erklärte eindeutig das diese Tritte den Ringrichter niemals verletzen konnten.

Richter Otto Mittelstadt und die Jury hat sich die letzten beiden Tage bereits vieles angehört. Adams der neue Richtlinien fürs Wrestling ankündigte und unter anderem die Aussage von August Sepp. Der Promoter versicherte, dass er Stevens angewiesen hatte sich nicht in dieses Theater am Ende des Matches einzumischen.

Ebenfalls wurde bekannt, dass Stevens am Abend seines Todes zwei Kämpfe leiten sollte und insgesamt 3 US-Dollar dafür erhalten sollte.
Baxter, ein großer, 110 kg schwerer Farmer aus Monroe, hatte ein schwarzes T-Shirt, darüber ein graues Jacket und hohe schwarze Cowboystiefel an, als er zum Zeugenstand schritt um sich dort den Fragen von Richter Mittelstadt und Staatsanwalt B. Gray Warner zu stellen.

"Vor einigen Wochen bat mich Stevens in hart anzugehen nach dem Match. Er wollte das er für die Menschen in der Halle gut aussieht,“ bezeugte Baxter. "Er wollte das ich ihn an den Haaren packe und ihn durch den Ring schleife."

"Haben sie es getan?" fragte ihn Richter Mittelstadt.

"Ich tat es! Ich packte ihn an den Haaren und zog ihn durch den Ring bis er unter eigener Mithilfe aus dem Ring fiel. Am vergangenen Freitag forderte er dann von mir, dass ich ihn in die 2. Reihe des Publikums werfen sollte. Ich fand diese Aktion nicht gut. Der Ringrichter sollte gleich nach dem Kampf aus dem Ring verschwinden. Ich sagte ihm, dass ich es nicht tun würde."

Baxter sagte er habe gedacht, dass der Pinfall gegen ihn am Freitag nicht zählte und wollte das Match gegen John Katan deswegen fortsetzen. “Katans Sekundant kam daraufhin in den Ring,“ sagte der Zeuge. "Mir war klar, dass es nun zum Handgemenge kommen würde und die Brille des Sekundanten flog zur Seite. Wir standen alle im Ring. Stevens erhielt einen Schubser. Daraufhin rollte er sich unter dem Seil hindurch. Ich trat ihn noch zweimal, weil ich dachte es würde alles besser aussehen lassen und so könnte man ein Rückmatch besser anheizen, schließlich war ich ja mit der Entscheidung nicht einverstanden. Diese Tritte konnten ihn aber keinesfalls verletzen. Ich hatte ja gar nichts gegen diesen Mann. Diese Tritte hätten überhaupt nichts zerstört."

Baxter erklärte Warner das er überhaupt nicht erzürnt gewesen wäre über diese Niederlage. Er hätte niemals die Absicht gehabt Stevens zu verletzen oder ihm weh zu tun. Baxter sagte das Stevens gefordert hatte ihn so hart anzugehen. Er wollte vor dem Publikum als Held dastehen, wenn ihn der Bösewicht verprügelt.

"Sind diese Raufereien nach Matches üblich?" fragte ihn Staatsanwalt Warner.

"Sie sind normal." Antwortete Baxter. "Wenn du nicht brutal bist und die Leute nicht zufrieden nach Hause schickst, dann ist die Show niemals gut genug."

Trotzdem, sagte Baxter, sind Angriffe auf Ringrichter gegen die Anweisungen der State Commission und gegen die von Promoter Sepp.

Adams sagte die Untersuchung habe ihm endlich Einblicke in viele Details des Wrestlings gegeben. Er habe viel über Dinge gelernt, welche die State Commission schon lange gestört hätten. Die Kommission drohte zwar anfangs damit Wrestling zu verbieten, doch sie hätten in dieser Untersuchung gelernt, dass die Öffentlichkeit solche Szenarien sehen will. "Es kam uns nie in den Sinn, dass der Gesundheitszustand von Ringrichtern überprüft werden sollte. Wir dachten das unsere Bestimmungen ausreichen würden.“ sagte Adams.

"Dieser Fall brachte uns aber auf einen neuen Standpunkt. Ringrichter müssen sich in der Zukunft ebenfalls ärztlich untersuchen lassen. Dennoch wird es harte Strafe für Wrestler geben die Ringrichter attackieren. Das mag aus Sicht des Wrestling eine traurige Sache sein, aber ich denke in Zukunft werden wir davon profitieren."

Eine der letzten im Zeugenstand war Helen Mildred Baxter, die Ehefrau des Wrestlers. Frau Baxter sagte sie hätte die Attacke gegen Stevens nicht gesehen, aber sie hätte einen Zuschauer gesehen der eine Whiskeyflasche werfen wollte und zwar auf ihren Ehemann. Sie versicherte das ihr Mann den Bösewicht nur spielt, weil er damit mehr Geld verdienen kann. Sie versicherte, dass seine Brutalität nicht ernst war und alles eben zur Show gehören würde.

Der gestrige zweite Tag der Anhörung endete mit der Aussage von Sepp. Dieser erklärte, dass Stevens sich nicht an die Absprachen gehalten hätte und sich in das Handgemenge eingemischt hatte.

Sepp versicherte: "Ich würde nicht sagen das alle Kämpfe abgesprochen sind." Der Promoter fügte hinzu das die Wrestler die Zustimmung von Ted Thye, ein Promoter aus Oregon, brauchen, bevor sie in Seattle in den Ring steigen können. Der Ausgang der Matches sei nur deshalb schon oft vorher klar, weil ein guter Wrestler gegen einen schwächeren Gegner antreten würde.

Die Beisetzung des Ringrichters wird morgen um 11 Uhr stattfinden und von Pater Homer L. Wielm durchgeführt. Er hinterlässt drei Töchter, Virginia Hamilton, Jeanne und Mary Ellen Stevens.

Anmerkung: Die Folgen dieses Falls waren weitgehend. So wurde Wrestling für 5 Jahre aus allen öffentlichen Gebäuden in Seattle verbannt. Dies rückte den Sport während des 2. Weltkrieges in ein Schattendasein in Seattle und war eine der längsten Sperren welche der Wrestlingsport je einstecken musste. Erst als der Abgeordnete Al Rochester sich für das Wrestling einsetzte wurde die Verbannung im Frühjahr 1945 wieder aufgehoben.
 
 
 
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