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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

6. März 1940: Prozess im Fall Stevens läuft
Prozess im Fall Stevens läuft
erschienen in: The Seattle Sunday Times
Erscheinungsdatum: 06. März 1940

Chief Little Wolf Tenario, ein 28-jähriger Profiwrestler, unterbrach heute die gerichtliche Untersuchung des Todes des Ringrichters John Stevens. Er erklärte er hätte seine Blumenkohlohren nicht vom telefonieren bekommen, deshalb wäre er persönlich hier. Er entblößte sogar seinen Oberkörper und lies sich von einem Beobachter der Untersuchung in den Magen schlagen. Tenaro's Auftritt im Zeugenstand war die Folge der gestrigen Aussage, dass abgesprochene Handgreiflichkeiten zwischen Wrestlern und Ringrichtern nach einer Anweisung der State Athletic Commission verboten wären.

Tenaro, seinerseits ein sehr bekannter Wrestler in Seatlle, setzte das Highlight der heutigen Verhandlung als in Untersuchungsrichter Otto H. Mittelstadt aufforderte, der Jury zu zeigen, wie gut ein Wrestler durchtrainiert sein muss. Er lächelte, entschuldigte sich bei den Damen im Raum und zog sein Jacket, sein Hemd und sein Unterhemd aus. "Sie denken nicht das man stark sein müsste für diese Business?“, fragte Tenaro und zeigte seinen Bizeps und seinen Waschbrettbauch. “Komm hier hoch und schlagt mir in den Magen. Schlag zu so hart zu, wie du nur kannst. Los!“
Harry Pittson, ein Wrestlingfan, kam nach vorne. Pittson schlug mit voller Wucht in Tenaros Magen. Dieser lächelte ihn nur an, gab ihm die Hand und zog sich wieder an.

Weitaus ernster war die Aussage von Tenaro, dass die State Athletic Commission Stevens niemals hätte in den Ring lassen dürfen, wenn er ein schwaches Herz gehabt hat. Stevens starb vergangenen Freitag in seiner Umkleidekabine des Civic Auditorium, nachdem es im Ring zu einem Handgemenge kam, als Stevens John Katan zum Sieger erklärt hatte.

"Niemand anderer ist schuld, nur die State Athletic Commission," sagte Tenaro. "Sie hätten ihn niemals in den Ring steigen lassen."
Auf Nachfragen von Richter Mittelstadt und Staatsanwalt B. Gray Warner gab Tenaro zu, dass Wrestling abgesprochen sei, jedoch wären die Matches nicht komplett gefaked. "Ich habe alle Sportarten betrieben," sagte er im Zeugenstand. "Sie nennen es abgesprochen. Ich nenne es ein farbenfrohes Spektakel. Jeder will gewinnen und wenn ein Wrestler nicht fit ist, verdient er auch kein Geld."

Der Richter fragte ihn, ob es vor dem Match absprachen gäbe, welcher Wrestler denn nun der Sieger wäre. "Nie!!!" war die entrüstete Antwort. “Ich schlage jedem ins Gesicht der das behauptet. Jeder denkt wir wären Dumpfbacken. Sie sind alle hochklassige Männer. Viele von ihnen waren auf dem College. Alle haben ein zu Hause und eine Familie. Mich kennt man auf der ganzen Welt und dafür schulde ich niemandem etwas, außer meinen Kollegen."

Tenaro sagte, dass diese Häuser der wahre Lohn der Wrestler wären. Die Zuhörer im Gerichtssaal lachten als Tenaro erklärte, dass er auch schon für Peanuts gekämpft hätte. Aber in New York City lies er sich schon einmal 5000 Dollar für einen Kampf bezahlen. Tenaro erklärte, dass ihn dennoch niemand kontrollieren würde. Einige Promoter wären mit seltsamen Ideen auf ihn zugekommen, doch er hätte sie einfach stehen lassen. “Jeder der denkt, beim Wrestling wäre alles Show hat keine Ahnung. Wrestling ist ein verdammt ernstes Geschäft.” Sagte Tenaro.

Erste Zeugin in der Vormittagssitzung der Verhandlung war Mrs. Jack L. Zander. Sie erklärte, dass sie das Match am Freitag gesehen habe, sie wäre zum zweiten Mal beim Wrestling gewesen. Sie bestand darauf, dass LaVerne Baxter (einer der Wrestler des Matches am Freitag) keine Rolle spielte als er Stevens aus dem Ring warf. "Ich stand auf meinem Stuhl und brüllte das er ihn umbringen wollte, weil ich erkannte, dass der Ringrichter ohnmächtig war,” verriet Mrs. Zander. “Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein man bei solch brutalen Tritten unverletzt hätte bleiben sollen.“

Auf die Nachfrage ob das Handgemenge zur Show gehört habe meinte sie: “Das war keine Show. Baxter war so wütend. Er verlor die Kontrolle über sich.”
Völlig anders beschrieb Everett Mathews, ein anderer Zuschauer, die Szene. Mathews, der ein langjähriger Wrestlingfan ist, behauptete das die Attacke gegen Stevens zu Show gehört habe. Er habe nicht gesehen, wie Baxter ihn wirklich getreten habe.

Gordon Hopkins, der Radiokommentator der den Kampf im Radio kommentierte, versicherte das Stevens im Ring nichts mehr zu suchen hatte, nachdem er Katan zum Sieger ernannt hatte. Stevens sei an einer selbstverschuldeten Fahrlässigkeit gestorben. Baxters Attacke wäre nicht bösartig gewesen und hätte zur Show gehört.

W.C.B. Fisher, ein Zuschauer der seit 15 Jahren Wrestlingveranstaltungen besucht war der nächste Zeuge. Er glaubte nicht das Baxter ernsthaft sauer auf Stevens war als er diesen attackierte.

Der Polizist James Lawrence sagte die Polizei wäre in ihren Ermittlungen auf dem Stand, dass Stevens eines natürlichen Todes gestorben wäre.
Andere Worte gab es am gestrigen Abend als Harvey Donaldson, ein Manager, und John Katan, ein Wrestler verhört wurden. Donaldson sagte ganz offen, dass Wrestling abgesprochen wäre und das Brüllen und Schreien der Wrestler gestellt wäre. Katan hingegen erklärte, dass es keine Absprachen gegeben hätte. Ein Tumult oder auch ein Sieger des Matches wären nicht abgesprochen gewesen.

Gestern gab es auch die aussage des Gerichtsmediziners Dr. Gale Wilson und des Pathologen Dr. Alfred L. Bailie. Beide sagten aus, dass Stevens an einem Herzinfarkt gestorben wäre und nicht durch Tritte durch eine andere Person.

Obwohl Katan die Fragen über die Hintergründe des Wrestlings sehr zurückhaltend beantwortete, erklärte er das zum Beispiel Ted Thye, ein Promoter aus Portland, seine Shows im Nordwesten der USA vorher komplett absprechen würde.

Typischerweise verwendete Donaldson den Begriff Bühne, anstatt Wrestlingring. Er gab zu das Wrestling für die Fans wäre und kein wirklicher Wettkampf. Donaldson, selbst einmal Federgewichtschampion als Ringer, sagte er habe einen Fan daran gehindert eine Flasche Whiskey in den Ring zu werfen, als es nach dem Kampf zu den tumultartigen Szenen kam. Er habe dem gesagt: “Nicht aufregen. Es ist alles nur Show.”

Staatsanwalt Warner fragte Donaldson ob solche Attacken gegen einen Ringrichter nach den Kämpfen abgesprochen wären. “Für gewöhnlich machen wir das so. Wir haben zwar das Verbot der Kommission, aber wir machen es für unsere Showzwecke.“
 
 
 
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