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Eine Schippe Geschichte

In dieser von verschiedenen Mitarbeitern übersetzten Reihe kann man in erster Linie ungeordnete Artikeln aus den WAWLI Papers finden. Die Reihe "Wrestling As We Liked It" stammt aus der Feder von J. Michael Kenyon, seines Zeichens einer der Wrestlinghistoriker mit der größten Fülle an Wissen. Die WAWLI Papers sind eine per e-Mail verschickte Onlinepublikation, mit der versucht werden sollte, bei den Wrestlingfans Interesse an einer Ära ihres Sports zu wecken, die schon lange zurückliegt und deshalb kaum noch Beachtung findet. Hier könnt ihr die 42 bisherigen Ausgaben unserer "Schippe Geschichte" nachlesen.
Kapitel

2. Dezember 1947: Spontanes Kurzinterview mit Ed "Strangler" Lewis
Spontanes Kurzinterview mit Ed Lewis

Autor: Jimmy Burns
Erschienen in: Miami Herald
Erscheinungsdatum: 2. Dezember 1947

Als ich über den Säulengang vom Columbus zum McAllister Hotel trottete, stieß ich beinahe mit einem riesigen Kerl zusammen. Ich entschuldigte mich natürlich, denn der Typ sah aus wie Ed (Strangler) Lewis. Es war tatsächlich Lewis, und wir blieben kurz zu einem Plausch stehen.

„Wie alt sind Sie?“ fragte ich, weil ich über dieses Thema erst vor kurzem mit dem Wrestlingpromoter Pat Malone gestritten hatte.

„Ich wurde 1890 geboren“, antwortete Lewis schroff und gab mir damit zu verstehen, daß das keine höfliche Frage war. „Somit bin ich 57 Jahre alt.“

Sein Verhalten schien anzudeuten: ‚Und? Willst du mir einen Strick draus drehen?’

Sicher nicht einem Mann, der 125 Kilo wiegt, und der heute Abend im Coliseum gegen einen weiteren menschlichen Giganten, Primo Carnera, in den Ring steigen wird.

Lewis sieht nicht aus wie 57, und jeder, der noch halbwegs bei Sinnen ist, würde eher einen Eisbären herausfordern als Ed Lewis.

Lewis wrestlet seit 42 Jahren, er hat 6200 Matches bestritten, und sein Flug von Kalifornien hierher war seine 253. Überquerung des Kontinents in der Luft. Er mag Flugzeuge – und warum nicht?

Flugreisen haben es ermöglicht, daß Wrestler jetzt sechs Tage die Woche arbeiten können, anstatt nur drei, wie in den Tagen der Pferdekutschen. Lewis behauptet von sich selbst, der bestverdienendste Einzelsportler aller Zeiten zu sein.

„Ich habe 15 Millionen Dollar verdient“, sagte Lewis, „während Jack Dempsey nur 11 Millionen gemacht hat.“

(In Frank G. Menkes „New Encyclopedia of Sports“ steht, daß Dempsey während seiner Zeit als Boxer und Referee nur 5.063.079,- Dollar verdient hat, aber wer bin ich schon, daß ich die Worte eines 125 Kilo-Lackels in Frage stelle, der sich auf schraubstockartige Headlocks spezialisiert hat!)

Lewis verachtet moderne Wrestler und ist ein wenig gekränkt, daß die Fans von heute konservatives, technisches Wrestling nicht mehr schätzen.

Lewis Regeln für eine gute Gesundheit sind einfach. Er ißt gutes Essen und schläft sechs bis acht Stunden in der Nacht. Außerdem praktiziert er regelmäßig körperliches und mentales Training.

„Training bringt überhaupt nichts, wenn du es nicht ordentlich machst“, erklärt Lewis. „Ordentliches Gehen ist eine gute Übung, genauso wie ordentliches Atmen.“

Und dann durchbohrte er mich mit einem unheilvollen Blick. „Wußten Sie, daß nicht eine von 100.000 Personen korrekt atmet?“

Er demonstrierte, was er meinte – er blähte seine riesige Brust auf und atmete dann aus. Für einen Augenblick wackelten die Wände des Ganges wie bei einem Erdbeben.

„Tief Atmen reinigt das Blut“, erklärte er.

„Was machen Sie für Ihre Gesundheit?“ wollte er dann wissen.

„Golfspielen“, antwortete ich verängstigt.

„Golf!“ schnaubte er. „Das ist ein Spiel für Waschlappen.“

Nun, ich werde weiterspielen, solange Bert Berry die 100er-Marke nicht brechen kann, und solange sein Wetteinsatz steht.

Lewis ärgerte sich dann über die Andeutung, daß er pro Mahlzeit wohl ein Viertelpfund Rindfleisch essen müsse.

„Nein“, antwortete er. „Meine Frau wiegt nur 55 Kilogramm, aber sie ißt dennoch genausoviel wie ich. Ich bevorzuge Gemüse und Obst. Keine stärkehaltigen Nahrungsmittel.“

Also, wenn Sie einen aktiven und gut erhaltenen 57-jährigen sehen wollen, dann schauen Sie heute Abend ins Coliseum. Und vergessen Sie nicht, währenddessen immer tief durchzuatmen.
 
 
 
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