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Mexiko: Chris Jericho über seine Zeit in Mexiko

Wer unsere Meldung zu den ersten Reaktionen auf den Tod von CMLL-Eigentümer Paco Alonso gelesen hat, der wird bereits wissen, dass Chris Jericho von all denjenigen, sie sich äußerten, am emotionalsten reagiert hatte. Bei Instagram hatte er Alonsos Tod in einem Video beweint. In seinem Podcast "Talk is Jericho" hat sich der Kanadier nun eine Stunde lang Zeit genommen, um zu erläutern, wieso ihn Alonsos Tod so stark getroffen hat. Dies tat er, indem er seine Zeit in Mexiko ausführlich rekapitulierte. Wer sich das Ganze anhören möchte, kann dies hier tun.

Demnach kam Jericho zu Beginn der neunziger Jahre erstmals nach Mexiko, um im Nordosten des Landes für Carlos Elizondo bei dessen Shows in Monterrey zu arbeiten. Der Promoter führte eine Umfrage durch, ob Jericho in Zukunft "Lion Heart", "Chris Powre" (tatsächlich in dieser Schreibweise) oder "He-Man" (Elizondos Favorit) heißen sollte. Zu Jerichos Glück votierten die Fans für "Lion Heart", woraufhin er unter Begleitung von Mariachi-Musik in einem Konfettiregen erstmals mit diesem Namen präsentiert wurde. Am Ende hatten 14 Fans für "Chris Powre" gestimmt", 65 für "He-Man" und 67 für "Lion Heart" - es fehlte damals also nicht viel, und Jericho wäre mit der Kraft von Grayskull ausgestattet und zum Beschützer von Eternia gemacht worden.

Im Dezember 1992 sollte der damalige CMLL World Heavyweight Champion Black Magic (Norman Smiley) bei einem Gastspiel in Monterrey gegen Vampiro siegen. Vampiro erklärte jedoch, er sei verletzt (Jericho deutete an, dass Vampiro einfach nicht in den Ring steigen wollte), woraufhin Elizondo entschied, Lion Heart als Vampiros Vertreter gegen Black Magic einzusetzen. Auf diese Weise kam Jericho vollkommen überraschend zu einem Shot auf den CMLL World Heavyweight Title (und zu einer Bezahlung von 1.000 Dollar für ein einziges Match). Die Videoaufzeichnung eben jenes Kampfes bekam kurz darauf Paco Alonso zu sehen. Wenige Wochen später befand sich Jericho wieder in Caligary, wo er eines Tages einen Anruf von einem Spielzeugmacher bekam, den er in Monterrey ein einziges Mal getroffen hatte, wo dieser Actionfiguren von Wrestlern herstellte. Paco Alonso kannte den Spielzeugmacher, da er auch Figuren von CMLL-Wrestlern angefertigt hatte, und so hatte er ihn darum gebeten, Kontakt zu Jericho herzustellen. Da Elizondo nichts davon erfahren sollte, wurde offenbar diese Zwischenlösung gewählt.

Jericho flog anschließend nach Monterrey und wurde dann von dem Spielzeugmacher in dessen Auto 1.000 Kilometer weiter nach Süden zur Arena México gebracht. Dort war Jericho zunächst vom schieren Anblick des Terminplans des Consejo überwältigt, da die Wrestler allein an jedem Sonntag auf 200 Shows verteilt wurden. Anschließend begrüßte ihn Alonso in perfektem Englisch, was Jericho in Mexiko bis dahin auch noch nicht erlebt hatte. Der CMLL-Chef erklärte ihm ohne große Umschweife, dass er ihn gerne in der Arena México sehen würde. Er solle noch die drei zuvor bereits vereinbarten Wochen für Elizondo abarbeiten, sich dann ein bißchen ausruhen und anschließend herkommen, sobald er sich bereit fühlen würde. Dann würde man ihn "Corazón de León" nennen, da dies einen höheren Integrationsfaktor bei den Fans haben würde als die englische Version "Lion Heart". Und da die weiblichen Fans sein Gesicht defintiv lieben würden, würde er auf keinen Fall eine Maske übergestülpt bekommen, sondern genauso bleiben, wie er war. Es mussten keine Verhandlungen oder dergleichen geführt werden, alles war bereits in dieser Form für Jericho angerichtet worden.

Ähnlich diskussionslos verlief Jerichos zweite Begegnung mit Alonso. Black Magic hatte Jericho bei einer zufälligen Begegnung geraten, auf ein bestimmtes (teures) Hotel zu bestehen, und als Alonso ihn fragte, wo er untergebracht werden sollte, wurde die Bitte anstandslos akzeptiert. Ebenso wurde ohne große Diskussion erklärt, Jericho würde mindestens vier Matches pro Woche bekommen, für die er umgerechnet etwa 1.000 Dollar bekommen sollte, und er könne so lange bleiben, wie er wollte. Sobald er keine Lust mehr haben würde oder aussetzen wollte, müsste er dies nur kurz durchgeben, denn für die Liga traten derart viele Wrestler an, dass man jede Lücke problemlos stopfen konnte. Zudem wurde ihm Héctor Guerrero als Mentor an die Seite gestellt, der ihn ständig unterstützen und ihm alles zeigen und erläutern sollte, da Jericho nicht Spanisch sprechen konnte. Eine der ersten Besonderheiten des mexikanischen Lucha Libre, bei der Jericho von Guerrero unterstützt wurde, war das tagtägliche Durchqueren des Landes per Fernbus, denn diese wurden meistens genutzt, um von Show zu Show zu reisen. In dem Zusammenhang erinnerte Jericho an eine Begegnung mit einem Busfahrer, der ihn nach seinem Namen fragte und wiederholt daran scheiterte, ihn richtig zu verstehen, bis Jericho ihm erklärte, sein Name sei "José Sánchez".

Zurück zu Alonso: Dieser besuchte zu dieser Zeit an jedem Freitag die CMLL-Shows in der Arena México. Da er offenbar ein Problem mit einem seiner Augen - womöglich sogar ein Glasauge - hatte, bürgerte es sich unter den englischsprachigen Wrestlern in dieser Zeit ein, ihn "Blinky" zu nennen. Bei jedem der Zusammentreffen soll sich Alonso als ein wahrer Gentleman präsentiert haben. Es habe in den mehr als zwei Jahren, in denen er für ihn kämpfte, nicht ein einziges Problem mit einem Gehaltsscheck gegeben, jeder Penny wurde bezahlt, es habe nie ein Problem mit einem Booking gegeben, und es habe auch nie ein Problem mit einer Storyline gegeben. Jede Show verlief exakt so, wie sie ihm versprochen wurde. Alonso ließ Corazón de León noch vor dem Ende des Jahres den NWA World Middleweight Title von Mano Negra gewinnen, und er beließ den Gürtel beinahe ein Jahr bei ihm, ehe er ihn an Último Dragón weiterreichen musste. Jericho mutmaßt, Alonso hätte ihm auch den CMLL World Heavyweight Title gegeben, wenn er nur länger in Mexiko geblieben wäre. Bei seinem letzten Auftritt für das Consejo unterlag er bei einem Shot auf den Titel im September 1995 dem damaligen Champion Apolo Dantés.

Im Laufe der zweieinhalb Jahre, die Jericho in Mexiko verbrachte, sorgte Alonso kontinuierlich dafür, dass Jericho in Semi-Main Events und Main Events stand, immer wieder in Fehden verstrickt wurde, und er nutzte seine Kontakte zu den Medien dafür aus, ihn immer wieder auf die Titelblätter der zahlreichen Lucha-Magazine zu bringen, die es damals im Lande gab. Es gab Wochen, in denen Jericho sich selbst an Zeitungsständen auf vier Titelseiten gleichzeitig erblickte.

Eine kleine Nebengeschichte, die Jericho erzählte, spielte sich an einem Flughafen ab. Jericho sollte zu einer Show in Acapulco fliegen und war spät dran, weswegen er unter hohem Druck stand, als er von den Sicherheitsleuten des Flughafens untersucht wurde. Nachdem er bei einer Aussage den falschen Ton getroffen hatte, entstand ein wenig Rabatz. Haku kam hinzu, brüllte einen Sicherheitsmann an, dieser solle seinen Freund in Ruhe lassen, packte ihn an der Gurgel und hievte ihn in die Höhe. Das Ende vom Lied war, dass Waffen auf Jericho und Haku gerichtet wurden, woraufhin die beiden in einem Flughafengefängnis landeten, aus dem sie sich eine Stunde später "herauskaufen" konnten. Paco Alonso nannte Jericho fortan "King of the Airport".

Eine weitere kleine Story, die Jericho erzählte: Da sich der Lohn vieler weniger bedeutender Wrestler anhand der Einnahmen bemaß, die an der Abendkasse erzielt wurden, gab es Veranstaltungen, nach denen sich eine lange Schlange von Wrestlern vor Pacos Büco bildete, die sich über die Bezahlung beschweren wollten. Paco ließ die Wrestler eine Weile stehen, dann verkündete seine Assistentin Lupita, er sei gar nicht im Büro, obwohl er vorher für alle ersichtlich hineingegangen war. Wie sich später herausstellte, hatte er in seinem Büro einen Geheimausgang, durch den er auf direktem Wege in den Parkbereich der Arena México gelangen konnte, um schnell zu flüchten. Jericho selbst hatte jedoch nie Probleme mit der Bezahlung, und das, obwohl er teilweise bei vier Veranstaltungen an einem einzelnen Tag auftrat.

Jericho verlieb immer einige Wochen in Mexiko, dann war er in anderen Teilen der Welt unterwegs. Sein längster Aufenthalt dauerte zehn Wochen am Stück, und wie es Alonso ihm versprochen hatte, musste er sich einfach immer nur kurz abmelden und bekam keine Steine in den Weg gelegt - auch dann nicht, wenn es mal länger dauerte, etwa als er sechs Wochen am Stück in Deutschland kämpfen wollte. Auftritte in Japan wurden ihm durch die bereits damals existierenden Verbindungen des Consejo mit New Japan Pro Wrestling von Alonso selbst verschafft. Durch Alonso lernte Jericho unter anderem Jado und Gedo kennen, denen er bei dieser Gelegenheit einen Hot Dog kaufte, da sie sich selbst keinen leisten konnten.

Dass Jericho 1995 letztlich dann aber doch trotz aller Zufriedenheit mit seinem dortigen Job einen Schlusstrich unter die Zeit in Mexiko setzte, lang an zwei Dingen: Zum einen am Tod von Art Barr, der für ihn einer der Fixpunkte in Mexiko gewesen war und der erste persönliche Freund von ihm war, den er auf diese Weise verlor. Der zweite Grund war ein Regierungswechsel in Mexiko, der dazu führte, dass die Umtauschrate vom mexikanischen Peso zum Dollar schlagartig von 1:3 auf 1:7 abstürzte, so dass Jericho von einem Tag auf den anderen nicht einmal mehr die Hälfte verdiente. Obwohl er ein Main Eventer war, auf Titelblättern von Zeitungen zu sehen war, in Comics als Held verwendet wurde und für Werbeauftritte bezahlt wurde, machte es plötzlich ökonomisch keinen Sinn mehr, den Mexikoaufenthalt fortzusetzen.

Erst 2008 kehrte Jericho in die Arena México zurück, als er gerade mit WWE auf Tournee durch Mexiko war. Bei dieser Gelegenheit suchte er Paco Alonsos Büro auf, und es hatte sich absolut gar nichts verändert. Selbst Alonsos Assistentin war immer noch die gleiche wie früher. Alonso erklärte ihm an dieser Stelle, er würde sich sehr für seinen Erfolg freuen und bedankte sich ausführlich für die Arbeit, die er einst für das Consejo geleistet hatte.

Schlussendlich ging Jericho noch einmal all die Dinge durch, die Alonso für ihn getan hatte: Ihm hatte er es zu verdanken, erstmals als Main Eventer eingesetzt zu werden, regelmäßig im Fernsehen auftreten zu können, Titel gewinnen zu können, bei Talkshows auftreten zu können, gemeinsame Auftritte mit Rockstars und Models absolvieren zu können und sein eigenes Potenzial zu erkennen. Ihm hatte er es darüber hinaus zu verdanken, mit Negro Casas, El Dandy, Último Dragón, Bestia Salvaje, Sangre Chicana, Silver King, El Texano, Dr. Wagner Jr., Emilio Charles Jr. und Atlantis in den Ring steigen zu dürfen, und es wurde auch dafür gesorgt, dass diese ihn nicht wie einen jungen Rookie aus dem Ausland behandelten, sondern als gleichberechtigten Teil ihrer Reihen ansahen. All das legte die Grundlage für seine späteren Erfolge bei WWE und andernorts. Deshalb habe es ihn derart emotional mitgenommen, dass Alonso nun gestorben ist.


Benutzerkommentare auf dem Boardhell
Duffman
11.07.2019, 10:15 Uhr
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Alles in allem eine sehr unterehaltsame Stunde.
Wobei ich glaube, daß z.B. die Wrestler die an Pacos Büro angestanden haben als er den Polnischen gemacht hat, eine ganz andere Meinung von ihm haben als Jericho.
Überhaupt hatte Jericho ganz schönes Glück, daß er da als Noname Wrestler sofort in so einer großen Liga einen Mainevent Push gekriegt hat.
John Mandrake
11.07.2019, 11:24 Uhr
Einloggen und zitieren
Zitat:
Wobei ich glaube, daß z.B. die Wrestler die an Pacos Büro angestanden haben als er den Polnischen gemacht hat, eine ganz andere Meinung von ihm haben als Jericho.
 


Vor allem werden die Wrestler eine andere Meinung vor ihm gehabt haben die seit 10 oder 20 Jahren UNdercard geworked haben und denen dann ein kanadischer Newcomer direkt mal im Main Event vor die Nase gesetzt worden ist

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