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Jeff Hardy - My Life, My Rules

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Kolumne
Ausgabe

"Jeff Hardy - My Life, My Rules" von Axel Saalbach
Manchmal gibt es Schritte in der Karriere von Prominenten, mit denen sie für gehörig viel Ärger sorgen. Dies führt zum Beispiel der aktuelle Bundesaußenministerdarsteller bravourös vor, indem er die Leute, die ihn im vergangenen Jahr versehentlich gewählt haben, tagein, tagaus daran erinnert, dass seine Politik für die Besserverdienenden gar nicht so richtig in ihrem Sinne ist. Prompt reagierte die Hälfte der Leute, die ihn vor hundert Tagen noch dufte fanden, und entzog ihm in den allwöchentlichen Wahlumfragen die Gunst. In Italien meinte zeitgleich ein besonders hoch angesehener Suppenrührer, den angeblich leckeren Geschmack von Mietzekatzen öffentlichkeitswirksam lobpreisen zu müssen - postwendend hat der Herr seinen Job beim Fernsehen verloren. Nicht zuletzt sah man es auch an den neuesten Faseleien des bischöflichen Oberzausels von Augsburg, der in seinem alltäglichen Weihrauchrausch auf die unter der Gürtellinie stattgefundenen Entgleisungen seiner Mitpfaffen mit Anschuldigungen gegen die 68er reagierte und sich zum wiederholten Mal wüste Kritik an seinem geistigen Zustand gefallen lassen musste.

Jeff Hardy sah sich zu Beginn des Jahres 2010 harscher Anfeindungen eines Teils der versammelten Wrestlinggemeinschaft ausgesetzt. Nachdem er die Chuzpe besessen hatte, nach vielen Monaten des Nichtstuns bei Total Nonstop Action Wrestling aufzukreuzen, kochten die Gemüter einer Reihe von Fans gehörig hoch. In Genickbruchs Diskussionsforum, dem Boardhell, waren Worte wie "Heuchler", "Schlag ins Gesicht" und "Enttäuschung" zu lesen, darüber hinaus wurde der Verdacht geäußert, dass Hardy diesen Schritt begangen hat, um der Anti-Drogen-Politik von World Wrestling Entertainment zu entgehen. Im Affekt schreibt man eben häufig sehr merkwürdige Dinge - wer die Flimmerkiste regelmäßig liest, der hat dies bereits deutlich vor Augen geführt bekommen.

Was Hardy wirklich dazu bewogen hat, das Lager zu wechseln, das dürften die wenigsten Leute ernsthaft wissen. Fakt ist aber, dass der Ultimate Risktaker erst wenige Wochen vor seinem Engagement bei TNAW ein DVD-Set von World Wrestling Entertainment gewidmet bekam. Dieses erschien im Dezember in den Vereinigten Staaten unter dem Titel "Jeff Hardy - My Life, My Rules", und ab heute ist es auch im deutschsprachigen Raum erhältlich. Grund genug, um es in einer neuen Ausgabe der Flimmerkiste - der ersten des Jahres 2010 - zu rezensieren. Und solltet ihr nach dem Lesen dieser Besprechung auf den Geschmack gekommen sein und euch die drei DVDs einheimsen wollen, dann werdet ihr durch einen Klick hier fündig.

JEFF HARDY - MY LIFE, MY RULES
Veröffentlichungsdatum:
19. Februar 2009

Zunächst einmal zu den technischen Fakten. "Jeff Hardy - My Life, My Rules" ist ein Set von drei DVDs mit einer Gesamtspielzeit von 8:29 Stunden und mit den gewohnten Stroboskop-Lichteffekten. Man kann sich die Silberlinge in drei Sprachen anschauen, nämlich zum einen in der englischen Originalversion, zum zweiten in der deutschsprachigen Übersetzung für die WWE-Fans, die einst zusammen mit Günther Oettinger den Englischunterricht besucht haben, und zum dritten in französischer Sprache für die Herrschaften, die nicht einmal des Hochdeutschen mächtig sind, also Leute wie... wie... naja, auch wie Günther Oettinger. Enthalten sind eine Dokumentation, 27 komplette Kämpfe und diverse Extras.

Die Dokumentation, die auf der ersten DVD enthalten ist, beschäftigt sich mit den letzten drei Jahren, die Hardy im Titanland verbrachte - also die Etappe von seiner Rückkehr im Sommer 2006 bis zum verlorenen Loser Leaves Town Match gegen CM Punk bei einer SmackDown-Ausgabe nahezu auf den Tag genau drei Jahre später. Jenes Loser Leaves Town Match zieht sich in Fragmenten kontinuierlich durch die Dokumentation, um sich am Ende mit den anderen darin beschriebenen Ereignissen chronologisch zu vereinen. Zum Zeichen, wie hautnah der Zuschauer an dem Geschehen des letzten Kampfes von Hardy dran ist, werden die exakten Uhrzeiten mehrfach eingestreut - allerdings nur in Form der halben Wahrheit, denn Hardy verlor den Kampf bereits drei Tage vor seiner Ausstrahlung während der Aufzeichnung der Show.

Der Rückblick auf Hardys (bisher) letzten WWE-Run beginnt mit der Wiedervereinigung der Hardy Boyz, die von Matt Hardy damit kommentiert wird, dass man sich an dieser Stelle erstmals "auf gleicher Ebene" bewegte. Zuvor, so Matt Hardy, sei er immer eine Art "Vaterfigur" für seinen Bruder gewesen. Das wusste bis dato wahrscheinlich nur Matt Hardy selbst. Durchzogen war diese Phase von Jeff Hardys Karriere durch eine erste dreißigtägige Suspendierung aufgrund seiner Drogenprobleme. Dieser Teil wird in der Dokumentation erstaunlich offen angesprochen. Hardy begründet seine Suspendierung damit, dass die Regeln von World Wrestling Entertainment in Bezog auf Drogen "überaus strikt" seien, und er machte deutlich, dass es nicht die seinen Regeln sind - wenngleich er sein Verständnis ausdrückt, warum sie auferlegt werden.

Unter gelegentlicher Einblendung kurzer Bilder aus den Backyard-Tagen der Hardys wird anschließend der endgültige Durchbruch des Charismatic Enigma zum Main Eventer beschrieben, der jäh durch seine zweite Suspendierung durchbrochen wurde. In diesem Zusammenhang wird - abermals erstaunlich offen - darauf hingewiesen, dass das Vertrauen in Hardy zu diesem Zeitpunkt futsch war, und dass er es sich erst durch kontinuierliche Drogentests wieder neu aufbauen musste. Etwa zeitgleich brannte Hardys Haus ab, was in der Dokumentation durch einen Gang über die Ruinen des Gebäudes dargestellt wird. Der Zuschauer bekommt hier nicht nur das zerstörte Haus zu sehen, sondern auch einen kurzen Eindruck von dem bei dem Brand ums Leben gekommenen Hund - natürlich zu dessen Lebzeiten.

Der Rest der Dokumentation wird der Fehde von Jeff Hardy gegen seinen Bruder, seinen Titelgewinnen und der abschließenden Rivalität CM Punk gewidmet, in der die Jeffs Probleme mit Drogen und seine Suspendierungen abermals thematisiert wurden. Abschließend wird darüber philosophiert, dass die Zukunft von Jeff Hardy ganz in den Händen von ihm selbst liegen würde und in erster Linie aus dem Fahren von Motorrädern, dem Musizieren und der Kunst bestehen könnte. Damals konnte man ja noch nicht ahnen, wo der Ultimate Risktaker wenige Wochen später landen würde. Wobei... einer schien etwas geahnt zu haben: John Morrison mutmaßt zum Ende der Dokumentation, Hardy hätte das Titanland in Richtung des Unbekannten verlassen - und in der Tat, durch seinen Wechsel zu TNAW hat er sich bekanntermaßen dazu entschlossen, sich nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit irgendwo zu verbergen, wo die Sonne nicht scheint.

Das quantitative Herzstück des Dreier-DVD-Sets ist zweifellos die massive Ansammlung an Kämpfen mit Beteiligung des Charismatic Enigma, die zusammengestellt wurde. Ganze 27 Matches wurden auf die Scheiben gepresst. Hier beschränkte man sich im Gegensatz zu der Dokumentation nicht nur auf die letzten drei Jahre von Hardys WWE-Karriere. Stattdessen ist sogar ein rares Match aus dem Jahre 1994 enthalten, in dem sich Hardy bei einer Ausgabe von "Superstars" mit dem 1-2-3 Kid messen durfte. Hardy war zu dem Zeitpunkt gerade mal 16 Jahre alt - wo war da eigentlich der amerikanische Jugendschutz, der in den Neunzigern bereits dann mit den Alarmglocken schellte, wenn man nur einen kleinen Bauchnabel zuviel über die Mattscheiben flimmern ließ?

Wie man die 27 Kämpfe einzuschätzen hat, liegt nun wiederum ganz in den Augen des Betrachters bzw. in dessen Verhältnis zu Jeff Hardy. Wenn man wie der seltsame Autor der Flimmerkiste soviel von Jeff Hardy hält wie der gesunde Menschenverstand von FDP-Chefs, dann wird man mit den vielen Matches von ihm auch nicht sonderlich viel anfangen können. Ist man hingegen ein Anhänger des zappeligen jungen Mannes mit dem farbverschmierten Gesicht, dann wird man hier voll und ganz auf seine Kosten kommen. Angefangen von den denkwürdigen Schlachten mit den Dudley Boyz und Edge und Christian (für die es nebenbei einen alternativen Kommentar durch die Hardys zu hören gibt) über seine Matches gegen Rob Van Dam bis hin zu seinen Titelkämpfen gegen Leute wie Randy Orton, Triple H und CM Punk ist alles enthalten, was der klassische Hardy-Fan benötigt, um über den Frust des Endes der Karnevalszeit hinwegzukommen. Hervorzuheben ist, dass man nicht wahllos PPV-Kämpfe zusammengestellt hat, die man sowieso schon auf diversen anderen DVDs finden kann, sondern auch zahlreiche Matches aus den "normalen" Fernsehshows von World Wrestling Entertainment.

Nicht zuletzt enthalten die drei DVDs zahlreiche Extras. Darin erfährt man viele persönliche Dinge über Jeff Hardy wie etwa seine Lieblingsband und seinen Lieblingssong, seine Lieblingsfilme und -fernsehshows sowie seine Meinung zu anderen Sportarten als Wrestling, man bekommt einen Einblick in Hardys Kunstgalerie und in musikalische Gehversuche der Hardy-Brüder gemeinsam mit ihrem Vater. Man erfährt obendrein einiges über Jeff Hardys Phase als maskierter "Willow the Whisp" in seiner eigenen Liga Organization of Modern Extreme Grappling Arts und vieles mehr. Dankenswerterweise wurden hier nicht einfach ein paar altbackene Ausschnitte aus Wrestlingshows draufgepackt, die man ohnehin schon gesehen hat, sondern man hat neues und damit interessantes Material zusammengestellt.

"Jeff Hardy - My Life, My Rules" ist ein mit ansprechend viel Aufwand zusammengestelltes DVD-Set, das sich vor allem durch eines von vielen anderen WWE-Produktionen abhebt: durch die Offenheit, in der all das thematisiert wird, was um den Wrestler Jeff Hardy im richtigen Leben herum geschah. Hier wurde nicht nur einfach ein Stück Karriere heruntergebetet, hier wurde versucht, den Zuschauern die Persönlichkeit hinter dem Darsteller näherzubringen. Dies muss man der Produktion selbst dann hoch anrechnen, wenn man nicht viel mit Hardy als Wrestler anfangen kann. Wenn man nun auch noch zusätzlich ein Fan von Jeff Hardy ist - und davon dürfte es auch hier bei Genickbruch nicht wenige geben, nicht umsonst hat ihn fast die Hälfte unserer User in unserer Notenfunktion mit einer glatten 1 bewertet - dann kann man gar nichts falsch machen, wenn man bei dem DVD-Set zugreift. Wenn man es haben möchte, dann kann man es wie bereits eingangs erwähnt durch einen Klick hier bekommen. Da es heute erschienen ist, muss man auch nicht mit langen Wartezeiten rechnen, bis man es bekommt.

Und damit schließt sich die erste Ausgabe der Flimmerkiste diesen Jahres. Daher müsst ihr euch nicht länger den merkwürdigen geistigen Ergüssen von Genickbruchs Flimmeronkel widmen, sondern ihr könnt euch erstmal wieder ganz auf die nicht minder eigenartigen gedanklichen Auswüchse von Guido Westerwelle, Beppe Bigazzi und Walter Mixa konzentrieren. Haltet durch!
 
 
 
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