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Interviews

In dieser Rubrik findet ihr 567 Interviews mit Wrestlern und Offiziellen, die im Laufe der Jahre auf Genickbruch veröffentlicht wurden. 74 der hier gelisteten Befragungen wurden exklusiv von Genickbruch-Mitarbeitern durchgeführt.
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Interview

Interview mit Mikael Judás
Da wir seit kurzem wieder über Puerto Rico berichten, sollen auch Interviews mit den Aktiven der dortigen Szene nicht fehlen. Das erste Interview wurde vor einigen Tagen durch den Wrestling Observer mit Mikael Judás (Mikal Adryan bei der NWA Anarchy und Deep South Wrestling) geführt, nachdem dieser gerade sein erstes halbes Jahr in Puerto Rico hinter sich gebracht hatte. In dieser Zeit wurde er von der IWA stark als Rudo gepusht und hielt zwischenzeitlich sogar den IWA Heavyweight Title. Da sich das Interview von vielen standardisierten Wrestler-Befragungen abhebt und Judas auch mal ein wenig ausführlicher wurde, dürfte es für viele nicht uninteressant sein.

Erzähl uns bitte etwas über die Entstehung des Charakters "Mikael Judas". Wie kam es dazu?
Die IWA hatte bei mir angefragt, ob ich nach Puerto Rico kommen wolle. Man plante, mich unter eine Maske zu stecken. Als ich in Puerto Rico angekommen war, nahm Savio Vega mein Aussehen unter die Lupe und entschied, man könne mich nicht einfach unter einer Maske verbergen. Danach machte er sich eine Weile Gedanken und kam zunächst zu dem Schluss, aus mir eine Art Gangrel zu machen. Ich erwiderte, dass mir das gar nicht gefiele. Da ich schon ein halbes Jahr vor meiner Ankunft in Puerto Rico die Idee hatte, eine Art Dämon oder ein satanisches Gimmick zu verkörpern, schlug ich ihm vor, einen Priester darzustellen inklusive Priesterkleidung und umgedrehtem Kreuz. Savio sagte, ich sollte die nötigen Gegenstände besorgen, und ich machte das. Als er mich mit den Klamotten sah, meinte er, ich bräuchte Make-Up und ich sollte mir einen längeren Bart wachsen lassen. Nachdem mir dann auch noch eine Robe besorgt worden war, dachten wir drei Tage über einen Namen nach. Es dauerte ein Weilche, bis ich die anderen überzeugen konnte, dass der Name "Mikael Judas" nicht wirklich gotteslästerlich ist, danach akzeptierten sie meinen Vorschlag.

Wie genau kam die Zusammenarbeit mit der IWA eigentlich zustande?
Schon im Februar hatte IWA-Booker Luke Williams bei Bill Behrens angefragt, ob er ihm einen großgewachsenen Heel empfehlen könnte, der gute Matches abliefern kann und dem es einerlei wäre, wie oft man ihn einsetzt. Bill rief mich daraufhin an und sagte mir, ich solle ein Tape dorthin schicken. Ich telefonierte dann mit Luke und schickte ihm ein Tape mit meinen Matches gegen Todd Sexton und Chad Parham. Dann sollte ich eigentlich im März nach Puerto Rico kommen, aber Víctor Quiñones war gerade gestorben, deshalb sagte man mir ab. Im Juni wurde ich dann bei einer Show der NWA Anarchy von Luke angesprochen und gefragt, ob ich jetzt Lust hätte, zu kommen. Ich erwiderte, ich würde kommen, wenn sie mir ein Ticket bezahlen würde. Also flog ich in der letzten Juniwoche nach Puerto Rico.

Was kannst du uns über das Leben auf der Insel erzählen?
Nun ja, jeder sagt ja, wenn man dort runter geht, würde man von den anderen Wrestlern mit Messern aufgelauert werden, und die Fans schießen auf einen. Aber so ist das gar nicht. Im Großen und Ganzen ist das Leben genauso wie in den Staaten, nur dass alles ein Stück ruhiger und langsamer abläugt. Alle bewegen sich ein wenig langsamer, und alle denken ein wenig langsamer. Wenn man in ein Wendy's-Restaurant geht, dann dauert die Bestellung dreißig Minuten, selbst wenn man der erste in der Warteschlange ist. Das ist schon frustrierend. Dafür dauert es nur fünf Minuten, bis man am Strand ist. Und egal in welche Richtung man fährt, spätestens nach zehn Minuten kommt man an einem Supermarkt vorbei. Es gibt dort jeden Laden, den man sich vorstellen kann. So wie man es eben kennt. Wir werden zu den Hallen gebracht, wir müssen kein Geld für unsere Unterbringungen zahlen, alles wird für uns gemacht. Alles, was ich tun muss, ist drei- oder viermal pro Woche in den Ring zu steigen. Das ist eine gute Sache.

Gab es erschreckende Momente, während du auf der Insel warst?
Ja, die Fans in den Shows sind schon ziemlich aggressiv. Man wird beworfen. Man wird verfolgt, und die Fans wollen einen schlagen. Vor allem junge Fans sind schnell dabei, einen zu schlagen und zu beschimpfen. Man wird von Fünfjährigen beschimpft. Auf mich wurden Steine geworfen, als ich die Halle verlassen wollte. Steine wurden auf unser Auto geschmissen, als wir an der Halle ankamen. Die Fans bringen ständig Dinge mit zu den Veranstaltungen, nur um sie auf uns zu schmeißen.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel werfen sie mit vollen Wasserflaschen. Dann gibt es merkwürdige Früchte, die an den Bäumen in Puerto Rico wachsen und die härter als Stein sind. Die Dinger sind so hart, dass man Werkzeug braucht, um sie zu öffnen. Die Fans bringen beutelweise dieser Früchte zu den Shows, und dann wird man damit beworfen. Wenn man getroffen wird, hat man schnell zwei Wochen lang blaue Flecken. Und wenn die Leute mal keine Früchte dabeihaben, dann werfen sie eben mit ihrem Bier auf einen. Die Fans, die nahe am Ring sitzen, werfen manchmal mit ihren Stühlen auf die Wrestler. Aber die Leute lieben eben das Business dermaßen, dass sie sich so sehr da hineinsteigern. Das ist eben wie in den Siebzigern und in den achtziger Jahren. Am vergangenen Freitag wurde ich von einem Typen mitten in einem Match mit einer Keule geschlagen. Als ich der Absperrung zu nahe gekommen war, hat er mir einfach gegen den Rücken geschlagen. Am nächsten Abend war der gleiche Typ dann in einer anderen Stadt bei unserer nächsten Show, und diesmal hat er mich mit einem Regenschirm geschlagen. Am dritten Tag hatten wir dann eine Show in San Sebastían, und diesmal fühlten wir uns wie Hulk Hogan, als er zur New World Order turnte - der Ring wurde bombardiert mit Gott-weiß-was für einem Kram, volle Wasserflaschen, die erwähnten steinharten Früchte, und so weiter, bis sich der Ring füllte. Ray González, Lightning und ich standen dabei im Ring. Ich habe Wasserflaschen gegen den Kopf bekommen.

Was war der beste Angle, in den du verwickelt wurdest?
Der, in dem ich derzeit stecke. Ricky Banderas war fast ein Jahr weg, weil er in Mexiko für die AAA als Muerte Cibernética antrat. Ich fehde seit einer Weile mit Glamour Boy Shane, seitdem dieser zurück in der IWA ist. Bei jedem TV-Taping haben wir Shane in einer Blutlache zurückgelassen. Wir haben in ihn Särge verfrachtet. Ihn aufgehängt. Und so weiter. Die Fans gehen bei der Fehde richtig mit. Und nun wird Ricky Banderas ins Spiel gebracht, der zurückkehrt und sich mit Shane verbündet. Außerdem wird wohl Savio Vega von einer Verletzung zurückkehren, die ihm Invader #1 bei dessen Retirement Match mit seinem Heart Punch zugezogen hatte. Also heißt es in Zukunft Shane, Banderas und Savio gegen Ray, Lightning und mich. Das wird ganz großes Kino.

Hältst du Promos ab?
Ja, das mache ich. Als ich nach Puerto Rico gekommen war, war ich zunächst so etwas wie Savios Auftragskiller. In meinen Promos habe ich damals Zitate aus der Bibel, aus "Buffy the Vampire Slayer", "Harry Potter" und "Star Wars" genutzt. Savio gab seinen Teil auf Spanisch dazu. Nachdem Savio dann nicht mehr da war, habe ich fortan meine eigene Sache durchgezogen. Meine Promos wurden länger und gingen mehr in die Tiefe, und ich habe die Bibel und Filme noch viel häufiger zitiert. Oftmals habe ich dabei versucht, andere Leute auf die dunkle Seite zu ziehen, um mich fortan zu unterstützen. Ich habe anfangs mit Lightning gefehdet, dann mit González, als er zurückkam, und dann eben mit Shane. Nun sind Ray und Lightning zu meiner linken und rechten Hand geworden. Zwei oder drei Monate lang habe ich Promos gehalten, um die beiden zu bekehren. Und dann gab es da auch noch die Geschichte mit Orlando Toledo. Das ist der Neffe von Victor Quiñones, er ist seit zwei Jahren der Commissioner der Liga. Nachdem Savio und Miguelito Pérez nach Victors Tod eine lange Zeit um die Führung der IWA gefehdet hatten, habe ich Orlando mit der Idee, er könne doch der Mann mit der wahren Macht in der Liga sein, auf meine Seite gezogen. Er verkörpert quasi die Rolle von Jeff G. Bailey.

Hältst du deine Promos in Englisch, Spanisch, oder in beiden Sprachen?
Ich halte meine in Englisch. In Liveshows erledigt Orlando in der Regel alle Arbeit, die am Mikrofon zu absolvieren ist. Aber bei dem Zeug, das im Fernsehen gezeigt wird, so zum Beispiel die Backstageszenen, erledige ich die ganze Redearbeit. Eine Weile wurde das mit Untertiteln unterlegt. Moody Jack, den man von Total Nonstop Action Wrestling kennen dürfte, erledigt die ganze Arbeit. Er übersetzt meine Aussagen ins Spanische, aber die meisten Menschen verstehen dort eh Englisch.

Was würdest du als das Beste und das Schlechteste bezeichnen, das man über Puerto Rico erzählen könnte?
Das Schlechteste ist, dass sich alles so nur so langsam bewegt. Wenn man ein Wendy's betritt, stehen fünfzehn Leute hinter der Theke, alle starren einen an, reden aber über ihre Mobiltelefone mit anderen. Man steht zehn Minuten da, und niemand kümmert sich um einen.

Also hat man kein Verständnis für Service?
Man hat weder ein Verständnis für Service, noch ein Verständnis für Zeit. Wenn dort jemand sagt, es sei ein Uhr, dann ist es eigentlich schon drei Uhr. Oder sechs Uhr. Die hängen dermaßen hinterher. Ich meine, wir im Süden der Staaten hängen ja schon immer weit hinterher, aber dort hat man manchmal das Gefühl, die seien schon alle tot, so träge ist man dort. Aber das Beste an Puerto Rico ist, dass das Wrestlingbusiness dort richtig gut läuft. Ich glaube, achtzig Prozent der Leute, die zu den Shows kommen, halten Wrestling für real. Die anderen zwanzig Prozent lesen im Internet mit oder sie interessieren sich nicht für den Wahrheitsgehalt. Ich glaube, die hätten es gerne so, dass es real wäre, deshalb lassen sie die anderen Leute in dem Glauben.

Vor wievielen Leuten trittst du auf?
Bei den Fernsehaufzeichnungen sind es immer ein paar tausend. Bei den großen Veranstaltungen kommen auch schon mal 10.000 bis 13.000, zum Beispiel in die Baseballstadien wie das in Caguas. Wieviele zu den House Shows an den Donnerstagen, Freitagen und Sonntagen kommen, das hängt von der jeweiligen Stadt ab. Die werden meist in den kleinen Städten veranstaltet. Manchmal sind es dort 1.000, in anderen Städten aber auch nur 500. Das sind dann ausschließlich die Leute, die es für real halten. Stell dir die zurückgebliebenste Hillbilly-Stadt in den Vereinigten Staaten vor, und dann überlege dir, wie es aussehen würde, wenn es noch zehnmal schlimmer wäre: so geht es in diesen Städten zu.

Die Shows an den Samstagen sind also typischerweise die größten Veranstaltungen der Woche?
Ja, an jedem Sonnabend werden die Fernsehshows des kommenden Wochenendes aufgezeichnet. Deshalb finden diese Vernastaltungen in größeren Städten und größeren Arenen statt, meistens in Basketball- und Volleyballstadien. Volleyball ist extrem beliebt in Puerto Rico. Wenn man sich hier in den Staaten eine Volleyballhalle vorstellt, dann passen da vielleicht ein paar hundert Leute hinein. In Puerto Rico handelt es sich um Stadien, in die fünftausend oder sechstausend Leute passen, die alle nur dorthin kommen, um Volleyball zu schauen. Wenn ein Volleyballspiel veranstaltet wird, interessiert sich in den Städten niemand für etwas anderes als für das Spiel. Ich weiß nicht warum, aber scheinbar ist das deren Nationalsport. Man würde annehmen, Fußball wäre deren Nationalsport, aber die Leute hassen Fußball. Volleyball und Baseball sind die Nummer-1-Sportarten in Puerto Rico, nur Basketball kommt langsam aber sicher ebenfalls groß in Mode.
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