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Der Halloween Havoc

Als Vince McMahon die WCW kaufte, schlug er den letzten Nagel in den Sarg der WCW und damit den einer der größten Wrestlingorganisationen der amerikanischen Geschichte. Somit beendete er auch jahrelange Wrestlingtradition, als er den Kaufvertrag unterschrieb. Er setzte Starrcade ein Ende, das ursprünglich eigentlich nur als eine einmalige Angelegenheit rund um Ric Flair aufgebaut werden sollte, sich dann aber fast zwanzig Jahre lang zu einer der größten reinen Wrestling-Shows des Jahres mauserte. Er begrub die Wargames, die zu einem Markenzeichen der WCW/NWA geworden waren. Der NWA World Heavyweight Title, der auf eine fast sechzigjährige durchgängige Geschichte zurückblicken konnte (sieht man mal vom 1991er Fiasko rund um Flair ab), wurde zu einem Spielzeug von Vince McMahon reduziert. Es wird nie wieder Starrcade geben, es wird nie wieder den Bash at the Beach geben, nie mehr Spring Stampede und nie mehr Uncensored - und auch der Halloween Havoc ist tot. Deshalb sei dieser PPV an dieser Stelle einmal exemplarisch herausgegriffen und durch einige historisch bedeutende, wrestlerisch hochklassige oder einfach nur absurde Momente dargestellt - eben Momente, die die WCW einst zu dem gemacht haben, was sie einmal war.
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Ein falscher Sting (Halloween Havoc 1990)
Als der Halloween Havoc 1990 herannahte, steckte Sting in einer schwelenden Fehde mit dem Black Scorpion. Nun wäre es das einfachste gewesen, ihn beim Havoc gegen den Scorpion antreten zu lassen. Doch man wusste selbst noch nicht, wer der Scorpion überhaupt war - doch dazu später mehr, genauer gesagt in Kapitel 12.

Sid Vicious war zu dieser Zeit einer der wichtigsten Heels von World Championship Wrestling, wenn nicht sogar der wichtigste überhaupt. Wichtig war er vor allem deshalb, weil er zahlreiche Anfeuerungsrufe bekam, obwohl er Teil des verhassten Four-Horsemen-Stables war. Obwohl er sich wie ein typischer Heel verhielt, war es Sids Kombination aus Körpergröße, Charisma und trashigen Catchphrases wie "I rule the world", die zahlreiche Fans dazu brachten, ihn ins Herz zu schließen.

Damit war es nicht verwunderlich, dass man Sid alsbald in eine Fehde mit Sting steckte. Im Prinzip diente sie nur für den Übergang, damit Sting, der noch nicht allzulange Champion war, einen glaubhaften Herausforderer hatte, um somit seinen Stellenwert als Champion zu vergrößern.

Die ganze Sache sah auf dem Papier natürlich großartig aus. Dennoch existierte ein gravierendes Problem: keiner von beiden konnte sich eine Niederlage leisten. Sting war der bedeutsamste Babyface-Wrestler der Company zu diesem Zeitpunkt. Auch wenn damals bei House Shows relativ wenig an den Kassen eingenommen wurde, war mit ihm Geld zu verdienen. Außerdem brauchte er den Titelgürtel, um das anstehende Debakel rund um den Black Scorpion abzufedern, dazu wie erwähnt später mehr. Auf der anderen Seite stand mit Sid ein aufstrebender Star, in dem man seitens der WCW einen zukünftigen World Heavyweight Champion sah. Deshalb konnte man ihn nicht so einfach klar von jemandem pinnen lassen, der ein ganzes Stück kleiner als er war.

Die beiden trafen also beim zweiten jährlichen Halloween Havoc Pay-Per-View aufeinander, der in Chicago, Illinois, ausgetragen wurde. Ole Anderson war zu diesem Zeitpunkt Booker. Ihn zum Booker zu machen war eine der ersten gravierenden Fehlentscheidungen, die World Championship Wrestling über die Dauer seiner Existenz machte. Anderson machte sich nun also Gedanken, wie er das Problem lösen konnte, ohne dass einer von beiden Beteiligten klar gepinnt werden würde. Und dann fand er die Lösung, die jeden, der für diesen Pay-Per-View Geld geblecht hatte, eigentlich die Zornesröte ins Gesicht hätte steigen lassen sollen: ein falscher Sting.

Nahe dem Ende des Matches prügelten sich die beiden Kontrahenten im Eingangsbereich. Das Kampfgeschehen verlagerte sich in den Backstagebereich, wobei die Kameras seltsamerweise "nicht in der Lage" waren, ihnen zu folgen. Irgendetwas schien also im Busche zu sein. Das zweite Signal, dass etwas nicht stimmte, war dann, dass ein Mann, der keineswegs wie Sting aussah, aber doch irgendwie Sting sein sollte, zum Ring geschritten kam und sich von Sid pinnen ließ. Der Mann war Barry Windham, der gerade von der Federation zurückkehrte, wo man ihn als Widowmaker auftreten ließ und seine Karriere mit Füßen trat.

Für einen kurzen Moment sah nun also alles danach aus, als wäre ein neuer Träger des WCW World Heavyweight Title gekrönt worden. Bevor die zugehörigen Feierlichkeiten jedoch losgehen konnten, kam Sting aus dem Backstagebereich gerannt. Offensichtlich hatten die Horsemen ihn dort attackiert, ausgeknockt und stattdessen Windham herausgeschickt.

Sting hatte genug von diesem Unsinn, er rollte Sid Vicious schnell ein und gewann somit das Match.

Das Ende dieses Kampfes verärgerte nicht wenige Leute, inklusive einzelner Offizieller aus dem Hause Turner. Nur wenige Monate später hatte Ole dann seinen Job verloren. In der Zeit war Mean Mark zur World Wrestling Federation abgewandert und schlug als Undertaker ein wie eine Bombe, ebenfalls hatte die WCW die Nasty Boys an die WWF verloren (siehe vergangene Woche), und durch den Ring schlichen Gestalten wie Robocop.
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