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Die Geschichte des WWE Title

Es wurde schnell spürbar, dass Bret Hart ein anderer Typ Champion war, als die Leute, die die Federation in den vergangenen zehn Jahren zu Gesicht bekommen hatte. Hart hatte sich zuvor als der "fightingest Intercontinental Champion of all time" bezeichnet, und es war klar, dass er diesem Ruf auch als neuer Besitzer des World Title gerecht werden wollte. Nur wenige Wochen später verteidigte Hart seinen WWF Title bei der Aufzeichnung zum letzten "Saturday Night’s Main Event" gegen Papa Shango und bezwang ihn mit dem Sharpshooter. Bei der gleichen Show machte der Ultimate Warrior seinen letzten wichtigen Auftritt im WWF-Fernsehen. Ausserdem gewann Shawn Michaels den WWF Intercontinental Title von Davey Boy Smith. Durch letzteres Match fand sich Harts erster großer Herausforderer. Michaels war, genau wie Hart selbst, bis ein Jahr zuvor noch eher als Tag Team Wrestler bekannt gewesen. Er bildete zusammen mit Marty Jannetty das Team der "Rockers". Zum Split kam es, weil Michaels aufgrund der Erfolglosigkeit des Teams frustriert war. Er turnte gegen Jannetty und warf ihn durch eine Glasscheibe. Michaels entwickelte daraufhin eine arrogante Persönlichkeit. Nachdem er Smith im Match um den Intercontinental Title bezwungen hatte, hatte er den Eindruck, er würde einen Shot auf Harts WWF Title verdienen. Denn immerhin hatte er den Mann bezwungen, der beim Summer Slam gegen Hart hatte gewinnen können. Hart, der keiner Herausforderung aus dem Weg ging, sagte einem Match zwischen ihm und Michaels zu. Bei der 1992er Survivor Series kam es also zum Kampf zwischen Champion und Champion, wobei nur Harts Titel auf dem Spiel stand.

In der Zwischenzeit hatte Hart seinen Titel schon gegen Leute wie The Mountie, Rick Martel und Virgil verteidigt. Keiner von ihnen zählte zu den Top-Herausforderern, aber alle bekamen von Bret die Chance auf ein Match. Der Warrior hatte indessen die Federation verlassen. Gleichzeitig hatte sich Mr. Perfect in einer ungewöhnlichen Wendung der Ereignisse auf die Seite von Randy Savage geschlagen und teamte mit ihm gegen Razor Ramon und Ric Flair. Obwohl dieses Tag Team Match sehr stark gehypt wurde, war es klar, dass es die Federation aufgegeben hatte, die beiden früheren Champions Flair und Savage weiter in World Title - Regionen zu pushen. Betrachtet man die enormen Reaktionen, die Hart vom Publikum erhielt, war dies auch zweifelsfrei die richtige Entscheidung. Das Ergebnis war, dass das Match zwischen Flair und Razor auf der einen, Perfect und Savage auf der anderen Seite, in der Card der Survivor Series immer weiter nach unten geschoben wurde. Der Kampf zwischen Michaels und Hart hingegen wurde der Main Event. Das Match wurde sehr intensiv geführt, und am Ende wollte Michaels einen Top Rope Dropkick zeigen. Hart konterte jedoch und fing Michaels in der Luft ab, so dass Michaels flach auf dem Boden landete. Hart setzte den Sharpshooter an und zwang den Herausforderer zur Aufgabe.

Bei der Survivor Series gab es zudem das Debüt eines Monsters namens Yokozuna. Der inzwischen - wie so viele in dieser History vorkommenden Akteure - leider verstorbene Rodney Anoia spielte die Rolle eines destruktiven japanischen Sumo-Ringers, der vom hinterhältigen Mr. Fuji gemanagt wurde. Bei der Survivor Series wurde er mit einem Gewicht von 505 Pfund angekündigt und zerstörte dort seinen Gegner Virgil in weniger als vier Minuten. Er gewann mit einem Banzai Drop, einem Vertical Splash vom zweiten Seil auf den liegenden Gegner. Virgil warnte daraufhin Bret Hart, dass Yokozuna ein ganz anderes Kaliber sei als jeder andere Wrestler, den die WWF jemals gesehen hätte. Er sollte sich also besser vor ihm in Acht nehmen. Die Monate verstrichen daraufhin, und Yokozuna legte noch mehr an Gewicht zu. Für seine Ausmaße war er trotzdem verhältnismäßig agil im Ring und dadurch eine Bedrohung für jeden, der sich ihm in den Weg stellte. Alle Attribute, die Yokozuna aufweisen konnte, sollten beim 1993er Royal Rumble ins Spiel kommen.

Zwischen der Survivor Series und dem Royal Rumble verteidigte Bret Hart seinen Titel weiter und weiter. Der Januar rückte schnell in Sichtweite, und so musste ein glaubhafter Herausforderer für den Gürtel her. Man entschied sich dabei für Ric Flairs Verbündeten Razor Ramon. Kurz bevor der Royal Rumble in die Lande gehen sollte, erschaffte die Federation eine neue Fernsehshow namens "Monday Night Raw". Bei der ersten Episode der Show attackierte der "Bad Guy" Razor Ramon am 11. Januar 1993 den Hitman verbal. Ohne noch großartig eine Fehde aufzubauen, hatte man also entschieden, beim Royal Rumble den gerade fünf Monate in der Federation befindlichen Razor Ramon gegen Bret Hart um den Titel zu stellen. Es war nicht überraschend, dass der Hitman das gutklassige Match mit dem Sharpshooter für sich entscheiden konnte. Hart setzte danach seine Siegesserie fort und arbeitete mehr und mehr an seiner Reputation als rechtmäßiger Champion. Flair verließ die Federation kurz nach dem Rumble, und Savage trat immer seltener im Ring an. Bret Hart wurde in dieser Phase zum Anführer dessen, was alsbald als "New Generation" bekannt wurde.

Die große Battle Royal beim Royal Rumble war 1993 deshalb so bedeutend, weil dadurch zum ersten Mal der Nummer 1 - Herausforderer auf den WWF Title bei WrestleMania ermittelt werden sollte. Das Match selbst hatte diesmal nicht die Qualität der vergangenen Jahre. Yokozuna ging als großer Favorit in den Kampf, denn niemand konnte sich vorstellen, wie man diesen Brocken übers oberste Seil befördern hätte können. Der erste Mann, der zum Ring kam, war diesmal Ric Flair. Die Fans hatten seine Leistung aus dem vergangenen Jahr natürlich immer noch in guter Erinnerung und konnten sich durchaus vorstellen, dass er es wieder über die gesamte Distanz durchhalten konnte. Und nicht nur die Nummer 1 in diesem Match war eine wahre Ikone. Sondern auch der Mann, der als zweiter Wrestler zum Ring kam, war ein alter Bekannter. Dabei handelte es sich um den früheren zweifachen WWF World Champion Bob Backlund, der sich gerade im Alter von 43 Jahren an seinem Comeback in der Liga versuchte. Flair wurde nach einiger Zeit von Mr. Perfect eliminiert, Backlund hingegen hielt äußerst lange durch und war neben Randy Savage und dem polynesischen Monster Yokozuna unter den letzten drei Mann im Ring. Yokozuna eliminierte Backlund, wurde dann aber von Savage dominiert. Der Macho Man sprang seinen berühmten Elbow Drop und wollte den Brocken pinnen, doch Yokozuna schaffte schnell den Kick Out und warf Savage übers Top Rope aus dem Ring. Yokozuna hatte also den Rumble gewonnen und sich damit einen Shot auf den World Title verdient.

Um den Kampf zwischen Yokozuna und Hart aufbauen zu können, sorgte man dafür, dass Hart den dicken Sumo im Backstagebereich nach dem Gewinn des Rumbles konfrontierte. In den folgenden Wochen beleidigte Mr. Fuji alle anderen Wrestler der WWF und auch die amerikanischen Fans damit, dass er sagte, dass niemand besser als Yokozuna sei, und kein Land sei besser als Japan. Wieder einmal nutzte die Federation damals die weltpolitische Lage, um für einen Wrestler mehr Heat zu ziehen. Die Vereinigten Staaten traten zu diesem Zeitpunkt in eine Phase der Rezession und man verlor viel Geld und viele Arbeitsplätze aufgrund der japanischen Konkurrenz. Ergebnis dessen war, dass alles, was aus Japan kam, verteufelt wurde. Yokozuna wurde zum perfekten Sinnbild der scheinbar nicht aufzuhaltenden japanischen Dominanz. Der japanische Hühne wurde kurz darauf von Jim Duggan herausgefordert, der immer noch das Gimmick des flaggenschwingenden Amerikaners verkörperte. Duggan war jedoch kein ernstzunehmender Gegner für den Sieger des Royal Rumble. In Windeseile musste er zwei Banzai Drops einstecken und fiel danach monatelang aus. Yokozuna vermöbelte weiter einen Gegner nach dem anderen, bis er und Bret Hart sich eine Woche vor WrestleMania IX zur Vertragsunterzeichnung trafen. Der Hitman hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon wieder viele Herausforderer besiegt hinter sich gelassen. Wie man es erwarten musste, wurde Hart von Yokozuna attackiert, nachdem die beiden Parteien den Vertrag unterzeichnet hatten. Yokozuna zog Hart in eine Ecke und verpasste ihm den Banzai Drop. Der Hitman aber schockierte den Japaner, indem er wieder auf die Beine kam. Trotz allem sollte Yokozuna als der große Favorit in den Kampf gehen.

Parallel zu diesen Entwicklungen spielte sich ein anderes besonderes Ereignis in der World Wrestling Federation ab. Der vierfache World Heavyweight Champion Hulk Hogan hatte seine Rückkehrt gefeiert. Zu dieser Rückkehr war es gekommen, nachdem sein guter Freund Brutus Beefcake bei einer Ausgabe von Monday Night Raw eine Hälfte der amtierenden Träger der WWF Tag Team Titles herausgefordert hatte, nämlich Ted DiBiase. Beefcake war zu dem Zeitpunkt in die Federation zurückgekehrt, nachdem er lange pausiert hatte, weil er sich im Sommer des Jahres 1991 bei einem Segelunfall das Gesicht schwer verletzt hatte. Während des Kampfes gegen DiBiase wurde Beefcake von Irwin R. Schyster, dem Tag Team Partner des Million Dollar Man, attackiert. DiBiase und Schyster nannten sich gemeinsam Money Inc., und sie hatten die Tag Team - Division bis zu diesem Moment schon monatelang kontrolliert. Money Inc. schlugen Beefcake mit Schysters Aktenkoffer ins Gesicht. Sie malträtierten ihn solange, bis selbst ihr Manager Jimmy Hart sie aufhalten wollte. Deshalb turnten die beiden gegen ihn. Am Ende lagen Beefcake und Jimmy ausgeknockt im Ring. Nur eine Woche später, genauer gesagt am 15. Februar 1993, feierte Hulk Hogan daraufhin bei Monday Night Raw seine Rückkehr in die Federation. Er beschwerte sich über die Aktionen der Tag Team Champions und forderte sie zu einem Match bei WrestleMania IX heraus. Dort sollten sie auf ihn und Brutus Beefcake treffen, begleitet von Hogans neuem Manager Jimmy Hart.

WrestleMania IX fand im Cesars Palace von Las Vegas, Nevada, statt. Es war ganz in ein römisches Szenario gebettet, nebenbei bemerkt sehr skurril für eine Wrestling-Veranstaltung. Beefcake und Hogan dominierten gegen Money Inc. und konnten sich beinahe die WWF Tag Team Titles sichern, doch sie wurden dann dafür disqualifiziert, dass Hogan die beiden Heels mit Brutus' Schutzmaske schlug. Damit verblieben die Titelgürtel bei DiBiase und Schyster. Kurz vor dem Main Event der Veranstaltung erklärte Hulk Hogan, er würde den Hitman in der Schlacht gegen Yokozuna unterstützen. Das Titelmatch begann, und trotz Yokozunas Größe konnte Bret gut mithalten, da er sich taktisch klug verhielt. Er brachte den Riesen auf die Matte und schaffte es, den Sharpshooter anzusetzen. Mr. Fuji jedoch warf Salz in die Augen des Hitmans, als der Ringrichter mit Yokozuna beschäftigt war. Der Hitman war geblendet und stürzte hin. Es folgte der Pinfall von Yokozuna an Hart, und damit war Anoia neuer World Heavyweight Champion.

Als Yokozuna im Ring feierte, kam Hulk Hogan zum Ring, um sich um Bret Hart zu kümmern. Als er sich zu Hart hinunterbeugte, hatte sich Mr. Fuji ein Mikrofon geschnappt und beschimpfte Hogan. Inmitten dieser Beschimpfungen fand sich auch eine Herausforderung. Der neue Champion sollte seinen Titel gegen Hogan aufs Spiel setzen. Das Match begann an Ort und Stelle. Wieder versuchte Mr. Fuji, Salz in die Augen von Yokozunas Gegner zu werfen, doch Hogan konnte ausweichen und Yokozuna wurde getroffen. Hogan verpasste dem neuen Champion daraufhin eine Clothesline, ließ den Legdrop folgen und schaffte den Pinfall. Hulk Hogan hatte also in einem nicht angesetzten Match den WWF Title gewonnen, nun war er schon zum fünften Mal Champion. Yokozunas Titelregentschaft dauerte gerade einmal ein wenig mehr als zwei Minuten. Damit war es die kürzeste aktive Regentschaft (sprich Sieg plus Niederlage - André the Giant hatte den Gürtel ja kampflos weitergereicht) in der Geschichte der WWF.

Das Publikum feierte Hogan, als er mit dem neu gewonnen Titel vor ihnen posierte. Unterhalb der schillernden Oberfläche gab es jedoch einigen Ärger für die WWF und ihren neuen Champion. Angeblich war Hogan durch sein Ego völlig aus dem Tritt geraten. Es war geplant, dass er beim King of the Ring auf Hart treffen sollte, um den Titel dort wieder an den Hitman abzugeben. Hogan jedoch weigerte sich, sich für den Kanadier hinzulegen. Und das war noch nicht alles. Kurz nachdem er den Titel gewonnen hatte, zog es Hogan erstmal nach Japan, um dort zu kämpfen. Die Rolle des Heavyweight Titles wurde dadurch abgewertet, und im Prinzip stand die Federation fast zwei Monate lang ohne ihren Champion da. Als der Hulkster zurückkehrte, war die WWF nicht mehr der Platz, den er zuvor verlassen hatte. Vince McMahon, der inzwischen aufgrund des Steroid-Skandals unter noch schärferes Feuer geraten war, hatte die Nase voll davon, dass Hogan seine Backstage-Macht missbrauchte. Vince überzeugte den Hulkster davon, ein Programm mit Yokozuna zu bestreiten. Das sah so aus, dass Yokozuna ihn herausforderte, weil es keinen Vertrag zu dem Match zwischen den beiden bei WrestleMania gegeben hatte und er somit der Meinung war, niemals den Gürtel verloren zu haben. Hogan stimmte der Fehde zu. McMahon ging nun einen Schritt weiter. Hogan sollte den Titel an Yokozuna abgeben, damit es dann zu einem weiteren großen Re-Match kommen konnte, bei dem Hogan dann den Polynesier zerstört hätte und eine Menge Geld verdient hätte. Zumindest sagte McMahon dies Hogan so. Hogan erkannte mögliches Potential in einer längeren Fehde mit Yokozuna und stimmte deshalb dem Kampf zu. Kaum war dies geschehen, begann die Federation den Kampf zwischen dem Hulkster und Yokozuna zu hypen.
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